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Nr. 88

ff-knsprechanschlich 9k. 605

Freitag den 16. April

Fernsprechanschlust Nr. 005

1909

Amtliches.

Eandkreis Hanau.

Auszug

aus dem Voranschlag zum Haushaltsplan des Landkreises Hanau für das Rechnungsjahr 1909.

Titel I

ff

ff ff

ff

ii in IV

V VI

Einnahmen:

Aus Vorjahren Vermögensverwaltung

Verivaltungskostenbeiträge .

Unterhaltung der Landwege

Dotationen, Gebühren u. Abgaben

Kreisabgaben:

1. Kreissteuern 25°/o = 166250 M.

30000,- M.

49942,69

4050,-

19510,-

13260,-

//

VII

VIII

Titel I

ff

ff ff ff ff ff

II ITT IV

//

VI

VII vin »IX

2. Hundesteuern

3. Betriebssteuern =

4. Konzessionssteuern

5. Wanderlagersteuer =

12500 4600

3200 50

186600,

Vorschüsse und durchlaufende Posten 14536,

Insgemein . . . . 101,31

ff

ff

ff

Summa

Ausgaben: Aus Vorjahren . . .

Vermögensverwaltung Kreisverwaltungskosten Unterhaltung der Landwege Leistungen an andere Kaffen Für Armen- und wohltätige Zwecke Für gemeinnützige Emrichnmgen re. Vorschüße und durchlaufende Posten ^nsßem^

318000,

35000, 58076,50 32250, 87400, 67800, 19000,

9645, 7900,

928,50

Summa 318000,

ff ff ff ff

ff ff

ff ff

Indem ich auf meine Verfügungen vom 4. Dezember 1895 A 3420 und vom 7. März 1896 A 643 verweise, ersuche ich die Gemeinderechnungsführer anzuhalten, das Beüreibungsverfahren unverzüglich durchzuführen und sie auf die Folgen schuldhafter Nachlässigkeit hinzuweisen.

Am L Mai d I. ist mir die Höhe der am Schluffe des Rechnungs-Jahres 1908 verbliebenen Reste durch Vor­lage eines Rückstandsverzeichnisses anzuzeigen.

Hanau den 14. April 1909.

Der Königliche Landrat.

A1848 I. V.: Nr. v. Waldow, Reg.-Assessor.

Stadt- und Candkreis Ranau.

Nachdem das Vertragsverhältnis mit dem seitherigen Pächter der Sammelwasenmeisterei Bruchköbel, Franz Schmoll, jetzt in Gießen,, aufgelöst worden ist, wird be­absichtigt, dem Genannten die von ihm gestellte Kaution zu­rückzugeben.

An die Viehbefister der Stadt und deS Land­kreises Hanatt ergeht hiermit die Aufforderung, etwaige Aniprüche an Herrn Schmoll aus dem bisherigen Vertrags­verhältnis, insbesondere wegen Zahlung von Entschädigungen für Häute nach dem Tarif vom 28. März 1904, bis znm 20. April d I. bei dem Unterzeichneten anzumelden.

Hanau den 6. April 1909.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

A 1753 ________ v. Be ckerath.____________________

Stadtkreis Hanau.

Auf Grund der §§11 und 18 der RegierungSinstruktion vom 23. Oktober 1817 (Ges.-S. S. 248) verordnen wir, was folgt:

§ 1.

Unentschuldigt« Schulver'äumnisse in den Volksschulen

Oberrealschule zu Hanau.

1. Aufnahmeprüfung: Motttag Den 19» April, vormittags 8 Uhr.

2. Beginn des Unterrichts : Dienstag den 20. Apritr a) für die Oberrealschule: vormittags 71/4 Uhr b) für die Vorschule: vormittags 8 Uhr.

3. Aufnahme der für die 3. Vorschulklasse angemeldeten Schüler: Dienstag den 20. April, vormittags 10 Uhr (in dem Schulhause Gärtnerstraße 67).

Hanau den 15. April 1909.

Der Direktor der Oberrealschule.

9435

Dr. Schmidt.

Die Einnahmen betragen 318000, M.

Die Ausgaben betragen 318000, M.

Vergleicht sich.

Wird gemäß § 84 der Kreis-Ordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 7. 6. 85 veröffentlicht.

der Städte des vormaligen Kurfürstentums Hessen werden mit Geldstrafe von 10 Pfg. bis 1,50 Mk. für den Tag der Versäumnis, im Unvermögensfalle mit entsprechender Haft bestraft.

§ 2.

Hanau

A 1835

den 13. April 1909.

Der Vorsitzende des Kreisansschusses.

I. V.: v. WaIdow, Reg.-Assessor.

An

die Herren Bürgermeister des Landkreises.

Die mir vorgelegten. Berichte über die Gemeinde» Rückstände lasten ersehen, daß in einzelnen Gemeinden noch erhebliche Beträge an Steuern und Abgaben, Pacht- und Holzkaufgeldern aus den laufenden und früheren Rechnungs­jahren rückständig sind.

Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung durch unser Regierungsamisblatt in Kraft. (B I 1174).

Cassel am 20. März 1909.

Königliche Regierung, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen. Graf v. Bernstorff. Fliedner.

Wird hiermit veröffentlicht.

Hanau den 6. April 1909.

Die Stadtschuldeputation.

Hild.

9455

Kunst und Leben

@ine§ Engländers Heim" - das bekannte Stück, das den Einfall der Neulichen in England behandelt und den Patriotismus der Engländer anfacht, ist zu Ostern auch in Berlin, im Reuen Theater gespielt und von den Zu­schauern lärmend abgewiesen worden, nicht etwa aus politischen Gründen, sondern weil es bodenlos langweilig und von ge­radezu kindlicher Einfalt ist. AIs ob es ein Ouartaner ge­schrieben hätte, so naiv und nichtssagend tif das ^tüc?. Der erste Akt soll die überwiegend sportlichen^Neigmigen des Engländers vergegenwärtigen und seine Interesselosigkeit gegen alles militärische Wesen. Deshalb halt es der Ver­fasser für geraten, dem Zuschauer dre,viertel Stunden von einem halben Dutzend Mitglieder der Familie Brown Diabolo vorspielen, Sportberichte vorigen und von eurem naseweisen Jungen Spielregeln vorschreiben zu Iahen.. ^as Berliner Publikum ließ sich diese Entwicklung gutmuug ge­fallen. Als dann aber im zweiten Akt die militanteste Ab­neigung des Engländers und die englische Burg-rwehr ms Triviale gezogen und die bekannten Fliegenden Blatter-Witze über die militärische gute alte Zeit gemacht wu'den, quittierte -in- groSe Zahl von Zuhörern »N «âm s«>°r, b,s M ^«£»7*fi Unsinn-- .Schluß!" und daneben Trampeln, 3*" Ä^ma» wachsender S-slipk-i, kund taten Ost «anb matt sät. Minuten lang kein Kort. Im dr«m Akt, wo ^ lânder ihr Haus verletdipen und 'nb 1 b"â"u, geriet das^^

Stimmung und spielte m.J^ halbes

Seite fiel, - sie gaben sechs Schuff« u , Bravos aus- Dutzend Fehlgänger ab - w»^" man energisch

aeieicbnet. und nach dem letzten ^au>d

Mehr schießen 1* Man sah im Zuschauerraum auch deutsche Marineoffiziere in Zivil, darunter einen aus der nächsten Umq-bung des Kaisers, die sich aber natürlich als stillver­gnügte Beobachter hielten. Man sah aber auch, ebenso glatt rasiert wie diese, eine Zahl Engländer, und von ihnen gingen die. ersten scharfen Mißfallensbezeugungen aus. Daß ein Stück, das Englands schmutzige Wäsche wäscht und über sein Heimatland nicht hinausgetragen werden durfte, nun hier auf einer Berliner Bühne zur Sensation benutzt wurde, das empfanden diese Engländer als unerträglich. Und wohl mit Recht. Heulen, Kreischen, gellendes Lachen, Reifen erfüllte schließlich das Theater. Dabei stürzie auch auf der Bühne, im Sinne des Stückes, alles durcheinander. Granaten platzten, Spiegel wurden eingeschossen, Mauern zerbarsten, und eine Flamme, die mehr als Theaierfeuer war, züngelte an einer Wand aus. Ein Herr Andresen schlug sie mit seinem Flintenkolben aus. Als sich gleich nachher unter einer zer­schellenden Wand der Brown'schen Villa eine dicke Staub­wolke ins Parkett wälzte, war es aus. Das durfte nicht kommen. Lächelnd sah man, daß die Damen der ersten Parkettreihen, um die neue Robe besorgt, voll Entsetzen auf­sprangen und das Haus verließen. Die anderen Zuschauer folgten. Das deutsche Publikum floh vor dem englischen Stück, dieser Invasion war es nicht gewachsen. Und der Kassierer draußen in der Kabine des Vestibüls drehte das Licht aus, als einige Beiucher zornig an das Schiebefenster klopften, weil sie ihr Geld zurück haben wollten. Dann riß auch er aus. Trotz alledem gibt die Sache auch Anlaß zu einer ernsten Betrachtung: Wie überreist muß das englische Volk sein, wenn von ihm selbst ein so schauderhast dummes Stück als Aiifeuerung des Palnotismus dankbar ausgenommen und bejubelt wird.

th Avam Riese. Wie oft hört man den sprichwört­lichen Ausdrucknach Adam Riese," um die Richtigkeit einer Berechnung dadurch zu bekräftigen. Dieser berühmte Mann war der erste deutsche Rechenmethodiker und ein Zeitgenosse

Politische RundTchau.

Zur Reichssinanzreform. Aus Stuttgart, 15. April, wird berichtet: Eine große, den Festsaal der Liederhalle" füllende Versammlung hat heute abend nach Vorträgen von Prof. Dr. Kindermann, der Reichs- und Landtagsabgeordneten Dr. Hieber (natlib.) und Storz (südd. Dpt.) einstimmig folgende Erklärung zur Reichsfinanzreform angenommen:Wir heute in derLiederhalle" zu Stuttgart versammelten Bürger beklagen tief und mit ernster patrio­tischer Sorge den schleppenden Gang der Verhandlungen über die Reichsfinanzreform. Wir stimmen in den Ruf nach schleunigem Abschluß dieses Gesetzgebungswerkes ein. Durch­drungen von der Notwendigkeit der Opfer, die durch die Ehre und die Sicherheit des Reiches gefordert werden, bitten mir den Reichstag und die Bundesregierungen, alle Kräfti zur Ueberwindung der entgegenstehenden Schwierigkeiten an« zustreugen, damit tue Reichsfinanzreform zu Stanve Iommi, noch ehe der Reichstag in diesem Sommer auseinander geht. Wir find überzeugt, daß ohne die Einführung einer Besteue­rung größerer Nachlässe oder Erbanfälle, neben der vorge­sehenen weiteren Besteuerung von Tabak, Bier und Brannt­wein, eine gerechte und nachhaltige Abhilfe der Finanznot des Reiches nicht zu erreichen ist." Zum Schluß der Ver­sammlung beantragte, mit stürmischem Jubel begrüßt, Gras Zeppelin die Neberreichung dieses Beschlusses durch eine be­sondere Abordnung an den Reichskanzler. Der Antrag wurde ein innig angenommen. Der Gesamtvorstand bei Evangelischen Bundes, zu dessen alljährlicher Frühjabrsver- sammlung sich mehr als hundert Vertreter von 38 Haupt- vereinen aus allen Teilen der Deutschen Reiches zusammen­gefunden haben, beschloß am Mittwoch in Halle im Namen seiner 400 000 Mitglieder einstimmig folgende Erklärung: Der Evangelische Bund zur Wahrung der deutsch-prote- stanti sehen Interessen ist sich bewußt, daß die Ausgleichung

Luthers. Er war geboren zu Staffelstein in Obersranken im Jahre 1492 und starb am 30. Mörz 1559 zu Annaberg in Sachsen. Danach ist er vor 350 Jahren im Alter von 67 Jahren aus dem Leben geschieden. AuS dieser Veranlassung haben verschiedene pädagogische Blätter in diesen Tagen deS so viel genannten Rechenmeisters in ehrender Weise gedacht. Die Mitteilungen über seinen Lebensgang sind nur spärlich. Noch bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts stritt man sich darum, ob er in Staffelstein oder in dem sächsischen Bergstädtchen Zwönitz im Erzgebirge geboren sei. Ein um diese Zeit entdecktes Manuskriptseiner Algebra,Coß" machte jedoch allem Zweifel darüber ein Ende und Staffelstein gilt jetzt als die Geburtsstätte von Adam Riese. Im Jahre 1875 ehrte diese Stadt ihren berühmten Sohn durch Er­richtung einer Gedenktafel am Rathaus mit der Inschrift in goldnen Lettern:Im Jahre 1492 wurde in Staffelstein geboren Adam Riese, der berühmte Rechenmeister und Ver­fasser des ersten methodischen Rechenbuchs". Auch die Stadt Annaberg hat ihrem dereinstigen Mitbürger im Jahre 1892 ein Denkmal errichtet. Man glaubt annehmen zu können, daß schon 1515 in Annaberg mit der Abfassung seiner Rechen­bücher beschäftigt war. 1522 treffen wir ihn als Rechenlehrer in Erfurr und 1524 wieder in Annaberg als Rezeßschreiber am Bergamt. Nebenamtlich hatte er eine Privatschule, in welcher er seine Rechenkunst lehrte. Aus der Chronik von Annaberg. erfahren wir, daß feine Schulesehr groß und berufen" gewesen sei. Im Jahre 1539 wurde ihm der Titel eines Hofaritbmetikus verliehen. Um diese Zeit erwarb er sich dort auch einen Grundbesitz, ein sogenanntes Vorwerk, daS jetzt ein Bauerngut bildet und heute noch dieRiesenburg" genannt wird. Der Verfasser des ersten Rechenbuchs wat nicht Riese, sondern Urich Wagner 1482. Dann erschienen 1483 Heinrich PretzensteinersRechnung in mancherley weiS" und 1489 Johannes WidmannsBehende und hübsche Rech­nung aufs allen kauffmannschafft" und danach noch einige andere. Adam Ries» aber gebührt das große Verdienst, der erste deutsche Rechenmerhodiker gewesen zu sein, weil alle biS dahin vorhandenen Rechenbücher mehr für den Privatgebrauch als für den Schulunterricht bestimmt waren. Kein andere? Rechenwerk hat so viel zur Sortierung und methodischen Cnt.