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General-Anzeiger
Amtliches Orga« für Stob und FaaNreis Zausn.
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ct. WmfenhaufeS in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Leraukoorti, Redakteur: G. Schrecker in Hana».
Äk. 80 Fernsprechanschliis! Nr. 605,
Montllg den 5. April F-rusprechanschlutz Nr. 605. 1909
Amtliches.
Üandltreis kjanau.
Nachdem sich nach einer Mitteilung des Königlichen Instituts für Infektionskrankheiten in Berlin vom L d. M. der Tollwutverdacht bei einem Hunde in Bergen nicht bestätigt hat, hebe ich die unter dem 31. Januar d. Js., V 575 (L Nr. 26 des „Hanauer Anzeigers") angeordnete Hundesverre über Bergen-Enkheim hiermit auf.
Hanau den 3. April 1909.
Der Königliche Landrat.
V 1948 v. Beckerath.
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachung.
Wir ersuchen die Rechmmflen für die Forderungen aus Arbeiten und Lieferungen für die Stadt Hanau einschl. derjenigen für die Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke stets innerhalb 14 Tagen nach dem Vierteljahresschluß einzureichen. Die Rechnungen vom 1. Januar bis 31. März 1909 ersuchet: wir bis zum 15» d. Mts. einzureichen.
Hanau den 1. April 1909.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus. 8691
Öberrealschnle zu Hanan.
Die im Laute des Schuljahres 1908/09 von den Schülern oer Oberrealschule angcfertigten Zeichnungen sind im Zeichen- saale der^Llnstalt vormittags 10 bis 1 Uhr und nachmittags 3 bis 5 Uhr vom 4 bis 7. April d. I. zur öffentlichen Besichtigung ausgestellt.
Hanau den 3, April 1909.
Der Direktor der Oberrealschule.
Dr. Schmidt. 8695
Gefundene und ticllorcne Gci;cnstHiide re.
Gesunden: 1 -blauer Kneffer.
Verloren: 1 Zehnmarkstück, 1 kleines goldenes Bröichcken, 1 Saphir in blaugrauem Briefumschlag, 1 Ki'eifer mit Futteral, 1 goldenes Armband, 1 silberne Brojche (Hand mit Blume).
Hanau den 5. April 1909.
Politische Rundschau, Gründung eines preußischen Richtervereins.
Berlin, 4. April. In einem Saale des Abgeordnetenhauses trat heute der erste preußische Ricktertag zusammen.
Feuilleton.
Ein Niiâlilitk uns die Spielzeit 1908/09.
Gestern haben sich die Pforten unseres Theaters wieder für längere Zeit geschlossen. Die Spielzeit hat ihr Ende erreicht und die Künstler, die während des Winters zusammen gewirkt haben,, nehmen Abschied von der Siätie ihres Schaffens. Ein Teil acht, um im Herbste wiederzukehren, ein anderer Teil nimmt vielleicht für immer Abschied, wenn nicht das Geschick sie, wie das schon häufig der Fall war, nach Jahren wiederkehren läßt. Den scheidenden Künstlern sei nun ein herzliches „Lebewohl" zugerufen. Mögen Glück und Ruhm ihre fernere Laufbahn krönen!
Eine für die deutschen Bühnenanaehörigen ereignisreiche Spielzeit liegt hinter uns. Ein wichtiger Schritt in der sozialen Stellung der Bühnenmitglieder hat sich in ihr vollzogen. Der Kampf um das „Recht" ist entbrannt und auch hier sind die Zeichen des Kampfes nicht au^geblieben. Möge der Kampf nur Gutes zeitigen und jede der Parteien ihr „Recht" finden. Bei unserem Rückblick wollen w?r nickt weiter auf dieses Thema entgehen und uns dem knnftlernmen Resultat der vetfloffenen Spielzeit zuwei den.
Wir leben im Zeitalter der Operette. Wie ^fast überall, so herrscht? auch hier bte Incktgefchurze Muse und übte eine große Zugkraft °"s. Der Schlager der 'Spielzeit war die Operette. „ - Dollarprinzessin", welche 23 MW lebte. Die zweitgrößte WiederholnngsM" erzielte „Die lustige W i t we", welche 13 mal «geben wurde, w h- rend „Ein Walzertraum' und „Dre ,.ler.. maus" je 8 mal zur Darstellung kamen. , ,
Dem Geschmacke d-s großen PubttkumS- welches das heitere Genre liebt, wurden. wie wir sehen, auch tn dieser
um einen preußischen Nichterverein zu gründen. Anwesend | waren etwa 250 Richter und Staatsanwälte, unter ihnen eine große Zahl Delegierte von Richtervereinen. Land- gerichtspräsident de Rim (Limburg) wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt. De Nim bemerkte, die Gründung eines preußischen Richierverelus sei umso notwendiger, als wohl kaum ein Stand so viel Angriffen ausgesetzt sei wie der Richterstand. Mit aller Entschiedenheit muffe der Behauptung entgegengetreten werden, daß ein Richterverein gebildet werden soll, lediglich nm eine Gehaltsaufbesserung zu erreichen. Der Redner schloß mit einem Hoch auf den Kaiser. Landgerichtsrat Staats (Düsseldorf) überbrachte Grüße vom rheinischen Richterverein. Alsdann wurde nach längerer Erörterung einstimmig die Bildung eines preußischen Richtervereins beschlossen. § 1 würd« in folgender Fassung angenommen: Der preußische Richterverein bezweckt die Förderung der Rechtspflege und der Standesangelegenheiten der Richter und Staatsanwälte in Preußen und hat seinen Sitz in Berlin- Mitte. Die Worte „soll ins Vereinsregister eingetragen werden" wurden auf Antrag des Landgerichtsrat Kade gestrichen, da, wie der Landgerichtsrat unter großer allgemeiner Heiterkeit bemerkte, man doch nicht gern etwas mit dem Gericht zu tun habe. Zum Vorstand wurden gewählt: Oberlaudesgerichtspräsident a. D. wirklicher Geheimrat Dr. Hamm- Bonn, Landesgerichtsrat Kade - Berlin, Laudesgerichlsrat Staats-Düsseldorf, Landrichter Boy-Danzig, Landgericktsrat Töplitz-Charlottenburg, Landrichter Türk-Dortmund, Amts- gerichlsrat Geheimer Justizrat Kükboff-Koln, Landgerichts- direktor Gramm-Wiesbaden, Landgerichtsrat Lobmann-Verden a. d. Aller, Laudgerichtsdirektor Boisly-Halberstadt, Slaats- anwaltschaftsrat Daniels-Bonn.
Eine böse Osterzensur.
Herlèn, 3. April. Der heutige Wochenrückblick der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" übt an dem kläglichen Ergebnis der Neichßfinamkommission scharfe Kritik. Er bemängelt, daß an 80 bis 90 Arbeitstagen nur 41 Sitzungen abgehalten wurden, verurteilt die alles hintertreibende Wühlarbeit der Interessenten, besonders des Deutschen Tabakvereins und schließt seine Betrachtungen wie folgt: „Die Ergebnisse sind minimal I Das, was bisher geleistet worden ist, ist weniger durch die Kommission geleistet, sondern durch die fortschreitende Erkenntnis in der Oeffentlichkeit, daß aufgebracht werden müssen 375 Millionen indirekte Abgaben, und zwar mindestens je 100 Millionen durch Belastung von Bier und Branntwein und 75 Millionen vom Tabak, ferner 100 Millionen durch direkte Besitzbesteuerung, 25 Millionen durch Erhöhung der Matrikularbeiträge. Damit ist eine überaus schwierige Situation geschaffen. Wenn in der bisherigen Weise weitergearbeitet würde, würde die Kommission nicht nur bis Ende Juli, sondern bis in Winters Anfang zusammen bleiben müssen. Die verbündeten Regierungen werden an dem vom Reichskanzler in seiner Rede vom 31.
Spielzeit die weitgehendsten Znaeständnisse gemacht und mit dieser bedauerlichen Tatsache müssen wir uns wohl oder übel abfinden, denn sie hat ihren Grund in der herrschenden leichtlebigeren Weltanschauung. Sollen wir denen die Freude mißgönnen — die ihre Freude in diesem Genre finden ? — Zur Ehre des Direktor Sieffter muß aber auch gesagt werden, daß die einzelnen Aufführungen mit teilweise prächtiger Ausstattung eine ganz vortreffliche Inszenierung fanden, sodaß der große Erfolg berechtigt war. Aber auch ernstere Werke würben in glänzenden Darstellungen geboten. Das als Eröffnungs - Vorstellung gegebene Trauerspiel Shakespeares: „Iulius Cäsar" war mit größtem Aufwand an Dekorationen und Kostümen derart prächtig aus- gestatlet und vorzüglich bargeftedt, daß ihm eine größere Wiederholungszahl als 4 Aufführungen hätte beschieden sein sollen. Auch Schiller's „Räuber" wurden ganz vorzüglich gegeben, ohne jedoch eine größere Zugkraft auszuüben. Ferner waren uns an Klassikern noch beschert: „Maria Stuart" und Hebbel's Traue, spiel: „Maria Magdalena". An Schauspielen sind zu verzeichnen : Anzengruber's Volksstücke: „D as vierte Gebot" und „Der M e i n e i d b a u e r" , Halbe's Drainen : „S t r o m" und „I u g e n d", Halm's dramatisches Gedicht: „W i i d f e u e r", Otto Erich Hartleben's Osfizierstragödie: „R o s e n m o n t a g", Herzog's Schauspiel: „Dje Condottieri". Engel's Drama: „Ueber den Wassern", Meyer-.Förster's: „Alt-Heidelberg", Ohnet's : „H ü t t e n b e i i tz e r", Schmidt-Häßler's Einakter: „Herbst" und Sudcrmann's Schauspiele: „Heimat", I o h a» u i s f e u c r". Die Jbsen'fchen Dramen: „D i e F r » u v o m Meer" und „Baumeister S o l n e ß" wurden, in mustergültiger Weise von der R hoff' scheit Tournö dargestellr. Auch tie Uraufführung von Heinrich Knöiel's Drama : „D er Ma n u i m Mond e" wäre noch zu nennen.
An Komödien und Lustspielen wurden gegeben • Bern- *
März ausgesprochenen Verlangen, daß der Reichstag noch in dieser Session die Finanzreiorm erledigt, unter allen Umständen festhalten. Hierbei befinden sie sich in voller Uebereinstimmung mit den Wünschen des weitaus größten Teils des deutschen Volks. Dieses besteht nicht, wie man manchmal nach den überlauten Aeußerungen der Fachpresse in den letzten Monaten hätte annehmen können, ausschließlich aus Interessenten. Es leidet auch nicht an einer tiefgründigen Abneigung gegen die Erbschaftsbestenrung. Vielmehr haben die zahlreichen, starken und spondanen Kundgebungen, wie sie überall in konservativen und liberalen Vereinen während der letzten Wochen in immer steigendem Umfange stattgesunden haben, gezeigt, daß das deutsche Volk in seiner ganz überwiegenden Mehrzahl von der Notwendigkeit durchdrungen ist, die Finanzreform noch in diesem Sommer ohne irgendwelche Rücksicht auf Parteigegensätzc zu einem gedeihlichen Abschluß zu führen. Es ist bereit, hierzu große Opfer zu bringen, und verlangt von seinen Abgeordneten ganze und ernste Arbeit. Es ist berechnet worden, daß jeder Tag Verzögerung das Volk IV» Million Mark dauernde Belastung kostet. Das Liegenbleiben der Reform über den Sommer hinaus würde eine Verzögerung mindestens um ein volles Jahr bedeuten, dem deutschen Volke eine weitere Schuldenlast von mindestens 500 Millionen und eine jährliche Zinsausgabe von über 20 Millionen Mk. aufbürden."
Aussperrung.
Paris, 2. April, Aus Meru wird gemeldet, daß zehn Knopsfabrikanten den Beschluß gefaßt haben, ihre Fabriken zu sperren mit der Begründung, daß sie die ihnen auserlegten Bedingungen nur infolge der Drohungen der Ausständigen angenommen hätten. Sie würden erst dann die Fabrikation wieder aufnehmen, wenn die Preise ihnen gestatteten, die verlangten höheren Löhne zu zahlen, oder wenn die Arbeiter sich mit geringeren Löhnen begnügen würden. Durch diesen Beschluß sind 2000 Arbeiter beschäftigungslos geworden.
Zur Oricittkrisis.
Die Beilegung des österreichisch-serbischen Kou« fliktes.
Die offiziöse Wiener Presse hat immer noch mit der Aus- streming böswilliger Gerüchte zu tun. So schreibt das Wiener „Fremdenblatt" :
Ein Londoner Blatt läßt sich auS München melden, daß für den Fall der Verwendung von deutschen Regimentern aus Böhmen, Salzburg und Tirol gegen Serbien oder Rußland der Plan bestanden haben soll, den Dienst in den betreffenden Garnisonen von reichsdeutschen Truppen aus Sachsen und Bayern besorgen zu lassen. Als Grund für eint derartige Maßregel wird angegeben, daß die österreichischungarische Regierung es nicht für sicher gehalten hätte, diese Garnisonen ohne deutsche Besatzung zu lassen. Es ist nicht das erste Mal, daß derlei unsinnige Märchen auf den pub-
flein's: „H e r t h a ' s H o ch z e i t", Blumenthal's: „Wann wir altern" und „M a t h i a s G o l l i n g e r", Frey- lag’8: „Iournaliste n", Gavault und Charvay's: „Fräulein Josette — meine Frau", Kadelburg und Skowronnek's: „H u s a r e n f i e b e r", Schönthan und Kadelbnrg's : „D e r H e r r S e n a t o r", Schönthan und Koppel-EUfeld'S : „G o l d n e E v a", Gustav Wieds Satyr- spiel: „2X2 — 5", Wilde's: „Idealer Gatte". Ferner die Uraufführungen von Kraatz' Lustspiel: „O dies« Leutnants", welches gegenwärtig an citier großen Anzahl deutscher Bühneir mit Erfolg gegeben wird, und Stobitzer's: „Fräulein Mam a". Auch die Uraufführung einer Operette: „D e r betrogene Sultan" von HauSmann und Pick war uns beschert.
An Gastspielen wurden uns geboten das „Tegernseec Bauerntheater", die japanische Schauspielerin Hanako mit Ensemble, die Ibsen - Tourn^' Maria Rehoff, ferner die Damen: Anne Marie von Bernd, Lina Don- ninger, Cleo de Mörode, Rita Sacchetto und Käthe Waldau, sowie die Herren : Carl William Büller, Joh. Burau, Wilh. Cbaiidon. Max Caro, Konrad Dreher, Fritz Horsting, Albert Ihle, Robert Möhring und der Vortragskünstlcr Marcell Salzer.
Es wurden zusammen 172 Vorstellungen gegeben, davon 72 im Abonnement, 67 außer Abonnement und 33 Nachmittags-Vorstellungen. — Um auch den geringer bemittelten Leuten entgegenzukommen, fanden 56 Vorstellungeu bei kleinen Preisen und 21 bei ermäßigten Preisen statt.
Unsere Statistik zeigt also ganz erfreuliche Resultate, wenn auch einige, Bonitäten im modernen Schauspiel zu ver- nnffen sind. Die uns gebotenen Vorstellungen waren durchgängig sehr gut vorbereitet und mancher interessante, genußreiche Abend war zu verzeichnen.
Wie wir bereits mitgeteilt haben, sind von dem dies« jährigen Personal die Damen: Alide Ballin, Linda Groß, L'la Harves unb Josel Voß, sowie die Herren: OSkar