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Erstes Blatt.

BegwgSyteilt

Vi«t«liLhrlich 1,80 Ml., msnatlich 60 Pfg., für au», »ärti-t Abonnent«, mit dem bttrenenden Pojtaujjchla,, Die einzelne Kummer kostet 10 Pfg.

Rotationldrulk und Verlag der Buchdruck«« der verein. «. WalsenhauseS in Hanau.

Genkral-Anzeiger

Amtliches Organ für LtsLt- uni FaMreis Sma.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

EinrLcknngSgetih» t

vsr pupgespaltene Petitzeile oder deren Raum 90 Psg. im ilttklamenteU Uw Zeil« 36 Wg.

verantiosrtl. Redakteur: A. Schrecker» Hanau.

Nr. 79 Fernsprechanschlns; Nr. 605. e -~"iai 1

Sie KM Nimmer utnfflfif «Her KUnktjuItMyihti Seiten.

Amtliches.

Stadtkreis Hanau.

Bekanntmachung.

^irbett nchende in der Zeit vom 27. März bis 2. April 1909:

4 Fahrburschen, 1 Schrei,rer, 2 Schuhmacher, Tagelöhner, 1 Viehsütterer.

Gesucht werden 3 Schneider, 2 Polsterer u. Tapezierer, 1 Aufwartefrau.

Im Monat März erhielten Stellen zugewiesen: 4 Ar­beiter, 1 Bäcker, 3 Fahrburichen; 3 Gartenarbeiter, 3 Haus­burschen, 1 Heizer, 1 Maschinenschlosser, 1 Schlosser, 4 Schneider, 1 Schreiner, 1 Schuhmacher, 3 landwirtschaftl. Tagelöhner, 17 Tagelöhner, 2 Tapezierer, 1 Viehfütlerer. Hanau den 3. Avril 1909. 8575

Städtische Arbeitsvermittelungsftelle.

Die Geschäftsräume der unterzeichneten Behörde befinden sich von heute ab Ecke der Ning- und Birkenhainerstrahe. Hanau den 3. April 1909. 8583

Königliche Spezialkommisston.

GcnniLclu inid vcrlorcnc Gcgciistäiidc rc.

Gefunden int städtischen Brausebad: 1 Taschenuhr mit Kette; Abzuholen bei der Armenverwaltüng.

Hanan den 3. April 1909.

Politische Rundschau.

Regierungseinnahmen der nordamerikanischen Staaten.

Washington, 1. April. Die Regierungseinnahmen im Monat März betrugen 53 377 012 Dollars, die Ausgaben 58 444 534 Dollars. Staatsschuld hat gegen den vorigen Monat um 3 088 574 Dollars angenommen. Der Barbestand des Schatzes beträgt 1 726 508 202 Dollars.

EuftTport

Die Fahrt des ReichsluftschiffsL1 nach München

München, 2. April. Die gestrige Sturmmhrt des21" hat für die Stärke des Luftschiffes einen glänzenden Beweis erbracht. Fünf Stunden lang hat es im Sturm, der bis zu 18 Meter in der Sekunde anwuchs, tapfer Widerstand ge­leistet. Bon der Gewalt . des Windes kann man stch einen Begriff machen aus der Tatsache, daß auf der Straße München-Freistng verschiedene Telegraphenstanaen vom Sturme umgeworfen wurden. Die Führer des Luftschiffes - fanden es mit Recht für unklug, länger aegen den Wind an- zukämpfen, obwohlx die Steuer ausgezeichnet funktionierten, was schon daraus hervorgeht, daß das Luftschiff der Eisen­bahnlinie folgte. AIs die ßanbimg bei Loiching erfolgt war, entwickelte sich ein reges Leben und Treiben. Landleute eilten herbei, um den Lustkreuzer in Augenschein zu nehmen, und auch aus Landshut und anderen Orten kamen die Leute zu Fuß und im Auto, um um das Luftschiff zu bewundern und die Lustschiffer zu begrüßen. Man trug ihnen Speise und Trank zu und jubelnd brachten die Leute auf den Grafen ein begeistertes Hoch aus. Alsba'd kamen Soldaten des 16. Infanterie-Regiments und sperrten den Platz ab, aber so, daß die Schaulustigen das Luftschiff noch bequem be­sichtigen konnten. Das Militär begann sofort mit den Siche- runqsarbeiten. Das Luftschiff wurde mit den am Ort befindlichen Mitteln verankert. Um den Ballon noch mehr zu befestigen, wurde ein Pritschenwagen nach Wegnahme der Räder in die Erde vergraben, ein Mühlstein darauf gelegt und der Ballon daran'befestigt. Der vordere Teil wurde von etwa 30 Soldaten an den Tauen festgehalten, den Hinteren Teil hielten nur einige Mann, um ihm eine freiere Beweglichkeit zu sichern. Der Ballon schwankte inolge des heftigen Windes stark hin und her; er war jedoch einiger­maßen gegen den Wind geschützt, da das Terrain in dem lag, ein von Höhenzügen eingeschlossenes breites Tal dar- fiellt. Um 5*/. Uhr nachmittags war ein Hilfszug der -uf - schifferabteilung mit Wasserstoffgas, Seilen und Requisiten drei Mannschaftswagen abgegangen. Graf Brppej« und,Major Sperling entschlossen sich, an der Landungsstelle 3« übernachten, da nach Mitteilung der meteorologischen Station .für hie Nacht heftiger znkl analer Wind zu erwarten ser. Ueber die Ursachen der Zwischenlandung bei ^ederv.eh- bach aukerte sich Graf Zeppelin einem Mitarbeiter derUL

Samstag den 3. April

N. N." gegenüber wie folgt:In dem Moment, als wir auf Oberwiesenfeld niedergehen wollten, kam eine heftige stürmische, so daß wir nicht mehr auf dem Platze bei­drehen konnten. Hätten wir dies geahnt, so hätten wir schon früher beigedreht und uns dann vom Wind rückwärts herabtreiben lassen. Wie ließen uns nun vom Wind treiben, um bei günstigerem Wind zurückzufahren, da es keinen Sinn hatte, eine Landung bei dem Sturm freiwillig zu unter­nehmen. Wir warteten lange, in der Hoffnung, daß der Wind abflauen werde. Erst als wir sahen, daß darauf nicht mehr zu rechnen sei, haben wir beschlossen, zu. landen. Wir wollten auch die Chancen benützen, da inzwischen die Luft­schifferabteilung mit Sonderzug gefolgt war und da wir uns auch nicht noch weiter in ungünstiges hügeliges Ge­lände treiben lassen wollten. Nach München wollen wir auf alle Fälle; ob heute oder morgen, hängt von der Wind­stärke ab, wenn der Wind abflaut, dann noch heute, eventuell werden wir über Nacht bleiben müssen. Das Luftschiff ist gut verankert und Gefahr kaum zu befürchten, da sehr viel Militär zur Stelle ist. Während der Fahrt hierher fanden wir, daß wir in einer durchschnittlichen Höhe von 750 Metern noch verhältnismäßig am wenigsten vom Wind zu leiden hatten. Bei einigen Versuchen, in niedrigen Luft­schichten zu fahrest, fanden wir eine sehr ungünstige Wind­stärke. Die Windstärke betrug durchschnittlich 18 Meter in der Sekunde."

Dingolfing, 2. April. Das LuftschiffZ i" ist heute vormittag 11'/- Uhr mit neuer Gasfüllung zur Fahrt nach München aufgestiegen. Der Wind hat etwas nachgelassen. Im Laufe des Vormittags ist der Ballon mit neuem Gas gefüllt worden. Bei der Abfahrt spielte die Kapelle des ersten Bataillons des 16. Infanterieregiment. Das Schiff ist um 1 Uhr 45 Minuten auf dem Oberwiesenfelde in München glatt gelandet.

München, 2. April. Das Reichsluftschiff ist heute nach­mittag 3 Uhr Zh Minuten. in südwestlicher Richtung abge­fahren. Bei der Abiahrt spielte die Musik und das zahl­reiche Publikum brachte den Luftschiffern durch Hochrufe unb Tücherschwenken wiederum begeisterte Ovation das. Das Wetter hatte sich aufgeklärt, und es herrschte nur noch ein leitfiter Nordwest.

München, 2. April. Bald nachdem Graf Zeppelin die Gondel verlassen hatte, wurde er vom Prinzregenten und den übrigen Prinzen begrüßt und zu der erfolgreichen Fahrt be­glückwünscht. Das Publikum brach immer von neuem in Hochrufe auf Zeppelm aus. Alsdann begab sich der Prinz­regent mit den Prinzen und, den Insassen des Ballons nach dem Gebäude der Lustschifferabteilung, wo ein Früh­stück stattfand. Bei diesem verlieh der Prinzregent dem Grafen Zeppelin die Prinzregent Luitpold-Medaille in Gold, ferner dem Major Sperling den Militärverdienstorden vierter Klasse mit der Krone, dem Hauptmann George und dem Oberleutnant von Mastus den Militüroerdienstorden vierter Klasse, dem Oberingenieur Dürr, dem Ingenieur Müller und dem Kapitän Hacker die Luitpoldmedaille in Silber. Beim Frühstück brachte der Prinzregent einen Toast auf den Grafen Zeppelin und das weitere Gedeihen der Luftschiffahrt aus.

München, 2. April. Nach der Rückkunft in die Resi­denz vom Landungsplätze des Reichsluftschiffes hat der Prinzregent, an den deutschen Kaiser folgendes Telegramm ge­richtet :

Sr. Majestät dem Deutschen Kaiser Berlin. Soeben ist das Reichslustschiff mit dem Grafen Zeppelin und unter der Führung des Majors Sperling nach glatter Landung und einstündigem Aufenthalt in München unter be­geistertem Jubel der gesamten Bevölkerung zur Heim­fahrt nach dem Bodensee wieder in die Lüfte gestiegen. Die mit zäher Energie getätigte Durchführung der gestern unter so ungünstigen Verhältnissen begonnenen'Fahrt erregte die allgemeine ungeteilte Bewunderung und ist ein glänzendes Zeugnis für die Leistungsfähigkeit dieses neuesten Werkes genialer Schaffenskraft, gez. Luitpold, Prinzregent.

München, 2. April. DieKorrespondent Hoffmann" meldet: Auf das Telegramm des Prinzregenten an den Kaiser anläßlich der Münchener Landung desZ I" ist vom Kaiser nachfolgendes Antwort-Telegramm eingegangen:

Prinzregent Luitpold von Bayern, Königliche Hoheit, München. Herzlichen Dank für Dein Telegramm und Deine warme Anteilnahme an dem neuen Erfolg des Reichsluft- schiffes. Auch ich habe mich aufrichtig gefreut, daßZ I" unter militärischer Führung und mit militärischer Bemannung allen'Schwierigkeiten zum Trotz so Hervorragendes geleistet hat, gez. Wilhelm, Neues Palais, Berlin."

Frievrichshafcn, 2. April. Das ReichslustschiffZ I wurde auf seiner Fahrt nach hier um halb 5 Uhr über Landsberg, kurz vor 6 Uhr über Mindelheim, gegen halb 7 Uhr bei Memmingen und um 7 Uhr 5 Min. bei Wangen gesichtet. 7 Uhr 20 Min. fuhr es über Bodnegg hinweg, 7 Uhr 26 Min. über Tettnang und passierte um 7 Uhr 38 Min. den hiesigen Hasen. Die Landung in Manzell stèht unmittelbar bevor.

Friedrichshafen, 2. April. Das ReichslustschiffZ i" ist nach vierstündiger Fahrt um 7 Uhr 55 Minuten abends in Manzell glücklich gelandet.

Fernsprechanschlus; Nr. 605. 1909

Hus Hanau Stadt und Eand.

Hanau, 3. April.

* Musterung. Montag den 5. April: Musterung der Militärpflichtigen der Gemeinden Langenselbold, Marköbel, Mittelbuchen, Neuwiedermuß und Neuhof.

* Kontrollver anrmlunst. Montag den 5. April, vormittags 9 Uhr in Hanau (Paradeplatz): die gedienten Mannschaften der Jahresklassen 1898 und 1899 von Hanau und Hauau- Kesselstadt; vormittags 11 Uhr: die gedienten Mannschaften der Jahresklaffen 1900 und 1901 von Hanau und Hanau-Keffelstadt.

th. Gehaltsfrageu. Nach einer Mitteilung derFrkf. Zeitung" in Nr. 87 ans Ludwigshafen sind die Gehalts­verhältnisse der dortigen städt. Lehrer und Lehrerinnen an den Volks- und Höheren Mädchenschulen durch einstimmigen Beschluß des Stadtraies in folgender Weise neu geregelt worden: Die Volksschullehrer beziehen ein Anfangsgehalt von 2200 Mk. und ein Höchstgehalt - von 4900 Mk. nach 34 Dienstjabren. Die Lehrerinnen beginnen mit 1800 Mk. und steigen bis zu einem Endgehalt von 3900 Mk. Die akademisch gebildeten Lehrer der Höheren Mädchenschule er­halten ein Einkommen von 3500 Mk. bis 7700 Mk. und die seminarisch gebildeten Lehrer dieser Anstalt 2600 bis 5400 Mk. Das Gehalt der Lehrerinnen bewegt sich zwischen 2000 bis 4100 Mk. Auch die Gehälter der Zeichen-, Turn-, und Hilfslehrer, sowie der Hilfslehrerinnen sind dem ent­sprechend aufgebessert worden. , Infolge dieser Neuregelung zahlt Ludwigshafen mit die höchsten Gehälter von sämtlichen Städten in Bayern und dürfte auch für reckt viele preußische Städte als Vorbild bienen.

* Jubiläum in der höheren Privat-Mädchen- schule. Nach der üblichen Verteilung der Oster-Zensuren fand heute morgen in der Privat-Mädchenschule der Fräul. Kähler eine sinnige kleine Feier statt. EL sind nämlich 25 Jahre her, daß Fräul. Hedwig Wiederhold als Lehrerin in genannte Schule eintrat, der sie heute noch an­gehört. Ihre früheren und jetzigen Schülerinnen, die sie hoch verehren, wie auch die Vorsteherin nebst ihren Kolleginnen und Kollegen wollten es sich nicht nehmen lasten, ihr aus diesem Anlässe herzlichst zu gratulieren. Den Anfang machte Herr Pfarrer N e ß l e r , der in einer Ansprache auf die Bedeu­tung des Tages und darauf hinwies, daß sich Frl. Wieder­hold in diesen 25 Jahren nicht allein durch treue Pflicht­erfüllung ausgezeichnet, sondern sich auch durch ihre Ge­sinnung und ihren Charakter als eine rechte Jugend * Bild­nerin erwiesen habe. Die Anstalt dürfe stolz sein, die solche Lehrkräfte ihr eigen nenne, und die Eltern könnten beruhigt einer solchen Lehrerin und Erzieherin ihre Kinder anver­trauen. Sodann kam ein Brief zur Verlesung, in welchem der Herr Geheime Negierungs- und Schulrat Mühlmann Fräul. Wiederhold die Anerkennung der Königl. Regierung für ihre 25jährige treue Wirksamkeit als Lehrerin aussprach, und mit den herzlichsten Glückwünschen den Wunsch verband, sie möchte mit dem gleichen Pflichtbewußtsein noch lange Jahre an der Anstalt wirken. Hierauf. trat eine kleine Schülerin (A. G.), deren Mutter schon Schülerin der Frl. Wiederhold gewesen war, mit einem Blumensträuße vor und deklamierte ein Gedicht, das eine Schülerin der I. Klaffe (I. S.) zu dieser Gelegenheit verfaßt batte. Auch übergab sie der verehrten Lehrerin ein Geschenk, an welchem sich sämtliche jetzige und frühere Schülerinnen beteiligt hatten. Und wieder kamen zwei kleine Schülerinnen und brachten ein schönes Album, die Photographien aller Klassen der jetzigen Anstalt und des Lehrer - Kollegiums enthaltend. Schließlich überreichte auch die Vorsteherin einen wunderbar schönen Strauß deutscher Rosen und sprach der Frl. Wieder­hold ihre Anerkennung in herzlichen und warmen Worten aus. Auch wir schließen uns diesen Glückwünschen an und hoffen, daß Fräul. Wiederhold noch lange Jahre an der Anstalt in Gesundheit und Besriedigung ihres schönen Amtes walten möge.

* Für Schüler der höheren Schulen hält Herr- Sprachlehrer Chr. Dippel auch in diesen Osterferien wieder Ferienkurse ab, für welche Anmeldungen von morgen Sonntag vormittag ab angenommen werden. Auch in den E i n j ä h r i g e n - K n r s u s für Erwachsene können noch Teilnehmer eintreten. Der Privatunterricht in Sprachen ist durch Hinzirfügung. des Italienische n erweitert worden, in welcher Sprache auch Nebersetzungen angefertigt werben Im übrigen sei auf die an anderer Stelle stehende Anzeig« verwiesen,

Allen -atholischeu Mitbürgern von Hanau sei noch einmal bekanmgcgeben. daß die hl. Mission morgen Sonntag abend, 8 Uhr, mit der Eröffuungspredigt beginnt Die Gatlesdienstordnuna ist jeden! Katholiken ruaestell