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Erstes Blatt.

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Bezugspreise

«Ntchihrlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auk wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag, Li« tuljtine Nummer kostet 10 Pfg.

General-Anzeiger

Kotatlontdruck und Verlag der Buchdruckwik da verein, «v. Warjeuhaujes in Hanau.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kana«.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Sie fünf gespaltene Petitzeil« oder deren Starrn M Pfg, tat «eklamenteil die Zeile » Psg.

Berantivartl. Sirdatt««: U. ®$te4et ta Ha«»

Nr. 77

Fernsprechanschlutz Nr. 605

Doiincrstlig den 1. April

Fernsprechanschlutz Nr. 605

1909

SBS

Die Wit Stan« mW i* d.AteMtmMK

14 Seiten.

Gefundene und verlorene GepenstUnde re.

Gefunden: 1,10 Mk. bar, 1 goldener Trauring (gez. A. B. 8. 11. 03), 1 schwarze Kapuze, 1 langer weißer wollener Handschuh, 1 Nickelkneifer.

Verloren: 1 schwarzer Gürtel mit schwarzer Schnalle,

1 schwarzer Hornkneifer.

Abhandengekommen: 1 Mülleimer.

Hanau den 1. April 1909.

Politische RundTcbatL

, Beterauenbeihilfen. Die Budgetkommission des Reichstags behandelte am Dienstag den aus dem Reichstage heraus vorgelegten Gesetzentwurf und in Verbindung damit eine Resolution, betreffend Einführung obligatorischer Vete- canenbeihilfen für Personen des Unteroffizier- und Mann­schaftsstandes des Heeres, der Marine und der Schutztruppen, welche an dem Feldzuge von 1870/71 oder an den von den deutschen Staaten vor 1870 geführten Kriegen oder an über­seeischen Expeditionen ehrenvollen Anteil genommen haben und sich mehr oder weniger in hilfsbedürftiger Lage befinden. Staatssekretär Sydow weist auf die bedeutenden finanziellen Konsequenzen hin. Werde für die bezugsberechtigten Vete­ranen ein Lebensalter von 60 Jahren und ein Jahrescin- lommen von 900 Mark und weniger zugrunde gelegt, so würde mit einer Jahresausgabe von etwa 30 Millionen Mark zu rechnen sein. Die Debatte zeigte, daß alle Par­teien darin einig sind, das möglichste zu tun. Mit Rück­sicht auf die Kosten- und die Deckungsfrage werden inbezug auf die Frage der Hilfsbedürftigkeit zahlreiche Anregungen gegeben. Der Gesetzentwurf soll einer Redaktionskommission überwiesen werden, jedoch ist vorgesehen, daß es eines Nach­weises der Hilfsbedürftigkeit seitens der Kriegsteilnehmer nicht bedürfen soll, wenn der Veteran das 60. Lebensjahr über­schritten und ein Gesamteinkommen von weniger als 600 Mark hat.

Gedenkstein. In Braunschweig fand gestern nach­mittag 5 Uhr auf dem Exerzierplätze der Kastrue des In­fanterie-Regiments Nr. 92 die feierliche Enthüllung des von den Veteranen von 1870/71 dem Regiment gefluteten Ge­denksteines statt. Die Enthüllung erfolgte in Gegenwart des Herzog-Regenten vor etwa 10 000 versammelten Veteranen und ehemaligen Angehörigen des Regiments.

Feuilleton

Dritte MmmMWkl ite SraforitMtJcretnS.

= Harra«, 31. März.

Dem letzten seiner diesjährigen Abonnementskonzerte gab der Oratorienverein das Gepräge eines Mendelssohn-Abends. Mit Ausnahme von zwei Violiusoli waren die sämtlichen Programmnummern Werke dieses vielgefeierten Komponisten. Fräulein Carola Hoffmann hatte zur Weihe des Tages ein Huldigungsgedicht verfaßt und gesprochen, in welchem die allgemeine, volkstümliche Bedeutung Mendels­sohns vor Augen geführt wurde. Die von sichtlicher Liebe und Hingebung für die eigene Sache getragene Deklamation wurde allenthalben sehr' beifällig ausgenommen und durch einen entsprechenden Applaus reich belohnt. Es folgte dieser Deklamation die Darbietung des vielbeliebteu 42. Psalms. Von Innigkeit durchdrungen, wenn auch etwas zu sehr ge­dehnt im Zeitmaß, gestaltete sich der überaus sangbare erste Chor mit seinem einschmeichelnden Thema:W i e der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so ! ch r e i t m e i n e S e e l e, Gott, z u D i r." Fräulein Amalie Zehner - Hanau sang die Sopransolopartieen des Psalms m't ruhiger Tongebung und verständiger Aus­drucksweise.

Das Quintett:Der Herr hat des Tages ^er heißen", wurde von den Beteiligten mit der nötigen Sicherheit in den bez. Stimmen gesungen, im Z u s a in m e n- flM machte sich allerdings die Verschiedenheit der ein­zelnen Stimmfärbunoen und vor allem die Grundverichieden- heit in der Art und Weise des Singens und bet < onbittmnß btt einzelnen Beteiligten bemerkbar. Der Scklußchor machte einen guten Eindruck. Mit dem Schwünge seiner Dar- bmung brachte er den Psalm zu einem sehr wirkungsvollen

König Eduard traf gestern nachmittag 1 Uhr 30 Min.

in San Sebastian ein und begab sich sogleich nach Schloß Miramar, wo ein Frühstück stattfand. Die Begegnung des Königs mit König Alfons war sehr herzlich. König Älfons und König Eduard unterhielten sich vor und nach dem Früh­stück längere Zeit miteinander und fuhren um 4 Uhr nach­mittags nach Biarritz ab.

In der hessischen Kammer verlas der Abg. Rein­hart folgende Erklärung: Im Auftrage des Senioren­konvents habe ich folgende Erklärung abzugeben: Nachdem das Budget nunmehr seine Erledigung gefunden hat, fühlen wir uns veranlaßt, dem Ministerium für die loyale Ver­tretung der verfassungsmäßigen Rechte der Zweite!: Kammer bei der gestrigen Verhandlung der Ersten Kammer im Namen aller Parteien des Hauses den Dank auszusprechen und die Minister unseres unveränderten Vertrauens zu versichern. Der Präsident stellte darauf diese Erklärung zur Diskussion und konstatierte, da niemand das Wort ergriff, die ein­stimmige Annahme derselben. Nachdem das Haus sodann den Abg. Dr. Gulfleisch-Gießen zum Vorsitzenden des Finanz­ausschusses wiedergewählt hatte, vertagte sich die Zweite Kammer auf unbestimmte Zeit.

Württembergische Zweite Kammer. In der gestrigen Sitzung der Zweiten Kammer machte Minister­präsident Weizsäcker Mitteilungen über die unter Zustimmung aller Ressortminister geplante Vereinfachung der Beamien- organisation. Die Regierung habe bereits eine Kommission aus Vertretern der Ministerien zu diesem Zweck eingesetzt. Württemberg habe einen zu großen Beamtenapparat ; viele bisher von höheren Beam'en versehene Geschäfte könnte man mittleren Beamten übertragen. Das Rechnungswesen, das ViAtations wesen, die Statistik und, die Schriftsätze der Be­hörden konnten vereinfacht werden. Die süddeutschen Staaten sollten sich darüber einigen, welche Kulturaufgacke jn dem einen, welche in dem anderen Land zu erfüllen sei und Ver­bände zur Erfüllung der gemeinsamen Zwecke bilden. Man müffe vorsichtiger, werden in der fortwährenden Ausdehnung der Staatsaufgaben.

Atalienische Kammer. In der gestrigen Sitzung der Kammer führte Cameroni (Kaiholik) aus: Der gemein­same Gesichtspunkt der äußersten Linken bei der gegenwärtigen Beratung, sowie bei dem letzten Wahlkampfe sei der Anti- klerikalismus gewesen. (Lärm auf der äußersten Linken.) Die kaiholischen Deputierten bildeten im Parlament keine konfessionelle Partei, sondern seien einfach italienische Depu­tierte, die den Eid ohne Hinterhalt und ohne Einschränkung leisten. (Beifall im Zentrum und auf der Rechten, Lärm auf der äußersten Linken.) Die katholischen Deputierten wollten Achtung vor der Freiheit des Gewissens, sie wollten ferner Aufbesserung des Loses der arbeitenden Klaffen und

Abschluß. Einen sehr glücklichen Griff hatte die Konzert­leitung mit dem Engagement der Violinvirtuosin Fräulein Carlo 1 ta Stubenrauch (Paris) getan. Die junge Dame entzückte ihre Zuhörer durch ihr glänzendes Spiel, und ein schier endloser Beifall dokumentierte den tiefen und nachhaltigen Eindruck, welchen Frl. Stuben­rauch mit ihrer Kunst auf die gesamte Zuhörerschaft ausgeübt hatte. Diesem allgemeinen, großen Beifall Rechnung tragend, verstand sie sich noch zu einer Zugabe (Caprice" von Paga­nini). Außer den brillanten, schwer zu bewältigenden äußeren Kunstfertigkeiten, welche in jenem Paganinischeu Stück offen zu Tage treten, verfügt aber Frl. Stubenrauch über eine tiefe Empfindung, in welche sie, man möchte sagen, einen jeden einz-luen Ton ihrer Soli einkleidet. Die ganze Skala der Gefühle, von den zartesten Gemütsregungen an bis hinauf zu einer herrischen, selbstbewußten Kraft weiß die Solistin darzustellen, und was dabei ihr Innerstes empfindet, das spiegelt sich wieder in ihrer Handhabung der Violine, ja in ihrer ganzen äußeren Haltung beim Spiel, ungekünstelt, in einer gewissen Art selbstverständlicher, natürlicher, logischer Konsequenz.

Die Tenorarie:D an n werben d i e Gerechten leuchten" sang Herr Heinrich Hormann- Fra n kfurt a. M. Das Organ des vielgesuckten und stark beschäftigten Künstlers, welchen eine erst kürzlich glück­lich überstandene, schwere und langwierige Krankheit lauge Zeit von der Ausübung seines Berufes abgehalten hm, leidet noch etwas unter den Nachwirkungen dieses Geschickes; dessen ungeachtet zeigt eS aber vielfach seinen alten Glanz wieder und wird zweifellos bald wieder auf seiner alten, vollen Höhe stehen. Was aber die musikalische Sicherheit, die Routine" eines erfahrenen Konzertsängers und der große Aus­druck eines tiefen Empfindens anlangt, blieb Herr H o r m a nn seinen vorgestrigen Soli nichts schuldig. Wir glaubten so­gar an einigen Stellen, wenn er z. B. von dem Leuchten der H «i m a e a an a en e n in ihres Vaters Reick

würden eine wahrhaft demokratische und liberale Politik unterstützen. Macaggi (Republikaner) mißbilligte das Zu­sammengehen der Katholiken mit der Regierung, daS nach seiner Meinung der Freiheit gefährlich sei. Die Red« Macaggis rief im Hause so großen Lärm hervor, daß der Präsident die Sitzung für einige Zeit unterbrechen mußte. Nach der Wiederaufnahme der Sitzung erklärte der Minister­präsident, die gegenwärtige Debatte sei nützlich, daS Parla­ment könnte seine Meinung zum Ansdruck bringen und bt< Regierung erkennen, ob sie sich auf die Mehrheit verlassen könm» ober nicht. Ministerpräsident Giolitti wandte fick gegen btt gegen die Regierung vorgebrachten Kritiken und erklärt« u. a.: Bezüglich der staatlichen Maßnahmen bei Gelegenheit des Erdbebens in Süditalien, daß bei diesem Unglück, bai in der Geschichte beispiellos dastehe, das Hilfswerk nickt voll­ständig und lückenlos sein konnte. (Zustimmung.) Nachdem der Minister noch auf Ausstellungen an der Verwaltung der Staatseisenbahnen und der Finanzen beantwortet hatte, luhn« er aus, Italien könne, obwohl es den Frieden wünsche, nicht unterlassen, für die Sicherung seines Gebietes zu sorgen. Er sei für eine Reform der Militärdienstpflicht im Sinne der Einführung der zweijährigen Dienstzeit. Die^e Reform muff» aber mit der notwendigen Vorsicht durchgeführt werden. Be­züglich der sozialen Gesetzgebung erklärte der Ministerpräsident, sie müsse darauf gerichtet sein, die Konflikte zwi'chen Kapital und Arbeit zu beseitigen. Außer den Gesetzen, die dem Parlament bereits unterbreitet worden seien, würden lwvtt« noch eingebracht werden. Was den Staat und die angehe, so bleibe er seinem alten Grundsätze treu: absolut« Souveränität für den Staat und Freiheit für alle religiösen Bekenntnisse. (Lebhafter Beifall.) Bezüglich der Eheschndung erklärte Giolitti, die Kammer habe seinerzeit einen Gesetz­entwurf betreffend die Ehescheidung abgelehnt, was bedeute, daß das Land sie nicht wolle. (Zustimmung.) Er persönlich sei für die Ehescheidung, aber er könne der Kammer nicht erklären, daß manJtalien ohne die Ehescheidung nicht regieren könne. (Sehr lebhafter, andauernder Beifall.) Der Min '.-r- präsident teilte sodann der Kammer mit, daß er dieser Maß­nahmen zur Sicherung der ordnungsmäßigen Abwicklung der Wahlen vorschlagen werde. Er halte eS aber für unzeitgemäß, Analphabeten daS Wahlrecht zu «r- teilen. Zum allgemeinen Stimmrecht werde man gelangen, wenn man jedermann im Lesen und (schreiben unterrichtet. Die Regierung sei in erster Linie für den Fortschritt und die Freiheit. Eine Umkehr sei ausgeschlossen, aber es sei nötig, daß man schrittweise vorgeht. (Sehr lrb- haster, andauernder Beifall, Lärm auf der äußersten Linken.^ Hierauf brachte Marsengo Bastia folgende Tagesordnung ein: Die Kammer nimmt von den Erklärungen der Re­gierung Kenntnis und geht zur Abstimmung über die Ant- stngt, eine Gefühlsinnigkeit leise durchzittern zu hören, wie sie nur mit einem eigenen ernsten, inneren Erlebnis zu-, sammenhängen kann. Die große dramatische Gestaltungs­kraft des Herrn Hormann kam auch in derWal­purgisnacht" zur vollen Geltung. Die Baritonpartie derWalpurgisnacht" sang Herr Adolf Müller- Frankfurt mit sein er bekannten Meisterschaft im Vor­trag und mit dem edlen Glanz seiner herrlichen Stimme. Die abgeklärte, auf einem unbeweglichen musikalischen Sucher- beitsbeivußtsein gegründete Ruhe und Schönheit der Dar­bietung verliehen demD r u i d e n" eine prächtige Gestal­tung, während seine in allen Richtungen fertige Gesangstechnil denWächter" aufs Charakieristischste kennzeichnete. Die Chöre in derWalpurgisnacht" zeigten manche Hervorhebung schöner Einzelheiten. Im Allgemeinen aber zielten sie aufs Ganze, sodaß ihre Gesamtwirkung im Verein mit dem gut durchgearbeiteten und gut und sicher geleiteten Orchester als eine sehr günstige zu bezeichnen ist. WaS bte musikalische Leitung überhaupt bei allen Nummern beS gestrigen Konzerts anbetrifft, so gebührt Herrn Dr. F r a nl L. L i ui b e r t für seine Umsicht in der Direktion und für seine GeschickOchkeit in der raschen und zuverlässigen Ueber- tragung der Partitur auf den Tonkörper ein volles, unein­geschränktes Lob. Auch seine, das Konzert vorbereitend« und ohne Zweifel recht mühevolle Arbeit und freudige Hin­gebung für die Sache verdient hoch bewertet und mit Aner­kennung hervorgehoben zu werden.

Albumblâtter.

Wo ihr Lieb' und Zutraun spendet, Seid auf der Hut! Denn, die ihr macht zu Freunden, Und denen ihr die Herzen schenkt, wenn die An eurem Glück die kleinst« Reibung spüren, So fließt ihr Schwarm wie Wasser ab und kehrt Niemals zurück, als um euch zu verschlingen.

Shakespeare.