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Erstes Blatt.

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Rotation-druck und Verlag der Buchdruckerei dB «rein.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- and Fandkreis Hanan.

Die fünf gespaltene Petttgeü« oder deren St«« M Psg, « SteÜameattil di« A«ik 36 Ps^

«o. Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage»

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Fernsprechanschltttz Nr. 605. 1909

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16 Seiten.

Amtliches.

Landkreis I^anau.

An die Viehzüchter im Landkreise Hanau.

Der Kreisausschuß hat beschlossen, dem Kreistag die Einrichtung einer Jnngviehwelde ih der Gemarkung Langendiebach vorzuichlagen.

Der Vorschlag ist an die Voraussetzung gebunden, baß «ine genügend große Zahl von Landwirten des Landkreises sich zur Beschickung der Weide mit Rindern oder Fohlen während der ersten drei Jahre ihres Bestehens verpflichten. Die Verpflichtungserklärungen sind bei den Herren Bürger­meistern abzugeben, welchen die erforderlichen Formulare zu­gesandt werden. Da das Bedürfnis der Jungviehweide nur auf diese Weise sicher ermittelt werden kann, fordere ich die Viehzüchter des Landkreises in ihrem eigenen Interesse auf, die Erklärungen baldigst, spätestens aber bis zum 1. April abzugeben.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich für möglichste Ver­breitung dieser Aufforderung und für Belehrung der Vieh­züchter zu sorgen und die Entgegennahme der Erklärungen zu übernehmen.

Hanau den 12. März 1909.

Der Vorsitzende des Kreis-AusschusseS.

A 1299 v. Beckerath.

Straßensperre.

Wegen Vornahme von Straßenbauarbeiten bei Um» Pflasterung der Hauptstraße zu Klein-Steinheim bleibt die Ortsdurchfahrt Klein-Steinheim von der Wirtschaft Zur Stadt Offenbach" bis Wirtschaft Stillgebauer für den sämtlichen Fuhrwerksverkehr vom 31. d. Mts. ab bis aus weiteres vollständig gesperrt.

Die Fuhrwerke haben die Karls-, Feld- und Wilhelminen­straße zu benutzen. Die aufgestellten Warnungstafeln sind genau zu beachten.

Offenbach am 29. März 1909.

V 1849 Großherzogliches Kreisamt Offenbach.

Politische Rundschau.

Fürst Bülow bleibt. In der gestrigen Sitzung des Reichstags betonten die Vertreter der Nationalliberalen, der Reichsparlei, sowie der linksliberalen Parteien das unbedingte Festhalten an der Besitzsieuer, besonders an der Nachlaßsteuer und der Ausdehnung der Erbschaftssteuer auf die Deszen­denten. Diesen Forderungen schloß sich Reichskanzler Fürst Bülow namens der verbündeten Regierungen an. Er er­klärte hierbei, daß er ein Wiederaufleben des Blockes sicher erwarte. Sein Scheiden aus dem Amt sei wohl der Wunsch einzelner, denen er erklären könne, daß er bleiben werde.

Briefmarken - Vertrag. DerWürttembergische Staatsanzeiger" bestätigt die Meldung über die Abänderung des Brufmarkenverirages zwischen der Reichspostverwaltung und der württembergischen Postverwaltung. Er betont, daß es sich nur um die Abänderung des Abrechnungsverfahrens handelt und fährt fort:Die Markengemeinschaft als solche wird voll in Kraft bleiben. Wir geben der Hoffnung Aus­druck, daß die Verhandlungen der beiden Verwaltungen zu einem befriedigenden Ergebnis führen werden."

Reichstags-Angelegenheiten. Bei der gestrigen Reichstagsersatzwahl im Wahlkreife Cochem-Adenau-Zell er­hielt von 13 493 abgegebenen Stimmen Pauly (Ztr.) 12 407, David (Soz.) 483 und Mässer (Richtung unbestimmt) 453 Stimmen. Die übrigen Stimmen waren zersplittert.

Der frühere langjährige Zcntrumsabgeordneie Dtajor a. D. Szinula ist gestern früh aus seinem Rittergut Friedewalde bei Grottkau gestorben.

Eine nette dentsch-fchweizerische Mehlkonfl kt- Konserenz wird, wie aus Zürich telegraphiert wird, im= . mittelbar nach Ostern in Berlin statlfinden. Man hofft, dann endlich zu einer Verständigung zu kommen.

Der Landtag des H-rzogttrms Gotha nahm gegen die Sozialdemokraten das Gesetz gegen -Lenin] m g des Landschaftsbildes an. Die Etatsberatung wurde dann ge­schlossen. _ , , Arbeitslosensürsorge. Der Rat zu Dresden hat dreißigtausend Mark zur Unterstützung der Arbettslolen li» willigt

In der hessischen Ersten Kammer kam es gestern zu einem scharfen Zusammenstoß zwischen dem Frhrn. von Heyl und dem Finanzminister Guauth. Ersterer fühlte sich verletzt durch die Kritik, die der Minister an der Reichstags­rede des Herrn v. Heyl bezüglich einer Revision des preußisch­hessischen Eisenbahnvertrages in der Zweiten Kammer geübt hat, worauf der Minister seinen Ansichten darüber erneut Ausdruck verlieh. Die hierauf erfolgende Antwort des Herrn v. Heyl gipfelte in der Aeußerung, Minister Gnauth habe durch seine Stellungnahme die weitere Entwicklung des nationalen Verkehrswesens aufs empfindlichste geschädigt.

Erzbischof von Abert hob die suspensio a divinis gegen Pfarrer Tremel auf und rief den Stellvertreter zurück.

Pretzstimmen zur Bülowrebe.

Wien, 30. März. DieZeit" führt aus: Deutschland hat in der Tat nicht gezaudert, den falschen Darstellungen gegenüber, die das auf den ritterlichen Freundeseifer Kaiser Wilhelms zurückführen wollten, während der Kanzler angeb­lich mehr zur Zurückhaltung geneigt hatte, wird in Bülows Rede ein aktenmäßiger Gegenbeweis geführt und diese uner­schütterliche Prinzipienerklärung der deutschen Politik ist, während die Gefahren der internationalen Krisis wuchsen, mit Nachdruck erneuert worden. Wir konnten es uns kaum vorstellen, daß die Stunde kommen würde, die unsere Gegen­seitigkeit der Bundespflichten in ihrem vollen Werte zu vollem Bewußtsein brächte; aber nach dreißig stillen Jahren kam diese ernste Stunde doch und nun wissen wir: Wir stützen uns auf Deutschland und Deutschland auf uns. Die Armee Deutschlands und die Armee Oesterreichs-Ungarns, jede für sich eine gewichtige Ziffer, bilden zusammen eine so im­posante Machtsumme, daß jeder Anschlag auf den Frieden dadurch zurückgescheucht wird. Wer kann da von einem Vasallenverhältnis sprechen, wo die stärkste, erprobteste Gegen­seitigkeit und Interessengemeinschaft besteht?

Die Krisis im Orient.

Budapest, 30. März. Abgeordnetenhaus. In Beant­wortung der Interpellation bezüglich der auswärtigen Lage skizzierte der Ministerpräsident Dr. Wekerle im Laufe der Verhandlungen die Punkte, welche die Erklärung Serbiens enthalten soll. Die Punkte sind folgende: Serbien erkennt an, daß die Annexion seine Rechte nicht berührt, eS wird seinen Widerstand gegen dieselbe aufgeben und wird seine Politik in der Richtung abändern, daß ein freundliches, nach­barliches Verhältnis ermöglicht wird. Wir können, sagte der Redner, das um so mehr erwarten, als unsere Politik nicht gegen die Unabhängigkeit oder Integrität, oder die friedliche Entwicklung Serbiens gerichtet war. Entsprechend diesen Erklärungen wird Serbien abrüsten und seine Armee auf den Stand des Frühjahrs 1908 bringen. Serbien hat sich zu verpflichten, seine Freiwilligen zu entwaffnen und die Bildung irregulärer Korps zu verhindern. Was die wirt­schaftlichen Verhältnisse anbetrifft, so ist das eine Angelegen­heit, die ausschließlich zwischen uns und Serbien erledigt werden wird. Es werden jetzt Verhandlungen geführt, um die Handelsbeziehungen auf einer Grundlage der Reziprozität provisorisch ^zu regeln. Sodann dürfte der Vertrag auf Grund der Meistbegünstigung geschlossen werden können. Das Ententeprotokoll mit der Türkei, erklärte der Redner weiter, wird demnächst dem Abgeordnetenhause vorgelegt werden. Bezüglich Montenegros stimmen wir zu, daß wir diejenigen Punkte des Artikels 29 des Berliner Vertrages mildern werden, welche seine Souveränität einschränken, seine Souveränität wird vollständig sein. Die übrigen Punkte des Artikels 29 werden wir unverändert aufrecht erhalten. Zum Schluffe gedachte der Ministerpräsident unter lebhaftem Beifall des Hauses des innigen Bündnisses Oesterreichs mit Deutschland.

Belgrad, 30. März. (Wiener K.-B.) Der Minister­rat beschloß nachmittags, den Forderungen der Großmächte vollinhaltlich zu entsprechen. Von diesem Beschlusse wurde der serbische Gesandte in Wien in Kenntws gesetzt. Die Regierung wird morgen der Skupschtina über die Vorstellung der Großmächte Bericht erstatten. Sodann wird der ser­bische Gesandte in Wien beauftragt, die von den Groß­mächten empfohlene serbische Erklärung an die österreichisch- ungarische Regierung zu übergeben.

Belgrad, 30. März. Ein offiziöses Kommunique be­sagt : Der Gesandte Graf Forgach beantragte gestern im Namen Oesterreichs einen handelspolitischen Modus vivendi auf Grund der Meistbegünstigung, die jedoch Serbien gar keine Vorteile bietet. Infolge der Kürze der Zeit zur Auf­nahme neuer Verhandlungen auf gänzlich neuer Grundlage werde am 1. April zwischen Oesterreich und Serbien ein vertragsloser Zustand eintreten.

Konstantinopel, 30. März. In der Kammersttzung teilte der Präsident mit, daß die Besprechung des öfter- reichisch-ungarisch-türkischen Ententeprotokolls um drei Tage verschoben worden sei, da der heute eingetroffene Minister des Aeußern Risaat Pascha der Debatte beiwohnen wolle.

Reichsduma.

Petersburg, 30. März. Heut« begann die Duma mit der Prüfung des MarineetatS. Referent Zweginzew (Oktobristi wies darauf hin, daß das vorige Jahr die Resultate einer teuer erkauften Erfahrung, die von Rußlands Nachbarn auS- genutzt worden sei, gezeitigt habe. Zuerst falle bei allen See­mächten das Bestreben auf, große Geschwader zu bilden, nicht aber die Schiffe zu zerstreuen. Diesen Weg, so sagt« der Redner, hat zuerst Deutschland und darauf England und Frankreich betreten. Nehmen wir alle großen Kriegsschiff« der ganzen Welt, so erweist sich, daß neun Zehntel in bei Nordsee konzentriert sind. Wichtige Daten haben die See­manöver des letzten JahreS ausgewiesen. Allerdings werden diese Manöver von den Staaten geheimgehalten, doch läßt sich feststellen, daß alle Manöver die Prüfung der strategischen Bedeutung der verschiedenen Typen, besonders aber des Ver­hältnisses großer Kriegsschiff« zu den Minen und Torpedo­booten bezweckten. Das Ergebnis war, daß die übertrieben« Anschauung von der Bedeutung der Minen und der Torpedo­boote zurückging. Wenn wir die Schiffsbauprogramme aller Staaten betrachten, so fällt ein Zunehmen des Baues von Schiffen mit großer Wasserverdrängung und starker Artillerie auf. Zur Heimatsflotte übergehend, wies der Referent darauf hin, daß Rußlands Flottenpersonal immer noch unter bei schweren Beschuldigung der Kampsunfähigkeit arbeiten müsse, obgleich vor kurzem in Messina «S der russischen Marine ge­lungen ist, ihren Heldenmut zu beweisen. (Allgemeiner Bei« saß") Die Regierung habe ein Schiffsbauprogramm einge- fchlagen, das die Bestätigung deS Kaisers erhalten habe. ES sei Hoffnung vorhanden, daß ein solches Programm ausge­arbeitet wird, das Rußlands äußerer Politik, seiner Landes­verteidigung und seiner Finanzlage entspricht. Um aber einen tatsächlichen Erfolg in der Wiederherstellung der Landesver­teidigung zu erzielen, müssen alle alten Rechnungen gestrichen und neue müssen eingesührt werden. Der Referent schloß sich dem Anträge der Kommission an, 3 400 000 Rubel im Budget des Marmeministeriums zu streichen. Nach ihm sprach der Marineminister Wojewodski, der sich im allge­meinen der Rede des Referenten anschloß. Zu her Reorgani» fation des Marineministeriums bemerkte der Minister, dies« Frage sei prinzipiell größtenteils erledigt; sie befinde sich im Stadium der Ausarbeitung der Einzelheiten. Da neue Kin* berufungen nicht erwünscht seien, so beabsichtige haß'2Rint. sterium, sich mit der Anzahl von Einzuberufenden zu be­gnügen, die augenblicklich festgesetzt sei. Um dem Wunsch« zu entsprechen, daß die Frachten des MarineministeriumS im fernen Osten von den russischen Gesellschaften gehörenden Dampfern zu befördern seiLN, werde das Ministerium ent* sprechende Maßregeln ergreifen. Die Verlängerung der See* fahrtzett ist nach Ansicht des Ministers eine notwendige Se* dingung zur Vorbereitung des Flottenpersonals. Das neu* organisierte Schiffbaukonseil gestatte dem Marineminister, auf positive Resultate zu hoffen. Zur Herstellung des Einklangs zwischen dem neuen Schiffbauprogramm und dem übrigen Plane der Landesverteidigung habe der Kaiser befohlen, einen besonderen Konseil unter dem Vorsitz des Premier­ministers zu bilden. Die Verweigerung beS verhältnismäßig kleinen Kredits seitens der Volksvertretung könne einen un­erwünschten Eindruck auf das Flottenpersonal ausüben. Eine Prüfung des Prisengerichtsreglements sei bereits in Aussicht genommen. Zum Schluß sagte der Minister, daS Ministerium habe alle Wünsche der Budgetkommission be­rücksichtigt und hoffe, daß es den vereinten Anstrengungen gelingen werde, die Flotte auf eine gebührende Höhe zu bringen in Erfüllung des kaiserlichen Willens und zum Heils des Vaterlandes. (Beifall im Zentrum und rechts.) Die Redner aller Parteien mit Ausnahme der extremen Rechten pflichteten dem Beschlusse der Budgetkommission bei. Di« Duma nahm den Etat des Ministeriums unter Streichung von 3 400 000 Rubel für Schiffbaubedürfnisse an.

Kanadas Verteidigung zur Gee.

Ottawa, 30. März. Das Unterhaus verhandelte in feiner gestrigen Sitzung über den Antrag der Opposition, unverzügliche Schritte zur Verteidigung des Landes zur Se« zu ergreifen. Der Führer der Opposition Forster führte aus: In diesen Tagen, wo die Gefahr vor der Türe stehe, sei es wichtig, die Lehre des- südafrikanischen Krieges von der Reichseinheit zu erneuern. Premierminister Laurier betonte, daß die Regierung entschlossen sei, ihre Pflicht als britischer Untertan zu erfüllen, daß sie sich aber weigere, durch Er­regung und Treiben sich davon abbringen zu lassen, die fest­gesetzte Bahn inne zu halten. Er sähe in den neuesten Er­eignissen keinen Grund, von der Politik der Fürsorge für eine örtliche Verteidigung zugunsten einer Beisteuer für das Reich abzuweichen; er erkenne aber an, daß die Zeit ge­nommen sei, zu handeln und den Grund zu einer Flotte zu legen. Deutschland bereite sich vor, durch den Bau einer großen Flotte vielleicht Großbritannien zur See das zu tun, was es Frankreich zu Lande tat. Kein britischer Untertan