Erstes Blatt.
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Lü euijtlne Nummer k»st« 10 Ps§,
D»tati»ntdruck und Verlag der Buchdruck««! des verein, e». Warjttchauje» in Hanau.
General-Anzeiger
@rgin für Ä= nun Fan-Kreis Haim.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Vie jüuigespâu« Petitzeil« oder deren Reu* 80 Pj§, im Nellameateil di« Atü« M #8»
verantmarü. Nedak»««: e. Gch,«ck«, in Ham».
Nr. 75 F-rnspr-chanschlich Nr. 605.
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14 Seiten.
Amtliches.
Landkreis F)anau,
Unter den Schweinen zu Bruchköbel ist die Schweine- seuche festgestellt.
Hanau den 30. März 1909.
Der Königliche Landrat.
V 1836 I. A.: Hartmann, Kreissekretär.
Handelsregister.
Firma Conrad Ostheimer.
Der Gesellschafter Lohnkutscher Karl Ostheimer zu Hanau ist aus der Gesellschaft ausgeschieden; die offene Handelsgesellschaft ist aufgelöst.
Das Handelsgeschäft wird unter unveränderter Firma von dem seitherigen weiteren Gesellschafter Lohnkutscher Heinrich Ostheimer zu Hanau als Eintelkaufmann fortgeführt.
Dem Kaufmann K a r I L a n g in Hanau ist von dem Heinrich Ostheimer wieder Prokura erteilt.
Hanau den 18. März 1909.
__Königliches Amtsgericht 5. 7189
Gcsiuidcnc und verlorene Gegenstände rr.
Gefunden: 1 Portemonnaie mit 15 Pfg., 1 Peitsche, 2 Schlüssel an einer Schnur.
Verloren: 1 schwarzseidener Damengürtel mit oxidierter runder Schnalle, 1 Krawattennadel mit einigen Brillanten und 2 Zähnchen, 1 goldener Damen-Gummigürtel, 1 großes dunkelgrünes Zigarrenetuis mit 4 Zigarren.
Hanau den 30. März 1909.
Politische Rundschau.
• Preußische Kriegerstiftung Wilhelm II. Zur Zweihundertjahrfeier des Königreichs Preußen am 18. Januar 1901 hatte der Preußische Landesverband aus kleinen Beiträgen seiner Kameraden ein Kapital von 120 000 Mk. gesammelt, das am Jubiläumstage dem Kaiser und Könige als dem Allerhöchsten Protektor überreicht wurde. Der Kaiser nahm die Stiftung an und bestimmte, daß aus den Zinsen des Kapitals und weiteren etwaigen Beiträgen bedürftigen preußischen Kriegsteilnehmern, die dem Landesverbände angehören, und Hinterbliebenen von solchen jährlich am 18. Januar von ihm Unterstützungen bewilligt werden sollen. Dieser Allerhöchsten Willensmeinung entsprechend ist daS gesammelte Kapital zum Grundstock einer Stiftung unter dem Namen „Preußische Kriegerstifiung Wilhelm II." gemacht worden. Am 18. Januar 1909 bewilligte der Kaiser 140 Kriegsteilnehmern von 1848/49 eine dauernde und 384 Kriegsteilnehmern der späteren Feldzüge oder deren Hinterbliebenen eine einmalige Unterstützng von zusammen 12 500 Mark. Die mit einer dauernden Unterstützung erfreuten 140 Veteranen aus den Jahren 1848/49 erhielten je40Mk., die übiigen Personen j? 10—30 Mk. Das Stiftungsvermögen betrug nach Abzug der in demselben Jahre gezahlten Unterstützungen am 1. Januar 1901 : 120 000 Mk., am 1. Januar 1902: 131 865 Mk., am 1. Januar 1903: 139 838 Mk., am 1. Januar 1904: 144 285 Mk., am 1. Januar 1905: 150 529 Mk., am 1. Januar 1906: 160 445 Mk., am 1. Januar 1907 : 185 295 Mk., am 1. Januar 1908: 204 228 Mk., am 1. Januar 1909: 228 282 Mk. An Unterstützungen wurden dagegen aus der Stisiung bisher folgende Beträge gezahlt, und zwar: am 18. Januar 1902 in 304 Fällen 4912 Mk., am 18. Januar 1903 in 387 Fällen 6088 Mk., am 18. Januar 1904 in 290 Fällen 6800 Mk., am 18. Januar 1905 in 410 Fällen 10 080 Mk., am 18. Januar 1906 in 438 Fällen 10 785 Mk., am 18. Januar 1907 in 491 Fällen 11 275 Mk., am 18. Janriar 1908 in 492 Fälleir 11 840 Mk., am 18. Januar "1909 in 524 Fällen 12 500 Mk.
Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat entsprechend der im Landtage gegebenen Anregung für einen Zweig seines Geschäftsbereiches, der Staatseijenbahnvcr- waltung, bereits vor längerer Zeit Ermittelungen darüber angeordnet, ob und inwieweit höhere technische Beamte^ durch erprobte mittlere Beamte von weniger bedeutenden L.icnst- geschâslen entlastet und in minder wichliaen Dienststellungen
Dienstag den 30. März
ersetzt werden können. Neuerdings hat der Minister die Ermittelungen auch auf die Hochbau- und Wasserbau- verwaltung ausgedehnt. Der Zweck des Vorgehens ist, die höheren Baubeamten von weniger wichtigen Aufgaben zu entlasten, sowie die Anstellungs- und BeforderungSverhältmsse dieser Beamten günstiger zu gestalten, und besonders tüchtigen mittleren technischen Beamten daâ Eindrücken in gehobene Stellen zu ermöglichen.
Herrenhaus. Wie verlautet, wird die nächste Plenarsitzung des Herrenhauses zur Beschlußfassung über die gesamten Besoldungsvorlagen auf Grund der Kommissionsbeschlüsse erst gegen Ende April zu erwarten sein. Ueber das Mantelgesetz, die Lehrerbesoldungsvorlage und die Besoldungsordnung werden schriftliche Berichte erstattet.
Die Militärmusik Bei der Beratung des Militäretats im Reichstage ist auch über di« Militärmusik eingehend gesprochen worden. Man hatte das Bestreben, die Militär- musikkapellen zu verkleinern, also Abstriche vorzunehmen. Mit großer Wärme und tiefem Empfinden ist der Abgeordnete von Byern, Major a. D., der Vorsitzende des Kr«iS- Kriegerverbandes Jerichow II, gegen diese Bestrebungen ausgetreten, indem er folgendes auslührte: Ich möchte Sie alle dringend bitten, von einem Abstrich Abstand zu nehmen. Der Herr Kriegsminister hat ja versprochen, eS sich reiflich zu überlegen, ob Abstriche geschehen können oder nicht. Ich möchte den Herrn Kriegsminister bitten, steif zu bleiben und nicht nachzugeben, also die Musikkorps in der Stärke zu belassen, wie sie augenblicklich sind. Ich bin ja auch für Ersparnisse, wo solche gemacht werden können, aber gestatten Sir mir doch, hier näher darauf einzugehen. Es ist zwar hier nicht der Ort, um patriotische Reden zu halten, aber ich muß doch einige Tatsachen aus der Kriegsgeschichte anführen, welche gerade beweisen, daß es richtig ist, ein starkes Musik- korps zu haben, welches schöne, wohltönende Musik machen kann. Ich will absehen davon, daß es angenehm ist, wenn eine Truppe mit schöner Musik durch rin Dorf oder durch eine Stadt marschiert; aber wie steht es im Kriege? Es wurde ja sogar der Vorschlag gemacht, die Trommler Wegfällen zu lassen. Nun, alle diejenigen von ihnen, welche das Glück gehabt haben, einen Feldzug mitzumachen, werden sich der Stunde entsinnen, wo der Tambour zum Sturme schlug. Ich erinnere Sie an den Augenblick aus dem Kriege 1866, wo die Höhen von Lipa und Chlum gestürmt wurden, wo die preußische Armee nur schwache Truppenmassen gegen die Höhen vorschickte, wo die Preußen große Verluste hatten, wie ein Tambour anschlug, wie dann alle folgten und mit einem Hurra die Höhen gestürmt wurden. Der Trommler macht eben auch seine Musik, und zwar im richtigen Augenblick. Und, meine Herren, denken Sie — darauf lege ich den höchsten Wert — an den Augenblick, wenn man nach der Schlacht mitten auf dem Schlachtfelde zwischen den Toten steht, wenn dann nach getaner Arbeit die Truppe antritt, den Helm zum Gebet abnimmt und die Musik volltönend einsetzt mit dem Choral: Nun danket alle Gott! Wer in seinem Leben noch nie gebetet hat, selbst der betet in dem Augenblick, wenn die Musik diesen schönen Choral anstimmt.
Die hessische Erste Kammer genehmigte gestern das Staatsbudget gemäß den Beschlüssen der Zweiten Kammer mit den von letzterer beschlossenen Abstrichen an dem staatlichen Bauwesen. Gegenüber den Zweifeln, die in der Zweiten Kammer und der Presse bezüglich der Preise der Arbeilerhäuler des Ernst-Ludwig-Vereins erhoben wurden, erf arte Frhr. v. Heyl, daß die Preise nachgeprüft und von Sachverständigen richtig befunden worden seien. Minister Braun verlas eine Erklärung des Abgeordneten Noack, wonach die Ausführung der Musterhäuser auf der hessischen Landesausstellung wohl mehr Kosten aus besonderen Ver- hälrnissen heraus erfordert hätten, daß aber in ländlichen Verhältnissen und in Fabriken sich solche Häuser in größerer Zahl tatsächlich zu den veröffentlichten niedern Preisen erbauen ließen.
Verbot politischer Agitation in Diensträumen. Der bayerische Verkehrsminister hat unter Hinweis auf die jede politische Agitation in den Diensträumen streng verbietenden allgemeinen Dienstvorschriften zwei Beamten der Zeiitralpostauwcisungskontrolle in Bamberg, die unter ihren Bureaukollegen Unterschriften zu einer Adresse für Pfarrer Tremmel sammelten, die Fortsetzung dieser Agitation untersagt. Ein Dienstvcrrveis ist nicht erteilt worben. Dahin berichtigt sich die durch die Presse gehende Nachricht von einer Disziplinaruntersuchung wegen dieser Sache.
Aus Peking wird telegraphiert, der Verkehrsminister, der Kriegsminister, der Fittanzminister und der Koloirial- j minister hätten die Notwendigkeit des unverzüglichen Baues einer trausmongolischen Bahn von Kalgan nach Urga auf Kosten der mongolischen Fürsten anerfaiuit. Zwei von ihnen
Ferusprechanschlutz Nr. 605. 1909
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seien mit der Bauleitung betraut. Dieser Ministerbeschlus bildet die Antwort auf ein dringende? Kollektivgesuch der mongolischen Fürsten und chinesischen AmbarS.
Italienische Kammer.
Rom, 29. März. In Beantwortung einer Interpellation des Abgeordneten Drunialti bestätigte der Minister des Aeußern in der Deputiertenkammer seine früher bezüglich der italienischen Universität in Triest in der Kammer abgegeben« Erklärung und fügte noch hinzu: Wenn die Hoffnung» du man gehegt, sich nicht verwirklicht habe, so bedauere er eS, weil man eine Gelegenheit versäumt habe, di« di« Seelen der beiden Völker mehr genähert hätte, als di« Politik bei Regierung eS tuu konnte. Der Minister erklärt« weiter, er werde heute nicht wieder über die Balkanfrage sprechen, wert die durch die letzten Ereignisse geschaffene Lage noch schwierig und delikat sei. WaS die Frage der nationalen Verteidigung anbetreffe, so sei jede Erörterung überflüssig, denn keine Regierung könne eine gute auswärtig« Politik ohne eine stark« Armee und Marin« treiben. Er habe daS mehrere Mal« gesagt und wiederhole es auch jetzt, wo die Regierung die Absicht habe, der Kammer die nötigen Maßregeln, über die bet Kriegs- und der Marineminister sich auSlassen würden, vorzuschlagen. (Beifall.) Der Kriegsminister erklärte hieraus, die italienische Armee sei in einer solchen Verfassung, daß st« . die Ehre und die Fahne deS Landes hochhalten könne. Daß die Verleidigungsmittel deS Landes vermehrt und der militärischen Organisation di« nötige Entwickelung gegeben werden müsse, könne von niemand bezweifelt werden. Wenu die Regierung neue Kredite benötigen werde, werde sie sie schleunigst beantragen und daS Parlament in seinem großen Patriotismus werde nicht verfehlen, sie zu genehmigen. (Beifall.) Der Marineminister erklärte, im neuen Budget würden neue Kredite gefordert, um die Schiffsbauten und den Bau von Trockendocks zu beschleunigen und allen Bedürfnissen der Kriegsmarine in befriedigender Weise genügen zu können.
Die Rote an Serbien.
Berlin, 29. März. Nachdem über den Wortlaut der von den Mächten in Belgrad vorzulegenden Note Uebereinstimmung erzielt worden ist, dürfte, wie man hier sagt, das weitere politische Vorgehen folgenden Verlauf nehmen: Die Mächte überreichen ihre Note, di« Serbien ohne febe Einschränkung annehmen soll. Serbien soll sodann sämtlichen Mächten einschließlich Oesterreichs mitteilen, daß eS sich der Note bedingungslos fügt. Damit dürft« die Ueberi reichung einer besonderen österreichischen Note unnötig werden. Sollte Serbien wider Erwarten sich nicht fügen, so würden die Mächte auf eine weiter» Vermittlung veri zichten und Serbien seinem Schicksal überlassen. Nach allem, was aus Belgrad verlautet, gjgubt man hier nicht, daß Serbien noch weiter auf seiner bisherigen Politik bestehen, sondern daß es vielmehr die Bedingungen der Mächte tq vollem Inhalt annehmen und ausführen wird. Es ist bei zeichnend, daß alle Berichte aus Belgrad darin übereinq stimmen, daß der Verzicht deS Kronprinzen von der Bevölkerung mit vollständiger Ruhe ausgenommen worden ist. Man darf daraus schließen, daß die Serben daS Spiel verlöre^ geben und unter Verzicht auf ihre politischen Forderungen nur noch versuchen werden, solch« wirtschaftlichen Vorteile zu erlangen, die Oesterreich ihnen zugestehen will. Da di^ Mächte durch die Ueberreichung der Not« an Serbien bist Einverleibung Bosniens und der Herzegowina regelrecht anerkennen, bleibt einer europäischen Konferenz ziemlich wenig zu tun. Der feierliche Apparat einer solchen europäischen Versammlung würde nur in einem Schlußprotokoll daS Siegel unter eine tatsächlich bereits getroffene Vereinbarung drücken. Wie die Frage der Einverleibung Bosniens, so nähert sich auch die Verständigung Bulgariens mit der Pforte und seine Anerkennung dem Abschluß und ebenso bestehen in Bezug auf die montenegrinischen Wünsche keinerlei Meinungsverschiedenheiten mehr, da Oesterreich-Ungarn sich bereit erklärt hat, in die Aenderung deS § 29 des Berliner Vertrages in einer für Montenegro günstigen Weise einzuwilligen. Der ganze Boden ist also durchaus geebnet, so daß die Legalisierung deS neuen Zustandes durch einen Notenaustausch in einfachster Weise erfolgen kann.
Parlamentarisches.
mb Die Stecchstagskommisston für das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb beendete gestern die zweite Lesung des Gesetzes, wird aber nach Ostern noch einmal zusammentretcn zu einer juristischen Redaktion des Ge- setzes ; inzwischen sollen nämlich die Juristen der Kommission über den Begriff des Schadenersatzes in Gemäßheit der Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches versuchen, nähere Bestimmungen zu treffen. Bei dem für den Detailhandel wichtigen § 10 wurden die Beschlüsse erster Lesung bestätigt, anach kann durch Beschluß des Bundesrats festgesetzt werden, daß bestimmte Waren im Einzelverkehr nur in vorge- ItWbenen Einheiten der Zahl, des Maßes oder des Gewichtes. oder mit einer auf der Ware oder ihrer Ausmachung anzubnngenden Angabe über Zahl, Maß, Gewicht oder Ort der Erzeugung oder der Herkunft der Ware aewerbSmäßia