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Genkral-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.
Die fünfgespäre Petitzeile oder deren vmtH 28 Pfg, im Netliunruteil bk Zeil« SS Pfg
»v. Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
verantmortl. Nedakteur: «.Schrecker in Hat an.
Nr. 72 F-rnspr-chanschltttz Nr. 605.
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Amtliches.
Aufgebot.
Die Witwe Katharina Lohrey, geb. Buß in Frankfurt a. M, vertreten durch Rechtsanwälte Dr. Scheele und Dr. Dochnahl in Frankfurt a. M., hat beantragt, die Verschollenen:
1. Iohannes Wörner (Werner) geb. 25. Oktober 1766,
2. Johann Martin Wörner (Werner) geb. 22. Juni 1771,
3. Johann Peter Wörner (Werner) geb. 24.
August 1777,
sämtlich aus Hanau, für tot zu erklären.
Die bezeichneten Verschollenen werden aufgesordert, sich spätestens in dem auf den
8. November 1909, vormittags 9 Uhr, vor dem unterzeichneten Gericht — Marktplatz Nr. 18 — Zimmer Nr. 14 — auberaumten Aufgebotstermine zu melden, widrigenfalls die Todeserklärung erfolgen wird.
An alle, welche Auskunft über Leben oder Tod der Verschollenen zu erteilen vermögen, ergeht die Aufforderung, spätestens im Aufgebotstermin dem Gericht Anzeige zu machen.
Das Aufgebot ist insbesondere auch deshalb beantragt, um fest zu stell en, ob nicht Abkönimlinge der drei vorgenannten Wörner vorhanden sind. Diese würden erbberechtigt an einem, von Rechtsanwalt Dr. Dochnahl in Frankfurt a. M. verwalteten N a ch I a ß d e r M a r g a r e t e B u ß von hort fein. Der Anteil der Abkömmlinge würde zusammen betragen ca. 8000 Mark.
Hanau den 20. März 1909.
Königliches Amtsgericht 2. 6931
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 Portemonnaie mit 21 Pfg., 5 Rad- fahrerschlüssel, 1 Paar neue hellbraune Herren-Glacehandschuhe, 1 Stück goldene Kette, in der Mitte eine weiße Perle.
Verloren: 1 Herrenschirm mit Silbergriff mit dem Namen Finster.
Hanau den 26. März 1909.
Politische Rundschau.
Zur Reichsfinanzreform.
Berlin, 25. März. Sichtlich parteiosfiziös schreibt die Nationalliverale Korrespondenz in einem Artikel „Zur Lage" -«— .i^, n»»*^ - I ■■■■»
Feuilleton.
Carlotta Stubenrauch.
Zu ihren Konzerten a m 29. und 30. März.
Von Peter Otto Gutzeit, Frankfurt a. ,M.
Carloita Stubenrauch! Mit diesem Namen verknüpft sich Lieblichkeit, Frühling und Kraft. Wie kaum eine zweite Geigerin hat Carlotta Smbenrapch schon die ganze Welt be- reist und hat jeden Zuhörer weiblichen und männlichen Geschlechtes, alt und jung, in Entzücken, verbunden mit großer Bewunderung, gesetzt.
Ist es eine Vorbedeutung für ihren ganzen Lebensweg gewesen, daß sie an einem 1. Januar das Lickt der Well erblickte? — Aber — gläubigen Menschen ist hier ein Feld gegeben, das eine reiche Ernte verspricht.
Carlotta Stubenrauch ist von Jugend auf streng pädagogisch erzogen worden und hat infolge ihres ausgesprochen musikalischen Talentes schon früh aniangen müssen, ernsthaft zu studieren. Wenn ich auch das Studium anfangs rechten Kummer bereitete, zumal, wenn sie sah, wie ihre Gespielinnen sich tummeln durften, während sie durch mütterliche Strenge zu rastloser Pflichterfüllung angehalten wurde, so hat sie doch bald bewiesen, daß es ihr mit ihrer Kunst durchaus ernst war. Ihr erster Lehrer, Herr Hofkonzertmeister Max Grünberg, ein in Berlin' beliebter Violinlehrer vom Sternichen Konservatorium, nahm sich des kleinen Kindes in väterlicher Weise an unb arbeitete ernsthaft mit ihr. Ricki aber als Lehrer allein, sondern auch durchaus als guter Freund stand er dem kleinen, angehenden Wunderkinde nahe. Diese Freundschaft hat sich durch alle die Jahre bewährt und Carlotta Stubenrauch spricht noch- heute von Max Grünberg mit aufrichtiger Verehrung.
Freitag den 26. Mürz
u. a.: Herr v. Normann ist offenbar der Meinung, daß es ohne Zerstörung des Blocks möglich ist, die Finanzreform mit dem Zentrum oder mit wechselnden Mehrheiten zu machen. Das ist ein Irrtum. Herr v. Normann lehnt die Deszendentensteuer und das Gampsche Kompromiß ab. Das ist der Kern der Eröffnungen und damit entfällt die Möglichkeit, die Finanzreform mit den Liberalen zu machen. Das Herumreden um angebliche Mißverständnisse nützt nichts; wenn der Block die Finanzreform nicht machen kann, ist er erledigt. Dann erhält das Zentrum die Führung, und es muß sie erhalten, da die Finanzreform fertiggestellt werden muß. Die Liberalen werden bei den einzelnen Gesetzen Mitarbeiten und sie nach ihren Anschauungen verbessern; aber da ihr Verlangxn nach Heranziehung des Besitzes nicht erfüllt werden kann, so werden sie am letzten Ende die Steuergesetze ablehnen müssen. Der Block ist damit durch die Schuld der Konservativen erledigt.
Berlin, 25. März. Die Konservative Korrespondenz schreibt in einem Artikel unter dem Titel „Ruhig Blut!": Die konservative Partei will ein Zustandekommen der Reichsfinanzreform auf dem Boden der Reichsverfaffuitg und muß daher das Schwergewicht der aufzubringenden Steuern auf die indirekte Besteuerung legen. Daneben halten wir auch eme ergänzende Besteuerung des Besitzes auf dem Wege durch die Einzelstaaten für zulässig, wobei aber die finanzielle Selbständigkeit und Existenz der Einzelstaaten erhalten bleiben muß. Ebensowenig kann die konservative Partei einer Erbschaftsbesteuerung der Kinder und Ehegatten zustimmen. Es hat sich nun gezeigt, daß bei einzelnen indirekten Steuern, so der Tabak- und Branntweinsteuer unb den sogenannten Besitzsteuern, unüberbrückbare Gegensätze in den Anschauungen der Blockparteien bestehen. Deshalb mußte auf Grund eines — nicht wie die Presse irrtümlich behauptet, erst gestern, sondern bereits vor Wochen gefaßten — Beschlusses der Reichstags- fraklion eine offene Aussprache über die Situation erfolgen. Die ganze Lage der Sache schließt unseres Erachtens nicht aus, daß der der Blockbildung seinerzeit zugrunde gelegte Gedanke, der gegen die einseitige Vorherrschaft irgend einer einzelnen Partei — sei es früher des Zentrums, so jetzt der Freisinnigen — und auf die unbedingte Sicherstellung der nationalen Interessen gerichtet ist, nach wie vor lebensfähig bleibt und seine gesunde Wirksamkeit da zu entfalten, wo er hingehört und wo er das große Ganze deS deutschen Vaterlandes zu fördern geeignet ist.
Berlin, 25. März. Die freisinnige Fraktionsgemeinschaft wird erst morgen zu einer gemeinsamen Beratung über die zu beobachtende Haltung zusammentreten. Um 1 Uhr waren die Blockführer zu einer Besprechung mit dem Reichskanzler im Reichskanzler-Palais eingeladen worden. Ueber den Inhalt und das Ergebnis dieser Besprechung war bis zur Stunde nichts 'in Erfahrung zu bringen.
Als angehender Backfisch im Alter von 12—13 Jahren, einem Alter, in welchem andere Mädchen kaum einen ernsthaften Gedanken haben können, bekam Carlotta Stubenrauch bereits ihr erstes Engagement nach den Vereinigten Staaten. Da das Angebot glänzend war, nahm sie es an und konzertierte dort innerhalb eines Jahres in mehr als 100 Städten. Der Erfolg war geradezu verblüffend. Nicht, daß dem Amerikaner besonderes musikalisckes Verständnis zuzusprechen wäre — ich spreche von dem Durchschnitts-Amerikaner —, die Bewunderung lag vielmehr darin, daß in einem so kleinen Mädchen ein so ausgesprochenes Talent sein konnte. Die Kritiken rühmten nicht ihre musikalischen Fähigkeiten, fonbern ihr liebliches Aussehen, die Haltung ihrer Hände, und der musikalische Teil kam gegenüber diesen Lobhudeleien nur wenig zur Geltung. — Jedes andere Wunderkind in diesem Alter hätte diese Begeisterung falsch aufgefaßt; die Konsequenz wäre gewesen, daß das Studium vernachlässigt und aus dem Wunders ibe nichts ernsthaftes geworden wäre. Nicht so Carlotta Stubenrauch. Mit eisernem Fleiße studierte sie weiter, stets beeinflußt von ihrer strengen, . wie liebevollen Mutter. Nachdem sie noch einige Zeit bei Max Grünberg weiterstudiert hatte, ging sie nach Paris, um bei dem Conser- vatoire National Schülerin des Professors Nomis zu werden. Professor Rümis machte aus Carlotta Stubenrauch das, was sie im Anfang ihrer Künstlerinnenlaufbahn gewesen ist. Und das, was sie heute hat, das Individuelle, Lebhafte, Stark- Durchgreiiendk, ist ihr eigenstes Temperament und ihre eigenste Auffassung und durchaus nichts Angelerntes. Carlotta Stubenrauch brachte es durch ihren Fleiß und ihr Talent soweit, daß sie den Grand Prix von dem Conser- vatoire National erhielt; mit diesem Grand Prix verbunden war die Aushändigung eines Geldbetrages für eine Studienreise, sowie auch einer wertvollen Violine.
In dieser Künstlerin vereinigt sich der deutsche Kern und deutsches Empfinden mit der französischen Schule. Wenn man auch als Deutscher geneigt sein sollte, der deutschen
K»»sPr<chanschl«b Nr. 605. 1909
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Berlin, 25. März. Von einer Seite, di» ihr« Informationen aus Regierungskreisen bezieht, geht dem „B. T." folgende Darstellung zu, die die Auffassung und besonders die Wünsche der Regierung widerspiegeln. Dit Konservativen haben selbst heute früh schon erklärt, daß sie die Aufkündigung des Blocks nicht ernst gemeint hätten. Sie wollten den Freisinnigen nur zu Gemüte führen, daß etwas geschehen müsse. Im übrigen hat sich dadurch an der Ansicht des Reichskanzlers, die Reichsfinanzreform mit dem Block und nur mit dem Block zu machen, nichts geändert. Man ist der Meinung, daß sich die Blockparteien wieder zusammen finden würden, wenn von beiden Seiten etwas nachgegeben werde.
Die deutschen und die englischen Schiffsbauten.
London, 25. März. Unterhaus. Gretton richtete an die Regierung die Frage, ob die Erklärung ihrer Absicht betreffend das Schiffbau-Programm seitens der deutschen Regierung in einer formellen Note an das englische Auswärtige Amt aus amtlichem Wege übersandt wurde, oder ob die Erklärung durch andere Mitglieder mündlich der Regierung gemacht worden sei. Premierminister Asquith erwiderte, die Mitteilung sei an Staatssekretär Grey mündlich auf dem üblichen diplomatischen Wege gemacht worden. Aus eme weitere Frage Grettons, zu welcher Zeit die deutsche Regierung zum erstenmale eine Erklärung über ihre Absichten der Beschleunigung ihres Bauprogramms übermittelt habe, und ob diese Erklärung wiederholt worden sei, erwiderte Asquith: Die definitive Erklärung, um die es sich handelt, wurde mündlich am 10. März abgegeben und lautete dahin, daß es nicht die Absicht der deutschen Regierung sei, ihr Schiffsbauprogramm zu beschleunigen und daß st» erst Ende 1912 12 Dreadnoughts haben werde. Bei dem Vergleich dieses letzten Teils der Erklärung mit der Information der Admiralität über das deutsche Schiffbauprogramm kamen wir zu dem Schluß, daß darin nur die Schlachtschiffe und nicht die Kreuzer enthalten seien. Asquith schloß: Es wurde durch die Rede des Staatssekretärs von Tirpitz, die, wie ich mich zu erinnern glaube, am 16. d. Mts. gehalten wurde, klar, daß diese Mitteilung die Kreuzer mit einbegriff. Am 18. d. Mts. wurden wir benachrichtigt, daß bezüglich zweier, gemäß dem deutschen Flottenprogramm im Finanzjahr 1909'10 in Auftrag zugebenden Schiffe gewissen Finnen im Voraus der Abschluß von Verträgen versprochen wurde.' Man gab uns aber zu verstehen, daß dies die vorhergehend» Mitteilung über die Bauzeit in keiner Weise modifiziere. Diese Mitteilung wurde ebenfalls vom Staatssekretär von Tirpitz und zwar um dieselbe Zeit gemacht. Irgend welch« Kommentare in bezug auf die Wirkung, die diese Informa- tionen auf unser eigenes Programm haben könnten oder haben sollten, muß ich mir bis zur bevorstehenden Debatte vorbehalten. Auf eine Anstage Byles, ob er die Mitteilung des Premierministers so verstehen solle, daß die Regierung sich in ihrer Annahme, es hätte eine Bescheunigung der deutschen Bauten stattgefunden, geirrt habe, antwortet» Premierminister Asquith: Nein I durchaus nicht.
Schule — soweit wir von dieser sprechen können — als urdeutsche Schule wird die des verstorbenen Meisters Josef Joachim, obgleich geborener Ungar, angesehen — den Vorzug zu geben, so ist doch unverkennbar, daß die Schulung auf französischem, russischem oder belgischem Boden für einen ausübenden Solisten von weit höherer Bedeutung ist. Währerch die deutsche Schulung den Hauptwert auf die pedantische Korrckiheit legt, ein gewiß beachtenswertes Moment, das jedoch bisher nur einem Professor Joachim gut gestanden hat und von dem in seinem Sinne Lehrenden meist fälschlich an- geweudet wirb, so muß man unbedingt anerkennen, daß für einen auf dem Podium spielenden Künstler eine gewisse Freiheit, ein gewisser äußerlicher Schliff unentbehrlich sind. Betrachten wir die Namen der in Deutschland ausgebildeten Solisten und die Namen der aus russischer, französischer und belgischer Schule hervorgegangenen Violinisten, so müssen wir uns leider gestehen, daß wir in dieser Beziehung vom Auslande noch recht viel zu lernen haben. Durch die Berufung eines Henry Marteau an die Spitz» der Königlichen Hochschule wird sicherlich eine Brücke geschaffen sein, auf welcher sich die deutschen und die ausländischen Akademien entgegenkommen werden.
Das Gebiet, welches Carlotta Stubenrauch beherrscht, ist ein fast unbeschränktes. Das deutsche Konzert steht ihr ebenso gut, wie die leichtere, französische Ware, und einen Bach von ihr zu hören, begeistert den Kenner genau so, wie der seichteste Wiuiaivski. Daß sie in dem Mendelssohn- Ermnerungsjahre uns das unvergleichliche Mendelssohn'sch« Konzert vorführen wird, ist umso anerkennenswerter, als sie eine durchaus geeignete Interpretin dieses Konzertes ist. Diejenigen, welche Gelegenheit haben, dem Konzert beizuwohnen, werden gewiß eine Erinnerung für lange Zeit mit nach Hause nehmen.
In Carloita Stubenrauch steckt eine außerordentliche Energie und eine sehr große Kraft; wenn man bedenkt, daß die Künstlerin bald in Rußland, bald in der Schwtiz und