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teiotiealbruc? und Verlag der Buchdruckerei ad verein, f». WarjenhaujeS in Hanau.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Mt- «nd FanRreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sinn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Amtliches.

Eandkreis Fjanau.

Unter den Schweinen in Niederrodenbach ist die Schweine- leuche festgestellt.

Hanau den 23. März 1909.

Der Königliche Landrat.

V 1625 J. A.: Hartmann, Kreissekretär.

Gefundene nnd »crlortitt Gcaenständc re.

Gefunden: 1 grauer Pompadour, sogen. Indianer- tasche sZnbalt: 1 Portemonnaie ohne Inhalt, 1 weißes Taschen­tuch, gez. O, 1 Ta'chenipiegel und 2 Schirmfutterale). 1 schwarzes Sammeltäschchen (Inhalt: Schere, Zwirn, Nadeln, Kordel und Konsummarken rc.).

Verloren: 1 gelbe Brieftasche ohne Inhalt, 1 breiter gemusterter Damenguriel mit großer Schnalle, auf derselben l brauner Glasstein.

Hanau den 24. März 1909.

Politische Rundschau.

Das Ende des Postausstandes in Frankreich.

Paris, 23. März. Eine Abordnung der Postbeamten hat Clemenceau und Barthou davon in Kenntnis gesetzt, daß die Ausständigen beschlossen, die Arbeit wieder aufzunehmen; falls die zurzeit in den Bureaux beschäftigten Soldaten so­fort zurückgezogen würden, könne die Wiederaufnahme noch heute nachmittag erfolgen. Ministerpräsident Clemenceau erwiderte, er habe die Zurückziehung der Soldaten bereits angeordnet, ohne aus das Ersuchen der Beamten zu warten.

Paris, 23. März. Die Beamten des Hauptiele- graphenamts nahmen die Arbeit um 2 Uhr nachmittags wieder auf.

Die Krisis im Orient.

Wien, 23. März. Eine hiesige Korrespondenz meldet aus Belgrad: Gestern berief König Peter den Kronprinzen zu sich und hatte mit ihm eine zweistündige Konferenz. Es verlautet aus der Umgebung des Königs, daß dieser dem Kronprinzen sehr scharfe Vorstellungen wegen seines provo­katorischen Auftretens gemacht habe. Die Unterredung zwischen dem König und dem Kronprinzen endete mit einem sehr scharfen Konflikt. Kronprinz Georg erklärte: Ich teile die Ansicht des serbischen Volkes und trete für dasselbe ein, weil ich sein zukünftiger König bin.

Sofia, 23. März. „Vecerna Posta" erklärt sich für ermächtigt, die Behauptung, daß mehrere junge bulgarische Offiziere als Freiwillige nach Serbien gehen, entschieden zu dementieren. In den jetzigen verhängnisvollen Zeiten müßten die bulgarischen Soldaten nur für das eigene Vaterland kämpfen und es wäre unzulässig, daß Offiziere ein Beispiel von Pflicblvergesscnheit gäben. Die Nachricht wird übrigens auch an maßgebender militärischer Stelle kategorisch bestritten. — Täglich wächst die Zahl der serbischen Flüchtlinge, die sich in der Umgebung Sofias aufhalten. Die Polizei hat Maßnahmen getroffen, um die Sicherheit der Bevölkerung zu garantieren.

Konstantinopel, 23. März. Hier zirkulieren neuer» oings Gerüchte über einen bevorstehenden Kabinetts-Wechsels. Hilmi Pascha erklärte mehreren Deputierten, daß er sich ge­zwungen sehen werde, zu demissionieren, wenn man ihn nicht unterstütze und Strafmaßregeln gegen jene Persönlichkeiten ergreifen lasse, die sich in die Regierungsgeschäfie einmischen und dadurch die politische an und für sich kritische innere Lage verschärfe. — Wie es heißt, hpben zwischen türkischen und bulgarischen Truppen blutige Kämpfe stattgefunden. Nähere Einzelheiten hierüber fehlen noch.

Kottstantinopel, 23. März. Wie verlautet, hat die türkische Regierung ihrem Gesandten in Belgrad die Weisung gegeben, der serbischen Regierung den Rat zu geben, die österreichisch-ungarischen Vorschläge anzunehmen. Bei der hiesigen serbischen Gesandtschaft sind Nachrichten eingelaufen, die eine friedliche Lösung der Krisis erhoffen lassen. Auch in amtlichen türkischen Kreisen hofft man seit gestern auf eine friedliche Beilegung der Streitfragen.

Ueskttb, 23. März Gestern gingen 9 Waggon Munition und heute 18 Waggons Garlini-Gewehre mit Sonderzug nach Mitrowitza ab. Die Munition soll dort zur Verteilung an die muselmanische Bevölkerung aufge- jpeichert werden.

Saloniki, 23. März. Zwei Stunden von Dibre ent- lernt fand ein Kampf der türkischen Truppen mit dem Albanesenchef Asis Tschaka statt, bei dem ein Leutnant und l l Mann verwundet und vier Mann getötet worden. Der

Mittwoch den 24. Miirz s«»spr«cha»!chl»b »*.

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Kampf mit den Aufrührern dauert fort. Die Truppen ziehen Verstärkungen heran.

Italien nach den Wahlen.

(Nachdruck verboten.)

Aus Rom wird uns geschrieben:

Die Wahlen sind vorbei und Italien beginnt auch auf dem Gebiete der auswärtigen Politik sich wieder zu rühren — und zwar in einer Weise, über die man vom Stand­punkt des Friedens wie des Dreibunds gleicherweise erfreut sein muß. Die auswärtige Politik der Konsulta hängt immer stark von inneren Rücksichten ab, weil sie hierzulande Partersache geworden ist und die meist schwachen Regierungen auf die Laune der öffentlichen Meinung zu horchen ge­zwungen sind. Während der Wahlzeit war Italien in seiner auswärtigen Politik von einer beinahe ängstlichen Reserve aus sehr einfachen Gründen: hätte das Ministerium Schritte unternommen, die im Wahlkampf zu seinen Gunsten in die Wagschale gefallen wären, so hätten das nur Schritte sein können, die die auswärtige Lage Italiens erschwert hätten und zu einem diplomatischen Rückzug oder zu gefährlichen Abenteuern hätten führen müssen. Unternahm man aber auf der anderen Seite von der Vernunft diktierte politische Aktionen wie die letzte, so lief man Gefahr, den Gegnern im Wahlkampf Agitationsmalerial zu liefern. So hielt man sich zurück. Jetzt wo die Wahlen vorbei sind, ist Tittoni freier und hat den gemeldeten außerordentlich vernünftigen Konferenzvorschlag geniacht, den einzigen, der von allen Vor­schlägen für Oesterreich-Ungarn und uns annehmbar ist. Wenn er nicht zum Ziel führt, so ist es nicht Tittonis Schuld, sondern Iswolskys, der sich in sehr unvorsichtiger Weise zu weit vorgewagt hat und nun den Rückzug, den er selbst verschuldet hat, nicht.antreten will. Obwohl jetzt jeder Tag kostbar ist, ist die russische Antwort auf Tittonis Vor­schlag hier immer noch nicht eingelaufen.

Tittonis Stellung hier ist durch seine kluge Initiative bedeutend gebessert worden. Man war ziemlich sicher, daß er kurz nach dem Zusammentritt der neuen Kammer zurücktreten würde. Er steht nicht mehr recht gut mit Herrn Giolitti, dem allmächtigen Ministerpräsidenten, in dessen Hand die Kammer, deren Majorität ihm ihre Sitze verdankt, man könnte bei der Art der Wahlen im Süden beinahe sagen, deren Majorität er ernannt hat, weiches Wachs ist. Giolitti wollte Tittoni wohl schon seit langem ausschiffen, zuerst, weil er ihm zu groß geworden war, später, weil die Aufregung über die Annexion Bosniens in der öffentliche?! Meinung Tittoni schweren Angriffen aus­setzte und es dem Ministerpräsidenten ratsam schien, der rasenden See ein Opfer zuzuwerfen. Tittoni aber teilt sich. Im übrigen ist er kränklich, muß oft den Geschäften fern» bleiben, was wie man sagt, ihm den Unwillen des Königs zugezogen habeu soll. Aber der König soll auch, wie man sagt, über Giolitti sehr ungehalten geweseu sein, als das sizilia­nische Unglück das Versagendesganzen Verwaltungsapparates, für den Giolitti als Minister des Inneren nicht das mindeste getan hat, gezeigt hatte. Trotz alledem ist Tittoni, dessen Aufgabe gewiß keine leiste ist, heute noch da und wird, nachdem er neuerdings wieder eine so glückliche Hand gezeigt hat, trotz alledem vielleicht auch noch weiter bleiben.

Freilich ist es keine angenehme Aufgabe, auswärtiger Minister Italiens zu sein. Durch die Interessen des Landes und durch die Vernunft ist jeder auswärtige Minister gelungen, eine Politik zu befolgen, die offen gesagt, herz­lich unpopulär ist. Italien muß, so lange Oesterreich-Ungarn stark ist, und das wird cs aller Voraussicht nach bleiben, an dem Dreibund festhalten. Im Lande aber herrscht die irredeniistische Phrase, gegen die bei der politischen Unreife des Volkes die Sprache der Vernunft nicht durchdringt. Selbst wenn eine andere Politik Resultate versprechen würde, wäre sie unmöglich, da die militärische Schwäche des Landes eine autiösterreichischc Politik nicht zuläßt. Zudem hat kürz­lich ein Artikel des „TempS", in dem ausgesührt war, daß Frankreich die Pläne der Irredentisten militärisch niemals unterstützen könnte, auf die wilden Politiker etwas ernüchternd gewirkt. Die Trauer über das deutsch-französische Marokko­arrangement, die man in diesen Kreisen nicht zu verhehlen wußte, gehört in den gleichen Zusammenhang.

So wird, ob nun Tiuoni bleibt ober nicht, gewiß der gleiche Faden gesponnen werden müssen. Ob mit dem gleichen Geschicke, ist eine andere Frage. Vielleicht aber ist Tittoni doch noch imstande, durch die Verhandlungen, die er in Petersburg eingeleitet hat, seinen Konferenzvorschlag zur Annahme zu bringen. Wenn es dann auf diese Weise Italien gelingen sollte, den Balkaukvnflikt zu beschwören, so mirb dieser Erfolg zweifellos feine Stellung so stärken, daß Giolitti ihn so leicht nicht ausschiffen kann.

Hus alter «leit

Der Südpol entdeckt? Ein Telegramm melbet aus London: „Pall Mall Gazette" will erfahren haben, daß in London eine Meldung eingegangen ist, der zufolge es der englischen Südpolarexpedition gelungen sei, den Südpol zu entdecken. — Man wird vorläufig gut tun, eine Bestätigung dieser sensationellen Meldung abzuwarten. ES wäre ja be­sonders merkwürdig, wenn vor dem viel mehr umworbenen Nordpol der südlichste Pitnkt unserer Erdkugel aufgefunden worden sein sollte. Im Zusammenhang mit dieser Meldung steht offenbar eine andere Kabelmeldung aus Sydney: „DaS Polarschiff „Nimrod" mit der Exvedition Shackleton ist wohlbehalten in der Halbmondbucht von Neuseeland einge­troffen.

Die Steiuheil-Affäre hat bewirkt, daß sich in Paris der gleiche mystische Unfug breit macht, der anläßlich deS Verschwindens des Abbe Delarue im Sommer 1906 zutage trat. Indische Fakire haben sich nach dem Friedhofe von Hay begeben, wo der Maler Steinheil begraben liegt, um dort den Astralleib des Verstorbenen zu beschwören und durch ihn die Namen der Mörder zu erfahren. Die drei Medizin­männer suchten zuerst die Villa Steinheil in Paris auf, um mit dem Geiste des Ermordelen Fühlung zu gewinnen, uni vollführten dann ihre Beschwörungen auf dem Friedhöfe, we sie durch Inspiration angeblich das Grab ohne Führer fanden. Nach Beendigung der Zeremonien steckte sich jeder etwas Erde vom Grabe ein.

Explosion eines Dampfers im Hamburger Hafen, Auf dem Bugsierdampfer „Eduard" erfolgte im Hamburger Hafen eine fürchterliche Explosion, die den Kessel zerriß und das Schiff völlig demolierte. Die Explosion war so stark, daß Schiffsteile bis auf den Kai geschleudert wurden. ~ Zwei Arbeiter wurden schwer verletzt. Das Schiff ist vollständig unter Wasser gesunken, so daß bis jetzt noch nicht einmal die Ursache der Explosion sestgestellt werden konnte.

Frau v. Schönebeck, die Hauptperson der Allensteiner Osfizierstragödie, hat sich von der Berliner Charitee nach einem Westender Sanatorium zur Fortsetzung ihrer Kur be­geben. In der Charitee ist sie unter Leitung des Geheim­rats Ziehen 14 Tage hindurch auf ihren Geisteszustand untersucht worden. Die ärztlichen Ermittlungen sind jetzt beendet, dort wird über deren Ergebnis strengstes Amts­geheimnis bewahrt.

Als er seinen Hund retten wollte, ertrunken ist in Dratzig bei Kreuz an der Ostbahn der 28jährige Sohn deS Gemeindevorstehers Schröder. DaS Tier war auf dem mürben Eise der Netze eingebrochen. Bei dem Rettungs­versuche geriet Schröder unter das Eis und fand seinen Tod.

Racheakt. In Schwarzerden bei Kreuznach ist daS HauS des Nachtwächters Horbach durch eine Dynamitbombe, di« in verbrecherischer Absicht in dem Ofenrohr verborgen worden war, in die Luft gesprengt worden. Horbach hatt« kurz vorher sein HauS verlassen.

Verhaftete Fälscher. In Newyork fälscht«, wi« die „Frkf. Zt." meldet, ein Russe Rit Marx die Unterschrift eines Frankfurter Bankiers, bestach einen Angestellten der Firma Steneck u. Sohn in Hoboken, und erlangte von bei Bank fast 50 000 Dollars. Marx und der Angestellte würd«» verhaftet.

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(Unber. Nachdr. derb.) S. & H. Berlin, 23. März.

Das Schwurgericht des hiesigen Landgerichts 1 hat sich heute mit der Ermordung deS 64jährigen Juweliers Frank­furter in Wien durch den 22 Jahre alten Kaufmann Richard Henkel zu verantworten. Der Mord hat s. Z. in Wien daS größte Aufsehen erregt, da er am hellichten Tag« in einer der belebtesten Gegend der Stadt, am Laurenzerberg, verübt wurde. Der alte Mann wurde in seinem kleinen Laden von seinem Sohne erschossen aufgefunden, nachdem erst eine halbe Stunde vorher ein Wachtmann ihn noch lebend ge- sehen hatte. Es tauchte bei den Wiener Behörden zunächst der Verdacht eines Selbstmordes auf, da die Wund« Spuren des Pulvers aufwies, der Schuß also aus nächster Nähe abgegeben worden sein mußte, und andererseits bis rechte Hand Blut spuren aufwics, von denen man annahm, daß sie beim Einschlagen deS Geschosses in den Schädel aus die Hand gelangt sein könnten. Für ein Verbrechen sprach aber der Umstand, daß eine Geldkassette und verschieden» Goldsachen fehlten. Die Nachforschungen der Behörden blieben aber eine längere Zeit erfolglos. Als sich der Ver­dacht der Täterschaft auf den Magdeburger Raubmörder Knitelius lenkte, wurde der eigentliche Täter unvorsichtig und versuchte, einige der geraubten Schmucksachen in einer Pfandleihe am Hackeschen Markt zu versetzen. Dem Pfand­leiher kam die Sache verdächtig vor und er ließ den Versetzer, eben Henkel, verhaften. Im Laufe der Untersuchung legt« er ein offenes Geständnis ab. Der Täter ist in Gera ge­boren und bereits mehrfach vorbestraft. Vor drei Jahren machte er die Bekanntschaft eines Mädchens, dem er er­zählte, daß er einen monatlichen Zinsgenuß von 430 Mark