Erstes Blatt.
Himmler K An
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Ketatieutdruck und Verlag der Buchdruck«« bei verein.
Gkntral-Anzeiger
Amtlilhes Organ für Stadt- and Fandkreis Kanan.
a. WatjerchaufeS in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Die fflni gespaltene PettljeU« oder betet N«M 10 tzg^ im «eüamemol die Zal» » Ptz,
Betau toorti, Redakteurl G. Schrecker in -MV»
Nr. 66 A«r«sp,«»ansch,,ch Nr. ««S. , Frcitag dcil 19. Mürz
Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1909
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14 Seiten.
Stiftung
Von Firmen der Edelmetallwaren- nnd der Etzromoliitzograptzischen Branche für Schüler der Königlichen Zeichenakademie in Hanau.
Auf Anregung der hiesigen Handelskammer haben 42 Firmen der oben bezeichneten Branchen eine (Stiftung geschaffen, aus deren Mitteln solchen Schülern der Königl. Zeichenakademie eine Unterstützung gewährt werden soll, welche sich nach beendeter Lehrzeit an dieser Anstalt weiter »usbildtn lasten wollen.
In der Regel sollen jährlich 2 Stipendien von je 500 M. bis 600 M. gewährt werden, doch können, je nach Lage der Verhältnisse, auch mehrere von nicht unter 300 M. gewährt werden, und zwar in erster Linie für die Fortsetzung der Studiums'an der Königl. Zeichenakademie, ausnahmsweise aber auch für Studienreisen.
Jede Zuwendung soll in der Regel nur für die Dauer eines Jahres zugesprochen werden.
Die Siivendienverleihung soll nur an solche Schüler erfolgen, welche in einer Werkstatt der Kunstindustrie in Hanau oder an einem Platze im Umkreise von 10 km um Hanau ihre Lehrzeit beendet brzw. in einer solchen Werkstatt beschönigt werden. Bedürftige Schüler, deren Würdigkeit und Befähigung namgewiesen ist, sollen in erster Linie berffck- sichiigt werden; ausnahmsweise körnten Studien Zuschüsse aber auch an besonders talentierte Schüler unter Absetzung von dem Nachweise der Bedürftigkeit gewährt werden.
Solche junge Leute, welche sich auf Grund der obigen Bestimmungen um Stipedien für das Jahr vom 1. April 1909 bis 31. März 1910 bewerben wollen, werden eriucht, ihre Bewerbung bis zum 30» April d. I. dem Unterzeichneten einzusendkn.
1. Angaben über den Lebenslauf,
2. die Schulzeugnisse,
3. ein Zeugnis des Lehrherrn,
4. ein Zeugnis der Königlichen Zeichenakademie,
5. eine Mitteilung über'die Vermögeusverhältnisse. Hanau den 18. März 1909.
Das Kuratorium. C a n t h a l,
Vorsitzender der Handelskammer 6353
Zur Oricntkrisis.
Zum Schlechteren scheint sich innerhalb der letzten 24 Stunden die Situation nicht verändert zu haben. Und zwar scheint der russische Konferenzvorschlag auf beiden Seiten ernsthaft in Eigvâgung gezogen zu werden, so sehr er auch dem mehrmals festgelegten Standpunkt Oesterreichs, die bosnische Frage gehe feine andere Macht etwas an, widerspricht. Aber es scheint tatsächlich Geneigtheit vorhanden zu sein, sich vorläufig noch einmal mit dem Konferenzvorschlag zu beschäftigen.
Ein Einlenken Oesterreich-Ungarns?
Der „Pester Lloyd" berichtet aus Wien, daß man dort gegen den von der russischen Note eingenommenen Standpunkt prinzipiell nichts einzuweuden habe. Aus praktischen Gründen würde sich empfehlen, die bereits erledigten oder demnächst zu erledigenden Fragen durch Noten den Mächten zur Keuinnis zu bringen und sie hierdurch zu legitimieren. Würde man alle in der russischen Noie bezeichneten Punkte durch einen „accord pröalable" klarstelleu wollen, so würde die Konferenz auf unabsehbare Zeit hinausgeschoben werden. Der vom ^mifter Til tont ausgegangene Vorschlag wird als ungleich zweckmäßiger bezeichnet und vom Wiener Kabinett sympathisch begrüßt.
Auch in Belgrad ist matt „geneigt".
Die Pariser „Agence Havas" erfäbrt aus Belgrad : Nach umlaufenden Gerüchten wäre die serbische Regierung geneigt, sich hinsichtlich der Antwort, die sie nach dem neuen Schritt des Grafen Forgatsch an Otsterreich-llnaarn richten werde, den Anregungen der Mächte zu fügen. Wie es heißt, werde sie auch bereit sein, abzurüsten, falls ihr die Mächte dazu raten sollten.
Wenn die serbische Regierung wirklich die unsinnige -ror- Heit ihres Vorgehens einsehen sollte, dann werden hoffentlich „die Mächte" keinen Tag zögern, Serbien den Rat zur Abrüstung zu erteilen. Das ist ja das, was Oesterreich gefordert hat und als Vorbedingung für eine Konferenzsitzung
erklärt hat. Hoffentlich ist der „Agence Havas" aus Belgrad recht berichtet worden. Erscheint die Konferenz erst als ein greifbares Ziel am Horizonte, und wird wirklich auf serbischer Seite abgerüstet, so hindern wohl schon die Kosten allein eine Wiederholung dieses Abenteuers. Und ernst genug sieht die Sache auch bereits aus.
Die Kriegsstimmuna in Nngarn.
Budapest, 18. März. Seit gestern gehen hier Militärbeamte von Haus zu Haus und übergeben den Reservisten die Orderes, sofort einzurücken. Für morgen wird die offizielle Proklamation der Mobilisierung erwartet. Hier werden auf allen Aemtern und auf der Staatsbahndirektion mit fieberhafter Eile alle Vorbereitungen für den Kriegsausbruch getroffen. Der Eisenbahn-Personenverkehr von Budapest nach Semlin wird mit Beginn der offiziellen Mobilisierung gänzlich eingestellt werden. Der Gesandte Graf Forgatsch hat gestern seine Familie aus Sicherheitsgründen in Semlin im Hotel einquartiert. Graf Forgatsch selber verbringt nur noch die AmtSstunven in Belgrad.
Von offizieller Seite wird freilich aus Budapest da? Bestehen der Mobilisierung noch bestritten und die Truppenbewegungen als „Ergänzung der bosnischen Garnison" bezeichnet.
Die Situation in Wien.
Das offiziöse „Wiener Fremdenblatt" charakterisiert noch einmal den bekannten Standpunkt der Wiener Regierung gegenüber der Konferenzfrage. Bemerkt aber zum Schlüsse, daß die Konferenz aus formalen Gründen wahrscheinlich nicht so bald zusammeutreten würde. Dieselbe Erwägung empfiehlt ebensosehr den, rote es heißt, von Italien aus- gehendeu Gedanken einer Beschränkung der Konferenz auf weniger Punkte, als ursprünglich im Programm enthalten waren, der Berücksichtigung umsomehr, als er auch den Stimmungen in maßgebenden englischen Kreisen entaegen- kommt, die ebenfalls einer uferlosen Konferenz nicht, geneigt scheinen.
Ein Presstonsmittel zur Unterstützung der diplomatischen Note sollen, der „Neuen Freien Presse" zufolge, die in den letzten Tagen forcierten Rüstungen bedeuten. Das Blatt schreibt nämlich:
„Der Gesandte Graf Forgatsch wird die Note der österreichisch-ungarischen Regierung wahrscheinlich anfangs der nächsten Woä-e überreichen, weil man früher dieser Mitteilung durch die militärische Demonstration, die in der Vermehrung der Truppen in Bosnien liegt, Nachdruck verleihen will."
Das „Berl. Tagebl." erfährt, daß die biplomatis^en Bemühungen fortdauern, um in der Balkaufrage einen Zusammenstoß zwischen Oesterreich und Serbien entweder zu verhüten oder äußersten Falles die kriegerischen Vorgänge nach Möglichkeit zu lokalisieren. Rußland, England und Frankreich haben, jedes Laud sür sich, in Belgrad noch einmal zu einer entgegenkommenden Haltung gegenüber Oesterreich dringend aufgeforbert. Der neue Schritt Oesterreichs in Belgrad dürfte noch einige Tage aufgeschoben werden. Inzwischen suchen die Großmächte sich in der europäischen Konferenz untereinander zu verständigen, und da ein sofortiger Zusammentritt der Konferenz nicht möglich ist, zu einem vorläufigen Einvernehmen über die weitere Behandlung des Konferenzgedaukevs zu gelangen.
Russische Vorstellungen in Belgrad.
Wie aus Belgrad berichtet wird, stattete der russische Gesandte Sergejew dem Minister des Aeußern Milowanowitsch längere Besuche ab. In politischen Kreisen verlautet, Sergejew habe Milowanowinch im Namen der russischen Regierung den freundschaftlichen Ra'schlag erteilt, den Wünschen Oestèr- reich-Ungarns nach Möglichkeit enlgegenzukommen. Die Nachricht, daß russische Freiwillige bereits in Serbien eingetroffen seien, wird an maßgebender Stelle als unrichtig bezeichnet.
Die österreichische Mobilisierung.
Dresden, 18. März. Die österreichischen Reservisten und Landwehrleute, die sich in Sachsen aufhalten, haben meist auf telegraphischem Wege die Order erhalten, binnen vierundzwanzig Stunden beim Regiment einzutreffen. Infolgedessen zeigt besonders der Dresdener Hauptbahnhof eilten recht lebhaften Verkehr, da nicht nur die in Dresden und in der Umgegend in großer Zahl wohnenden Ocsterreicher in aller Eile ihrer Heimat zustrebeu, sondern auch große Mengen Einberufener aus dem ganten Reiche dort durchpassieren. Am Donnerstag fuhren mit allen Perwuenzügen Militärpflichtige ab, darunter auch solche, die erst frühmorgens ihre Order erhalten und schleunigst ilre Arbeitsstätte verlaffen halten. Auch in anderen Orten in der Nähe der Grenze herrscht ein lebhafter Verkehr. In Sebnitz erhielten am Mittwoch mittag eine Anzahl Ocsterreicher ebenfalls die Einberufungsorder.
Sie mußten sofort die Arbeitsstätte verlaffen und ihre Reise» Vorbereitungen treffen, um am gestrigen Donnerstage bereits in Leitmeritz, Bunzlau, Theresienstadt usw. anzulangen. Daß Dorf Einsiedeln, hart an der Grenze, soll allein 140 Einberufene gestellt haben. In Dresden bestand zunächst di« Absicht, die Mannschaften in Extrazügen zu befördern. Davon ist jedoch Abstand genommen worden, weil die zahlreichen Personenzüge zunächst genügen, um die truppenweise Ankommenden zu befördern.
Sicherheilsmatzregeln in Böhmen.
Infolge der Mobilisierungen in den böhmischen Grenz» städlen, io in Eger, Asch, Falkenau usw., sind die dortigen Zeitungen verpflichtet worden, Stillschweigen über die militärischen Maßnahmen zu üben. Da jedoch die sächsischen Zeitungen, darunter auch die „Leipziger Neuesten Nachr.", die eine starke Verbreitung in Böhmen haben, eingehend« Nachrichten über die Vornahme von Mobilisierungen brachten, so sind gestern alle mit der Morgenpost in Eger und Asch eiutreffenden reichsdeutschen Zeitungen konfisziert worden^ auch die Nummer 77 der „Leipziger Neuesten Nachrichten ist der Beschlagnahme durch die k. k. Bezirkshauptmannschaft in Eger anheimgefallen.
Ein russisches Torpedoboot beschlagnahmt ?
Innsbruck, 18. März. Nach einer hier eingetroffene« Privalmtldung, die aus zuverlässiger Quelle stammen soll, wurde im Hafen von Catlaro ein russisches Torpedoboot von österreichischen Kriegsschiffen beschlagnahmt.
Es ist zu hoffen und anzunehmen, daß es sich bei dieser Alarmmeldung nur um eins der zahllosen Gerüchte handelt, die in kritischen Zeiten überall entstehen. Was ein russisches Torpedoboot gerade jetzt in einem österreichischen Kriegshafen will, ist freilich unerfindlich. Aber es zu „beschlagnahmen", hat man andererseits auch kein Recht, solange es keine verdächtige Handlungen vornimmt. So einfach ist denn schließ* sich eine solche „Beschlagnahme" nicht.
Zuversicht des Kai ers Franz Fosef auf die Er« Haltung des Friedens.
Budapest, 18. März. Im Abgeordnetenhaus» würd» heute der Ministerpräsident Dr. Wekerle von zahlreichen Abgeordneten darüber befragt, ob tcktsächlich eine Kriegsgefahr voihanden sei. Ministerpräsident Wekerle erwiderte darauf: „Ich kann nur sagen, daß Se. Majestät auch jetzt noch die Zuversicht hat, daß sich bei Krieg v erm r i den lassen werde."
Eine Ovation für den deutschen Kaiser.
Budapest, 18. März. Abgeordnetenhaus. Eine Inter* peHation des Abg. Nikolaus Szemere gab in der heutige« Sitzung Anlaß zu lebhaften Ovationen für den deutschen Kaiser. Szemere richtete an den Ministerpräsidenten die Frage, ob er geneigt sei, seinen Einfluß auf die Leitung der auswärtigen Politik dahin geltend zu machen, daß diese nicht in Passivität verharre, sondern akiive Politik mache. Redner führte aus, wir brauchen vor dem europâiichen Konzert nicht zu erschrecken. Italien wird den Dreibund nicht sprengen. Deutschland steht uns zur Seile. Kaiser Wilhelm hält neben uns aus in germanischer Treue. Bei diesen Worten brachen die Abgeordneten in stürmische Eljenrufc auf Kaiser Wilhelm aus. Die Jnlerpellaiion wurde vom Ministerpräsidenten in der heutigen Sitzung noch nicht beantwortet.
Parlamentarisches. 8
mb. Die Bttvgetkommissto« des Reichstages erörterst gestern in Fortsetzung der allgemeinen Aussprache beim Marineetat die Frage der Ersparungen. Der Staatssekretär wendete sich gegen die Behauptung, daß in der Marine auS dem Dollen gewirtschaftet werde. Die Verwaltung habe selbst ein Interesse an einer rationellen und sparsamen Verwaltung. Der Etat fei so aufgestellt, daß größere Ersparnisse nicht gemacht werden können. Er selbst habe die drei kaiserlichen Werften besucht und in langen Konferenzen insbesondere Sparsamkeit bei der Jndiensthaltung bet Reserveschiffe durch Reduktion des Etats erzielt. AuS- rangierte Schiffe sollen mehr als bisher verkauft werden, Die Frage, ob man die Privatindustrie mit Grundrepara« litten beschäftigen solle, sei sehr vorsichtig zu prüfen, da viels Privatwersten ihr Hauptgeschäft mit Reparaturen zu machen suchen. Es sollen aber doch dahingehende Berichte gemacht werden. Seit Bestehen des Flottengesetzes seien die Privat- Werften zu Neubauten sehr viel stärke^ Heranzuzieh'n. Man mülle aber auch den Privatwersten Neubauten geben im In» teresso der Ausbildung des Personals und auch, um im gegebenen Falle der Preisfestsetzung der Privatindüstne entgegentreten zu können. Die Selbstverpflegung der Marineleile soll auch weiter durchge'ührt werden. Die Kohlende- schafsung soll in Anlehnung an die Eisenbahnverwaltung statt* finden. Mian habe mit dem Kohlensyndikat Schwierigkeiten