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Gencral-Anzeiger
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verantwort!. Redakteur: <8. Schreck«, in Hana».
Nr. 53 Aerttsprechattschlutz Nr. 605. ToMMstllg dtll 4. MälZ Fernsprechanschlich Nr. 605. 19 0 9
Politische RundTAaa«
Das Kcrnvrantch für die Nefchèfinanzrcform siebt eine V rmögens^mer bis 1916 nur in Höhe von 100 Millionen Mark vor, die dann füniiäbrlich um je 5 Prozent steinen sollen. Die Freisinnigen scheinen die Vorlage ablehnen zu wollen.
Stempelnescff. Die dem Abgeordnetcnhaus? Zuge- ganaene Novelle atm Stcmpelge'etz schlägt vor, von ben für die Beamt?nb?soldungsg?setze noch zu deckenden 16 Millionen Mark T1^ Millionen durch neue S'empclgebühre, 81/» Mill, durch Erhöhung bestehender (Stempel zu decken.
Die Krisis im Orient.
Belgrad, 3. März. An maßgebendcr Stelle wird erhärt, daß die serbische Negierung im Laufe des heutigen Nachmittags die Antwort auf die gestern vom russischen Staubten im Namen der russischen Nea'erung gestellten Fragen übeireichte. Gleichzeitig wird erklärt, daß nrber über den Inhalt die'er Fragen noch über den Inhalt der serbischen Antwort eegcnwäuig offizielle Mitteilungen für die Ocffenilichkeit gemacht werden können. E- kann nur versichert werden, daß b;e sei bische Negierung weder ka'eaorisch auf den l ckannten serbischen Forderungen beharrt, noch daß sie b-efelben definitiv zurückgezogen hat. Die Wahrheit liegt vielleicht in der Mitte zwischen beiden Versionen. Nähere Angaben können erst gemacht werden, wenn von Rußland die Gegenantwort vorliegen wird. Der Vorgang in der ganzen Angelegenheit war der folgende: Gestern mittag er'chien der russische Gesandte im Ministerium des teureren und richtete im Auftrage der russischen Negierung gewisse Fragen an die serbiiche Regierung. Im Laufe des Abends erschienen die diplomatischen Vertreter Englands, Frankreichs und Italiens und unterstützten diese Fiage. Hierauf fand abends ein mehrstündiger Ministerrat statt. Mittags wurde die Antwort der serbischen Regierung dem russischen Gesandten übermittelt. Unmittelbar darauf wurden die Gesandten Englands, Frankreichs und Italiens von dem Inhalte der Antwort verständigt. — In Abgeordnetenkrenen wird erklärt, daß ein gänzlicher Verzicht der serbischen Negierung auf die territorialen Forderungen ausgeschlossen ist, da die serbische Skupschtina keine Regierung hierzu ermächtigen würde. Man ist vielmehr der Slustcljt, daß die serbiiche Regierung priuz'piell auch weiter an Kompensalionssorde- rungen feü halt und ihren Standpunkt Rußland gegenüber in dem Sinne präzisiert hat, daß Serbien nur unter der Bedingung von seinen Forde,ungen abgehen könnte, wenn die europäschen Großmächte Serbien seine politische und ökonomische Unbahängigkeit garantieren.
Belgrad, 3. März. Die Nachricht, daß der russische Gesandte tatsächlich der serbischen Regierung Nat'ckläge im
Feuilleton.
Bilder 05 Serbien.
Von Otto Leonhardt.
(Nachdruck verboten).
Das gespannte Interesse, mit dem jetzt ganz Europa auf Serbien blickt, ist kein freundliches. Tie Aussicht, daß um der Ansprüche der Serben willen ein Krieg, vielleicht :iii Weltkrieg entbrennen könnte, kann unmöglich günstig für sie stimmen.' Und läge der Fall noch etwa so, daß ein schnell anwachsendes, rühriges Volk die Hilfsquellen seines Heimatlandes schon völlig ausgenutzt hätte und durch die bittere Notwendigkeit darauf hingewiesen wurde, sich neue Siedelungsgeblete zu erobern. Aber davon ist es weit entfernt. Serbien ist ein schönes und ein reiches Land, doch seine Bewohner haben noch lange nicht das daraus gemacht, was sich daraus machen ließe. Wobl durchziehen das Land Straßen, die oft besser sind als ihr Nus, aber an Eisenbahnlinien hat ganz Serbien noch heut nicht mehr als etwa 600 Kilometer, und die Hauptlinie, die große Verkehrs- und Lebensaoer des ganzen Landes, die vielberuiene Orientbahn, die das Land von Belgrad bis zur bulgarischen Grenze hin durchschneidet, ist ein' Werk europäisihen Unternehmungsgeistes. Serbiens Berge bergen erhebliche Lcbâtze an Erz und Kohle; dennoch stehen Handel und Industrie noch immer auf niedriger Stufe. Allein selbst die alte und ehrwürdige Beschäftigung der Landwirtschaft hat der Serbe noch bis heute nicht 311 entwickeln verstanden. Der icrbnme Lanvmann kennt eine besondere Düngung überhaupt nicht. Er ackert, sät und erntet. Mais und Roggen sind leine Hauptielvfrüchte, und sie werden nach den Beobachtungen von Emil Schlesier auch gleich iw Fweien von Pier eu, seltener von Ochsen ausgetreten. Das Stroh laßt er um*
Sinne der von Deutschland angeregien Vorstellung erteilte, rief in Belgrad die größte Erbitterung gegen Rußland hervor. Die Blätter enthalten maßlose Angriffe gegen Iswoliki, der im Dienst? Oesterreich-Ungarns stebe. Da die politischen Kreise die Entscheidung der serbischen Neuerung mit Besorgnis erwarteten, so rief die heutige Nachricht, daß die serbisch? Negierung auf die Autonomie Bosniens und auf die territorialen Kompensationen beharre, um so größere Freude bei vor. „Politika" ruft aus : Möge uns nunmehr Oesterreich-Ungarn ein Ultimatum stellen, wenn es dies wagt.
London, 3. März. Das Neutersche Bureau erfährt, daß eingegan- enen Informationen zufolge die serbische Negierung gemäß dem von Rußland e> testen N au ch lag ihren Antrag auf Gebietsentschädigung zurnckziehen wird.
Konstantinopel, 3. März. Dir Kammer beschäftigte sich in der heutigen Sitzung mit der vom Minister des ^hncrn erlassenen Verordnung betreffend die Anzeigepflicht öffentlicher Versammlungen. Ismail Kemal (liberal) griff die Regierung wegen dieser Verordnung an und beantragte, eine Inte'pellation an den Minter des Innern zu richten. Die jiingtürkischen Redner verteidigten dagegen di? Maßregel der Regierung. Nach lebhafter, teilweise sogar stürmischer Debatte wurde ber Antrag Kemals mit großer Mehrheit ab- gelehnt. Im weiteren Verlaufe der Sitzung kam der Abgeordnete für Beirut, Suleiman Bostani, auf die Frage der Bagdadbahn zmück und beantragte die Bildung einer Kommission zur Prüung ber Verträge. Ismail Hakki unterstützte den Antrag. Die Kammer nahm zwar die Erklärungen des Ministers der öffentlichen Arbeiten an, hat aber damit noch nicht die Verträge gutgeheißen. Auf die Erklärung des Vorsitzenden der Kommission für öffentliche Arbeiten, daß die Kommission den Minister ersucht habe, ihr alle Verträge, barunter auch die die Bagdadbahn betreffenden Verträge vorzulegen, wurde der Antrag Vostcu.fi Ab gelehnt. Ein weiterer Antrag, eine Ermäßigung der Post- und Tele- araphenaebühren für die Presse einzuführen, nuube einer Kommission überwiesen.
Aufhebung der lex Trimborn.
Berlin, 2. März. Dem Bundesrat wird in nächster Zeit ein Gesetzentwurf zugeben, durch welchen § 15 des Zoll- tariigesetzes, die sogenannte lex Trimborn, die gewisse Einkünfte aus den Nahrungsmittel,zollen für bie zukünftige Witwen- und Waisenversicherung der Arbeiter reserviert, aufgehoben werden soll. Es sollen statt dessen feste R e i ch s z u s ch ü s s e von etwa 45 bis 50 Millionen jährlich für die Zwecke der Witwen- und Waisenversicherung in den Etat gestellt werden.
fach verderben. Er weiß nichts damit anzusangen, und der mütterlichen Erde wird auf diese Weise wenigstens etivas neue Nahrung zugeführt. Alles macht den Eindruck des Einfachen, Rückständigen. So bietet das serbische Land dem Volke, das es bewohnt, noch große Aufgaben und Möglichkeiten. Noch besitzt es weite einsame Strecken, die der Besiedelung harren, noch könnte der Boden zu weit höherer Leistung gesteigert werden.
W ll man das heutige serbische Volk und sein Leben verstehen, so muß man zwei, an Umfang wie Einfluß von einander sehr merklich abweichende Schichten unter* scheiden. Tas eigentliche Wesen des serbischen Volkes muß man beim Bauern suchen, aber das Geschick des serbischen Landes macht der Städter. Der serbische Bauer und der serbische Stadtbewohner verlangen eine gesonderte Betrachtung.
Die Serben bilden von Haust aus einen der edelsten Stämme der slawischen Nasse. Ihre Heldentaten im Kampfe gegen bie türki'che Fremdherrschaft sind bekannt und bezühmt, rind sie leben fort in einer reichen und schönen Volkspoesie, die ja das lebhafte Interesse unseres Ranke erivcckt hat. Der körperlichen Konstitution nach ist der Serbe in der Regel recht glücklich ausgestattet. Von Wuchs ist er durch- f gnittlich eher groß als klein, breitschultrig und selten feist. Der Kopf ist gewöhnlich gut proportioniert, die Augen zumeist dunkel und ausdincksvoll, Nast und überhaupt die Gesicht^züge sind scharf geschnstten und anziehend. Am ver- breitelsten ist brauner Haarwuchs; blond, ist häufiger als schwarz. Der Bauer trägt in Serbien heut fast immer einen Schnurrbart. Am schönsten wirkt die Gestalt eines echten Serben, wenn man ihn wandelnd trifft. Sie haben einen kiä't'gen und leichten Gang, eine gute Haltung und einen scharfen Blick. Weit weniger günstig wirkt im allgemeinen der Anblick der serbischen Frauen. Sie pflegt kleiner zu sein als der Mann. Ihre Gesichtszüge sind gewöhiilich regelmäßig, aber Schönheiten trifft man selten. Und selbst,
Parlamentarisches.
Die Budgetkommission ^es Reickistacks begann gestern die Beiatung des Miliiäretats. Der Vorsitzende der Kommission Abg. Frhr. v. Gamp (Rv.) richtete an den Kriegsminister v. Einem folgende Ansprache: Im Namen der Budgetkommission gebe ich meiner Freude darüber Ausdruck, den Herrn Kriegsminister gesund in unserer Mitte zu sehen. Die Armee hat dieser Tage einen seltenen Gedenktag geieiert. Viel Anerkennung ist ihr von allen Seiten, insbesondere auch von der allerhöchsten Stelle gezollt worden. Die Arbeiten der Budgetkommi'sion sind bei den Nefforts im allgemeinen nicht besonders beliebt. Der Herr Kriegsminister hat den Boden sachlicher Erörterung nie verlassen. In sachkundiger, konzilianter Art und Weise sind d e Differenzen stets beglichen worden. Möge er noch lange in feinem Amte verbleiben. (Lebhafter allseitiger Beifall.) Krieqâminister v. Einem erwidert mit herzlichstem Dank für die freundliche Anteilnahme an seiner Person und an seiner Gesundheit. Sie haben des seltenen Festes gedacht, daS di» Armee am Montag zu feiern in ber Lage war. Wir haben nur unsere Pflicht und Schnldiakeit getan. Ich muß dagegen protestieren, daß die Verhandlungen in der Budgetkommission mir nicht unangenehm gewesen seien (Heiterkeit); aber die Budgetkommission ist mir stet? sachlich entgegen- gekommen. Ich werde so lange in meinem Amte verbleiben, wie meine Gesundheit es erlaubt und ich die Neberzengnng habe, daß meine Tätigkeit dem Heer» und dem Lande von Nutzen sein werde. — Referent ist Abg. v. Eiern (Natlib.), Korreferent Abg. Erzberger (Zentr.). Der Referent beschäftigt sich mit der Frage der Ratwnen. Die Gehälter der Offiziere sind nicht erhöht worden, aber die Lebensverhältniffe. P erdepreise usw. enorm gestiegen. Die Ersparnisse an den Rationen könnten daher als Erhöhung des Gehalts angesehen werden. Für dit kommandierenden Generale sind acht Rationen berechtigt; wenn sie auch nicht acht Pferde halten, so verwenden sie doch auch für dienstliche Zwecke Droschken usw. Der Referent ersucht um Mitteilungen über die Benutzung der Militärautomobile sowie über ihre Verteilung auf die Truppenteile. Auch die Art der Zulagen fei in die Erörterung zu ziehen. Darunter seien durchaus notwendige Zulagen bei den Kommandos, die knapp genug bemessen seien. Der Korreferent will die Frage der Rationen nicht für sich allein, sondern nur in Verbindung mit den Pferdegeldern und Stallservicm behandelt haben, eventl. sei die Frage in einem besonderen Gesetz zu regeln. Nur für etwa 65 Proz. der Rationen werden wirklich Pferde gehalten und man könne durch Streichung der anderen 35 Prozent 250—280 000 Mark sparen. Man solle die Frage daher jetzt zurückstellen und wenn die Serbin von der Natur mit Schönheiten ausgestattet ist, so welkt sie vor der Zeit hin. Denn die Stellung der Frau im serbischen Bauernhause ist keine andere, als bie eines Arbeitstieres.; und wenn die Hausfrau dem Gast» ihres Gatten bei der ersten Begrüßung die Hand süssen und nach seiner Bewirtung sich aus dem Gemache entfernen will, wenn sie an dem Gespräche der Männer nicht teilnehmen darf, so deuten diese Sitten auf alte Einwirkungen der orientalischen Lebensformen hin. Gehen wir von den körperlicken Merkmalen zu den geistigen und seelischen Eigentümlick leiten des Serben über, so bietet sich da mancher mei kivürdige Zug. Man muß sich daran erinnern, daß das Serbenvolk lange Zeit abgefchlosse'i von allem Fortschritte gelebt hatte. Dadurch hat es eine Reihe schöner pairia' chalischer Züge sich erhalten, vor allem den äußerst starken Familiensinn und die zähe Liebe zum Vaterland?. Das Gegenstück aber bildet ein hartnäckiger Konservatismus. Der Serbe geht nicht leicht von dem, was ihm überliefert ward, ab, selbst wenn die Mißstände offen am Tage liegen. Er ist überhaupt nicht so leicht in Bewegung zu setzen, er ist im Grunde eine eher bedächtige Natur. Bei Streitigkeiten zwischen Bauern kommt es wohl zu hitzigen Reden und zum F-Iucken, aber richt so leicht zu Tällichkeiien. Mäßigkeit und Gastfreundlichkeit sind ferner altüberlieferte Tugenden des Serben. Der Zug aber, der alle aubeien gleichsam beherrscht, das ist sein Unabhângig- fetdünn. Er ist der geborene Demokrat. Er kennt keinen Adel, er kennt keine Grundherrschaft. Gegen jeden Eingriff in die Rechte feiner Unabbängigkeit oder in bie der allgemeinen Gleichheit setzt er sich mit äußerster Kraft zur Wehr. Serbien ist eigentlich eine bemofratüche Republik mit einem Könige an der Spitze. Und nun ist das Merkwürdige, daß dies mdcmokrnti'che Bauerntum sich im Grunde doch von einer Hand voll Städter gängeln läßt.
Serbien hat ja nur zwei bedeutendere Städte. Nisch, die alte, und Belgiad, die neue Hauptstadt. Jene das Antlitz Serbiens gegen den Orient, diese das zum Norden bin. Dam