Erstes Blatt.
Hanauer K Anzeiger
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Bi«Mi85tH4 1,80 Mk., m»naüich 60 Pfg., für oul» »ärtige Abonnenten mit bem betrehenben Pojiausjchtag, Sie cuytine Kummet teilet 10 Pfg.
Reiaiienlbtu^ und Verlag bet Buchdrucker« bd verein, es. Warienhaufet in Hanau.
Gencral-Anze'igcr
Amtliches Organ für Stabb uni Lan^rcis Sam.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Einrücknngügetthr»
Die f&ufgespaltene OetitjeUe ob« bereit Komm #0 ysg, tat Äettomenteil bte Zeit« 35 Pf^
Berantroarü. Redakteur: •. Schrecker Ig Hanan.
Nr. 47
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Fernfprechanschlnst Nr. 605
Doiincrstng -cn 25. gtürimt
Aernsprechanschlutz Nr. 605
1909
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Lie ikMkNmliicr mscht aiisjcr MnlttlaltatjÄlt
18 Seiten.
Kierzit
„Amtliche Beilage Nr. 3".
AnUliches.
Der Plan über die Errichtung einer oberirdischen Deleprat ftcnlinie in der Bahnhofstraße in Dörnigheim liegt b i dem Postamie in Hanau vom 25. Februar ab 4 Wochen aus.
Cassel, 20. Februar 1909. 4429
_______Kaiserliche Ober-Postdlrektion.
Schttlerimrettabteillnrg der kanf- männischen Fortbildnngdschnle.
Das neue Schuljahr beginnt Montag den 19. April, nachmiltaas 2 Uhr. Der Unterricht erstreckt sich auf wöchentlich 10 Stunden, die — außer am Samstag — nachmittags von 2—4 Uhr abzehalten werden. Der Unterricht im Französischen und Englischen ist wahlfrei; es wird in folgenden Fächern unterrichtet:
1. Rechnen 2 Stunden. Die 4 Spezies unter Anwendung auf faufmänivfd)e Verhältnisse, Bruchrechnung, Prozent-, Zins-, Diskont-, und Terminrechnung.
2. Buchführung. 2 Stunden. Buchung von 5 Geschäfts zängen nach der einfachen und doppelten Methode. Das amerikanische Journal.
8. Handelslehre und Korrespondenz. 3 Stunden. Vom Handel und den Handelspersonen. Der Betrieb des Handels. Tanschm ttel im Handelsbetriebe unter besonderer Berücksichtigung des W ch'els und Schecks. — Briefe in Form von Korrespondenzgängen.
4. Stenographie und Maschinenschreiben.
3 Stunden. Verkehrsschrift und Einführung in die Grund- lehren der Debaltenschrift. (System Gabelsbergers — Dau und Behandlung der Schreibmaschine. Fehlerloses Schreiben auf der R e m i n g t o n-, Smith Premier- und Adler- Maschine.
S. Französisch, ffac.) 2 Stunden. Einführung in die französische Handelskorrespondenz. (Vorkenn.nisse erforderlich. s
6. Englisch. Gegen Zahlung von jährlich 8 Mk. ist den Schülerinnen gestaltet, sich am englischen Unterricht der Schülerabteil ung zu beteiligen.
Feuilleton.
Balladen- und Liederabend von Alexander Hcincnlann.
Zu dem am 8. März d8. Js. stattfindenden Konzert dieses berühmten Sängers möchten wir heute nochmals an dieser Stelle ganz besonders hinweisen, indem wir eine kritische Würdigung zum Abdiuck bringen, welche das „Neue Budavester Journal" über einen kürzlich dort veranstalteten Liederabend ^Heinemanns veröffentlicht hat. Es schreibt : „Wir erlebten heute im Noyalsaal die selisame Ueberraschung, Fee Reklame bei einem Akt der Bescheidenheit ertappt zu haben. Was sie uns über Alexander Heinemann mitzmeilen gewußt hat, ist nur ein Teil dessen, was wir zum steife dieses ganz ausgezeichneten Künstlers vorzubringen bemüßigt sind: Heinemann ist der größte Liedersäuger, dem wir seit Mesjchaert im Konzertsaal begegnet sind. Die Stimme: ein dunkler, rauhlühUger, aber fraftüodcr Daßbanton, biegsam wie Stahl und durch Technik und Energie gefeilt, nötigenfalls auch ©übersähen eines seidenweichen Pianos ziehen zu können. Durch den Voltrag Heinemanns glüht ein großes Herz, strahlt ein scharfer Geist; sein Register dehnt sich von er^ültenibem Pathos zu tändelndem Scherz, von tlänender Wehmut zu lächelnder Grazie; unentnnnbar stehen wir in dem Banne seiner Kunst, die wis zwingt, mit ihm ' zu fühlen: himmelhoch jauchzend, zu Tode b-nnd. Wie hat uns der ©ârger m t Schuberts „E re, engesang innerlich ergriffen, m.t welchen dramatisch erschütternden Momenten wußte er Löwes „Nächtliche H^r chau an >u- gestalten und im heiteren Gegensatz das lembumouitniie „Gutmann und Gmwnb" zum Ausdruck zu biinaen. r geniale Künstler nahm auch Vetanlaffung, einem umaen
Schitlaeld jährlich 30 Mk. — Anmeldungen werden vom 1. bis 5. März, von II bis 12 Uhr vormittags, sowie Mittwoch den 5. März, nachmittags von 3 bis 4 Uhr im Schulhanse, Gärtner- straste 67, entgegengenommen, können indes auch schriftlich erfolgen.
Hanau den 22. Februar 1909.
Der Direktor.
Pfeifer. 4469
Gefundene und verlorene Gegeustiiadc 2t.
Gefunden: 1 weißes Taschentuch (gez. L. EI, 1 Kindergummischuh, 1 schwarbrauner Damenpelz mit 8 Schivänzen, 1 grüulederner Damenaürtel mit achteckiger Schualle, 1 Portemonnaie mü 1,49 D!k.
Air geschwemmt: 2 Stalliüren.
Verloren: 1 Säge, 1 silbernes Handtäschchen mit silbernem Portemonnaie mit 50 Psg. Inhalt, 1 dunkelgrünes Handtäschchen mit Portemonnaie mit 19 P'g. Inhalt.
Zugelaufen: 1 schwarzer Jagdhund mit braunen Abzeichen.
Hanau den 25. Februar 1909.
Politische Rundschau.
Die Kriegsgefahr zwischen Oesterreich und Serbien.
Rußland hat bisher, trotz aller seiner feindseligen Bemühungen gegen Oester,eich-Nngarn, noch keinen Erfolg auf- znwei'en. Alle Versuche Iswolskis, seinem Kollegen Freiherrn von Aerenihal einen Knüppel zwischen die Beine zu werfen, sind mißlungen. So glaubte Herr von Iswolski, als er sich bereit erklärie, um den Preis der Sprengung des europäischen Konzerts die Königswürde Ferdinands von Bulgarien einseitig anzuerkennen, einen besonders feinen Schachzuo gegen Oesterreich Ungarn ausgeklügelt zu haben. Aber selbst England und Franki eich weigerten sich, diesen Winkelzug der russischen Prestigepolitik mitzumachen, und so mußte Herr von Iswolski schleunigst den Rückzug antreten. Nicht besser erging es seinem zweiten Trick. Er erklärie, daß Rußland sich einem gemeinsamen diplomati'chen Schrat der Großmächte in Belg« ad nur dann anschließen könnte, wenn gleichzeitig auch ein ebensolcher Schritt in W en unternommen werde. Diesmal gelang es ihm zwar, England und Frankreich mit sich zu reißen, die russi'che Intrige scheiterte aber an der Bunde-treue der deutschen Regierung, die klipp unb klar erfüllte, daß sie zu keinem Schritt zu haben sei, der auf eine Pression oder gar auf eine Demütigung des verbündeten Oesterreich- Üngarn hinauslaufen könnte. Deutschland hätte eine solche Intervention, selbst deutschen Komponisten das Wort zu spre en. Sein Programm enthielt eine Anzahl Lieder und Balladen von Hans Hermann, durchwegs moderne, in Form und Stimmung charakteristische Tondichtungen, die durch geistreichen Ausdruck und poetische Empfindung fesselten. Die effektvolle Ballade „Salomo", das köstliche Genrebildchen „Der alte Herr" und „Die drei Wandrer" waren Glanzpunkte seines Programms, welches noch durch einige stürmisch begehrte und gern gewährte Zugaben bereichert wurde." Heinemann hat für Hanau ein änße st interessantes und abwechslungsreiches Prog'amm aufgestellt, in dem auch die soeben ermähnten Lieder enthalten sind. Das Konzert verspricht ein Ereignis allerersten Ranges zu werden und wir schließen mit dem Wunsche, daß dem Sänger für seine einzigartige Kunst ein volles Haus beschieden sein möge.
SnMiimSfner hä LrMmmm
am 20. Februar 1909.
Festvortrag von E r n st Schnell, Hanau.
Sehr geehrte Damen und Herren I Es ist mir znnä bst eine angenehme Pflicht, sie im Namen des Vorstandes des Oratorieuvtieins herzlich zu begrüßen und ihnen für ihr Erscheinen bestens zu danken; insbesondere zollen wir warmen Dank den verehrlichen passiven Mitgliedern und Gästen, die durch ihre Teilnahme an unserer Jubiläumsfeier ihr Interesse und Wohlwollen für den Oralorienverein erneut und wohltuend zum Ausdruck bringen. —--
Verehrte Anwesende! Die heutige Feier ist veranstaltet worden zum Andenken an das 60jährige Bestehen des 'Oratorienvereins. Sie ist zwar gehalten in bescheidenen Grenzen, aber sie wird geadelt von stolzem Dereinsbewußt- sein und erhält einen weihevollen strahlenden Glanz durch die echt deutschen Tugeichen der Pietät und Daitkbarkeit, die in unseren aktiven Mualiedern den Gedanken an eine
wenn sie in noch so freundschaftliche Formen gekleidet worden wäre, nur dann milgemackt, wenn sie von Wien aus gewünscht worden wäre. Daß dies nicht der Fall war, geht deuilich genug aus einem oifiziöstn Eammuniquö des „Frrmden- blatts" hervor, welches sich entschieden gegen den Versuch eines solchen diplomatischen Schrittes in Wien ausspricht.
In der Tat, es würde nahezu einer Verhöhnung der österreichisch-ungaris ^en Monarchie gleichkommen, wenn man ihr, die bisher auch gegenüber den frechsten serbischen Herausforderungen eine wahrhaft bewundernswürdige Ruhe und Kaltblüiigkeit an den Tag gelegt hat,' schulmeisterliche Ermahnungen erteilen wollte, den Frieden nicht zu stören. Oder wenn man Oelterre ch Ungarn, das in seiner Friedfertigkeit bis an die denkbar äußerste Grenze gegangen, und Serbien, das an Friedenstörungen daS äußerste erlaubte Maß längst überschritten hat, überhaupt nur mit gleichem Maße messen wollte.
Jetzt bleibt noch die Frage offen, ob eine Intervention der Mächte in Belgrad allein erfolgen soll. Von französischer und englischer Seite ist zu diesem Zweck das Ansinnen an Österreich Ungarn gestellt worden, es möge die Derm'ttlungsiätigkeit der Mächte in Belgrad durch genaue Bekanntgabe jener wirtschaftlichen Konzessionen erleichtern, welche es Serbien zu bewilligen geneigt sei. Solange aber Serbien die Donau-Monarchie mit bewaffneter Faust bedroht und solange ein serbisches Regierungsblatt in so unerhörter Weise die Politik Oesterreich» Ungarns zu verleumden wagt, wie es die „Samouprava" getan hat, ist es mit der Würde einer Großmacht unvereinbar, irgendwelche Konzessionen zu machen. Wie verlautet, hat denn auch das Wiener Auswärtige Amt bereits erklärt, man denke hier nicht daran, sich in Erörterungen über die Serbien zu gewährenden Konzessionen einzulassen, solange Serbien an seinen politischen Forderungen festhält, die vollständig unberechtigt sind.
Immerhin verfolgt man hier den Plan eines Kollektiv- schriit'S der Mächte in Belgrad mit gefoannter Aufmerksamkeit, da man sich davon sehr viel zur Klärung der Situation verspricht. Man kann nämlich, so sagt man hier, nicht eher Rußland mit Recht den Vorwurf machen, daß er die Serben ermutige, bis sich Rußland geweigert habe, sich an einer Intervention der Mächte in Belgrad zu beteiligen. Dann wird sich zeigen, ob Serbien tatsächlich auf materielle Hilfe von Rußland rechnen kann, oder ob das Belgrader Regierungsblatt geflunkert hat, als es anbeutete, daß es positive Anhaltspunkte dafür habe, daß Serbien nicht allein stehe.
Deutschlands Weigerung,
sich an einer Intervention in Wien zu beteiligen, dürfte diesen Plan überhaupt zum Scheitern gebracht haben. Die „Köln. Zlg." erklärt nämlich in einem Berliner Telegramm: „Es ist anzunebmen, daß die Mächte nach Deutschlands ^mbmmbmmmmmmmmmmmmbmmmmmmmbm—— —■
Jubiläumsfeier wach riefen und bann auch in die Tat um* setzen ließen. — 60 Jahre — ein winziger, kaum bemerkenswerter Zeiiabscknitt im Leben der Jahrtausende! 60 Jahre — ein gewaltiger, inhaltsschwerer Begriff im Leben der einzelnen Menschen, im Leben der Vereine. 60 Jahre lang hat nun auch schon der Oratorienverein gewirkt, gelebt und gestrebt im Dienste einer hehren, erhabenen Kuiist, allzeit aeheu seinem obersten Grundsatz hat er in guten und bösen Tagen durch hingebende Pflege der ernsten klassischen Musik das Musikleben in unserer Stadt verfeinert und auf ein höheres Niveau gehoben, ein ganzes Menschenalter hindurch ist es ihm edles Ziel gewesen, die Herzen und Gemüter seiner Zilhörer zu erfrischen, aufzurichten durch die Aufführungen der unsterblichen Werke unserer großen Meister. Fürwahr e.ne ehrenvolle Vergangenheit, bie getrosten Mutes Anspruch erheben darf auf Beachtung und Würdigung.
Der Oratorienverein wurde gegründet am l2. September 1848 durch die Herren Kommerz-Assessor Jakob Müntzen- berger und Mnsikd rektor Fr. Rühl. Wie tief muß doch in den Herzen dieser Männer und der ersten Mitglieder überhaupt " die Liebe zur Kunst gewurzelt haben, und wie unerschütterlich fest muß ihr Wille in der Ausführung gewesen sein, daß sie zu einer Zeit, in welcher heißblütige, temperamentvolle Freiheiishelden für ihre Idee starben im Barrikadenkampf und aufgeregte Volkshaufen tumultarisch durch Straßen und Gassen zoaen, in welcher sogar sonst friedliche Bürger zur Wehr griffen und fast alle Verhältnisse mehr oder weniger unter dem Zeichen der Revolution stanven, unberührt hiervon einen Verein ins Leben riefen „der durch die vortrefflichen mehrstimmigen Gksaugskomposilioneni m Oratorienfache den Sinn für das Schone und Vortreffliche heben und söidern und dadurch der Vaterstadt auch in Beziehung auf Kunst Bedeutung und Ansehen verschaffen sollte."
Es blieb aber nicht nur bei der Gründung; es wurde auch sofort fleißig und aewissenhaft geübt, sodaß schon am 29. Derembrr desselben Jahres das 1. Konzert unter Rübl'-