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General-Anzeiger
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«9, Wal>myaujeS in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Bet antwort!. Redakteur r Ä. Schrecker in Han«,
$L 46 ^ernsprechanschs«tz Nr. 605.
politilcke RundTd;ati.
In der Getteras-Versammlung des Bundes -der Lattvwirte wurde zur Re'chsfinanzreform folgende Resolution angenommen: „Die Generalversammlung des Bundes der Landwirte erklärt eine ausreichende Reichsfinanz- reform für eine nationale Notwendigkeit. Die Deutsche Landwirtschaft wird sich an ihrer Durchführung willig beteiligen. Trotz ihrer derzeitigen steuerlichen Ncherlastung mit Staals-, Provinz., Kreis- und Gemeindestellern, die einen sehr viel größeren Teil ihres Einkommens in Anspruch nehmen als die Steuern in den Großstädten, ist sie bereit, weitere notwendige Lasten zu trogen zur Stärkung des Reiches, zur Be- stiiignng seiner Schuldenlast, zur Hebung seines Kredites und seines Ansehens. Die Generalversammlung erwartet, daß dabei entsprechend den steuerpolitischen Grundsätzen der Reichs- verfassung der Ausbau der direkten Besteuerung den Einzelstaaten überlassen bleibt, daß das Reich aber seine indirekte Besteuerung weiter entwickelt und den etwa nicht gedeckten Teil ferner Ausgaben von den E nzelstaaten lediglich in der Form anteiliger ßeiftimgen nach dem Maßstabe der Mairi- kularbeiträge einkordert. Insbesondere verwirft sie mit aller Entschiedenheit die vorgeschlagenen Nachlaß- und Erbschaftssteuern und das Eidrecht des Staates aus Gründen der Wahrung des Eioemumsbegriffs, der Erbaltung des gesamten Mittelstandes und der Pflege des Familiensinnes." — An den Kaiser wurde nachstehendes Telegramm gerichtet: „Seiner Majestät Wilhelm H„ Königliches Schloß. Euerer Majestät, dem Schirmherrn der deutschen Landwirtschaft, bringt die Generalversammlung des Bundes der Landwirte ihre Huldigung dar. Auf der festen Grundlage der Verfassung des Reiches stehend, stehen wir in alter Treue unerschütterlich zu imf.iem kaiserlichen Herrn."
Tic Gesellschaft für soziale Reform hält vom 4. b s 6. März in Frankfurt a. M. ihre 4. Generalversammlung ab. Auf der Tagesordnung stehen das Recht und die Versicherung der Privalangestellien; das Referat für das erste Thema hat Reichstagsabgeordneter Dr. Pouhoff übernommen, über die Peusionsvcrsichenmg der Privatbeamtcn wird Herr Dr. Kahn (Frankfurt a. M., Soziales Museum) berichten. Vorbereitet sind die Verhandlungen durch drei Hefie der „Schuhen" der Gesellschaft (Jena, Gustav Fischer), die mit gründlichster Sachkenntnis die einschlägigen Fragen erörtern. Auskunft über die Generalversammlung erteilt das Bureau für Sozialvolnik. Berlin W 30, Nollendorfstr. 29 30.
Die Urriversttätsfra^e in Bayern hat zu einem neuen Gegensatz zwischen der Regierung und bett Hochschulen ge'ührt. Der Kultusminister hat die Axt an die finanzielle Selbständigkeit der Universitäten gelegt, indem er sich das Ver'ügu"gorechi über die Summe, die durch die Erhöhung
Feuilleton.
Konzert des MjrcrfnttflcrffjorS am 16. März 1909.
Der Lehrersängerchor hat für fein am Iß. März 1909 statifindendes Konzert ein gediegenes und abwechs- lungsv olles Programm a fgestellt. Als Eröffnungschor kommt zum ®eöäd)im§ an den großen Tondichter Felix Mendelssohn Bartholdy dessen prächtiger „Festgesang an die Künstler", mit Begleiiung von Blechinstrumenten, zum Vortrag. Als weitere Darbietungen folgen „So thaten« I i eb"' von Franz Liszt, ein frischer, packender Chor mit Begleitung von Pauken und Trompeten, ferner „Am Sieg- friebbrtinnen", Chor mit Orchesterbegleitnng von Fritz V o l b a ch, ein s e h r st i m m u n g s v o l I e s Tongemälde, in dem die Ermordung des Nibelungenbelden Siegfried durch den glimmen Hagen in ergreifender Weise geschildert wird. Der' Chor, der zu den besten Schöpfungen zählt, die die neuste Männerchärliieratur aufzuweisen hat, macht zur Zeit die Runde unter allen größeren Gesangvereinen Deutschlands und Oesterreichs, überall den größten Beifall findend. Sodann folgen zwei reizende Volkslieder und als Schlußchor die äußerst wiikungsvolle Komposition „Tholana" von Theodor Podbertrky, für vierstimmigen Männerchor mit Orchrsterbe- gleitiing. Die textliche Unieilage des Choies „Tbalat'a ist der Rückzug der zehntausend Griechen nach der Schlacht bei Kunaxa unter I novhon's Führung (Anabasw). Ohne Kunde des Landes und der Sprache und ohne zuverlmstgc Führer mußten die Giiechen unwegsame Berge übe. beigen, gißende Strome duichmaten, unwirtliche, mit tiefem Schnee überdeckte Gegenden durchziehen, verfolgt von den Persern und ange
Mittwoch den 24. Fcbrimr
der Immatrikulationen von 10 auf 20 Mk. und die Kollegien- gelder ein'o amen, vorbehalten hat. Bisber wurde aus diesen Geldern ein akademischer Dispositionsfonds angelegt, der nach dem Vorsdlage der Universitäten verwendet wurde. Die Senate sollen nunmehr über die Verwendung der GAder die'es Dispositionsfonds nicht mehr befragt werden. Der neue Fall hat in akademischen Kreisen unter den Studenten wie unter den Professoren große Erbitterung hervorgerufen.
Im lippischen Landtape erklärte der Minister, der Protest gegen die sämtlichen Wahlen sei hinfällig. Die Wählerlisten seien genau wie seit 30 Jahren ausgestellt worden. Die Kommission hat gegen die Gültigkeit der Wahlen nichts einzuwenden. Die Weiterberatung wurde darauf vertagt.
Die dänischen Landesverteidipungsvorlagen vor dem Folketying. Das Folkething setzte gestern die Beratung der Landesverteidigungsvorlagen fort. Gegenüber den Ausführungen der verschiedenen Parteiführer erklärte der Verteidigungsminister Neergaard, daß die beantragten vorgeschobenen und befestigten Positionen zu Lande bei Kopenhagen für die Sicherung der Neutralität notwendig seien. Diese befestigten Punkte könnten nicht als Landfestungkn bezeichnet werden. Der Minister bestätigte die siüheien Aeußerungen über die Stellung des Auslandes zu der Verteidigung der Neutralität durch Dänemark, nämlich daß von feiten des Auslandes keine Pression ausgeübt worden sei und auch keine Pression ausgeübt werden würde. Nach dem Veiteidigungsmiuister ergriff der Minister des Aeußern Graf Ahlefeldt-Laurvigrn das Wort. Er hob hervor, daß Dänemark gegenwärtig mit allen Mächten in freundschaftlichsten Bestellungen stehe und daß die Mächte überzeugt seien, daß Dänemark stets strenge Neutralität beobachten werde. Aber, fuhr der Minister fort, während eines Krieges können Situationen e ntruen, da eine Neu« tralitätsverletzung nicht unwabrsebeinlich ist. Für biete Fälle müssen wir bereit fein, eine Verletzung Anückzuwtisen. Eine nicht verteidigte Neutralität ist der Möglichkeit einer Nicht* respekUerung ausgesetzt; aber es gibt natürlich Grenzen für das, was eine kleine Nation für ihre Verteidigung auf- wenden kann. Von rins werden zwei Diiige verlangt: nämlich eine korrekte Haltung in unserer äußeren Politik und eine unseren Verhältnissen angemessene starke Ver- ieidigung. Ei füllen wir diese Forderungen, so bestehen Cbancèn, eine Verwickelung in einen Krieg zu vermeiden. Es ist der Wunsch aller Mächte, daß wir ein möglichst starkes Verteioigungswejen haben. Deshalb empfehle ich eindringlich die Annahme der Gesetzentwürfe. Eine Landesverteidiguna ohne die Sicherung Kopenhagens auf der Land- seite kann ich nicht empfehlen.
griffen von den Einwohnern. Als sie von einer Anhöhe herab zum ersten Mal daS Meer erblickten, begrüßten sie es mit dem lauten Freudenruf „ThalaNa ! Thalatta !" (Meer! Meer !) als das Ende ihrer zahllosen Leiden und Beschwerden.
Zwischen diesen Chornummern werden zwei kleine Orchksteriätze unserer bewährten Jufanteriekapelle und ganz besonders die Solovorträge der ungarischen V i o l i n v i r t u o s i n Fräulein A d i l a von A r ü n y i aus B ud ap est dem Konzert einen erhöhten Reiz verleihen. Die'e jugendfrische Künstlerin ist eine Großnichte und zugleich eine Schülerin des vor einigen Jahren verstorbenen Geigerkönigs Joseph Joachim und wohl eine der begabtesten und anmutigsten Vertreterinnen der Schule dieses unvergleichlichen Meisters. Ihr Auftreten in den größten Städten Oesterreichs, Deutschlands und anderer Länder erregte überall die größte Begeisterung, und es wird ihr eine Zukunft unter den ersten Geigerinnen allenthalben prophezeit.
Sie wird hier als 1. Nummer das herrliche Violinkonzert in G-moll von Max Bruch mit Orchesterbegleilung spielen und außerdem noch als Nummer 2 die Romanze in B-dur von Joachim und „Hexentanz" von Paganini.
Es steht somit dem konzerstiebenden Publikum ein hoher seltener Kunstgenuß in Aussicht.
Wir werden uns gestatten, in den nächsten Tagen noch einige Kritiken Über das bisherige Auftreten der Künstlerin zur öffentlichen Kenntnis zu bringen.
Die Liste wird in Umlauf gesetzt und Bestellungen auf Eintrittskarten, wobei Wünsche nach Möglichkeit berücksichtigt werden, nimmt Herr F. Barth mann, Laugstraßc (Rathaus), schon jetzt entgegen.
Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1909
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Die Krisis im Orient.
Konstantinopel, 23. Februar. Auf der Pforte wurde heute offiziell erklärt, daß das österreichisch-ungarisch-türkisch« Protokoll mit den letzten Veränderungen vom Ministerrat angenommen wurde und dem Sultan heute unterbreitet worden sei. Die Unterzeichnung sei morgen oder übermorgen zu erwarten, worauf es dann beiden Parlamenten unterbreitet werden würde. — Aus den Kreisen deS Boykott» Komitees verlautet, daß mit der Unterzeichnung der Boykott ein Ende haben werde, nicht also, wie von einigen Blättern gemeldet wurde, erst nach der Genehmigung des ProtokollS durch die Parlantente.
Köln, 23. Februar. Ein Berliner Telegramm der „Köln. Ztg." spricht seine Befriedigung darüber aus, daß dem Fürsten Ferdinand von Rußland nicht sowohl politische alS vielmehr höfische Anerkennung gezollt wurde. Es sei anzunehmen, daß die Mächte nach Deutschlands Weigerung, sich den Vorstellungen in Wien anzuschließen, den ganzen Plan fallen lassen werden, von dem wir übrigens nicht annehmen, daß er, vor allem, was Frankreich betrifft, die Spitze gegen Oesterreich-Ungarn kehren wollte; es ist im Gegenteil wohl sicher, daß Frankreich nur zu einer Beruhigung der Lag« beitragen wollte, wofür allerdings die Vorstellungen in Wien nicht das richtige Mittel gewesen wären. Im übrigen weist das Telegramm auf die Meldung der „Voss. Ztg." als beachtenswert hin, nach welcher der französische Botschafter in Wien dem serbischen Gesandten dringend angeraten habe, auf alle territorialen Forderungen zu verzichten.
Das serbische Kabinett.
Belgrav, 28. Febr. DaS neue Kabinett ist wie folg* gebildet: Novakowitsch (Fortschrittler). Präsidium ; Milovano' witsch (AltradikaN AeußereS; Milosavijewitsch Inneres; Protitsch Finanzen; Pasitsch Bauten; Stojanowitsch (Jung- radikal) Kultus; Prodanowitsch Handel; Ribaratsch (Nationalist) Justiz ; zum Kriegsminister ist der Divisionskommandant Oberst Marinomitsch ausersehen.
Belgrav, 23. Febr. Gutem Vernehmen nach gibt ba$ neue Kabinettt morgen in der Skupschtina eine Erklärung ab, in der hervorgehoben wird, daß in der neuen Regierung alle Parteien vertreten sind, da der Ernst der Lage es erfordere, die Einmütigkeit deS serbischen Volkes und serbischen nationalen Skupschtina auch nach außen hin zu dokumentieren. Das Hauptprogramm der neuen Regierung werde die Wahrung und die Verteidigung der serbischen Intereffen nach außen hin sein. Zu bi-fern Zwecke werde die Regierung den Großmächten nächstens die von der Skupschtina aufge- stelllen Forderungen überreichen. Die Regierung, die den Willen der gesamten Skupschtina darstellt, genieße auch daS unbegrenzte Vertrauen der Krone.
Das serbische Kabinett ein Katastrophenkabinett!
Wien, 23. Febr. In hiesigen gut unterrichteten diplomatischen Kreisen wird die Lage unverändert als ernst auf- gefaßt. Eine Aenderung der Situation ist seit gestern nicht eingetreten, dagegen wird hier als ein symptomatisches
Marieiikilihtiichn — AdmiMtnyltiiiiz.
Wenn der Marienkirchenchor eine Abendiinterhaltung veranstaltet, dann darf man voll gespannter Erwartung sein. Der Leiter des Vereins, Herr Rantor Wagner, weiß stets mit neuen Ueberrasckumgen aufzuwarten. Der letzte Familien- abenb am vorigen Sonntag war darum auch wieder außerordentlich gut besucht und die Leistungen der Mitwirkenden vorzüglich, besonders die der Knaben, welche im ersten Teile des Programms einen Cyklus von Deklamationen und zweistimmigen Gelängen mit Pianoforiebegleüung, „Dlumenleben" betitelt, vortrugen. Durch das Ganze weht ein frischer, zuweilen humoristischer Hauch, der den Hörer bis ans Ende fesselt. Der Vortrag der Gedichte sowohl als auch die exakt, mit natürlicher Betonung rein, und mit sichtbarer Begeisterung gelungenen Weisen l eßen eine ausgezeichnete Schulung der Knaben erkennen. Jede Nummer wurde daher auch mit reichem Beifall belohnt. Allenthalben hielt man eine Wiederholung — vielleicht zu einem wohltätigen Zivecke — für sehr erwünscht. Herr Theo Paukst i ch erfreute die Zuhörer im ersten Teile durch zwei Violin- vouräge, „Nocturno" von Field und „Romanze" von ßuinmel, und im zweiten Teile mit dem „Andante" aus dem Violinkonzert von Mendelssohn und pflückte damit die ersten Lorbeeren für sein eifriges Streben. Sein Spiel zeichnet sich neben einer guten Bogenführung durch Reinheit und reiche Empfindung ans. Die Klavierbegleitung wurde von feinem verdien stv ollen Vater, dem Organisten D. P a u l st i ch , in entsprechender Weise ausgeiührt. Die M e n d e l s s o h n f e i e r bestand in einem kurzen, fesselnden Vortrag über Mendelssohns Leben und Wirken, erstattet von Herrn P a u l st i ch , und der Darbietung Mendelssohnscher L>ololieder, Duet'e, gemischter und Mânneichöre. Von dem Kirchenchor wurde der zweite Teil durch den ersten Chor aus dem 95. Psalm „Kommt, laßt uns an beten" wirkungsvoll etugeleitet. Das Teuorsolo hatte Herr Frisch»