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Hanauer K Anzeiger

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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Zanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Die fünf gespaltene DeützeU« oder deren Saum 90 Ps* im Ltklameutoil die Zeile 35 Ps*

Berantwortl. Redakteur; <8. Schrecker è« Hanau.

Fernsprechanschlutz Nr. 605»

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Montag den 22. Fcdriiar

Fertrsprechanschlutz Nr. 605

1909

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Amtliches.

Stadt- und Landkreis F)anau,

Der Nahrungsmittelchemiker Dr. Eugen Braun' Müller hier ist vom Herrn Regierungspräsidenten zu Cassel auf Grund der §§ 10 und folgende des Gesetzes be­treffend den Verkehr mit Wein, weinhaltigen und weinähn­lichen Getränken von 24. Mai 1901 in Verbindung mit Ziffer 2 des Ministerialerlasses vom 23. Januar 1902 zum Sachverständigen behufs Durchführung der in dem vorbe­nannten Gesetze vorgeschriebenen Revisionen für die Kreise Hanau-Stadt und -Land und Gelnhausen ernannt worden.

Hanau den 20 Februar 1909.

Der Königliche Landrat und Polizeidirektor.

P 1901 I. V.: Ir. v. Wa I d o w, Neg.-Asseffor.

Eandkreis Hanau.

Im Anschluß an den Schlußsatz meiner KreiSblatt- bekannnnachung vom 27. August v. Js. J 912 in Nr. 204 desHanauer Anzeigers" vom 1. September 1908 betreffend Aufnahme von an tuberkulösen oder an Krebs­krankheiten leidenden Rentenempfängern in das Philipps- stift zu Immenhausen, Kreis Hofgeismar, bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß die genannte Anstalt am 1. Mai d. Js. eröffnet werden soll.

An dem Stift werden die Rentenempfänger auf Kosten der Landesversicherungsanstalt dauernd verpflegt, sofern sie auf den Weiterbezug der Invalidenrente ausdrücklich Ver­zicht leisten.

Da die Anmeldungen bis zum 1. März d. I. erfolgen sollen, ersuche ich die Herren Bürgermeister unb Gutsvor- stcher, Rentenempfänger, welche geeignet und bereit sind, sich unter den vorerwähnten Bedingungen in das Philippsstift aufnehmen zu lassen, der Landes-Versicherungsanstalt Hessen- Naffau in Cassel, unter gleichzeitiger Beifügung einer ent­sprechenden Erklärung der Rentenempfänger, umgehend feitest namhaft zu machen.

Hanau den 20. Februar 1909.

. Der Königliche Landrat.

J158 J. A.: Hartmann, Kreissekretär.

Politische RundTcbau»

Kaisevmauövev. Das Armeeverordnungsblatt veröffent­licht die Bestimmungen über die diesjährigen Kaisermanöver zwischen dem 13. und 14. Armeekorps. Außerdem nehmen das 1. und 3. bayerische Armeekorps, die 4. bayerische Divi­sion und eine bayerische Kavalleriedivision teil. Bei dem 13. und 14. Armeekorps werden je eine Kavalleriedivision aus­gestellt.

Feuilleton.

XVI Wissenschaftliche Sitzung.

Senckenbergische Nalurforschenve Gesellschaft.

Frankfurt a. M., 20. Februar 1909.

Vorsitzender: Sanitätsrat Dr. med. Ernst Roedige

r.

Dr. O. Kohnstamm, Königstein (Taunus sprach über:

Wesen und Ursprung der Gefühle."

Gefühle sind wie alles andere seelische Geschehen, eigenartige Lebensvorgänge, die sich von den körperlichen Lebensvorgängen dadurch unierscheiden, daß man selbst am bloßgelegten Organ, dem Gehirn, mit unseren heutigen Hilfsmitteln nichts davon bemerken würde. Das Gefühl als seelischer Lebensvorgang und damit als naturwissenschaftliches Objekt genommen, be­darf vor allem der symptomischen Abgrenzung gegen die mit ihr nächstverwandte Empfindung. Empfindungen sind solche Sensationen, die uns von objektiven Eigenschaften und von der Angriffsstelle der Reize Kunde und zu entsprechenden Reaktionen iReizverwertungen) Veranlassung geben. Gefühle sind die psychischen Ursachen der Ausdruckstätigkeiten, in denen die des subjektiven Affizierlseins an den Tag tritt. Es gibt reine Empfindungen, etwa wissenschaftlich beobachtete Töne oder Farben, und reine Gefühle, wie das einen schrillen Ton begleitende Unlustgefühl, in dem nichts Objektivierbarcs enthalten ist. Dazwischen gibt es gemischte Sensationen, wie die des Bitteren, die zugleich als Empfindung auf eine chemische Eigenschaft des reizenden Körpers hmmeiir und zu­gleich als Gefühl den typischen Gesichtsausdruck erzeugt e er zumeinfühlenden" Miterleben zwingt, ^liiw die sog. Organsensationen gehören hierher. Ihr Ge'uhlschnra er geht daraus hervor, daß sie sich mit Gefühlen zu cniem ein­heitlichen Produkt, den Affekten, verschmelzen und, sich selbst verstärkend, neues Herzklopfen ausdrucksmaßig Helvorrusen.

Verstorben. Das Mitglied des Herrenhauses Graf Max v. Sauerma-Ruppersdorf und Zülzendorf ist im Alter von 73 Jahren auf Schloß Ruppersdorf gestorben.

Die sächsische Industrie hat einmütig beschlossen, gegen eine Kohlensteuer sofort energisch Stellung zu nehmen, sobald eine solche in Frage kommt.

Der englische Kriegsminister Haldane erklärte in einer Rede, nach Schaffung der geplanten britischen Reichsarmee würde das großbritannische Gesamtreich 23 Armee­korps besitzen.

Znm Marokkoabkommen. Der Berliner Korre­spondent desPetit Parisien" ist ermächtigt, bezüglich der Behauptung einzelner Pariser Blätter über das Verhalten des Reichskanzlers und des Kaisers in der Caiablanca- Angelegenheit folgende Erklärung des Fürsten Bülow zu ver­öffentlichen : Das ist leeres Geschwätz, welches jetzt, nach Ab­schluß des französisch-deutschen Marokko-Abkommens, besonders bedauerlich ist. Dieses Abkommen ist befriedigend und ver­spricht gleich günstige Ergebnisse für beide Nationen, die nunmehr, was seit langem dem Wunsche des Kaisers ent­spricht, mit guter Hoffnung eine beffere Zukunft ins Auge fassen können.

Das Finanzreform-Kompromitz.

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" veröffentlicht folgende offiziöse Erklärung:

Die Mitteilungen der Presse über die gestrigen Ver­handlungen in der von der Finanzkommission des Reichstages eingesetzten Subkommission treffen nicht in vollem Maße zu.

Insbesondere ist es nicht richtig, daß die Beschlüsse das Ergebnis einer Verständigung mit der Reichsfinanzverwaltung bilden. Die bei der Beratung anwesenden Vertreter des Reicksschatz- amts haben selbstverständlich keine zustimmende Erklärung abgegeben, da sie damit von der vom Bundesrat bisher eingenommenen Stellung abgewichen wären."

DieGermania" teilt über die angeblichen Beschlüsse der Subkommission noch mit, die zustande gekommene Einigung gehe im wesentlichen dahin, daß von den Einzelstaaten eine Desitzsteuer für Reichszwecke erhoben wird, deren Höhe all­jährlich festgestellt, aber 150 Millionen Mark nicht über­steigen soll. Diese Besitzsteuern sollen in vierteljährlichen Raten an die Reichskasse abgeführt werden, so daß das in den letzten Jahren angewandte System einer Stundung von Matrikularbeiträgen nicht beibehalten und auf die Besitzsteuer übertragen wird. Nach einer Mitteilung desTag" soll ferner beschlossen worden sein, daß sich die verbündeten Re­gierungen innerhalb einer Frist von zwei Jahren darüber schlüssig zu machen haben, auf welchem Wege diese höheren Summen auf die Einzelstaaten umzulegen seien; vorläufig

Als Empfindung geben sie uns Kunde von einem objektiven Geschehen in unserem Körper. Die Theorie von James und Lange hat die Organisationen für den einzigen Inhalt der Affekte erklärt. Wenn ein plötzlich ertönender Schuß mich vor Schreck zusammenfahren läßt, so soll nach dieser Theorie der Schreck erst nach dem Zusammenfahren entstehen als Wahr- nehmungdieserBewegung. DieAusdrucksbewegungen wärennicht die Folgen, sondern die ursächliche Grundlage der Gefühle und Affekte. Nach der Auffassung des Vortragenden hingegen löst ein starker Reiz zuerst ein Gefühl aus und dieses neben der Zwcckreaklion die Ausdrucksiätigkeit. Die Wahrnehmung dieser expressiven Organtätigkeit schließlich ist die expressive Organsensation, die sich zu dem primären Ge­fühl addiert und daraus den Affekt entstehen läßt. Jeden­falls ist für die Färbung der Affekte die Art der Ausdrucks- täiigkcit von größter Bedeutung. Dasselbe Prinzip, das die Form der Ausdrucksiätigkeit bestimmt, muß auch die Tönung der Affekte bestimmen. Ein Beispiel soll das Prinzip erläutern. Wenn ich mich tief bücke, entsteht in mir ein beklommenes, heruntergestimmtes Gelühl. Wenn ich seelisch heruntergestimmt bin, nimmt umgekehrt der Körper eine gebückte, zusammengcdrückle Haltung als Ausdrucksiätig­keit an. Daher spricht man von gedrückter, deprimierter Stimmung. Jede einfache Aktion des Körpers ijt von charakteristischen Elemcntargefühlen begleitet. Treten ähnliche Gefühle in seelischem Zusammenhang primär auf, so wild jene Körperaktion als AusdruckSbèwegung wachgerufen. Ge- fühlsaffoziation hat gewissermaßen eine Taste des Ausdrucks- klaviers angeschlagen. Das .nennt der Vortragende die Klaviaturtheorie der Affekte. Die Körpergefühle, auf welche die Gefühlsassoziation zurückgreist, sind nur zum Teil indi­viduell erlebt, zum Teil gehören sie dem Erleben der Ahnen­reihe an, deren Solidarität mit dem die Affekte erlebenden Individuum dadurch an bcn Tag tritt. Die Ausdrucksiätig­keit in ihrer selbständigen Stellung neben dem Zweck geschehen weist darauf hin, daß cs im Leben etwas gibt, was außer

solle es bei der Verteilung nach der Bevölkerungszahl ver­bleiben, wie dies auch bei den Matrikularbeiträgen der Fall ist. Die Einzelstaaten sind aber verpflichtet, dieBesitz- steuer", wie der Name offiziell lauten soll, durch direkte Steuern aufzubringen. Die Nationalliberalen sind nicht ge­neigt, einem solchen Kompromiß ihre Zustimmung zu geben. So äußert sich dieNationalliberale Korrespondenz":

Es hat ein Vorschlag die Billigung der Mehrheit der Kommission gefunden, der auf eine verwischte Umgestaltung der Matrikularbeiträge hinausläuft. ES soll proponiert fein, bis zum 1. Februar 1912 ein Gesetz vorzulegen, wonach ein bestimmter Betrag in Form der Matrikularbeiträge erhoben werden soll mit der Maßgabe, daß die Summe von den Einzelstaaten im Wege der Besitzsteuerung aufzubringen sei. Der Antrag, der an dem heutigen Stand der Dinge nichts wesentliches ändern würde, bedeutet in Wirklichkeit ein gefähr­liches Manöver. Man will zunächst die erforderlichen Gelder durch eine Besteuerung des Konsums zusammentragen und die Frage der direkten Steuern dann seelenruhig auf den St. Nimmerleinstag verschieben. Eine solche Politik werden die Nationallibtialen nicht mitmachen. Wer gibt denn die Garantien, daß jenes Gesetz, das die Matrikularbeiträge in von den Einzelstaaten einzuführende Besitzsteuern verwandeln will, auch vom Reichstage oder den Einzellandtagen ange­nommen wird?"

Wie dieMagdeb. Ztg." hört, hätten sich die National- liberalen und Freisinnigen in den letzten vertraulichen Be­sprechungen über die Reichsfinanzreform zu einem gemein­samen Vorgehen zusammengeschlossen. Es liege bereits ein neuer Kompromißanirag vor, der von ihnen zusammen unter­zeichnet ist. Man erwarte, daß die anderen Blockparteien auf diesen Vorschlag ein geben werden. Der Inhalt des Kompro­misses wird vertraulich behandelt. Der betreffende Antrag soll am Donnerstag der Finanz- und Steuerkommission unterbreitet werden. Hiernach würde ein doppelter Versuch ztir Einigung in der überaus schwierigen Reformfrage vor- liegen. Hoffentlich werden die weiteren Verhandlungen zu einem günstigen Ergebnis führen!

Die Krisis im Orient.

Paris, 20. Febr. Einer offiziösen Mitteilung zufolgs hatte der Minister Pichon vorgestern, gestern und heute mit den Botschaftern Englands, Italiens, Deutschlands und Rußlands längere Unterredungen über die Orientfrage. Der Temps" meldet, daß in diesen Unterredungen die Möglich­keit erörtert wurde, gemeinschaftliche Ratschläge zur Bei­legung deS österreichisch-serbischen Konfliktes zu erteilen. Angesichts des Ganges der Ereignisse sei es denkbar, daß eine solche gemeinsame Aktion, falls sie tunlich erschein«, einen allgemeinen Charakter erhielte. DerTemps" will wissen, daß die Regierungen Englands und Frankreichs bi« bulgarische Note in freundschaftlichster Weise dahin beant unb über den Zwecken steht. So, jenseits der Zwecke stehend, erscheint uns die Kunst als die Krone der Ausdrucksiätigkeit, indem sie aus dem Gefühl erzeugt ist und ihrerseits wieder­um :wecket der dunkeln Gefühle Gewalt, die im Herzen wunderbar schliefen."

* Im Senkenbergischen Museum zu Frankfurt a. M. hat die Schausammlung der palaeontologischen Ab­teilung wieder ein ganz außergewöhnliches Stück erhalten, nämlich die Originalplatte des Pterodactylus kochii Wagner, eines Flugsauriers aus dem oberen Jura .von Kelheim (Bayern). Das schön erhaltene Stück, das einem Forstrat Koch in Regensburg gehörte, wurde 1837 von A. Wagner in den Abhandlungen der Kgl. Bayerischen Akademie der Wissenschaften beschrieben und abgebildet, -geriet aber dann in Vergessenheit und kam erst im vorigen Herbst nach dem Tode eines Nachkonimens des Forstrates Koch wieder zum Vorschein. Ein glücklicher Zufall spielte diese selten schöne Platte unserem Senckenbergischen Museum in die Hände und es fanden sich bald einige Mitglieder, die der Senckenbergischen Gesellschaft den Ankauf ermöglichten Die ganze äußere Er­scheinung der Flugsaurier, das Mißverhältnis des großen Kopses zu dem kleinen Körper, der lange dicke Hals und die sonderbare Entwickelung der vorderen Gliedmaßen, die ähn­lich denen unserer Fledermäuse einen stark verlängerten Finger hatten unb mit einer großen Flughaut versehen waren, bildeten eine so seltene Vereinigung von Merkmalen ver­schiedener Tierklassen, daß die älteren Autoren diese ausge« storbenen Tiere der Jurazeit bald den Säugetieren, bald den Vögeln oder den Reptilien zuwiesen. Sönimerring be­schrieb ein solches Tier im Jahre 1812 als Ornithocephalus und hielt es für ein den Fledermäusen nahestehendes Säuge­tier. Cuvier erkannte aber darin ein Reptil und von ihm stammt auch der Gattungsname Pterodactylus. Seitdem werden diese Tiere als selbständige Ordnung der Reptilien, als Flugsaurier bezeichnet, obschon sie in ihrer ganzen äußeren Erscheinung und ihrer Lebensweise die größte Aehn- lichkeit mit Vög n gehabt haben. Im Skelettbau, nament­lich in dem bes Schädels, der Kiefer. des Beckens rc. sieben