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Erstes Blatt.

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Bezug ?pr«i»;

vierteljährlich 1,80 Ml., monatlich 60 Pfg., für aut» »artige Mountnttn mit dem b«reijenden Postausichlog. Di« einzel»« Nummer lostet 10 Pfg.

VotationtdruL und Verlag der Buchdruckern bei verein, t». WatjeuhaujeS in Hanau.

ML

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Mt- nn) FanRreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

«nrSSnngSgetShrt

Die fünf gespaltene Petitzeile oder deren Statt« 26 Pfg, im Sketiameateit die Zeil« 36 Pfg»

Birantworü. SRcbofttux: «.C^tfict le Haâ

Nr. 40 Fernsprechanschluk Nr. 605,

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Mittwoch den 17. Fcbtiiar

Ferrrsprechanschlutz Nr. 605. 1909

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14 Seiten.

Amtliches.

Im Namen des Königs!

In der Strafsache gegen den Goldarbeiter Friedrich Möbis in Großauheim, geboren am 15. Oktober 1867 in Langensalza, evangelisch, wegen Beleidigung hat das König­liche Schöffengericht in Hanau in der Sitzung vom 19. Januar 1909 für Recht erkannt:

Der Angeklagte wird wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von fünfund',wanzig Mark, ersatzweise zu fünf Tagen Gefängnis, verurteilt und trägt die Kosten des Verfahrens.

Dem Beleidigten, Poliz-isergeant Glanz, wird die Befugnis zngesprochkn, die Verurteilung binnen 14 Tagen nach Zustellung einer Aussei tigung des Urteils einmal im Hanauer Anzeiger" auf Kosten des Angeklagien öffentlich bekannt zu machen.

gez. Dr. Popper.

Ausgefertigt

Hanau den 29. Januar 1909.

Der Gerichtsschrciber deS Königs. Amtsgerichts Abt. 4.

(L. S.) Rößin g,

Amtsgerichtsjekretär. 3927

Bekanntmachttttst.

Einstellung von Dreijährig- und Vierjährig- Freiwilligen für die Matroseuartillerie-Akueilung Kiauischou in Tsingtau (China).

Einstellung: Oktober 1909, Ausreise nach Tsingtau : Januar 1910 bezw. 1911, Heimreise: Frühjahr 1912 bezw. 1913. Bedingungen : Mindestens 1,64 m groß, kräftig, vor dem 1. Oktober 1890 geboren (jüngere Leute nur bei be­sonders guter körperlicher Entwicklung.)

In Tsingtau wird außer Löhnung und Verpflegung täg­lich 0,50 Mark Teuerungszulage gewährt.

Meldungen mit genauer Adresse sind unter Beifügung eines vom Zivilvorsitzenden der Ersatzkommiision ausgestellten Meldescheins nun freiwilligen Diensteintritt auf drei oder vier Jahre zu richten an: M 487

Kommando der

Stammabteilung der Matro'enartillerie Kiauischou, Cuxhaven.

Gefundene und verlorene Gesitiistäilde rc.

Gefunden: 1 grauer Damen-Gummigüriel, 1 kleines silbernes Portemonnaie mit 2,65 Mk., 1 Zehnmarkschein, 1 Kindersebirm, 1 evang. Gesangbuch mit blauer Sammet­decke mit Monogramm E. H.

Verloren: 1 Herren-Portemonnaie mit 78 Mk.,

1 silbernes Portemonnaietâschchen ohne Inhalt.

Entflogen: 1 Lachtaube.

Hanau den 17. Februar 1909.

Politische Rundschau.

Reichstag-Ersatzwahl. Nach den bis 11 Uhr nachts im Wahlkreise Bingen Alzey vorliegenden Meldungen über die Reichstagswahl wurde bisher folgendes Resultat fest gestellt: Korell (frs.) 8200, Uebel- Dieburg (Ar.) 5800, Dr. Becker (nat.-lib.) 5100, A de l u n g (Soz.) 1200 Stimmen. Es stehen noch einige kleine Ortschaften aus, die am Wahlresultat nichts ändern dürften; demgemäß würde Stichivahl zwischen Korell und Uebel staltfiuden müssen.

Eröffnung des englischen Parlaments.

London, 16. Februar. Tas Parlament wurde heute mit einer Thronrede eröffnet, in der es heißt: Die Wärme des Empfanges, die sich bei unserem Besuche in Berlin bei allen Klassen der Bevölkerung zeigte, hat starken Eindruck auf mich gemacht und mich mit hoher Genugtuung erfüllt. Es hat dèr Königin ebenso wie mir große Freude bereitet, mit Kaiser Wilhelm und der Kaiserin wieder zusammen zu kommen. In bin der Ueberzeugung, daß der Ausdruck herz­lichen Willkommens, das uns in Berlin geboten wurde, dazu beitragen wird, diese freundschaftlichen Gefühle zwischen den beiden Nationen, die für ihre gegen­seitige Wohlfahrt und für die Erhaltung des Friedens so wesentlich sind, zu stärken. Die Beziehungen zu den fremden Mächten sind nach wie vor freundschaftlich. Die Thronrede berichtet sodann über befriedigenden Fortschritt in den Ver­handlungen über die ausstehenden Fragen. Mit den Ver­einigten " Staaten sei ein Vertrag, durch den die Benutzung der Wasserwege an der kanadischen Grenze geregelt werde, ausgeschlossen,'ebenso ein Uebereinkommen mit Hilfe Kanadas und' Neufundlands, welches die nordamerikanische Fischerei­srage einem Schiedsgericht überweisen will. Die Thronrede erwähnt sodann die Erneuerung der Schiedsgerichtsüberein­kommen mit Frankreich, Italien und Spanien. Die Lage in Persien bilde nach wie vor Grund zur Beunruhigung. Die Negierung wünsche nidit von dem Prinzip dèr Nichtein­mischung in die inneren Angelegenheiten eines Landes abzu­gehen: sie sei zugleich der Ansicht, daß die dortige Lage ge­bieterisch die Einführung von repräsentativen Einrichtungen erheische, um die Verwirklichung der unumgänglichen wirt- schastlichen, finanziellen und administrativen Reformen zu

sichern und das Land zu beruhigen, da die dortigen Un­ruhen zahlreiche kommerzielle und ökonomische Interessen Großbritanniens und Rußlands in Persien gefährdeten, worüber zur Zeit ein Meinungsaustausch zwischen diesen beiden Regierungen stattfinde. Der König freue sich, annehmen zu können, daß die Aussichten auf eine Lösung der Schwierigkeiten auf dem Balkan sich jetzt gebessert haben, und er hoffe auf das ernsteste, daß eine alle interessierten Staaten befriedigende Lösung erreicht werde. Der König gibt sodann seiner Freude Ausdruck über die Teilnahme, die die britische Nation dem befreundeten Italien bei dem furchtbaren Unglück in Sizilien und Kalabrien be­zeugt habe. Er ist davon überzeugt, daß die SeekriegSrechtS- konferenz, die zurzeit in London tagt, bald zu einer Ver­ständigung gelange. Große Genugtuung habe ihm die Auf­nahme der Maßnahmen zur Verbefferung der indischen Ver­waltung bereitet. Die Thronrede geht sodann auf die Vor­bereitungen zu einem engeren Zusammenschluß der süd­afrikanischen Kolonien und die Konferenz in Kapstadt ein, die den ersten Schritt hierzu bedeute. In der Thronrede heißt es dann zum Schluß: Infolge verschiedener Ursachen, unter denen die Altersversicherung und die notwendig ge­wordene Erhöhung der Aufwendungen für die Flotte zu nennen sind, werden die Ausgaben dieses Jahres diejenigen des letzten Jahres erheblich überschreiten. Die Beschaffung der für den Staatsdienst erforderlichen Mittel wird deshalb sehr ernste Erwägungen nötig machen. Es ist infolgedessen zu fürchten, daß für die anderweitige Gesetzgebung weniger Zeit verfügbar sein wird. Die Thronrede kündigt die Wieder- einbringung der irischen Landbill an und beschäftigt sich weiterhin mit der Frage der Arbeitslosen, die die sorgfältige Beachtung der Negierung finde; sie stellt eine Vorlage be­treffend bessere Organisierung des Arbeitsmarktes durch ein System des Austausches gleichwertiger Arbeit in Aussicht, womit andere Pläne zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit würden verbunden werden können. Ferner kündigt die Thronrede eine Vorlage an betreffend Einrichtung von Handelsämtern für gewiße Industriezweige, in denen vorzugs­weise zu Hungerlöhnen gearbeitet wird, und eine Vorlage, die das Anlandbringen und Verkaufen von Fischen verbietet, die in den an Schottland grenzenden für den Fischfang ver­botenen Seegebieten gefangen worden sind.

London, 16. Febr. (Oberhaus.) Im Laufe der Adreß- debatte erklärte Lord LandSdowne bezüglich des Besuches des Königs und der Königin in Berlin: Ich sage nicht zu viel, wenn ich bemerke, daß kein neueres Ereignis vom britischen Volke mit größerer Freude zur Kenntnis genommen ist. Ohne Widerspruch zu befürchten, können wir sagen, daß der Besuch hervoragend zeitgemäß und sichtlich erfolgreich war. Es besteht aller Grund zu der Hoffnung, daß der Besuch weit­reichende Resultate nützlichsten Charakters haben kann. (Beifall.) Der Besuch war einer in der großen Zahl solcher Besuche und ich glaube, wir können keine Worte finden, die kräftig genug sind, um unsere Bewunderung auszudrücken für die unermüdliche Energie, mit der der König solche nütz­liche Aufgaben übernimmt/ Jeder Besuch befestigte bestehende

Feuilleton

Kunst und Rlitiir.

Von M. Geisler.

Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen, Und haben sich, eh' man es denkt, gefunden.

Goethe.

Dre heutige realistische Richtung in Kunst und Literatur trägt unzweifelhaft einen guten Kern in sich, und selbst ihre Auswüchse sind kaum so gefährlich, als der sentimentale Ueberschwang und die Gefühlsduselei einer sicheren Epoche. Aber richtiges Maßhalten ist nirgends so wichtig als in der Kunst, die, um ihren Zweck zu erfüllen, ihre veredelnde Kraft bewahren muß. Diese Kraft jedoch geht verloren in der Darstellung des absolut Häßlichen. Man kann einer derartigen wahrheitsgetreuen Wiedergabe unter Umständen seine Bewunderung nicht versagen, doch bleibende Werte ver­mag sie nicht zu erschließen.

Nur in der Verbindung von Kunst und Natur ist wahrer Erfolg zu suchen. Ein jedes in sich abgeschloßene Kunst­werk sei es in Skulptur, Malerei, Dichtung usw. muß aus einer geläuterten Naturanschauung hervorgegangen sein, bedarf eines idealisierenden (Schimmers, um die reinen und heiligen Empfindungen auslösen zu können, die uns über die niederen Geschöpfe erheben, uns zum Memcken stempeln. Die bildende Kunst ist an die Darstellung eines einzigen Augenblicks gebunden. Tritt uns diese nun ineiner häßlichen, brutalen Form, im höchsten Affekt und Verzerrungen der Leidenschaft entgegen, so sehen wir vie ch Wahrheit, Natur, aber nicht jene Idealisierung der _ - lichkeit zu vollendeter Schönheit, ohne die ein echten werk nicht bestehen kann.

Die Werke eines Rafael, der sich den BeinamenDer Göttliche" erworben, haben seit Jahrhunderten ihren Zauber bewahrt, und werden allen kommenden Generationen im an­dächtigen Schauen weihevolle Vertiefung bringen. Die künstlerische Verklärung der Mutterliebe und Mutterseligkeit, wie könnte sie einen hinreißenderen Ausdruck finden als z. B. in der Sixtinischen Madonna, ein Bild, das in seiner Natürlichkeit und Wahrheit in Schloß und Hütte das gleiche Verständnis findet.

Jene Naturalisten jedoch, die sich aus sonnenlosen Niederungen, aus den Nachtseiten des Lebens ihre Motive holen, sind nickt imstande, Mit- und Nachwelt in wirksam lebendiger Kraft zu fördern. Ihre Werke haben einen rasch verlöschenden Odem, es fehlt ihnen die sieghafte Macht der Schönheit.

Und wie geht es im umgekehrten Falle?

Diejenigen, die sich der Führerin Natur nicht anver­trauen, und das Menschentum nicht in seinen na ürlichsteu Offenbarungen belauschen wollen, gelangen auch nicht auf die Höhen gottbegnadeten Schaffens. In Sentimentalität und Unnatur'wird das Edelste zur lächerlichen Farce herab- gewürdigt.

Der redenden Kunst, der Dichtung, ist, weil sie nicht an den Raum gebunden, ein weiterer Spielraum gegönnt. Die einzelnen Begebenheiten ziehen au unseren Augen vorüber, die ganze Skala menschlicher Empfindungen von der Tiefe bis zur Höhe, vom quälenden Schmerz bis zur seligsten Freude wirkt auf uns in wechselnden, sich aus- löfenden und verbindenden Tönen. Der Dichter darf seinen Laokoon schreien laßen, der bildende Künstler darf es nicht/ Aber, welches Kunstwerk cs auch immer sein möge, Kunst und Natnr müssen sich, obwohl als ge­trennte Begriffe, dennoch in Eintracht zusammenfinden. Wenn Kunst sich in Natur verwandelt, dann hat Natur mit Kunst gehandelt" (Lessing).

Wie leickt wäre die Vereinigung von Kunst und Natur, wenn Künstler und Dichter nicht darauf ausgingen, die Wahrheit in ihrer abschreckendsten Form zu suchen.

Gibt es denn nur häßliche Wahrheiten? Blühen und düsten nickt auch herrliche Blumen auf unserem Lebensweg, in der Schöpfung weiten Raum sind sie deshalb weniger wahr, weil sie durch ihre Schönheit und Lieblichkeit Auge und Herz erfreuen? Und finden wir im Menschen nichts als Häßlickkeit und derbe Brutalität? Winkelmann sagt: Der höchste Vorwurf der Kunst für den denkenden Menschen ist der Mensch." Man ist geneigt hinzuzufügen: Der Mensch in seiner Schönheit. Freilich nicht im Kolorit eines über­irdischen Glorienscheines, der ihm, so lange er auf der Erde wandelt, nicht anhaften kann, wohl aber in dem dunklen Drange, in dein Suchen rind Tasten seiner nach Goitähnlich- feit ringenden Seele Den feinsten Regungen dieser Seele nacbzu'püien selbst in ihrem Fehlen und Irren ist echtes Künstlertum, das in seinen fegenspendenden Worten alle Zeitricktungen überdauert.

Otto von Leixner, der tapfere Kämpfer, der Literatur und Kunst von entnervenden Motiven, von beschmutzenden Schlacken befreien wollte, ist von tins gegangen.

Möchten seine Getreuen, deren Wort etwas gilt, und die sich zu gleichem Zweck und Ziel um ihn geschart, der Fahne folgen, die einst seine kiasivolle Hand gehalten.

Albumblätter.

Liebe macht den Himmel himmlischer Die Erde zu dem Himmelreich. Schiller

Das Edle zu erkennen ist Gewinnst, Der nimmer uns entrissen werden kann. Goethe.

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Zu guter Nachbarschaft gehört nicht das allein, Nicht weh zu tun; auch dem, der weh tut, zu verzeihn.