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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei deS verein, rv, WaljenhaujeS in Hanau.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Die fSuigespalteue Pemzelle oder der« Raum 84 Pf^, im ReetamenteU die Zeile $5 Pfg.
Berantroortl. Redakteur: 4. Schrecker in Hanan.
9?L 33 Fernsprechanschlittz Nr. 605.
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Dienstag den 9. Februar ^etn^teMtiW^ 9ir- eo». 1909
Amtliches.
Stadt- und Landkreis Ranau.
Bekanntmachung
betrifft Sonntagsruhe im Milchhandel.
Das Feilbieten von Milch aus öffentlichen Straßen und von Haus zu Haus (sog. ambulanter Milchbandel) ist nach den bisherigen Bestimmungen an Sonn- und Feiertagen in der Zeit von 5 Uhr morgens bis 2 Uhr nachmittags a u s- schließlich der für den Hauptgottesdienst festgesetzten zweistündigen Unterbrechung und in der Zeit von 5—7 Uhr nachmittags gestattet.
Da die Vervflichtung zur Einhaltung der Gottesdienst- pause den Milchhandel erschwert, ohne. daß eine erhöhte Sonntagsruhe der dabei besyäftigten Personen erreicht wird, haben die Herren Minister unter Abänderung der Ausführungsanweisung zur Gewerbeordnung die unteren Verwaltungsbehörden ermächtigt, das Feilbieten von Milch an Sonntagen anderweitig zu regeln. Demgemäß bestimme ich für den Stadtkreis Hanau, daß für das Feilbieten von Milch auf öffentlichen Straßen und von Haus zu Haus an Sonntagen und Feiertagen an Stelle der bisher freigegebenen Geschäftsstunden die Zeit von 5 Uhr morgens bis 1 Uhr nachmittags ohne Unierbrechung durch die Gottesdienstpause freigegeben wird.
Hanau den 6. Februar 1909.
Der Königliche Landrat und Polizei-Direktor.
P 1048 v. Beckerath.
Durch Beschluß des unterzeichneten Gerichts vom 4. Februar 1909 ist der Maurer Karl Georg Reichhold von Eichen wegen Trunksucht entmündigt worden.
Wind ecken den 4. Februar 1909.
______ Königliches Amtsgericht. 3269 Gefundene nnd verlorene Gtiienstände re.
Gefunden: 1 silbernes Kettenarmband, 1 Fahrrad- laterne, 3 rolgestreiste Handtücher (gez. H.), 1 Damenschirm (im Laden Krämerstr. 6 bei Speier stehen geblieben, Empfangnahme daselbst).
Angeschwemmt: 2 Karren, 1 Gebirgsstock, 6 Stück Bohlen.
Verloren: 1 Schlüsselring mit 3 Schlüsseln, 1 schmaler brauner Damen-Pelzkragen.
W e g g e s ch w e m m t: 1 Auswäschebritsche.
Zugelaufen: 1 brauner Jagdhund mit etwas weißer Brust m. Geschl.
Entlaufen: 1 grauer Pinscher.
Hanau den 9. Februar 1909.
Feuilleton.
Arien- und Liedernbeiid.
— Han alt, 9. Februar.
Im Saale der „Ceniralhalle" veranstaltete gestern Frau Marta Ohlf-Vick einen Arien- und Liederabend, der sich zwar eines recht guten Besuches erfreute, aber doch im Hinblick auf das wirklich Prachivolle, das geboten wurde, noch mehr Würdigung bei unserem musikliebenden Publikum verdient hätte. War demnach auch der pekuniäre Erfolg vielleicht nicht ganz den Erwartungen entsprechend, der künstlerische war jedenfalls ein durchschlagender. Das war ein andachtsvolles Lauschen, ein hingebendes Sichversenken in das -Gehörte, wie man es leider nicht immer bei derartigen Veranstaltungen beobachten kann, und dann, als der letzte Ton verklungen, ein beifallsfreudiges Aufjauchzen, eine aus dem Herzen kommende stürmische Dankbarkeit, wenigstens bei den Stücken mit tieferem Stimmungsgehalt, bei den Melodien, in denen Herz zu Herzen spricht. Das Programm war so ausgewählt, daß jeder auf seine Rechnung kam, sowohl der Freund von schwierigem Kunstgesang und von Kompositionen, die, geistreich erfunden, einen musikalisch gut- geschulten Geist zum völligen Verstehen voraussetzen, als auch derjenige, der die Darbietungen mehr mit dem Herzen, mit dem Gefühl, als mit dem kühl abwägenden Verstände aufnimmt. Und die Darbietungen letzterer Art waren jedenfalls die dankbarsten. In dieser Beziehung sind vor allem zu nennen die vier plattdeutschen ^teb« „Die Witiru", „Wi ginchn tosam to Feld, mm Hans , „Trin" und „Matten Has", die durch ihren teils melancholisch- schwermütigen, teils neckisch-übermütigen und Juoa alle Herzen gefangen nahmen, zumal Frau ~ lm-^nt ah „Eingeborene" den Dialekt in einer Weise beherrscht, wie
politische Rundschau.
Der Kronprinz hat die Radbodspende der Knappschaftskasse überwiesen.
Hofprediger a. D. Adolf Stöcker ist in Bozen gestorben.
Am englischen Kabinett soll vorderhand auf den Widerstand der Radikalen hin eine Verlangsamung der Flottenrüstungen beschlossen worden sein.
Die japanfeindliche Bewegung ist in Britisch- Kolumbien noch heftiger als in den Weststaaten der Union.
In Kalifornien werden umfassende Maßnahmen zur Erhöhung der Küstenverteidigung getroffen.
Das Kapitalvermögen der preußischen Land- krei'e. Nach dem rechnungsmäßigen- Stande vom 31. März 1904 betrug, wie die „Statistische Korrespondenz" etwas verspätet mitteilt, das Kapitalvermögen der 489 preußischen Landkreise 78 Millionen Mark an Wertpapieren und 11 Millionen Mark in bar, während sich die ausstehenden Forderungen einschließlich der Geschäftsanteile an Unternehmungen, der verzinslich angelegten Summen und der Hypotheken^orderungen auf ebenfalls 78 Millionen Mark beliefen. Insgesamt betrug also das Kapitalvermögen der Landkreise 167 776 373 Mark. Die bedeutendsten Kavital- betrüge besaßen die Landkreise der Regierungsbezirke Posen und Potsdam mit 17,34 bezw. 16,79 Millionen Mark. Hinter diesen Regierungsbezirken standen alle andern Bezirke weit zurück: Stettin weist 8,2 Millionen, Schleswig, Bromberg, Marienwerder, Breslau, Gumbinnen, Oppeln und Königsberg wiesen Kapitalbeträge zwischen 7,9 und 6,4 Millionen Mark auf. Bei weiteren 15 Bezirken schwankte der Kapitalbesitz zwischen 5,6 (Frankfurt) und 3,1 Millionen Mark (Kdln).uud von den 11 übrigen Bezirken erreichte er bei vier, nämlich bei Osnabrück, LünebEg, Stade und Sigmaringen noch nicht eine Million Mark.
Tarifverträge. Am 1. Januar 1907 bestanden nach dem „Reichs-Arbeitsblatt" insgesamt 3564 Tarifverträge, die sich auf 9 7 410 Betriebe erstreckten und 817 445 Arbeiter umfaßten. Davon erledigten sich durch Ablauf 1152 (für 28 178 Beiriebe und 341 486 Arbeiter). Im Laufe des Jahres 1907 wurden neue Tarifverträge abgeschlossen oder ablaufende Verträge erneuert: 2782 für 52 369 Betriebe tlnd 441 365 Personen. Es ergab sich also eine Zunahme um 1630 Verträge, um 24 191 beteiligte Betriebe und um 199 879 darin beschäftigte Arbeiter, so daß Ende 1908 insgesamt 5194 Tarifverträge bestanden, die - sich auf 121 601 Betriebe erstrecken und 1 017 324 Arbeitern zugute kamen. Die Vertragsdauer schwankt zwischen V* Jabr und 5 Jahren; die Mehrzahl der Verträge ist auf 1 Jahr bis 21 /» Jahre abgeschloffen. Als Kündigungsfrist sind meistens 2 bis 3 ihn eben nur der beherrschen kann, der ihn von Kindheit an gesprochen. Auch das allerliebste „Wiegenlied" von Meister, sowie den schalkhaften Sang von der Spatzenehe, genannt „Spatz und Spätzin" von Hildach, wußte sie in wahrhaft köstlicher Weise zum Bortrag zu bringen. Die Sängerin verfügt über eine völlig durchgebildete, ausgiebige und in allen Tonlagen reine, sympathische Stimme, das feine piano, das Zarte, Duftige in den Kompositionen gelingt ihr eben so gut als das Leidenschaftlich-Bewegte, das Dramatisch-Kraftvolle. Sie konnte am Schlüsse den stürmischen nicht enden wollenden Beifall nur durch eine Zugabe beschwichtigen. Eine vorzügliche Bereicherung erfuhr das Programm durch die Mitwirkung deS Violincello-Viriuosen Herrn Hermann Keiper-Frankfurt, der unserem Hanauer Publikum schon lange kein Fremder mehr ist. Eine vollendete, reife Künstlerschaft paart sich bei ihm mit so inniger Gefühlswärme, mit so tiefempfindender Hingabe, daß sich dem Zauber seiner Darbietungen niemand zu entziehen vermag. In welch wunderbarer Vollendung wußte er beispielsweise den prickelnden Reiz zur Geltung zu bringen, der der „Mazurka" von Popper innewohnt, in welch unübertrefflicher Weise verstand er das Duftig-Zarte, daS Süß-Einschmeichelnde von Nerudas „Berceuse slave“, sowie das Uebermütig Lustige, daS Frisch- Fröhliche von „la Cinquantaine“ von Gabiiel Mario zu interpretieren. Das war hinreißend schön und der elementare, nicht enden wollende Beifall verständlich. In liebenswürdiger Weise dankte er dafür durch eine Zugabe, beim Wiedererscheinen mit freudigem Jubel begrüßt. Ein Teil seines Erfolges ist aber ohne Zweifel auch auf Rechnung seiner Begleiterin am Klavier zu setzen, einer noch sehr jungen, dem Namen nach uns unbekannten Künstlerin. Sie war auf dem Programm nicht verzeichnet. Das war nicht nur Begleitung, so feinfühlig und verständnisinnig, wie man es wohl kaum jemals besser zu hören bekommt, das war ein eigener, besonderer Genuß. Das Zusammenspiel der Beiden
Monate vorgesehen. Einigungs- oder Schlichtungsorgane sind in den 1907 abgeschlossenen Tarifverträgen insgesamt 1332 festgesetzt. Diese beziehen sich auf 350 Firmen, 652 Orte und 338 Bezirke. Nur innerhalb einer Gewerbegruppt, nämlich im polygraphischen Gewerbe, erstrecken sich 3 Tarifverträge für 6740 Betriebe und 57 670 Personen auf den Umfang des Deutschen Reiches. Die übrigen Verträge gelten überwiegend nur für einen Ort, etwa ein Viertel davon aus einen Bezirk. Die größte Zahl der Tarifverträge betrifft das Baugewerbe, verhältnismäßig wenig sind an den Tarif- abschlüssen die Gewerbegruppen der Metallbearbeitung und der Maschinenindustrie beteiligt.
Der Besuch des englischen Königspaares.
Berlin, 8. Febr. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt : „Wir werden in den nächsten Tagen die Freude haben) ihre Majestäten den König und die Königin von England als Gäste am Berliner Hof verweilen zu sehen. Wir heißen den König Eduard und seine erlauchte Gemahlin ehrerbietig willkommen und wünschen den hohen Anverwandten unseres Kaisers, den Souveränen des britischen Weltreichs in Berlin von Herzen die Gastfreundschaft zu erwidern, die im November 1907 das deutsche Kaiserpaar auf englischem Boden gefunden hat. Auch für die Beziehungen zwischen dem deutschen und englischen Volke versprechen wir uns Gutes von dieser Zusammenkunft. Die Kundgebungen freundwilliger Gesinnung und verwandtschaftlicher Zuneigung wozu der Besuch willkommenen Anlaß gibt, werden eine neue Ermutigung für alle sein, die in Deutschland und England bemüht sind, einer Enlfremdung zwischen den beiden Reichen ent- gegenzuwirken und die deutsch-englischen Beziehungen m sichere Bahnen zu lenken. Mehr als je werden sich die Freunde eines guten Einvernehmens diesseits wie jenseits des Kanals davon überzeugen, daß aus fbem persönlichen Verhältnis der Monarchen ihren Bestrebungen keine Schwierigkeiten erwachsen. Freilich wird eS noch unverdrossener Aufklärungsarbeit bedürfen, um das Ziel zu erreichen, das in der Sicherung einer auf gegenseitige Wertschätzung begründeten Freundschaft zwischen den beiden großen Kulturvölkern vorgezeichnet ist. Aber auf dem Wege dorthin möge der Besuch des britischen Königspaares und der Empfang, den Deutschland ihm bereitet, einen Fortschritt bringen. In diesem Sinne wünschen wir den kommenden Festtagen einen ungetrübten Verlauf und eine lange günstige Nachwirkung.
Die italienischen Nenwahlen.
Rom, 8. Febr. Der König unterzeichnete ein Dekret über die Auflösung der Kammern. Die Neuwahlen werden am 7. März, die Stichwahlen am 14. März stattfinden. Das neue Parlament wird am 24. März zuRmmentreten. Dem Dekret, durch das die Deputiertenkammer aufgelöst glich einem Jneinanderfließen zweier Seelen. Die Gesänge von Frau Ohlf-Vick wurden durch Herrn Gustav Altvater begleitet, dessen Leistungen so hinlänglich hier bekannt sind, daß sich eine besondere Hervorhebung wohl erübrigt. Der Abend war, wie gesagt, ein äußerst genußreicher und dürfte die Besucher voll befriedigt haben.
* Wohltätigkeitskonzert. Wir machen wiederholt auf daè am nächsten Sonntag den 14. d. Mts. stattfindende Wohltätigkeits-Konzert des Kirchenchores der Johanniskirche aufmerksam. In demselben wirken solistisch mit: Frau Marta Ohls-Vick (Gesang) und Herr Musikdirektor W. Hiege, Lehrer am Garnierschen Institut zu Friedrichsdorf (Taunus). Die gesanglichen Leistungen der Frau Marta Ohlf-Vick sind in Hanau bereits vorteilhaft bekannt. Sie hat durch ihr öffentliches Auftreten als Konzertsängerin und auch gestern wieder in dem von ihr veranstalteten Liederabend bewiesen, daß sie neben der vorzüglichen technischen Schulung ihres e?itmm- organs über eine edle Vortragskunst verfügt. Herni ^Iq»^ Direktor W. Hiege geht der Ruf eines bedeutenden Cellisten voraus. Seinem Spiel wird vorzügliche Technik und ein nobler Ton nachgerühmt. Wir lassen hier die Kritik über ein von dem Künstler veranstaltetes Konzert folgen: „Herr W. Hiege spielte sich mit dem O-vaoU-Konzert von Goltermann in die Herzen der Hörer hinein. Bei ruhiger Körperhaltung führt der Künstler mit fabelhafter Federung des Handgelenks den Bogen elegant und sicher. Wie ein zarter Windhauch, wie ein Traum, zieht es im piano über die Saiten. Dann ändert sich der Charakter des Bogens und zwingt mit elementarer Kraft,' die aber niemals unedel wird, die Saiten zu breiter Tongebung. Das D-moll-ßoujert von Goltermann ist bei seinen vielen Feinheiten und Reizen eins der besten und dankbarsten Cellosoli. Wir müssen gestehen,-daß Herr W. Hiege sich seiner- schwierigen Aufgabe mustergiltig ent- lediate. Frei von allen Virtuoicumätzchen, entlockte aenannter