Erstes Blatt.
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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruck«r«i des verein, e». WatfenhaujeS in Hanau.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
EiuriicknugSgebSH« ,
Die fünf gespaltene Petitzeile oder deren Rau« 39 Pfg. ân Neünmenttil di« Zeit« 36 Pfg.
Berantwortl. RMUw: «. Schricker • Hauau.
Rr. 31
F-rn?precha»schl«k Nr. 605. SllMstllg dtll 6. FcbkUar Fer»sp»ch»»!chlutz Nr. 605. 1909
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Die HWi« umfaßt «Her i.MrhsMMÜ
14 Seiten.
Amtliches
Candkreis Ranau.
In Oberdorfelden ist die Schweineseuche e r- loschen.
Hanau den 5. Februar 1909.
Der Königliche Landrat.
V 673 I. A.: Hartmann, Kreissekretär.
Unter den Schweinen in Rüdigheim ist die Schweineseuche festgestellt worden.
Hanau den 3. Februar 1909.
Der Königliche Landrat.
V 635 I. A.: Hartmann, Kreissekretär.
Stadtkreis Fjanau. Bekanntmachung
Arbeitsuchende in der Zeit vom 30. Januar bis 5. Februar 1909:
1 Bäcker, 1 Zementarbeiter, 1 Eisenbohrer und Jungschmied, 1 Fahrbursche, 1 Former, 1 Glaser, 1 Gürtler, 3 Hausburschen, 1 Kettenmacher, 1 Kupferschmied, 2 Möbel- schreiner, 1 Monatsfrau, 2 Schlosser, 1 Schweizer, 1 Silberschleifer, » Tagelöhner.
Im Monat Januar erhielten Stellen zugewiesen : I Eisen- dreber, 1 Fabrikarbeiterin, 2 Fahrburschen, 3 Hausburschen, 1 Heizer, 2 Knechte, 3 Schlosser, 2 Schneider, 1 Schuhmacher, 19 Tagelöhner 3 Biehfütterer, 1 Wächter.
Gesucht werden: 1 junger stadtkundiger Hausburscht von 15—16 Jahren und 2 Mädchen von 15—17 Jahren für leichte Fabrikarbeit.
Hanau den 6. Februar 1909. 3155
Städtische Arbeitsvermittelungsftelle.
Gefundene und verlorene Gcocnstönde re.
Gefunden: 1 Stück weiße Seide, ca. 4/, Meter, 1 schwarzer langhaariger Boa, 1 schwarzseidener Damen- Gummigürtel, 1 Portemonnaie mit 4 Pfg., 2 rotgewürfelte Handtücher, 1 Los vom Frankfurter Kunstverein, 1 Schlüsselring mit 5 kleinen Schlüsseln, 1 Portemonnaie mit 12 Mk., 1 neuer goldner Kneifer mit neuem rotem Etuis, 1 Schnurr- bartbürstchen.
Im Stadttheater gefunden: 1 Brosche. Abzuholen bei der Armenverwaltung.
Verloren: 1 Kinderbrille mit Etuis, 1 blauer Sammetgürtel mit silberner Schnalle, 1 silbervergoldetes dreireihiges Halskettchen, 1 Patentfeder für Zugstränge.
Hanau den 6. Februar 1909.
politische Rundschau.
Deutschlands auswärtiger Handel
Nach dem Dezemberhefte 1986 der vom Kaiserlichen Statistischen Amte herausgegebenen „Monatlichen Nachweise über den auswärtigen Handel Deutschlands" betrug im Jahre 1908 die Jahreseinfuhr 60 526 786 Tonnen, ferner 1601615 Stück (1476 090 Uhren, 119 615 Pferde usw., 1230 Fahrzeuge, 5706 Stock Bienen) gegen 66 393 832 Tonnen, 1 914 553 Stück (1 779116 Uhren, 128 340 Pferde usw., 1391 Fahrzeuge, 4680 Stock Bienen) im Vorjahre. Der Ausfall gegen das Vorjahr ist also recht bedeutend, namentlich bei Erzeugnissen der Landwirtschaft usw. (2,2 Millionen Tonnen), mineralischen und fossilen Rohstoffen (3,3 Millionen Tonnen), unedlen Metallen (0,2 Millionen Tonnen), Stein-, Tonwaren, bearbeiteten Spinnstoffen und Waren daraus. 13 von 19 Tarifabschnitten zeigen Rückgänge. Eine bemerkenswerte Zunahme findet sich nur bei chemischen Erzeugnissen und hierunter besonders bei künstlichen Düngemitteln. Die Jahresausfuhr ist nach dem Umfang stärker als im Vorjahre : sie verzeichnet 45 747 459 Tonnen, ferner 426 000 Shi" (416 657 Uhren, 6536 Pferde usw., 1398 Fahrzeuge, 1409 ^tock Bienen) gegen 45 110 862 Tonnen und 453 728 Stück (444 039 Obren, 6958 Pferde, 1667 Fahrzeuge, 1064 Stock Bienen) rm Jahre 1907. 12 von den 19 Tarffabschnitten erfuhren eme Absatzsteigerung, die bei der Landwirtschaft 1+ P^ Nullionen Tonnen) und unedlen Metallen (+ 0,29 Millionen Tonnen) besonders lebhaft ist. An letzterer sind bewnderc' Eisen und Wären daraus beteiligt. Die Einfuhr des abgelciusenen Jahres hatte einen vorläufigen Wert von 8,/ Omi um en Mark gegen 9 Milliarden Mark im Jahre 1907 einschließlich und 8,3 gegen 8,7 Milliarden Mark ausschließlich be^ Edel
metallverkehrs. Die Ausfuhr des Jahres 1908 ergab einen Wert von 6,84 gegen 7,1 Milliarden Mark einschließlich und 6,75 gegen 6,85 Milliarden Mark ausschließlich der Edelmetalle. Der Wert der Ausfuhr ist also auch gegenüber dem Vorjahre gesunken.
Deutschland und die Vereinigten Staaten.
New-Uork, 4. Febr. Im Manhattanklub gab dieNew- Dorker Staatszeitung zu Ehren des deutschen Botschafters Grafen v. Bernstorff heute abend ein glänzendes Festmahl, an dem die Vertreter der staatlichen und der städtischen Behörden, der diplomatischen, der politischen, der finanziellen und der Gelehrtenwelt, sowie der deutschen und der amerikanischen journalistischen Welt teilnahmen. Der Präsident der „New-Porker Staatszeitung", Mr. Ridder, begrüßte den Ehrengast mit einer kurzen Ansprache, in der er die engen freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika betonte. Der Botschafter dankte für die beredte und liebenswürdige Bewillkommnung und sagte dann weiter: „Unser liebenswürdiger Gastgeber sprach von den herzlichen Beziehungen zwischen unseren Ländern. Ein befferes wechselseitiges Verständnis und wachsende Herzlichkeit kennzeichnen in den letzten Jahren das Verhältnis unserer beiden Völker zu einander. Seien Sie überzeugt, daß ich alles, was in meiner Macht steht, tun werde, auf daß die folgenden Jahre im Zeichen ihrer Vorgänger stehen werden. Sehr angenehm ist eS mir, daß das erste Festessen, dem ich in Amerika beiwohne, von der „New-Dorker Staatszeitung" veranstaltet wird. Den in Amerika wohnenden Deutschen bringt diese Zeitung höchst erwünschte Nachrichten aus der Heimat. Den amerikanischen Bürger deutscher Abstammung erinnert sie täglich an das Land, aus welchem er, sein Vater oder seine Vorfahren an die gastlichen Küsten dieses Staates gekommen sind. Wir alle wissen, daß die Anhänglichkeit des Amerikaners deutscher Abstammung an die „Sterne und Streifen" von irgend weichen andern Bürgern dieses- großen Reiches nicht übertroffen wird. Unser Volk in der Heimat kennt diese Tatsache sehr wohl, aber es hegt die Hoffnung, daß die amerikanischen Bürger deutscher Abstammung erfüllt bleiben werden von deutscher Kultur Md deutschen Idealen, und daß sie diese Gaben als wertvolle Ausstattung einbringen in dieses neue Land, in dem eine beständige Vermischung von Rassen und Nationalitäten vor sich geht." Nach dem Botschafter sprachen noch Dr. Nicholas Butler, der Präsident der Columbia-Universität, Mr. Choaten, der frühere amerikanische Botschafter in London, und Mr. Dodge, der Präsident des Engineersklubs, die gleichfalls die herzlichen deutsch-amerikanischen Beziehungen feierten.
Weitere „Politische Rundschau" in der Beilage.
ParlamkntarisltzcS.
mb. Die Finanz- und Steuerkommissio« des Reichs, tages setzte gestern die Verhandlung über die Nachlaßsteuer fort. Von freisinniger Seite wird noch einmal in aller Schürfe festgestellt, daß die Zustimmung der Fraktionsgemeinschaft zur Finanzreform nicht zu haben sei, wenn nicht ein erheblicher Teil des Gesamtbedarfs aus der Besteuerung des Besitzes gedeckt werde. Die Reichsvermögenssteuer ziehen die Freisinnigen der Nachlaßsteuer vor. Unbedingt auf bent Boden der Vorlage stehen die Sozialdemokraten, deren Vertreter sich das Geständnis entschlüpfen läßt, daß daS Nationalvermögen infolge des neuen ZolltarifeS eine erhebliche Steigerung erfahren habe. Der Wortführer der Neichspartei nagelt dies fest. Er verweist auf die bemerkenswerte Tatsache, daß nur die Sozialdemokraten unbedingt sich für die Nachlaßsteuer aussprechen, dagegen auch die Freisinnigen zum Teil Bedenken ausgesprochen haben und eine Vermögenssteuer vorziehen. Die Neichspartei stellt nunmehr einen formellen Antrag, der auf eine Veredelung der Matrikular- beiträge als Ersatz für die Nachlaßsteuer abzielt. Es sollen für den Fall der Ablehnung der Nachlaßsteuer die verbündeten Regierungen um die Vorlage eines Gesetzentwurfes ersucht werden, durch den die Aufbringung des hierdurch entstandenen Fehlbetrages durch die Bundesstaaten in folgender Weise geregelt wird: In den Bundesstaaten ist bis zum 1. Oktober 1909 das Gesamtvermögen nach einheitlichen Grundsätzen sestzustellcn. Der Feststellung sind im allgemeinen die Bestimmungen des preußischen Einkommen- steuergesetzes vom 19. Juni 1906, jedoch mit der Maßnahme zugrunde zu legen, daß bei der Feststellung nur das Vermögen des Landesfürsten und der Landesfürstin außer Ansatz zu lassen ist, und daß bei Grundstücken, die dauernd land- oder forstwirtschaftlichen Zwecken zu dienen bestimmt sind und welche durch öffentlich-rechtliche Kreditanstalten oder durch amtlich dazu berufene öffentliche Behörden abgèschätzt sind, der zugrunde zu legende Werr diese Schätzung nicht übersteigen darf. Die Umlegung des Fehlbetrags auf die Bundesstaaten erfolgt nach Maßgabe des in ihnen festgestellten Vermögen?. Den Bundesstaaten bleibt es überlassen, den auf sie entfallenden Betrag durch Besteuerung des Einkommens oder des Vermögens' oder der Erbschaften aufzubringen. Inzwischen geht die Aussprache über die Nachlaßsteuer selbst weiter. Von freisinniger Seile wendet man sich gegen die Haltung der Konservativen und des Bundes der Landwirte, die bei der Aaitation gegen die Nachlaßsteucr es
unterließen, den Bauern mitzuteilen, daß vier Fünftel der Bauern durch die Nachlaßsteuer der Regierungsvorlage nicht getroffen würden. Der Antrag der Reichspartei bedeute einen überaus tiefen Eingriff in die Rechte der Einzelstaaten, denen er sogar vorschreibe, wie sie ihre Finanzen zu regeln hätten. In die Verhandlung greifen dann nacheinander die Finanzminister der Einzeistau -en rin. Der ba e sche Finanzminister erklärt, er sei mit seinen sämtlichen Kollegen von der Notwendigkeit der Mitbesteuerung des Besitzes durchdrungen. Aber der einzig annehmbare Weg hierzu sei die Nachlaßsteuer. Der Minister führt speziell für seine heimische Landwirtschaft aus, daß sie durch die Vorlage fast gar nicht getroffen wird. Ziehe man die Sinzeistaaten auf anderem Wege zur direkten Besteuerung heran, so müßte mit der Verkümmerung ihrer Kulturaufgaben der Reichsgedanke Schaden leiden. Die Regelung der Matrikularbeiträge in der Art, wie sie die Neichspartei mit ihrem Anträge vorschlage, mute den Regierungen eine technisch undurchführbare Aufgabe, wenigstens für die nächsten Jahre zu. Von freisinniger Seite wird nunmehr als Ersatz für die Nachlaßsteuer für den Fall der Ablehnung eine Reichsvermägenssteuer beantragt und zwar guotisierr derart, daß jährlich im Reichshaushaltsetat bestimmt werden soll, wie viel Monatsraten zu erheben sind. Die Reichsvermögenssteuer erklärte der sächsische Finanzminister für unannehmbar. Er unterstreicht die Ausführungen seines Kollegen aus Bayern. Der Weg der Veredelung der Matrikularbeiträge sei aucy noch nicht entfernt gefunden. In gleichem Sinne spricht sich der Vertreter der thüringischen Staaten aus. Er gibt eine beredte Schilderung der Finanznöte im Großherzogtum Sachsen, wo neue Steuersätze nötig seien, um den jetzigen Matrikularbeitrag von 80 Pfg. pro Kopf weiter aufzubringen. So notwendig die Veredelung der Matrikularbeiträge i ei zur gerechten Entlastung der kleinen Staaten, so wenig sei der Weg dazu bisher gefunden. Tas Zentrum lehnt den Antrag der Reichspartei als Eingriff in die Finanzhoheit der Einzel floaten ab und verlangt seine Zurückstellung, bis man sich speziell mit der Veredelung der MatrikularbeiträHe beschäftige. Ebenso unannehmbar sei für das Zentrum die beantragte guotisierte Vermögenssteuer. Wenn man auch verfassungsmäßig keine Bedenken dagegen zu haben brauche, so sei dieser Eingriff in die Interessen der Einzelstaaten zum mindesten politisch unklug. Der Zentrumsredner führte dann eine Reihe von Bedenken gegen die Nachlaßstever auf. Auch im Süden sei der Grundbesitzer dagegen, weil er eine Benachteiligung gegenüber dem mobilen Kapital befürchtet, daS sich leichter der Steuer entziehen könne. Daneben gingen die sogenannten sentimentalen Bedenken. Der preußische Finanzminister versucht noch einmal, die Konservativen umzustimmen. Heute wird die Beratung fortgesetzt.
mb Die Budgetkommission des Reichstages beschloß gestern die Einsetzung einer Unterkommission zur Vorberatung der Besoldungsvorlage, insbesondere der Wohnungsgeld- zuschüsse. Diese Vorlagen sollen rasch gefördert werden, damit das Reich nicht hinter Preußen hinterherhinke. Jede Fraktion wird ein Mitglied in die Unterkommission entsenden. Beschlüsse hat sie nicht zu fassen, sie soll nur einer schnelleren Verständigung vorarbeiten. Dann wurde die Beratung des Etats des Auswärtigen Amts fortgesetzt. Beim Titel der geheimen Kanzleisekretäre wurde eine Einfügung in das Dispositiv des Titels beschlossen, wonach freiwerdende Stellen mit Kanzleisekretären deS Kolonialsamts zu besetzen sind, sofern die im Auswärtigen Amt beschäftigten Anwärter auf diese Stellen nicht eine diätarische Beschäftigung von 6 Jahren bereits zurückgelegt haben. Bei den Umzugskosten wurden auf Antrag des Referenten wieder ohne Erörterung 20000 Mk. abgesetzt. Eine Reihe von Titeln betk. Fonds für die Gesandschaften und Konsulate zu Beamtenuttter- ftüjungen usw., gibt Anlaß zu eingehenden Verhandlungen, die vertraulich geführt werden. Dienstag Weiterberatung.
mb. Die Weinkommission des Reichstages führte gestern die zweite Lesung gu Ende und unterzog den § 6, der von den geographischen Bezeichnungen, den Gemarkungsnamen und der Berschnittdeklaration handelt, auch noch einer dritten Lesung Bei § 23 über den Vollzug des Gesetzes gab die Regierung eine für Mehrproduktion und Wein- Handel wichtige Erklärung ab. Sie will sich mit einer einmaligen Anzeige bei den Produzenten begnügen, die nur oder vorwiegend eigenes Gewächs verarbeiten. Mit dieser Prämie wird die Regierung es vorläufig auch gegenüber dem Handel versuchen, vorbehaltlich strengerer Maßnahmen, wo Uebelstünde sich herausstellen. Auf jeden Fall aber hat für die Zuckerung von Wein früherer Jahrgänge eine genau spezialisierte Anzeige stattzufinden. Mit dieser Erklärung gaben sich midi diejenigen Kommissionsmitglieder zufrieden, die von den Bestimmungen über die Anzeigepflicht eine unerträgliche Belästigung der Winzer befürchtete. Der Rest des Gesetzes wurde in der Fassung der Beschlüsse erster Lesung angenommen, mit einer unwesentlichen Aenderung des 8 24. Als § 30a wird eingefügt : „Der Bundesrat ist ermächtigt, im Großherzogtum Luxemburg gewonnene Erzeugnisse des Weinbaus den inländischen gleichzustellen, falls dort ein diesem Gesetz entsprechendes Weingesetz erlassen wird." Das Gesetz soll mit dem 1. September 1909 in Kraft treten. In der dritten Lesung wurde zunächst bei