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Die iünfgespr!t«u Petitzell« ober deren Rau« 90 ^ im SieklamenteU du Zeile 35 Wz,
es, WaijenhauseS in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Berantwortl. Redakteur: T. Schrecke, » Hanan.
Nil. 24- Setnfptedianfdihiß Rr. «05.
Freitag den 29, Januar $#rn)>r*ttfd)tu6 Nr. eos» 1909
Gefundene und rnloiTur Gegenstände ?l
Gefunden: 1 vergoldetes Kettenarmband, 1 Stockwinde, 1 Taschenmesser mir grauem Etuis (in der Marienkirche am Mittwoch liegen gcbliel'en), 1 blaues Handtäsckchen (Inhalt 2 weiße Taschentücher, 2 Eintrittskarten für Marie Weber und Familie Webers.
Verloren: 1 Portemonnaie mit 6 — 7 Mk.
Abhandengekommen: 1 kleiner runder Mülleimer.
Zugelaufen: 1 junger weißer Foxterrier mit gelblichein Kopf m. Geschl.
Entlaufen: 1 schwarzer Spitz mit weißen Abzeichen m. Geschl.
Hanau den 29. Januar 1909,
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Politische RundTcbau.
Tas Gespenst einer Klottenbasis. „Mafor Daiiiels, ein amerikanisier Gelehrter, der gerade von Kaiser- Wilbelmsland, Deutsch-Neuguinea, in Vancouver angekommen ist, mahnt die Briten, ein wachsames Auge auf Deutschlands zunehmende Macht im Stillen Ozean zu richten. Er berichtet, in Simpsonhafen, der Hauptstadt der Kolonie, sei eine starke Flottenbasis errichtet worden, und die Verteidigungswerke seien ganz gewaltig." So der kanadische Berichterstatter der Times. Mir wissen nickt, ob der oute Major Daniels mehr Militär oder mehr Gelehrter ist, hoffen aber, daß er in den w ssensckaftl'chen Dingen besser Bescheid weG, als in milttä- rischen. Bedenklicher als die kindliche Entdeckung großer Befestigungsanlagen, von denen auch iein nichts vorhanden ist, und für die, wenn sie vorhanden wären, keine Besatzung zur Verfügung stände, ist, daß Major Daniels glaubt, auf die angebliche Verteidigungsstellung und Flottenbasis gerade die Briten aufnierksam macken zu müssen, die es doch nichts anginge, wenn das Deutsche Reick, was sein Reckt wäre, aber bis jetzt nirgends geschehen ist, einen kolonialen Hafen befestigte.
Sozialdemokratische Indiskretion.
In der Budgetkommission hatte bei d-r diesmaligen Beratung des Etats des Auswärtigen Amts Staatssekretär v. Sckoen, den Wünschen des Reichstages ent'prcchenb, mehrstündige, sehr eingehende vertrauliche Mitteilungen über die auswäriig? Lage gemacht. Die Kommission hatte ausdrücklich beschlossen, die Mi'ieilungen gehemizuhalien, und als am Schluffe seiner Ausführungen der Staatssekretär bemerkte, er habe alles offen klargelegt in der bestimmten Erwartung, daß in diesem Kreise eine Indiskretion unmöglich H, hatte der derzeitige Vorsitzende Dr. Spahn nochmals versickert, Herr v. Schoen könne beruhigt sein, die Mitglieder der Kommission würden das Vertrauen rechtfertiaen. Das war
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Feuilleton,
Aitchciitlior der Johaiiiiiskirchc.
Wohltätigkeits-Konzert.
Anläßlich der Gedächtnisfeier des 400jährigen Geburtstages Dr. Martin Luthers am 10. No'wmber 1883 wurde ein Kapitalstock gegründet, der unter dem Namen: „Luther- Chorst iftung der ev. Iohannisgemcinde zu H anau" der Unterstützung würdiger und be = dürftiger Chorschüler dieser Gemeinde dienen sollte.
Da der Kapitalstock — der durch ein Konzert des Kirchenchores aufgebracht wurde — gegenwärtig noch zicm- lich klein ist, hat sich der Kirchengesangverein ?ut- l'chlossen, zu Gunsten der Stiftung ein Wohl-- t ä t t^g k e i l s k o n z e r t zu veranstalten.
Bekanntlich haben die Chorknaben die Aufgabe, den Gemeindegesang zu unterstützen, im Gottesdienst dem Ein- stugen der Choräle den Weg zu bereiten und ihnen zu größerer Sicherheit, Geläufigkeit und Wirkung zu verhelfen. Wie ost haben aber auch die Knaben durch den Vortrag 2- und Sftünmißer Lieder bei kirchlicken Feiern und in liturgischen Gottesdiensten die Hörer erbaut und erhoben!
Durch eine rege Beteiligung an dem Konzert ist unserer ev. Bevölkerung, namentlich den Mitgliedern der Iohannisgemeinde Gelegenheit gegeben, den Chorknaben, die stets unverdrossen und mit Liebe an ihre keineswegs leichte Arbeit herantreten, den verdienten Dank entgegenzubringen.
Zu Frage kommendes Konzert findet Sonntag den 14- Februar, abends >/»8 Uhr, in der Ioyanniskirche linier Mitwirkung namhafter Künstler statt. Eine Liste zum Elnreichnen von Einlaßkarten wird in Umlauf gesetzt. Di?
am Freitag, den 22. Januar. In der nächsten Sitzung der Budgetkonimission am Dienstag wurde zum Befremden aller Mitglieder der Kommission mitgeteilt, dass die vertraulichen Mitteilungen des Staatssekretärs zum Teil in einem an die „Neue Freie Presse" in Wsin gerichteten Telegramm bekannt gegeben seien. Der Vorsitzende Frhr. v. Hertling verlas den Artikel 1 aus der „Neuen Freien Presse", und alle Mitglieder der Kommission waren darüber einig, daß ein schwerer Vertranensbruch vorlidge und daß nur ein Herr, der während der Rede des Staatssekretärs nachgeschrieben habe, den Artikel versaßt haben könne. Mitalieder mehrerer Parteien verlangten namens ihrer Parteifreunde darauf die chrenwörtlicke Befragung aller beteiligten Herren. Ein sozialdemokratischer Abgeordneter schloss sich diesem Vorschläge an und suhlte dabei aus, nach seiner Ansicht sei sogar die mala fides b;§ Verfassers dargetan, weil gerade eine aus- ländi'che Zeitung zur Veröffentlichung benutzt worden sei. Darauf veisichcrten alle Mitglieder der Kommission auf Ehre und Gewissen einzeln, daß sie der Veröffentlichung fern stünden. Herr v. Schoen gab dieselbe Veisichcrung für die Herren vom Auswärtigen Amte ab, und die anderen Bundes- raisbevollmächtigtcn schlossen sich an. Auch der Stenograph gab die gleiche Erklärung ab. Darauf wurde von konservativer .©rite darauf hingewiesen, daß der sozialdemokratische Aba. Noske, der nicht Mitglied der Kommission sei, den Sitzungen der Kommission stets beiwohne wvb nachschreib?. Dieser habe auch bei den vertraulichen Mitteilungen des j Staals'ekretârs nachgeschrieben und habe sich vorhin eben entfernt, nachdem die Indiskretion zur Erörterung gestellt worden sei. Diese Wahrnehmung wurde von anderer Seite bestätigt, und der Abg. Noske, der im Lesesaale angetroffen wurde, hereingerufen. Jetzt erst, nachdem die ehrenwörtliche Inquisition gegen etwa 50 Herren erfolgt war, gab er zu, einen mit dem Artikel der „Neuen Freien Presse" gleichlautenden Artikel dem sozialdemo- kiati'chen Bureau, für das er sehr ibe, zugeschickt zu haben. Dieses Bureau habe offenbar den Artikel an die „Neue Freie Presse" depeschiert. Er habe im guten Glauben gehandelt. Er habe angenommen, daß die Vertraulichkeit sich nicht auf jede Aeußerung bezöge, sondern nur auf einzelne. Von konservativer Seite wurde darauf hingewiesen, daß Herr Noske die Pflicht gehabt hätte, als er bemerkt habe, di? Indiskretion werde besprochen, sich sofort zu melden, und sich nickt erst aus irgend einem Grunde zu entfernen. Es sei auch unverständlich, wie er habe annehmen sonnen, der Beschluß der Kommission auf Gehe mbaltung beziehe sich nickt auf alle Mitteilungen des Staatssekretärs. Selbst die sozialdemokratischen Mitglieder der Kommission seien hierüber anbei er Ausassung. Der Abg. Noske entschuldigte sein Vorgehen damit, er (iahe im Lestsaal in den Zeitungen nacksehen wollen, ob
Preise der Plätze sind wie folgt festgesetzt: Untere^ Raum 1.50 Mk., 1. Empore 1 Mk., 2. Empore 0.50 Mk. Durch bie Abstufung der Eintrittspreise ist jedem, auch den wenig Bemittelten, Gelegenheit gegeben, das Konzert zu betuchen. Ueber das Programm, Mitwirkung von Künstlern, werden wir demnächst weiter berichten.
Kunst und Leben.
Ein Konkurrent Sven Hedins. Unter diesem Schlagwort wird der „Bossiscken Zeitung" aus H e l s i u g- so rs über die Forschungsreise des Freiherrn G. v. Manuerheini berichtet, der jetzt nach mehr als zweijähriger Abwesenheit in Zentralasien und den nördlichen Proviuzcn des eigentlichen China wieder in Helsingfors eingetroffen ist. Manuerheim, der von zwei Kosaken begleitet wurde, nahm Andifjan, die östliche Station der transkaspischen Esienbahnlinie, als Ausgangspunkt, berührte Kaschgar, kreuzte dreimal den Tientsckan (Berg deS Himmels), durchschritt die Gobiwüste und folgte den uralten Verkehrswegen im nördlichen Kansu. In Lanchow, der Hauptstadt des westlichen chinesischen Bizekânigtnms, machte er längeren Aufenthalt, ^m weiteren Verlauf seiner Reise durchkreuzte er die nordöstliche Ecke T i b ? t s und circdite die uralte Hauptstadt Siam, die von Hunderten kolossaler Grabhügel umgeben ist, in denen Chinas mäckiigste Kaiser der Ha- und D'andynastie mit Kaiserinnen, Favoriten, Ministern und Eunuchen begraben liegen. Nachdem er am unteren Lauf des gelben Flusses gewandert, ging er zur Hauptstadt der Provinz Shansi und besuchte im Wulai Shankloster, dem Aller- heiligsten der Mongolen, den Dalai Lama, das wirklich religiöse Oberhaupt der Buddhisten in Tibet und der Mongolei. Ueber Kalgan erreichte er Peking, wo die Reise endete. Im ganzen hat Manuerheim etwa 14 000 Kilometer, meistens^zu Pferde, zurückgelegt. Die wissenschaftliche Ausb eute seiner Rcise ist außerordentlich reich. Seine
etwa ein deutsches Blatt den Artikel zuerst gebracht und die „Neue Freie fresse" ihn nur abgedruckt habe. Er bebaute jedenfalls, daß er eine falsche Auffassung vom Umfange der Diskretion gehabt habe, und bäte um Entschuldigung. Die Kommission beschloß daraus, es im Interesse des Ansehens des Reichstages bei dieser Entschuldigung bewenden zu lasten und kein Wort von diesem Vorgänge in dir Oeffentlichkeit zu bringen. Die Mitglieder verpflichteten sich sogar, diesen Vorgang ihren eigenen Fraktionsgenossen gegenüber geheim zu halten. Auch wurde davon abgesehen, dem Präsidenten eine Mitteilung zu machen. Wie groß war nun das^ Erstaunen, als in der Donnerstagnummer des „Vorwärts" ein Bericht über die Budgetkommission erschien, in dem unter anderem stand, in der Diensiagssitzung der Kommission wäre zur Sprache gekommmen, daß die Ausführungen des Staatssekretärs durch eine Indiskretion zum Teil in die „Neue Freie Presse" gekommen seien und ein Mitglied des Hauses sei als Urheber der Indiskretion festgestellt worden. Die schonende Behandlung der Angelegenheit, für welche die Sozialdemokraten doch sehr dankbar hätten sein sollen, hatte also dazu geführt, daß jetzt in der Oeffentlichkeit ein Mitglied des Hauses ohne jede nähere Bezeichnung als Vertrauensbrecher hingestellt und das Ansehen des Reichstages damit herabgesetzt wurde. Die Kommission beschloß daraufhin, ihren Beschluß, die Sache mit Stillschweigen zu übergeben und im Interesse des Ansehens des Hauses geheim zu »halten, als gegenstandslos aukzuheben. Die Notiz im „Vorwärts" rührt, wie in der Kommission berichtet wurde, vom Abg. Lehmann- Wiesbaden her.
Die Krisis im Orient.
Wien, 28. Januar. Der Ausschuß zur Beratung bet Annexionsvorlage hielt heute nachmittag eine Sitzung ab. Vor Uebergang zur Tagesordnung interpelliern n .un fixe« Abgeordnete wegen der vom gemeinsamen Fiuaüzmin.isier der Ungarischen Kommerzialbank eingeräumten privilegierten Stellung in den Angelegenheiten der Grundentlastung in Bosnien. Der Leiter ~ des Finanzministeriums, Frhr. von Iorkasck-Kock erklärte, er habe gegen diese, die diesseitige Reicksbälfte schädigende Privilegialpolitik zugunsten eines von ungarischer Seite zu begründenden Bankinstitutes ernste Vorstellungen erhoben. (Beifall.) Er hoffe, daß die vom gemeinsamen Ministerium nunmehr eingeleitete Aktion dadurch eine Wendung erfahren werde, welche den österreichischen Interessen Genüge leisten wird. (Seif all). Ministerpräsident Frhr. v. Bienerth leitete hierauf die Generaldebatte über die Annexionsvorlage mit einem ausführlichen Expose ein» und wies nach, daß die textlichen Differenzen zwischen dem österreichischen und dem ungarischen Gesetzentwürfe keine meritorische Bedeutung besitzen. Der Ministerpräsident besprach schließlich be Verhandlungen mit der Türkei und erklärte, es sei
kartographischen Arbeiten umfassen etwa 1000 Kilometer Wegekarten über bsher zum Teil nicht aufgenommene Strecken, sowie kartographisches Material, das nach chinefischen Originalen zusammengestellt wurde. Groß ist auch ;ein statistisches Material. Hierzu kommen die zwei Jahre hindurch ausgeführten meteorologischen Beobachtungen, sowie Bestimmungen der Breitengrade. An gewissen Strecken fand er bisher nicht beobachtete Ruinen, Gräberfelder und Steine mit Inschriften, von welch letzteren er Abdrücke mit brachte. Unter verschiedenen wenig bekannten Stämmen im chinesischen Turkestan machte er anthropologische und ethnographische Studien. Bei den Sorten dieser Provinz brachte er eine vollständige ethnographische Sammlung zusammen. Aehnlickeè geschah in anderen Gebieten. Aus der Kholangegend führte er eine archäologische Sammlung heim. Unter den zahllosen Ruinen Khotaus und Tursans wurden wertvolle Sckr, st stucke und Fragmente von solchen gesunden, und in alten Mojcheen und „Mazaren" (Begräbnisplätze) längs des Reiseweges durch das ckiuesiiche Turkestan uralte türkische Bücher ^erworben. Von den wenig bekannten Volksstämmen im nördlichen Kansu brachte Mannerheun bedeutendcs sprachliches statistisches und ethnographisches Material und anthropologische Arbeiten mit. Als Glanzstück unter den cthnogra- phitchen (Sammlungen wird die tibetanische bezeichnet, die ans Labrang, einem angesehenen tibetanischen Kloster und Tarchow stammt. Darunter befinden sich eine Menge Jahrhunderte aller Buddhabilder, sowie 20 hübsche buddhistische Banner, deren einst grelle Farben während des jahr- hundertelangen Aufenthaltes in buddhistischen Tempeln verblichen sind.
21 Unim Matter,
Denn nur der große Gegenstand vermag Den tiefen Grund der Menschheit anzurcgen, Im engen Kreis verengert sich der Sinn, Es wächst der Mensch mit seinen größern Zwecken.