Hanauer K Alueraer
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Rotationsdruck und Verlag der Buchdrucker« der verein, ro. Wmjenhaujes in Hanau.
Gcneral-Anzcigcr
Amtliches Organ für SlaM= und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
EinrücknngSgeiSh, r
Die sünszejpâil« Petitzeile oder deren Raum SQ Pjg, im RüiamrntrU die Seite 36 Wg.
VrrautworÜ. Redakteur: S. Schreck«, in Hannu.
Alr. 23 Aernsprechairfchlittz Nr. 605»
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Amtliches.
Eandkreis F)anau»
Die Herren Bürgermeister ersuche ich unter Hinweis auf meine Verfügung vom 10. Mär; 1900 — A 1019 — zu veranlassen, daß mit Einzihttitg der Gemeinde- Rückstände unverzüglich begonnen wird.
Hanau den 25. Januar 1909.
Der Königliche Landrat.
A 457 v. Beckerath.
Der Friedrich Jakob Ewald in Fechenheim beabsichtigt auf seinem Grundstück an der Langstraße Nr. 121 Karte N Nr. 486/264 und 487/265 eine Schlächterei- anlage zu errichten.
Es wird dieses mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß Einwendungen gegen die Anlage, zu welcher Zeichnungen und Beschreibungen im Bureau des Kreisausichusses, Haiustraße 10 hier, osten liegen, binnen 14 Tagen, vom Tage des Erscheinens dieser Bekanntmachung ab gerechnet, hier anzu- bringen sind. Später eingehende Einsprüche werden nicht berücksichtigt.
Zur mündlichen Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einsprüche wird Termin auf
Samstag den <3. Februar d. I., vormittags 10 Uhr, in das Bureau des Kreisausschusses anberaumt.
Die Interessenten werden hierzu mit dem Bemerken geladen, daß im Falle des Nichterscheinens des Antraastellers und der Widersprechenden gleichwohl mit der Erörterung der etwa erhobenen Einwendungen vorgegangen werden wird.
Hauall den 25. Januar 1909.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
A 428 v. Beckerath. 2445
Gefundene mib verlorene Genenstcinde rc.
Gefunden: 1 Portemonnaie mit 1,23 Mk., 1 desgl. mit 1,78 Mk.
Verloren: 1 silbergrauer Muff.
Zugelaufen: 1 weißer Jagdhund mit gelben Flecken mit Halsband mit dem Namen Kleiß, Frankfurt a. M., 1 schwarzer Hund mit braunen Abz. m. Geschl.
Entlaufen: 1 weißer Foxterrier mit braunem Kopf m. Geichl.
Hanau den 28. Januar 1909.
Politische Rundschau.
Der 50. Geburtstag des Kaisers.
Berlin, 27. Jan. Die Feier des 50. Geburtstages des Kaisers im Schlosse begann heute früh um 8 Uhr mit großem Wecken. Der Kaiser verfolgte den Zug vom Fenster seines Arbeitszimmers aus über den Schloßplatz. Das Publikum winkle, sobald es den Kaiser ersannt?, mit Hüten und Tüchern. Das Wecken ging, wie üblich, bis zum Brandenburger Tor und zurück. Viele Menschen schlossen sich den Musikern an, andere begannen, bei gelindem, aufklärendem Frosiweiter, am Lustgarten Spalier zu bilden, um der Anfahrt zum Gottesdienst und der Cour der Geladenen zuzuschauen. Später verstärkte die Schuljugend ansehnlich diese Reihen. Die öffentlichen soivie viele private Gebäude haben Flaggen- und Girlandenschmuck angelegt. Man steht viele, lehr reiche Schaufensterdekoratiouen. Bei den Jllu- minationsfignren spielen die Zahl 50 und die Jahreszahlen 1859 bis 1909 eine große Rolle. Um 9 Uhr nahm der Kaiser die Glückwünsche der kaiserlichen Familie entgegen und hierauf die Gratulation der Damen und Herren des engeren Hofes, im Anschluß daran diejenige der hier ständig anwesenden und der zum heutigen Feste eingetroffenen Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses und der anwesenden Gäste. Um 10 ’M Uhr zog der Hof unter großem Vortritt in die Schloßkapelle ein, wo sich inzwischen die Botschafter, das diplomatische Korps, der hohe Adel, der Reichskanzler, der Bundesrat, die Generalität und Admiralität, die Ritter des Schwarzen Adler- ordens, die Siaatsm,nister, Staatssekretäre, die Präsidien der Parlamente u. a. eingefunden hatten. Der König von Sachsen führte die Kaiserin, die eine hellgraue Robe trug, der Kaiser, in der Uniform des 1. Garde- Regimems zu Fuß, führte die Großherzogin von Baden, der König von Württemberg die Prinzessin Heinrich, der Kronprinz von Dänemark die Kronprinzessin, Prinz Ludwig von Bayern die Prinzessin Ettel Friedrich, der Kronprinz die Prinzessin Friedrich Leopold, der Großherzog von Baden die
Donnerstag den 28. Januar
Prinzessin August Wilhelm usw. Der Kaiser nahm dem Altar gegenüber Platz, zwischen der Kaiserin und der Großherzogin von Baden. Hieran reiht-n sich die Fürstlichkeiten, etiva 60 an der Zahl, an. Oberho^prediger D. Dryander predigte über das vom Kaiser ausgewählte Wort aus dem 1. Konniheibrief: „Datum, meine lieben Brüder, seid fest und unbewegt und nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, sintemal wir wissen, daß unsere Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn." Hierauf fand im Weißen Saale große Gratulatiouscour statt, wobei der Kaiser mit der Kaiserin vor dem Thronbaldachin Ausstellung nahm. Der Einführer des diplomatischen Korps, von dem Knesebeck, eröffnete die Desilierconr. Ihm folgte der Reichskanzler, dem der Kaiser und die Kaiserin die Hand reichten. Um 121/* Uhr begab sich der Kaffer in Begleitung seiner Söhne, des Großherzogs von Baden, des Erbgroßherzogs von Mecklenburg Strelitz und anderen zu Fuß nach dem Zeughaus. Im Lustgarten wurde er von tausendstimmigem Hurra empfangen. Die Kaiserin fuhr in einem Galawagen nach dem Zeughaus, wo vorher auch die übrigen Fürstlichkeiten eingetroffen waren. Vor dem Zeughaus schritt der Kaiser die Front der E'renkompanie vom Alexander-Regiment ab. In der Nuhmeshalle wurde die Nagelung und in dem Lichthofe die Weihe von drei neuen Feldzeichen vorgenommen. Der Kaiser nahm dann militärische Meldungen entgegen. Hierauf kehrte der Kaiser unter den andauernden Ovationen der Menge in das Schloß zurück.
Der Kaiser hat eine große Reihe von Ordensauszeichnungen und anderen Gnadenbeweisen ausgehen lassen. Es erhielten u. a. den Roten Adlerorden 1. Kl. mit Eichenlaub der Minister des Innern v. Moltke; den Kronenorden I. Kl. der Chef des Milnärkabinetts, Frbr. v. Lyncker; den Wilhelmsorden Vizeoberzeremonieumeister von dem Knesebeck; den Stern zum Roten Adlerorden 2. Kl. m. E. u. Kr. der Generaldirektor der Museen Dr. Bode; den Roten Adlerorden 2. Kl. mit Stern Fürst Pleß; die Krone zum Roten Adlerorden 2. Kl. mit Eichenlaub Forstmeister v. Hoevel; den Stern zum Kronenorden 2. Kl. Oberküchenmeister Graf Pückler und Geh. Negierungsrat Mießuer; den Kronenorden 2. Kl. Prinz Wilhelm zu Lowenstein- Wertheim-Freudeuberg, Hofprediger Wendlandt und Geheimer Kabinetts sekretär Abb; den Roten Adlerorden 3. Kl. mit Krone Professor Dr. Schiemann; den Luisenorden 1. Kl. mit der silbernen Krone der Oberhofmeisterin Gräfin v. Drockdorff, die Palasidame Gräfin Keller, die Palastdame Fräulein v. Gersdorff, die früheren Hofdamen der Kaiserin Friedrich: Fräulein Faber du Faur und Gräfin M. Perchoncher; die Rote Kreuz-Medaille 1. Kl. der bayrische Kämmerer und erbliche Reichsrat Graf v. Drecksel- Deuffstetten in München; das Frauenverdicnstkreuz in Gold Frau Kommerzienrat Antoinette Guilleaume in Köln. Der erbliche Adel wurde u. a. verliehen: dem Minister der öffentlichen Arbeiten Breitenbach, dem Präsidenten des Reichsmilitärgerichts, G'neral der Infanterie Linde, dem kommandierenden General des 1. Armeekorps Kluck, dem Inspekteur der Feldariillerie Schubert, dem Kontreadmiral Jngenohl, dem Oberpräsidenlen der Provinz Sachsen Hegel, den Kommerzienräten Geb» über Ernst und Konrnd Borsig in Tegel. Aus besonderem Vertrauen winden zu Mitgliedern des Herrenhauses auf Lebenszeit berufen: LegationSrat a. D. Graf v. Arnim Muskau, Staatsminister Frhr. von Thiel- mann, Geh. Regierungsrat Dr. v. Boettinger in Elberfeld, Geh. Kommerzienrat Dr. ina. Karl Delius in Aachen; den Charakter als Wiikl. Geh. Rat und Exzellenz wurde verliehen : Erbmarschall des Herzogtums Geldern, Schloßhauptmann Graf Wilhelm von und zu Hoensbroech, Piosessor Adolf Wagner zu Berlin, Geh. Kommerz'enrai Ernst von Mendelosohn-Barlboldy. Der Kaiser hat außerdem den beiden Direktoren der Landwirtschaftlichen und Tierärztlichen Hochschule zu Berlin den Titel Magnifizenz und das Recht zum Tragen der goldenen Amtskelie verliehen.
Der „Reichsauzeiger" veröffentlicht unter anderen noch folgende anläßlich des Geburtstages des Kaiser verliehene Auszeichnungen: Den Roten Adlerorden dritter Klasse mit der Schleife und der Krone erhielten der Professor an der Universität Berlin, Geh. Medizinalrat Dr. Pastow und der Direktor am Museum für Völkerkunde, von Luschan. Zu Palastdamen der Kaiserin wurden ernannt: Fürstin v. Ra- dolin, geb. Gräfin v. Ovversdorff, Fürstin zu Junhauien und Knyphausen, geb. v. Bismarck-Boblen, Gräfin v. Docn- Hoff- Friedrichsteil', geb. v. Level, Gräfin von Pückler-Rogau, geb. Gräfin v. Lichuow'ki. Gräfin v. Scheel-Plasten, geb. LehnSgräfin v. Scheel Plessen. Zu Kammerherren wurden ernannt: Majoratsherr Rittmeister a. D. Graf Hermann von dem Buschc-Jppenburg, Kammerjunker, Rittergutsbesitzer
Jernsprechanschlutz Nr. 605» 1909
Ferdinand v. Leckow auf Gluhki und Kammerjunker Regier- ungsrat Waldemar von Schack in Berlin. Das Prädikat Erzellen; erhielt der Leibarzt der Kaiserin, Generalarzt Geh. Mediziualrat Dr. Zunker-Berlin. Die zweite Klaste der zweiten Abteilung des Luisenordens mit der Jahreszahl 1865 erhielten Frau v. Arnim, Gemahlin des Gouverneurs von Metz; verwitwete Frau v. Zedlitz-Neukirch, geb. Lackmann- Falkenau zu Kynau (Kreis Waldenburg); Sliftsdame Amal« v. Heeringen zu Kassel und verwitwete Frau Generalleutnant Maiie v. Grolmann, geb. Bonsac zu Wiesbaden. Das Kreuz der Ritter des königlichen Hausordens von Hohen- zollern erhielten die diensttuenden Flügeladjutanten Oberst Freiherr Marschall, Oberst v. Laenstein, Kapitän z. S. v. Rebur-Pasckwitz, sowie Flügeadjutant Kapitän z. S v. Hintze, Militärbevollmächtigter am kaiserlich russischen Hofe. Em« große Anzahl Personen erhielten die rote Kreuzmedaille zweiter bezw. dritter Klasse. Der „Reichsanzeiger" meldet ferner u. a. die Ernennung des Kapitäns z. S. und Kommandant der „Hohenzollern" Grafen v. Platen zu Hallermund, zum Flügeladjutanten des Kaisers und die Beförderung des Koutreadmirals Coerper zum Vizeadmiral, Kammergerichtsrat Dritzen - Berlin wurde zum Reichsgerichtsrat ernannt.
Berlin, 27. Jan. Zu Generalmajoren wurden ernannt: Oberst Klingelhöffer, Kommandeur des 8. Rhein. Infanterie- Regiments Nr. 70, unter Ernennung zum Kommandeur der 59. Infanterie-Brigade; Oberst v. Borries, Kommandeur des 3. Posenschen Infanterie-Regiments Nr. 58 unter Ernennung zum Kommandeur der 85. Jnwnterie-Brigade; Oberst von Grumbkow unter Ernennung zum Kommandeur der 50. Jn- santerie-Brigade; Oberst Torgany, Kommandeur der 39. Kavallerie-Brigade: Oberst Classen, Kommandeur des 6. Rhein. Infanterie-Regiments Nr. 68 unter Ernennung zum Kommandeur der 13. Jmanterie-Brigade ; Oberst von Zitzewitz, Kommandeur der 16. Kavallerie-Brigade..
Berlin, 27. Jan. Nach der Abendtafel fand eine Galavorstellung im Opernhause statt. Neu einflubiert waren Szenen aus Glucks „Iphigenie in Aulis". In der Diplomatenloge waren Reichskanzler Fürst Bülow mit Gemahlin, die Minister und die Generalität. In der Hoflage saßen der Kaiser und die Kaiserin, die Könige von Sachsen und Württemberg, der Großherzog und die Großherzogin von Baden, der Kronprinz und die Kronprinzessin, der Kronprinz von Dänemark und andere Fürstlichkeiten. Die Vorstellung wurde eröffnet durch den Königsmarsch von Richard Strauß. Bei der Rückfahrt wurden die Majestäten von der Volksmenge mit Hochrufen begrüßt.
Berlin, 27. Jan. Aus allen Teilen des Reiches laufen Nachrichten ein, denen zusolge der 50. Geburtstag des Kaisers vom ganzen Volk mit großer Herzlichkeit gefeiert wird. Allenthalben sind die Straßen der Stadt reich geschmückt. In der Festbeleuchtung ist der Zahl 50 überall eine groß» Rolle zugewiesen. Die Berichte melden, daß in dem Reiche der Bedeutung des Tages durch Festgottesdienste, Paraden und sonstige festliche Veranstaltungen der Behörden und privater Vereinigungen gedacht wurde.
Berlin, 27. Jan. Der Reichstag beging die Feier deS Geburtstages des Kaisers in gewohnter Weise in den festlich ausgestatteten Räumen der Restauration. Sämtliche Parteien, ausgenommen die sozialdemokratische, waren stark vertreten. Während des Festmahls hielt, wie üblich, nm der Präsident Graf zu Stolberg-Wernigerode eine Ansprache: Daß wir heute noch zahlreicher als in anderen Jahren hier versammelt sind, ist natürlich, denn ein SOjähriger Geburtstag ist ein Markstein. Vor 50 Jahren, da war Preußen die kleinste Großmacht, die europäische Politik wurde in Paris gemacht. Mit scharfem Blick hatte unser großer Heldenkaiser den Verlauf des italienischen Krieges verfolgt, der ihn von der Notwendigkeit einer Verstärkung und Umformung des preußischen Heeres überzeugte. Im Jahre 1866 wurde die deutsche Einigkeit innerlich geschaffen; nach außen mußte sie sich 1870 bewähren. Ich wende mich jetzt an das Gedächtnis derjenigen unter uns, welche den französischen Krieg mitgemacht haben und ich frage, ob einer von Ihnen, als wir aus Frankreich zurückkehrten, wohl en die Möchichkei eines nunmehr 38 Jahre dauernden Fliehen» geglau'^ cat. Diesen goldenen Frieden verdankt Deutschland seinen Kaisern; was diese getan haben, läßt sich in die Formel zusammenfassen: Si vis'pacem para bellum. Als vor nunmehr 20 Jahren unser Kaiser auf den Kaiserthron berufen wurde, da mochte wohl mancher besorgt sein, ob er nicht, jung und eifrig, reich begabt und hohe Ziele verfolgend, gestützt auf das stärkste Heer der Welt, bei den mancherlei sich ergebenden Komplikationen auch dann das Schwert ziehen könnte, wenn dazu ein zwingender Grund nicht vorliegt. Aber der Kaffer — und dafür kann ihm das deutsche Polk nicht dankbar genug sein, hat allen solchen Versuchungen widerstanden. Dabei hat er nach Hohen- zollernart dafür gesorgt, daß die Armee nicht auf ihren Lorbeeren ausruhte, sondern daß sie sich durch fortwährenden Fleiß und pflichttreue Arbeit immer mehr vervollkommnete. DieFlotte aber ist in ihrer jetzigen Gestalt seineSchöpsimg. Nun, meine Herren, können wir auf eine segensreiche Entwicklung zurückblicken. Deutschland hat sich zu einer Kolonialmacht