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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei de» verein.
rr>. WatjenhaufeS m Hanau.
Amtliches
för Stadt- und Landkreis Sanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Zeèertage, mit belletristischer Beilage.
Dir iüufgefpâe Peritzeit« oder deren Raum 20 Pfz.
im SrektamenteU die Aelle 36 Mz,
verantwort!. Redakteur: <8. Schrecker w Hanna
Nr. 21 F-rnsprechanschlitsj Nr. 605.
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Amtliche«. randhrds Fyanau.
Unter den Schweinen zu Niederdorfelden ist die Schwcinc- seuche fefheftedt.
Hanau den 23 Januar 1909.
Der Königliche Landrat.
V 425 I. A.: .Hartman n, Kreissekretär.
Gkfiiiidkiic und derlomie Gcecnstmidc re.
Gesunden: 1 Portemonnaie mit 1,04 Mk. (im Drogengeschäst I. Dauer Nachf. liegen geblieben), 1 zwei Meter-Zollstock, 1 Revolver mit 4 scharfen Patronen, 1 Doublö-Gliederarmband, 1 Double-Mans hetteu'nopf mit Knebel, 1 Legitimatiouskarte der Hanauer Ortskrankenkasse für Katharina Liese, 1 französifches und 1 englisches Lehrbuch sowie ein blaues Schreibheft, 1 silberner Ring mit rotem Stein.
Verloren: 1 Schlüsselring mit 2 Schlüsseln und 1 Drucker, 1 brauner Schweif von einem Boa, 1 goldene Braiche mit blauer Emaille, 1 silberne Damenuhr mit silberner Fuchsschwantkeue.
Hanau den 26. Januar 1909.
Politische Rundschau.
Die neue NeickKversicherunflsordrrunq. deren einzelne Abschnitte vom Reichsamt des Innern während der letzten Monate bereits dem preußischen Staatsministerium und den anßerprenßischen Regierungen zugestellt wurden, ist njmmehr zu einer einheitlichen, 1739 Paragraphen umsafsen- .den Vorlage umaestaltet^ Man hofft, daß der.Gesetzentwurs vom preußischkU Staatsministeriui» bis Anfang Februar und dann vom Bundesrat in den rqdjften Wochen durch beraten werden kann. Der Entwurf muß auf alle Fälle noch vor Ostern dem Reichstag zugehen, damit der Vorschrift im ^ 15 des Zolltarifgesetzes hinsichtlich der Witwen- und Waisen- "ersorgung Gemme geschieht.
Die sächsische Zweite Kammer lehnte den freisinnigen Antrag betr. die alljährliche Einbcrwung des Landtages mit allen gegen drei freisinnige, (glimmen ab. Im Laust der Sitzung betonte der Finanzminister, daß die sächsische Regierung unter keinen Umständen für die direkten Reicks- steuern, insbesondere nicht für die Reineinkommen- oder Vermögenssteuer zu haben sein werde.
Oesierreichi^ches Abaeorvn^tenhaus. In seiner Begründung der Dringlichkeit des Antrages betreffend die Abberufung des Grafen Coudenhove als Statthalter von Böhmen besprach Cboe zunächst den Posterlaß, welcher als
Feuilleton.
Perssiilichks nü ZutimeS Mi Kaiser Mhelm II.
Zum 50. Geburtstage des Kaisers, 27. Januar.
(Nachdruck verboten.)
Wollte man daS Leben Kaiser Wilhelms H., wie es sich bisher unseren Augen darstellt, mit einem Worte kennzeichnen, so dürfte man es ein Arbeitsleben nennen. Es umfaßt eine ungeheuere Arbeitsleistung; wenn man nach einer heut beliebten statistischen Spielerei den Versuch machte, diese Arbeitsleistung in Zahlen auszudrücken — man würde zu erstaunlichen Ziffern gelangen. Das alte edle Erbteil der Hohenzollern, die unerschütterliche Pflichttreue, ist auch auf Wilhelm II. übergegangen. Von den 24 Stunden, die der Tag hat, verbringt der Kaiser nur sieben im Bett, und von den anderen 17 Stunden ist der größte Teil der Arbeit, der ernstesten Arbeit gewidmet. Des'Kaisers Arbeitskraft und tatsächliche Arbeitsleistung übertreffen bei weitem die des normalen Arbeitsmenschen. Wenn Wilhelm H. viel reift, so darf man es sich nicht vorstellen, als ober, wie es die meisten anderen Sterblichen tun, behaglich im Sessel ausgestreckt seine Zigarre rauchte und zum Fenster hinaussähe. Vielmehr arbeitet er auch im Eisenbahnwagen und auf dem Schiffe unausgesetzt. Er emp'ängt zunächst die ihm für die Reise beigeordneten vortragenden Herren aus verschiedenen Ressorts zu regelmäßigen Vorträgen und erledigt sodann die ihm durch Kuriere überbrachten Akten. Es gibt beim Kaiser keine sogenannten „Reste". Was an einem Tage kommt, wird nicht nur von ihm selbst noch am selben Tage erledigt, sondern er achtet auch sehr daran! daß die ihm unterstellten Organe die erledigten Akten um Schriftstücke noch am selben Tage wieder an die zuständigen Stellen' zurücksenden; er tontrouieit häufig am nächsten Tage, ob auch am vergangenen alle Arbeit getan worden ist. So geht es an Wochentagen -rag
Dienstag bett 26. Januar
Tendenz die Einführung der deutschen Sprache als Staatssprache zeige. Interessant sei der Zusammenhang dieses Erlasses mit der Verweigerung der Annahme von Postpaketen, die mit Adressen in tschechischer Sprache versehen seien, durch die reichsdentschen Postbeamten. In dieser Veriveigerung müsse eine Verletzung des Postvertrages durch Deutschland erblickt werden. Der Redner kritisierte dann in abfälliger Welle die gesamte Wirksamkeit des Grafen Coudenbove, der sowohl in seiner Eigenschaft als Oberkurator der böhmischen Sparkasse, als auch als Landeschef die Germanisierung fördere und den Bestrebungen auf die Zweiteilung Böhmens Vorschub leiste. Die tschechische Bevölkerung und di« tschechische Delegation hätten kein Vertrauen zu dem Statthalter und verlangten seine Abberufung. — Im weiteren Verlaufe der Sitzung erklärte Graf Sternberg bei der Begründung des Dringlichkeitsantrages betreffend den Erlaß eines allgemeinen Farbeuverbotes für ganz Oesterreich, daß die aus dem Mittelalter stammenden Privilegien der Uni* versitäien im Zeitalter des allgemeinen und gleichen Wahlrechts keine Berechtigung mehr besäßen. Graf Sternberg sagt ferner: Die Universitäten, insbesondere die Studentenverbindungen in Oesterreich, sind im Gegensatz zu denen im Deutschen Reiche, wo dank der ethischen Grundlage und Erziehung ein glänzender Beamten- und Offiziersstand aus ihnen hervorgeht, Zuchistätten aller demagogischen Laster. Die Studenten polemisieren und die Professoren bilden eine gefährliche Gelehrtenrepublik. Die Ohnmacht der Regierung gegenüber den Universitäten ließ es dahin kommen, daß gegen die tschechische Bevölkerung, die gegen die Uebergriffe der deutschen Couleurstudenten in Prag zu berechtigter Notwehr griff, mit Gendarmerie und Standrecht vorgegangen wurde. — Am Schluffe der Sitzung begründete der Abgeordnete Lisy in tschechischer Sprache einen Dringlichkeitsantrag betreffend. die Verfolgung der tschechischen Minoritäten im nordwestlichen Döhmen. — Jm Einlaufe befindet sich die Interpellation des Slowenen Benkovic, in der die Regierung unter Bezugnahme auf die Erklärung der „Tribuna" , zu der Frage einer italienischen Universität in Oesterreich gefragt wird, ob sie geneigt sei, eine jede Einmischung eines fremden Staates in dieser Frage zurückzuweisen.
In neue Konflikt Wischt» Bchomn «ab der Türkei.
Kaum ist der Friede zwischen Oesterreich-Ungarn und der Türkei Hergestelll, so schafft die Einberufung der Reserven der bulgarischen Grentdivision zu einer dreiwöchigen Uebung neue Unruhe, und wieder droht der Konflikt zu einem blutigen Zusammenstoß zu führen. Die Beunruhigung in Bulgarien ist allgemein, und eifrig werden bereits Gerüchte kolport ert, die von einer Mobilisierung der gesamten bulgarischen Armee für Tag; dafür hält bet Kaiser aber strengstens an der Sonntagsruhe fest. Der Sonntag gehört der inneren Sammlung und der Erholung; und, wenn nicht ganz dringende Fälle vorliegen, läßt der Kaiser an diesem Tage nichts an sich herankommen.
Solche Leistungen vermag nun natürlich nur ein Mensch auf sich zu nehmen, der' über einen gesunden widerstandsfähigen Körper verfügt. Dies trifft aber auf Kaiser Wilhelm durchaus zu. Natürliche Anlage und planmäßige Körperübung und Köörperpflege haben bei bem Kaiser nach und nach eine, man muß sagen, ungewöhnIicheK örperkrait entwickelt. Die ganze Lebenshaltung des Kaisers ist besonnen und zwrck- mäßig Zunächst und vor allem ist er ein großer Freund des schon von Pindar hochgepriesenen Wassers. Täglich ein Bad zu nehmen gehört zu seiner Lebensführung; ist er an Bord, so bevorzugt er Bäder in kaltem Seewasser. Dem Bade folgt stets eine kalte Touche. Sodann pflegt ja der Kaiser, wie bekannt, die verschiedensten sportlichen Betätigungen mit Eifer, zum Teil selbst mit Leidenschaft. Während der Kieler Woche ober auch in Berlin und Potsdam spielt er gern Tennis. Der Kaiser ist ein guter Tennisspieler und zieht zur Teilnahme an seinen Partien nur ausgesucht gute Spieler heran. Eine kaiserliche Tennispartie bauert in der Regel etwa zwei Stunden. Kaster Wilhelm ist ungleich ein passionierter Weiter und Wanderer. Seine Spazierritte pflegen anderthalb, auch zwei Stunden zu dauern und in jeden Witt fligt er einen so scharfen Galopp, über 6—10 Kilometer ein, daß die Herren des Geko'ges oft rechte Mühe haben, mitzukommen. Beim Spazierengehen bevorzugt der Kaiser einen schnellen und zugleich ungewöhnlich langen Slliritt; und selbst beim Bergsteigen behält er diesen schnellen Schritt bei. Zu biefem Sport hat er besonders in seinem geliebten Norwegen Gelegenheit, wo er z. B. in der Umgegend von Digerninleu fleißig Berge bestiegen bar Daß her Kaiser ein unermüdlicher und außerordentlich trefflicherer Jäger ist, ist bekannt. ^di lutbr ihn beispielsweise in seinem herrlichen Jagdrevier Rammten Hirsche auf die Distanz von 400 bis 500 Schritt anst weh'geriestem Schuh nivi erstrecken sehen. Dort in Wnm ntcn kommt es nabt selten vor, daß der Kaiser schon früh um 4 Uhr aus die Jagd gert intd erst
Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1909
wissen wollen. Andererseits wird behauptet, England drängt die Türkei zum Kriege.
Die Haltttnft der bulgarischen Regiernng.
Sosia, 25. Januar. Die gestern verfügte Einl ufung von zehn Jahrgängen Reservisten der Grenzdivisiou Starazagora hat im ganzen Lande eine wahre Kriegsbe- geisteruug hervorgerufen. Die Regierung, welche merkt, daß sie mit bieier Maßnahme, die nicht provozieren, sondern nur die Be'etzung strittiger Greuzpunkle durch die Türken" verhüten sollte, übers Z-el hinausgeschossen bat, bemüht sich jetzt, die öffentliche Meinung wieder zu beruhigen. Die Maßnahme hatte den offenkundigen Zweck, eine rasche Intervention der Großmächte zugunsten Bulgariens herbeizuführen.^ Die politischen Kreise hegen jedoch die Befürchtung, daß infolge der herrschenden Kriegsstimmung leicht ein Grenzkonflikt provoziert werden könne, der den Krieg unvermeidlich mache.
Eine Erklärung des bulgarischen Ministers des Aeutzern.
Sofia, 25. Jan. Der Minister des Aeußern, Paprikow, gab heute in der Sobranje eine Erklärung über die letzten militärischen Maßnahmen ab. Das Hauptomtiv für die Maßnahmen sei in den letzten Schritten der Pforte zu einer gewaltsamen Grenzberichtigung zu ihren Gunsten zu suchen. Zu diesem Zwecke seien bereits von türkischer Seite große Truppenbewegungen erfolgt. Dies habe Bulgarien, obwohl die Regierung von Friedensliebe beseelt sei, zu einer militärischen Defensivaktion gezwungen. Die Erklärung wurde in der Sobranje enthusiasti'ch ausgenommen. Einzelne Redner verlangten ein energisches Auftreten der Regierung zur Wahrung der Würde der Nation.
Lesterreich und die Verschärfung der türkisch- bulgarischen Beziehungen.
Wien, 25. Jan. Die neuerliche Spannung zwischen Bulgarien und der Türkei erregt hier sichtliches Unbehagen. Die Mobilmachung der 8. bulgarischen Division wird trotz aller offiziösen Beichwichtungen als sehr ernst betrachtet, zumal die Entschädiguugsverhandlungen zwischen Sofia und Konstantinopel, gar nicht vom Fleck kommen. Die Forderung der Türkei von 200 Millionen Fr. ist derart, daß sie Bulgarien in den Ruin treiben würde. Aus diesem Grunde ist schon der deutsche Botschafter Frhr. v. Marschall jüngst bei der P'orte vorstellig geworden. Wie die „Zeit" erfährt, steht ein Kollektivschritt der Mächte in Sofia und Konstantinopel bevor, um die beiden streitenden Tetle zu einer friedlichen Einigung zu bringen. Das Petersburger Gerücht, daß König Ferdinand zum orthodoxen Glauben überzulreteu beabsichtige,, wird von dem hiesigen bulgarischen Vertreter, der „N. Fr. Pr." zufolge, für unbegrütldet erklärt.
um 10 Uhr zurückkehrt, um dann am Nachmittag abermals zu jagen.
Das sind Strapazen, die das übliche Maß unbestreitbar erheblich übersteigen. Hat man Gelegenheit, den Kaiser dauernd zu beobachten, so ist man immer wieder überrascht zu sehen, mit welcher Leichtigkeit er Strapazen erträgt, die anderen Leuten tagelang in den Gliedern liegen würden. So habe ich es mehr wie einmal mit erlebt, daß der Kaiser nach einem langen und anstrengenden Manövertage am Abend mit seinen Generälen den Plan für den nächsten Tag besprach und daß diese Besprechungen bis 2 Uhr nachttz dauerten. Früh um 4 Uhr, also nach 'kaum zweistündigem Schlaß saß er bereits wieder im Sattel, um die Anstrengung des neuen Manövertags über sich ergehen zu lassen. Auch bei der oft stundenlangen, für viele höchst ermüdenden Abhaltung von Cerc'en sind am Kaiser Spuren von Ermüdung nicht wahrzunehmen. Für seine körperliche Leistungsfähigkeit spricht es ferner, daß der Kaiser auch nach feinem angestrengten Arbeitstage nicht etwa sich zu bequemer Erholung geneigt zeigt, sondern daß er auch des Abends noch Anregung und Belehrung sucht. Mit Vorliebe lieft er des Abends im engeren Kreist selbst vor, und es geschieht nicht selten, daß er ohne Unterbrechung eine b's anderthalb Stunden aus Büchern, Zeitschriften oder Zeitungen vorliest. Allein am Ende der Vorlesung klingt sein Organ in der Regel ebenso frisch und kräftig wie am Anfang. Es schließen sich baun meist an diese Vorlesungen noch Diskussionen an, in die der Kaiser auf das lebhafteste einzu- greifen pflegt.
Welches ist nun die Lebensweise, durch die es der Kaiser erreicht, daß er seinem Körper und Geiste so große Zu- mutungen stellen bars ? Sie läßt sich im ganzen mit den Worten „einfach und kräftig" charakterisieren. " Der Kaiser ist ein starker Esser, ein mäßiger Raucher, ein schwacher Trinker. Er pflegt nach englischer Art viel zum ersten Frühstück und zu dem Wiittagcffen um ein Uhr, dagegen des Abends wenig zu essen. Das erste Frühstück bestellt in der Regel aus Tee und dazu Fleisch ober Fisch. Die Vorliebe Wilhelms U. für alles; was mit der See zusammenhängt, äußert sich auch in seiner Neigung zu Fischgerichten. Es'vergeht wohl kaum ein