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ee. WmfeahaufeS in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwartl. Sledakteur: B. QQttitt in Hana»
Nr. 20
^rrnfpredianfdjtitfj Nr. 605
Montag den 25. Januar
^etnfVtedjanfdjhtü Nr. 605
1909
Amtliches.
Stadtkreis Rana«.
Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung
A qm Donnerstag den 2«. und Freitag den 29. Januar 1909, nachmittags 5 Uhr.
Tagesordnung:
1. Haushaltsplan der höheren Mädchenschule für 1909.
2. Desgl. der Miilel- und Volksschulen.
3. Desql. der kaufmännischen Fortbildungsschule.
4. Desgl. der gewerblichen Fortbildungsschule.
5. Desgl. der Armenverwalstmg.
6. Desgl. der Kleinkinderschule und Krippe.'
7. Desgl. der Begräbniskasse.
8. Desgl. der Schlachthofkasse.
9. Desgl. der Sparkasse.
10. Desgl. der Gaswerkskasse.
11. Jahresbericht der städtischen Gas-, Wasser- und Elek- Iri'ilälswerke und der städtischen Badeanstalt für 1907.
12. Rechnung der Schlachtbofkasse für 1907.
13. Desgl. der Begräbniskasse.
14. Desgl. über Asservate und Vorschüsse.
15. Desgl. der Armenkasse.
16. Belr. Feststellung der Rechnung der Stadthauptkasse für 1906.
17. Außerordentliche Revision der Stadthauptkasse.
18. Desgl. der städiischen Steyerkasse.
19. Desgl. der Schlachihoikasse.
20. Desgl. der Gas- rc. Werk-chasse.
21. Desal. der Hebestelle Kesselstadt.
22. Desgl. der Kasse des Steueramtes.
23. Neuwahl des Schie^smann's für den Bezirk Kesselstadt.
Zu Punkt 15 und 23 der Tagesordnung findet Sitzung des Rechnungsprülungs- bezw. Wahlvorschlags-Ausschusses um 4*/< Uhr statt.
Hanau den 23. Januar 1909.
Der Vorsteher.
2151 I. D.: Ohl.
Handelsregister.
Unter der Firma Kaiser & Hirschmann betreiben:
1. der Silberware fabrikant Otto Kaiser, 2. der Kaufmann Meier Hirschmann, beide in Hanau, eme Silberwareniabrik. Die Gesellschaft.
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Feuilleton.
Das HmidcttiäMbiöium dcs deutsche» Männcrftcsanas.
Lm Gedenkblatt zum 24. Januar.
Von Egon Noska.
(Nachdruck verboten.)
Wenn der deutsche Männeraesang und seine Pflege in zahlreichen großen und kleinen Vereinen als ein nicht unwesentlicher' Kultnrsaktor angesehen zu werden verdient, — haben diese Vereine doch sogar in der Zeit nationaler Zerrüttung Deutschlands in hervorragender Weise dazu beigetragen, den deutschen Einheitsgedanken im Volke zu pflegen und zu erhalten — so wird es umso mehr Erstaunen erregen, zu vernehmen, daß dieser Kulturzweig zu uns nach Deutschland von Rußland aus gekommen ist.
Die Geschichte der Begründung des ersten deutschen Männergesangvereins mit geselliger Tendenz, die heute vor einem Jahrhundert, am 24. Januar 1809, gestiftet wurde, der Berliner „Liedertafel", ist interessant genug,_ denn sie zeigt uns, aus welchen unscheinbaren Keimen große Kulturiaktoren entstehen. Hunderttausend? Sänger haben sich in Deutschland und Oesterreich und wo sonst noch die deutsche Znnae klingt, zu Vereinen, diese wieder ^u großen Bunden zu- sammengesclüossen; eine üppig blühende musikalische Literatur hat diesen Sängern Material für ihre Uebungen gespendet, in jeder Schule wird diese Pflege des geselligen Liedes heute betrieben, und es ist unstreitig, daß heute die musikalinnen Fähigkeiten des gesamten Volkes, insbesondere der untersten Schichten, denen aus dieser Pflege des Gesanges o t < ci einzige künstlerische Genuß in ihrem Leben erwuchs, gewonnen haben — und alle? das geschah, weil einst ein preußischer König ein paar russische Soldaten singen hörte. ..
Der plattdeutsche Dichter Wilbelm Bornemann bi-' 1^51), der selbst einer der Begründer dieser ersten Liedertaiel
deren Sitz sich in Hanau b-findet, ist eine offene Handelsgesellschaft und hat am 1. Januar 1909 begonnen.
Hanau den 19. Januar 1909.
Königliches Amtsgericht 5. 2149
Handelsregister.
Firma Abr. Schwab & Co.
Der Kaufmann Max Schwab in Hanau ist in das Geschäft als persönlich haftender Gesellschafter ein» getreten.
Die neugebildete offene Handelsgesellschaft besteht aus dem p. Schwab und dem bisherigen alleinigen Inhaber Kaufmann Samuel Schwâb in Hanau, hat den Sitz in Hanau und am 1. Januar 1909 begonnen. Die bisherige Firma wird fortgeführt.
Die dem Kaufmann Max Schwab in Hanau erteilte Prokura ist erloschen.
Hanau den 19. Januar 1909.
Königliches Amtsgericht 5. 2153
Bekanntmachung.
Auf Grund des § 36 der Reichsgcwerbeordnuuq und des § 42 des Gesetzes, betr. die Errichtung von Handelskammern, vom 24. Februar 1870 / 19. August 1897 hat die Handelskammer am 20. d. Mts. den geprüften Nahrungs- mittelchemiker
Herrn Dr. phil. Eugen Braunmüller zu Hanau als öffentlich angcstellien Hanbelschemiker und als öffentlich angestellten Probierer für Edelmetalle beeidigt.
Hanau den 25. Januar 1909.
Die Handelskammer zu Hanau.
C a n t h a l.
Der Syndikus.
2155 Dr. phil. Grambow.
Politische Rundschau*
Der Kaiser nnd das Virchowdenikmal. Bekanntlich hatte der Kaster seiner Zeit die Aufstellung des Virchowdenkmales aus ästhetischen Gründen verweigert. Nach einer neuerlichen Aussprache des Kaisers mit ®e' eimrat Walther Wandeyer soll der „Voss. Ztg." zufolge der zweite Entwurf des Virchowdenkmals von Fritz Klimsch jetzt Aufstellung auf dem Karlsplatz bei der Charitee finden. Der Kaiser, der sich zuerst auch gegen den zweiten Entwurf ausgesprochen hatte, hat nun seinen Widerspruch zurückgezogen war, hat kurz vor feinem Tode die Geschichte dieses Vereins und seines Entstehens niedergeschrieben, und aus diesen Aufzeichnungen erfahren wir, daß Friedrich Wilhelm III. eS war, der in der unglücklichsten Zeit seines Lebens die erste Anregung zur Bearündung solchen Gesangvereins gegeben hat.
' Der preußische Hof hatte sich im Jahre 1807 infolge der unglücklichen Schlacht bei Preußisch-Eylau nach Memel zurückgezogen. Da machte die Königsfamilie nicht selten Ausflüge nach Tauerlaken an der russischen Grenze und bei dieser Gelegenheit hörte man russische Leute, vor allem auch Soldaten, gemeinschaftlich Lieder singen.
Das war auch einmal der Fall, als sich Bornemann, der Beamter der Königlich preußischen Lotteriedirektion war, bei Ho'e au'hielt. Es war dem König bekannt, daß Bornemann als eifriges Mitglied der von 'Zelter damals geleiteten Berliner Singakademie Verständnis für Gesang und Interesse hatte. So mußte Bornemann sich auch diese russischen Sänger im Militärkleide anhören. „Eines Schlages", so berichtet er, „stimmten die Sänger ein und führten ihr Lied, in strengen Molltönen gehalten,' vierstimmig takt- und tonfeft durch. So noch ein zweites und drittes." Das war ihm etwas völlig Neues.
Dann mußte Bornemann dem König seine Meinung über diesen Gelang mitteilen: und der meinte, daß, wenn bei Umgestaltung der preußischen Armee der ,Gesang als Uebung eingeführt würde, auch wohl die preußischen Soldaten das lernen könnten.
Nach Berlin zurückgekehrt, teilte Bornemann seinem Freunde Zelter seine Erlebnisse mit, und er berichtet: „Gern teilte Zester meinen Wunsch, dem Könige mittelst der Smq- alabemie entgegen zu kommen, aber diese, und der Pflege des ernsten, strengen KirchenstilS gewidmet, ließ sich mit der vorliegenden Ausgabe, die bloß auf eine Förderung allgemeiner militärischer Sangsertigkeit hinzudeuten schien, nicht wohl in Einklang bringen. Ihm, dem Zelter, wie mir war damals auch noch nicht das Geringste von den großartig russischen Gesangsinstituten bekannt, gestiftet zur gesanglichen Erhebung gottesdienstlicher Feier in der griechischen Kirche, aus welchen, gleichsam von selbst schon, allgemeine Gesang- fertigkeit sich èrbildete und namentlich auch in das Militär-
unb so wird das neue Modell KlimschS zur Ausführung gelangen.
Die preussischen Steuervorlaaen in der Kom Mission. Die Berichte über die KommiisionSsitzung am Donnerstag, in der die preußischen Steuervorlagen ange» nomwen worden sind, haben den Eindruck erweckt, daß die Zuschläge zur preußischen Einkommeiisteuer nur vorübergehend für die Jahre 1909 und 1910 bewilligt worden seien. Nachträglich schreibt aber die Norddeutsche Allgemeine Zeitung: Die Kommission hatte in erster Lesung bekanntlich beschlossen, einen Zuschlag zur Einkommen- und Ergänzung-- steuer nur auf zwei Jahre zu bewilligen, eine Regelung, welche zwar die Regierung mit dem außerordentlich hohen Aufwand von 126 Millionen Mark jährlich belastet, die sie aber nach Ablauf der zwei Jahre möglicherweise ohnr^ir von ihr für unumgänglich erachteten Deckungsmitiel gelassen hätte. Eine solche Regelung hatte der Finanzminister namenS der Staatsregierung als unannehmbar bezeichnet, und in^ Anerkennung der geltend gemachten Bedenken hat die Kommission auf die zeitliche Begrenzung verzichtet, so daß die beantragten Deckungsmitiel dauernd zur Verfügung stehen, bis eine ander- weite organische Regelung des Einkommensteuergesetzes erfolgt sein wird.
Zur Nachlâtzfteiter. Die Landwirtschaftskammer der Provinz Sachsen beschäftigte sich in ihrer Vollversammlung, an der auch der Oberpräfldent Hegel teilnahm, mit der Nach- laßstkuer im ablehnenden Sinne. Dabei nahm der Oberprä- sident ebenfalls das Wort zu folgenden Ausführungen: Wenn ich die Ihnen vorgelegte Resolution recht verstehe, soll damit anerkannt werden, daß es zuletzt doch wobl politische Erwägungen sein werden, die über das Schicksal der Vorlage entscheiden. Diese politischen Momente liegen darin, daß möglicherweise das ganze Zustandekommen der von uns allen so sehnlichst gewünschten Reichsfinanzreform von der Annahme der Vorlage abhängig sein und sich die Frage dann so stellen wird, auf welcher Seite der größere Nachteil zu erblicken ist: im Scheitern der Reichsfinanzreform oder in der Annahme der Nachlaßsteuer. ES geht, wie Sie mir zugeben werden, über die Aufgaben der Landwirtschaflskammer hinaus, diese Frage zu beantworten, und Sie werden die« getrost Ihrem Vertreter im Reichstage überlassen können. UebrigrnS werden dabei doch auch dir Vorrechte nicht außer Betracht zu lassen sein, welche die Nachlaßsteuerfrage gerade der Landwirtschaft einräumt und die vor allem in der ganzen oder teilweisen Befreiung von der Siener bestehen, sofern die land- oder forstwirtschaftlich genutzten Grundstücke in den letzten fünf oder zehn Jahren bereits einmal zu der Steuer herangezogen worden sind. Ob ähnliche Vorrechte der Landwirtschaft ein» geräumt werden können, wenn der Nachlaßsteuer eine Einkommen» oder Vermögenssteuer substituiert werden sollte, ist wesen überging. Unbezweifelt hatte der König, vertraut mit jenen Instituten, ein gleiches für die gesangliche Erhebung in der evangelischen Kirche vor Augen, ohne jedoch auch nur entfernt sich darüber zu äußern. Zelter wollte überhäuft nicht einmal die tonfeste Durchführung eines, nur von Männerstimmen, ohne alle Instrumentalbegleitung vorg«. tragenen Gesanges oder gar eines längeren Liedes zugeben Selbst bei geübten Sängern werde das Herabsinken nicht ausbleiben."
Da kam ein Zufall zu Hilfe. Ein Mitglied der Singakademie, Otto Grell, hatte einen Ruf nach Wien erhalten. Man wollte dem Freunde ein Abschiedsfest geben. Im „Englischen Hause" sollte ein Mahl stattfinden, Bornemann, — Zelter nennt den Freund einst in einem Brief an Goethi den „luftigen Bornemann", — hatte die Anordnung desselben und die „Beschaffung frohsinniger Tafellieder" übernommen.
Damit war die Gelegenheit gegeben, einen Versuch mit Liedern zu machen, die für geübte Männerstimmen gesetzt waren. 91 uf einem Flügel sollten die Lieder begleitet werden, aber für einen solchen war in dem Saal kein Platz, so wurde schnell eine Gitarre herbeigeholt. „Die Saiten schlugen vor, kräftig frische Männerstimmen setzten ein, und daß ärmliche Geklimper verschwand in den Massen die sich selber gold- rein tonfest hielten, was von einem, durch ^.^t-er» Strovben hin ohne Instrumental-Begleitung geführt?- Chor, vielseitig war bezweifelt worden. Da wurde die Gitarr- beseitigt."
Und Bornemann erzählt weiter: „Gleich andern Morgens, nach dem Festmahle, besuchte mich Zelter uni ein erstes Wort war: Schwebte Ihnen nicht gestern abend König Arthurs Tafelrunde vor?" Wiedererwecken wollen wir daè alte Sängerweson. Nur kein Geklatsche voraus davon. Verschwiegen unter uns wollen wir weiteres darüber besprechen. Erst eine kleine Anzahl von fröhlichen Liedern voll Kern und Kiakt: die will ich suchen und sehen. Schaffen Sie, was noch sonst dazu gehört. Ermittelungen besonders, wie eS bei der Tafelrunde gehalten worden. Liedertafel soll es bei uns heißen. Ein Meister mit zwölf Gesellen, oder auch mit bis vierundzwanzig, läßt es sich zusammen bringen. Mancher wird schon stutzen bei dem Namen. Ist alles im stillen gut vorbereitet, dann erst heraus mit der Sprache."