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Zweites Blatt.

BezUgsprei»;

vierteljährlich 1,80 M., monatlich 60 Pfg., für aut» »irtige Abonnenten mit dem betreuenden Postaujjchlag.

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Gcurral-Anztiger

iUleiiettlbtutt und Verlag der Buchdrucker« der verein, n, WaijenhaujeS in Hanau.

Imlliillts Organ für Mt- uni faaikrtis ganan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Die sünfgespalteue Petitzeile »bet der« Stet* SO Ug. im Skeklameuteü die Zeile 35 Pfg.

öttantoortL Äebafttur: ®. 6^:td<t ist Hittuut.

Nr. 18 F-rttsprechanschltts; Nr. 605. Fttltilg bCll 22. 31111110.1

Ferusprechanschlutz Nr. 605. 1909

Stadtkreis Hanau. Steuererhebung.

Mit dem 15. d. Mts. beginnt die Erhebung der Steuern re. für das 4. Vierteljahr (Januar- März 1909).

Erhebetage:

Zettel Nr. 1-3500 am 15., 18., 20. u. 22.

Januar 1909,

Zettel Nr. 3501-7000 am 25., 29. Januar und 1. Februar 1909,

Zettel von Nr. 7001 ab am 3., 5., 8., 10., 12. und 15. Februar 1909.

Zur Erleichterung des Geldverkehrs werde » Schecks, welche auf die Neichsbank, au? eines d r h'esi'en Bankhä"ser oder den Hanauer Kredit­verein bezogen st »d, in Zahluna genommen.

Einzahlungen durch die Bott sind zulässig, in welchem JaNe die .Oebebuchuummer anzu- geben; Porio und Bestellgeld hat der Ein­zahler zu tragen.

Die siädt. Steuerkasse ist für Einzahlungen nur Montags, Mittwochs und Jrei» tags vormittags von 8"» bis 12*/a Uhr geöffnet. Hanan den 13. Januar 1909.

Stadtkaffe. 1239

Die sunizösischc Marokkodcbiittc.

In her fmmtöfüdjen Devuliertenkammer hat wieder eine mehrtägige Marokkodebatie ftattgefunben, die durch eine Inter­pellation des. Sofia! istenführers Jaurès über das Vorgehen des Generals Lyauley an der Oitgrenze Marokkos veranlaßt wär. Der Jmerpellant zeigte sich von der Besorgnis erfüllt, daß die Regierung durch den Uebereifer des Miliiârs und durch die Ungeduld der französischen Marokkointeressenten zu abenteuerlichen, gegen die Algecirasakle verstoßenden und das Verhältnis zu Deutschland verschärfenden Schritten gedrängt werden könne. Die Debatte nahm im ganzen einen ersten . Verlauf und Enthielt abgesehen von den wenig beachteten Tiraden eines chauvinistischen Schreiers nichts, was deutschen Widerspruch berausfordern müßte.

Manches Vorkommnis in Marokko gab dem Verdachte Nahrung, daß die dort tätigen französischen Organe, sei es auf eigene Faust, sei es mit heimlicher Billigung ihrer Re­gierung, eine andere Politik als die in Paris offiziell ver= ti etene d-r Vertragstreue und der Beruhigung des Landes

Feuilleton.

Eine Heimkehr.

Skizze von Rolf Harbon. Aus dem Dänischen von B. Mann.

< Nachdruck verboten.)

Vor einer Reihe von Jahren wurde unweit Skagens ein dänischer Schoner im dicken Nebel von einem fremden Dampfer angesegelt. Der Kapitän des Schoners hieß Christensen. Er war ein Mann zwischen dreißig und vierzig Jahren, ein tüchtiger, erprobter Seemann, der als Matrose, Steuermann und in den letzten Jahren als Schlsfssührer eine Reihe Fahrten in den heimischen und fremden Gewässern geinacht hatte. Der langen Reisen wurde er überdrüssig, als er in seinem Heimatsort die Bekanntschaft eines jungen Mädchens machte und sich mit ihm verlobte.

Er wußte aus Erfahrung, wie schwer es den verheirateten Kapitänen wird, ihre Familie oft auf viele Jahre zu ver­lassen. Wer. sagt einem, ob man je wiederkehrt, oder was in der Abwesenheit zu Hause geschieht. Am liebsten wäre er gleich ganz zu Hause geblieben, als er sich mit der Tochter des Lotsen, der schönen Marie, einig wurde. Er kannte die heimischen Gewässer aus und ein und wollte, wie fein Schwiegervater, Lotse werden. Da wurde ihm aber die Führung des neugebauten Schoners Johanna angeboten und dazu konnte er ni'd)t nein sagen. Er sollte auf die Nordsee und Ostsee fahren und zur Sommerszeit wollte seine Frau chn begleiten.

Dieser Schoner wurde in einer Frühlingsnacht angesegelt, als der Nebel so dick war, daß man vom Schiff aus den Klüper nicht sehen konnte eines Nachts, als alles in Echten weißen Dampf gehüllt war, in dem die Laternen wie undeutliche Farbflecke wirkten, eines Nachts mit fast toter aber einem reißenden Strom, als keine Menscheweele wissen konnte, wo das Schiff war, eines Nachts mit dem Ge­brüll ferner Sirenen und ewigen Läuten der Schiffsglocken.

betrieben. Der Minister des Auswärtigen Pichon ist diesem Verdachte schon wiederholt emgegengetreien. Diesmal tat er es mit besonderem Nachdruck. Er sagte u. a.:Wir fielen zwei Sorten von Gegnern gegenüber, den einen sind wir zu kriegerisch, den andern zu furchtsam. Beides ist falsch. Die Regierung erklärt heute aufs neue, daß sie weder die Er­oberung noch das Protekiorat erstrebt, und daß es als ihre selbstverstäiidliche Pflicht erscheint, alle Verträge zu respek­tieren. Wir kennen nicht zwei Arten von Politik, eine, die wir vor der Kammer verteidigen, und eine andere, die wir unseren Offizieren und Beamten anempfehlen, oder die wir uns von ihnen gefallen lassen. Unsere Politik ist die, die wir hier öffentlich verteidigen, und unsere Offiziere und Be­amten werden streng dazu ' veranlaßt, sich an den Rahmen dieser Politik zu halten. Eine Politik der Nichtintervention darf das nicht sein, die würde unseren Interessen und unserm Ansehen ichlecki entsprechen. Aber eine Politik des Friedens und der Kultur ist es, das kann ich vor dèm Lande aus- sprechen und verantworten."

Im letzten Teil dieser Ausführungen mag immer noch ein Haken stecken. Wenn wir auch die besonderen Interessen Frankreichs anerkennen, so kommt es doch darauf an, daß es nicht unnötig und nicht zu weitgehend in den inneren Angelegenheiten des Landes interveniert. Herr Pichon kündigte aber an, daß sich Frankreich in der srrage der Ent­schädigungen für die militärischen Operationen so weitherzig wie möglich zeigen und die Räumung des Schaujagebiets sortieren werde. Der Gesandte Regnault soll bei seiner Mission nach Fez, die hauptsächlich der Einigung über die Ent'chädigui'gs- und Räumungsfrage gilt, den Algeciras­vertrag als Regel nehmen. Daß der Minister Pichon seine Erklärungen aufrichtig und ehrlich meint, darf nicht be­zweifelt werden. Ebensowenig wie gegen diele Behandlung der. marokkanischen Frage haben wir Grund gegen die Hal­tung der französischen Regierung in der Orientkrisis Be­schwerde zu erheben. In beiden Beziehungen hat sie sich friedlich und versöhnlich gezeigt. Bei dieser Stimmung hoffen wir, daß neue deutsch-französische Reibungen wegen Marokko vermieden werden, und daß die Zeit näher rückt, da eine Verständigung zur endlichen Beseitigung des Marokko­streits getroffen werden könnte.

Der Anteil dcr Haiisschlachtiinzcn nn der Flcischvcrsoriiiiiik in Preußen.

Während wir über die Entwicklung des Fleischverbrauchs in Deutschland, soweit die Schlachttiere der Schlachtvieh- und Fleischbeschau unterliegen, seit dem Jahre 1904 durch die hierauf bezüglichen vierteljährlichen Veröffentlichungen des daß es einen Höllenlärm gab. Das ist das schlimmste Wetter, das einem Seemann begegnen kann. Gegen alles andere kann er sich doch wehren. Hier ist er sozusagen dem blinden Zufall preisgegeben. Seine Augen suchen die Nebel- mauer zu durchdringen, treffen aber nur das graue Dickicht. Seine Nerven zittern beim Lärm rings umher von den Schiffen, von betten er keinen Zoll sehen kann.

Kapitän Christensen hatte zwei Leute nach vorn ginn Ausguck gesandt. Selbst stand er dicht neben dem Mann am Ruder, und auf der Kajütstreppe hatte seine Frau mit dem kleinen zweijährigen Jungen auf dem Arm Platz ge- nommcn. Der Knabe war der einzige, der sich richtig wohl fühlte. Er hatte feine runden Wangen an die Brust der Mutter gelegt und schlief, als gehe der ganze Nebel der Welt ihn nichts an.

Sein Vater war dagegen nicht glücklich. Auf dieser ver­kehrsreichen Route war seine Lage höchst bedenklich. Sie lagen draußen in der Nordsee nicht weit von Skagens Riff, als der Nebel sie überraschte. Und jetzt hieß es, Schiff und Ladung unverletzt au§ diesem Nebel sack heransbringen, der sich 'aus allen Seiten um sie schloß.

Christensen hielt Ausguck nach den Lichtfeuern. Dort war wohl das Feuerschiff von Skagen und dort das Feuer auf der Landspitze es war ein Lichtschimmer int Nebel, konnte aber auch Blendwerk sein.

Brennt die Vackbyrd-Laterne klar, Jens?" rief er.Es sieht, aus, als wenn sie garnicht leuchtet."

Brennt gut," rief Jens zurück.. Er stand zehn Schritt vo>n Schiffer, sie konnten sich aber gegenseitig nicht sehen.

Läute mal wieder, Jens."

Jens zog an dem Glockenstrang, daß das Bimmel- bammel der Schiffsglocke weit durch den Nebel drang. Gleich darauf ertönte das langgezogene, jammernde Geheul einer Sirene und eine heisere Dampspstife pfiff in der Ferne.

Die verwünschten Dampier," sagte Christensen,sie laufen bei dem Diebel in voller Fahrt und kümmern sich um nichts.Wirf dgs Lot aus, Jakob." Der unsichtbare Jakob warf das Lot aus, und bei jedem Wurf hörte man ihn singenflehn Faden und keinen Grund".

Kaiserlichen Statistischen Amts und die Veröffentlichungen deS Kaiserlichen Gesundheitsamts über die Jahresergcbniffe^ der Schlachtvieh- und Fleiichbeickau in einer Weise unterrichtet sind, wie es gleich zuverlässig in keinem anderen Lande der Fall ist, sind wir bisher bezüglich der durch die Hausichlach» tun gen gewonnenen Fleischmengen lediglich auf das Ergeb­nis einer Zahlung der hausgeschlachteim Tiere anläßlich der allgemeinen Viehzählung am 1. Dezember angewiesen gewesen. Für das ganze Deutsche Reick liegen auch heute noch keine neueren Zahlen vor, da das Ergebnis einer weiteren Zäh­lung der Hausschlachtungen, die in Verbindung mit der Viehzählung am 2. Dezember 1907 stattfand, noch nicht be­kannt gegeben ist, wie ja auch die Ergebnisse dieser Vieh­zählung für das Reich bisher vom Kaiserlichen Statistischen Amt bisher noch nicht veröffentlicht worden sind. Das Kaiserliche Gesundheitsamt war daher, als es in seinem kürz­lich erschienenen Bericht über die Ergebniffe der Schlachtvieh- und Fleischbeschau in Deutschland im Jahre 1906 auch eine Berechnung über die Höhe des Fleischkonsums in Deutsch­land anstellte, gezwungen, für die sämtlichen Jahre 1904 bis 1907 als Umfang der Hausschlachtungen die bei der Zählung von 1904 ermittelten Zahlen einzusetzen.

Um so wichtiger ist es, daß wir für Preußen schon jetzt in der Lage sind, die Ergebnisse der Zählung der Haus­schlacktungen anläßlich der Viehzählung vom 2. Dezember 1907 mit dem Ergebnis der früheren Zählung vom 1. De­zember 1904 zu vergleichen. Die in den Nummern 1 und 2 derStatistischen Korrespondenz" vom 2. und 9. Januar d. J. gegebene Zusammenstellung der endgültiaen Ergebnisse der Viehzählung vom 2. Dezember 1907 enthält auch die enbgultigen und spezialisierten Zahlenangaben über den Um­fang der Hatlsjchlachtungen. Diese haben danach betragen;

Zählung 1904

Zählung 1907

Ochsen....

5 377

Bullen....

Kühe ....

65 565

8 386

34 001

Jungrinder . .

58 550

24 889

Kälber ....

66 888

Schweine . ...

3 688 086

3 866 332

Schade ....

541 969

508 044

Ziegen ....

503 918

477 646.

Das kaiserliche Gesundheitsamt hat bei der Umrechnung der geschlachteten Ttere in Fleisch für die Hau-schlachtungen die gleichen DurchschnitlSgrwichte wie für die gewerblichen Scklachtungen angewandt. Es kann zweifelhaft fein, ob dies richtig ist, und es darf keineswegs verkannt werden, daß di» von landwirtschaftlicher Seite vielfach ausgestellte Behauptung, daß insonderheit bei Schweinen das Durchschnittsgewicht der hausgeschlachteten Tiere nicht unwesentlich hoher sein wird, als vas der gewerblich geschlachteten Schweine, eine große

Backbord mit dem Ruder," rief Christensen schnell und erregt. Neben dem Schoner war im Nebel ein Licht aufge­taucht. Da kam etwas Großes, Gräuliches aus dem Dickicht geglitten. Eigenartig verschwommen nnd riesengroß tauchten Masten und Segel auf, als gehörten sie einem Nebelschiff an, daS sich in schneller Fahrt näherte. An beiden Schiffen wurde unaufhörlich geläutet, bis das Gespensterschiff ver­schwunden war.

Christensen hatte sich Zeit gelassen, um sich nach Frau und Sohn umzusehen. Als der Nebel kam, riß er sie beide aus den Armen deS Schlafes. Sie durften nicht unten in der Kajüte bleiben. Gesetzt den Fall, daß sich etwas er­eignete! Jetzt saßen sie auf der unbequemen Treppe mit einem schwachen Lichtschein aus der Kajütslampe über sich. Marie drückte den Knaben an sich und fuhr jedesmal zu- famnten, wenn das Jammern und Heulen einer Sirene sich näherte.

Sei nur ruhig, Kind. So groß ist die Gefahr nicht," tröstete Christensen, als ihre Augen ängstlich fragten,man muß allerdings vorsichtig zu Werk gehen. Deswegen bat ich Dich, auch heraufzukommen. Wie fest der Junge schläft." Er mischte die Nässe aus seinem Bart und küßte die Wange seines Kindes an der Stelle, die vom Lampenlicht erhellt war.

Du ängstigst Dich doch nicht, Marie?" Ihm wollte es scheinen, als seien ihre Augen so eigenartig feucht.

Nein, ich ängstige mich nicht," flüsterte sie und drückte ihm die Hand.Geh Du nur."

Kurz heraus stand Christensen wieder auf seinem Posten und gab seine Befehle. Die Schiffsglocke läutete, von links und rechts, von vorn und hinten ertönten Signale und der Nebel zog wie schmutziger Rauch an den farbigen Gläsern der Laternen vorbei.

So verfloß Stunde auf Stunde. Der Knabe war auf- gewacht und wieder eingeschlafen. Marie hatte ihn ein« gelullt sie hatte Gott gebeten, daß alles gut gehen möge. Jetzt war sie selbst schläfrig geworden und ihre Augen hatten sich geschlossen.

Da kam es. Da geschah es. Plötzlich tauchte ein Dampfer auf. Christensen hatte noch so viel Zeit,Ruder umlegen" zu rufen, als ein verschwommener Vordersteven, der Unglück-