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General-Anzeiger

MIMjts Organ für StaU- und Landkreis Zausn.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Die fünf gespaltene Petitzeit« »o« deren Raum 20 ^g, im SietlamenteU bie Aelle 30 Pfg,

Verankvorü. Redakteur: E. Schrecker in Hanau.

$L 18 Fernsprechanschlitfj Nr. 605.

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Sie belltMNmmtt mW außer d.MterhaltunMLtt

14 Seiten.

Amtliches. raridkrds F)anau.

Unter den Schweinen zu Niederrodenbach ist die Schwrlue- seuche sestgestellt.

Hanau den 21. Januar 1909.

Der Königliche Landrat.

V 365 I. A.: Hartman n, Kreissekretär.

Beknnntmachrtttg.

, In der Zwangsversteigerungssache nüber den Schlosser­meister Heinrich Jung in Hanau 2 K 30/08 ist der auf den 28. Januar 1909 anberaumie Verstrigerungs- termin aitfgehoben.

Hanau den 19. Januar 1909.

Königliches SlmtssterichL 2. 1921

An BortW StriiiiirgS An seine letzte Reise.

Staatssekretär Dernburg hat in Anwesenheit des Kaisers gestern im Neichstagssaale einen Vortrag ge­halten, in dem er über seine Reise nach Deutsch-Südwest­afrika berichtete.

Die HauptmomenLe des Vortrages lassen sich in folgende Sätze zusammenfassen: Meine Reise, so sagte der Staatssekretär, die im ganzen ungefähr vier Monate gedauert hat und auf der ich ungefähr 36000 km zu Schiff, in der Bahn, zu Fuß, zu Pferde und zu Wagen zurückgelegt habe, hat eine solche Fülle von, wie ich gern zugestehe, jum Teil noch in der Verarbeitung begriffenen Eindrücken gezeitigt, daß es mir gestaltet sein möge, unter dem als Thema meines heutigen Vortrages gewählten Ramen Eindrücke aus Südwestafrika" die wichtigsten Ergebnisse heraiiszugreiten.

Meine Reite war eine Winterreise. Sie führte mich zu­nächst in das Schutzgebiet an denjenigen Zipfel, welcher mit Recht als der wenigst begünstigte angesehen wird. Den Zentral- und besonders westlichen Teil der Kapkolonie bildet die sogenannte Karoo, ein hügeliges, zum Teil bergiges Gras­land von dürftiger Vegetation und schwacher Besiedelung. Dem Graskaroogebiet ähnlich ist nun durchaus der Süden unseres Schutzgebieres. Man hat in der Heimat und im Schutzgebiete vielfach über den langsamen Fortschritt der wirtschaftlichen Entwickelung geklagt, aber die Gerechtigkeit gebietet doch, festzustellen, daß die Basis für eine wirtschaft­liche Entwickelung erst seit sehr kurzer Zeit überhaupt besteht. Wenn man bedenkt, daß das Schutzgebiet, seitdein es zu Be­ginn der 90er Jahre in den deutschen Verband genommen ist, beständig durch Kriegszüge und Aufstände erschüttert wurde, wenn man weiter in Rechnung zieht, daß die An­siedler sich ginn großen Teil zunächst an§ Buren und Schutz- truppen- Angehörigen zusammengesetzt haben, dann wird man sagen müssen, daß hochgespannte Erwartungen nicht haben gehegt werden dürfen. Das wird man sich vor Augen halten müssen bèi der Bemessung derjenigen Fortschritte, die in- rwiscken gemacht wurden.

Am dünnsten besiedelt ist der Keetmaushoop-Bezirk. Je weiter man nach Norden kommt, desto dichter wird auch im sogenannten Südbezirk die Besiedelung und desto weiter vor­geschritten ist die Entwickelung. Um die Farmer über das, was auf dem Weltmarkt vorgeht, hinreichend auf dem Laufenden zu halten und ihnen über Preise, Quantitäten, Angebot und Nachfrage, Verschiffungsgelegenheiten und Frachten das wichtige Material jeweils zugänglich zu machen, habe ich-die Errichtung von Landwirtschaflskammern in An­regung gebracht. Die Anregung soll demnächst verwirklicht werben, und ein Anschluß an die unter der deutschen Laud­wirtschafts-Genossenschaft vereinigten deutschen Organisationen darf erwartet werden.

Die Rinderzucht im Süden des Schutzgebietes ist weniger aussichtsreich, obschon natürlich jeder Haushalt ein Großvieh besitzt. Nach unb nach, mehr nach Norden hin, tritt der für dio Schafzucht geeignete Boden zurück. Vermischt sind beide Wirtschaftsarten im Gibeoner und Maltahöhe-Distrikt. Auch über die Rinderzucht ist günstiges zu berichten. Besondere- gefährliche Krankheiten haben das Schutzgebiet im letzten Jahre verschont. Die unter Mitwirkung hervorragender deutscher Landwirte ins Leben gerufene deutsche Farmgesell- schaft ist dort mit einem Kapital von 10 Millionen Mark nach Art der Liebiggesellschaft ins Leben getreten. Ein ahn-

Freitag den 22. Januar

111111 K IM ilirBMWMBCTBMIM^^ IIII IBM liches Unternehmen in geringerem Umfange hat die South West Africa-Compagnie für den Norden in die Hand ge­nommen. Gute Fortschritte macht auch die Pferdezucht, be­sonders die der Privaten. Als ganz besonders aussichtsreich habe ich in der Kapkolonie die Straußenzucht kennen gelernt, es werden dort etwa 360 000 Strauße gehalten. Auch sie wird in unserem Schutzgebiete mehr gewürdigt werden.

Ich' möchte hier eine generelle Bemerkung einschalten. Ich habe bisher von den für Betrieb einer Familienfarm erforderlichen Flächen nicht gesprochen. Ich glaube, daß die­jenigen Ausmaße, die heute für nötig gehalten werden, immerhin zurückgehen können. Muß auch für die Kalkulation heute der Betrieb im wesentlichen bis zu dem mittleren Norden auf der Viehzucht aufgebaut werden, so wird doch auch in Südwestafrika ebenso wie in der Heimat nach und nach eine intensivere Bewirtschaftung einsetzen können.

Dies leitet über auf die Frage der möglichen Gesamt­besiedelung des Schutzgebietes. Es ist vorläufig anzunehmen, daß etwa 100 000 Weiße in dem für besiedelungsfähig ge­haltenen Teile des Schutzgebietes ihr gutes Fortkommen finden können. Diese Zahl schließt natürlich die Handwerker- und Profcsstonistenbevölkenlng ein. Nun rechnet man aber noch mit einer erheblichen Ausdehnung des Bergbaues. Es ist ohne weiteres einzusehen, daß, selbst wenn Deutsch-Südwest­afrika eine ähnliche Menschenmenge aufnehmen könnte wie die Kapkolonie, wir in dem Schutzgebiete doch kein Siede- lungsland besitzen, welches bei einer größeren Abwanderung aus Deutschland Raum geben würde. Aber die Ziffer ist immer höher, als manche bisher angenommen haben. Ich glaube, sie ist nicht übertrieben.

Die Betriebe sind zum großen Teile kümmerlich. Sie würden vielleicht aussichtslos sein, wenn es nicht gelungen wäre, in dem Tabaksbau eine gute Kultur zu finden. Es ist aber möglich, daß eine ganze Anzahl der jetzt eingesetzten klein­bäuerlichen Betnebe aufgegeben werden muß. Das Ovamboland kommt für eine europäische Besiedelung aus politischen Gründen zunächst nicht in Betracht. Es ist aber auch ein Land, das in klimatischer Beziehung Extremen unterliegt. Ueber das Karroofeld und die Namibels ist gleichfalls Ge­naues noch nicht bekannt. Im Grootfonteiner Bezirk ge­deihen alle europäischen Brotfrüchte, Weizen ebenso wie Mais. Der Wert gerade dieses Landes, das die South West Africa-Compagnie durch die Eisenbahn erschlossen hat, zeigt sich in den außerordentlich gestiegenen Farmpreisen.

Von Anfang an hat man erhebliche Erwartungen auf die bergbauliche Entwickelung des Schutzgebietes gesetzt, be- wnders mit Rücksicht auf die reichen, in den Nachbargebieten Südafrikas vorkommenden Mineralschätze. So ist denn das Land wiederholt bergmännisch untersucht worden, und diese Untersuchung hat auch zur Eröffnung einiger Betriebe ge­führt. Zur bergmännischen Ausbeutung gelangen in Süd­west augenblicklich, Kupfer, verbunden mit Blei, Eisen, im wesentlichen als Zuschlag zu dem Kupfer, vor allem Diamanten. Besichtigt habe ich die Otavi-Mine und die Gegend von Geihap.. Aus diesem einen Unternehmen sind im letzten Jahre allein über 2 Millionen Mark erzielt worden. Die Wahrscheinlichkeit, im Schutzgebiete Kohle zu finden, ist in der letzten Zeit gewachsen, nachdem man die in nordsüdlicher Richtung von Grootfoutein in der Richtung auf Keetmannshoop, hinziehende Randfor- mation als Karrooausläufer erkannt hat. Großes Aufsehen haben die bei Lüderitzbucht gefundenen Diamanten verursacht. Der Staatssekreiär bespricht sodann ausführlich das Vor­kommen und die Art der Diamanten. Seit 1. September 1908 ist die Ausbeute an Diamanten gestiegen auf zirka 40 000 Karat mit einem Verkaufswert von etwa 1110 000 Mark. Man wird nicht fehlgehen, wenn man die Ausfuhr von Berqbanprodukien aus Südwestafrika schon für die nächste Zukunft auf 8 bis 10 Millionen Mark annimmt, eine Summe, welche auch stark gespannte Erwartungen. jeden­falls nicht unbefriedigend finden können.

Sehr schwierig ist auch die Eingeboreueufrage. Es ist bei der weißen Bevölkerung stellenweise schon ein erheblicher Arbeitermangel eingetreten. Auch der Mangel an weißen Frauen nötigt die in den Minen beschäftigte Bevölkerung zum Zusammenbaushallen und -leben mit schwarzen Frauen. Die unerfreuliche Folge ist eine große Anzahl (man spricht von etwa tausend) von Bastardkindtru, deren Eindruck ein direkt schmerzlicher ist. Zur Regelung der Verhältnisse zwischen Schwarzen und Weißen sind Mitte des Jahres 1907 Emgeborenenveroidnungen eingeführt worden, die ebenso den Schutz der Arbeiter wie bie Sicherung deS ArbeitS- vcrhälMisses beabsichtigen. ' .

Was in der Heimat erfrischt und belebt, ein geistiger Verkehr, Bi>dungâanstalten, Theater und Konzerte, eine regelmäßige Seelsorge, fehlt natürlich dort ganz. Der einzige

Fernsprechattschlutz Nr. 605. 1909

Ort, an dem ein Austausch der Interessen und Empfindungen stattfinden kann, ist oft nur das Wirtshaus. Im Jahre 1907 sind in das Schutzgebiet alkoholhaltige Getränke im Werte von 3 150 000 Mark eingeführt worden. Daneben bestehen im Lande selbst noch neun Brauereien. Daß gerade hier noch viel verbesserungsfähig ist, wird jeder Einsichtige im Schutzgebiete zugeben.

Ich komme jetzt auf die Verkehrswege und mache gern daS Zugeständnis, daß ich mich hinsichtlich der für Swakop- mund notwendigen Anlagen im Vorjahre getäuscht habe. Der Verkehr ist keineswegs derart, daß ein so kostspieliger Bau, wie eine sich zum Hafen auswachsende Mole ihn gr- bildet hätte, erforderlich wäre.

Die Eisenbahnen entwickeln sich gut. Wegen der Nord- südbahn habe ich ausführliche Konferenzen gehabt. Ich habe die Idee dieses Bahnbaues vorläufig fallen lassen.

Werfen wir nun noch zuletzt einen Blick auf den Etar. In der letzten Gouvernementsratssitzung hat zur Entlastung deS Reicks die Einwohnerschaft sich zur Uebernahme neuer erhöhter Lasten bereit erklärt. Der Etat der Zivilverwaltung verlangt noch einen Zuschuß von 2 050 000 Mark. Das ist an und für sich nicht viel. Ich nehme an, daß infolge der Diamantenförderung für das Jahr eine Verbesserung in Höhe von etwa 1 Million Mark unbedenklich vorgenommen werden kann. Wenn die Kapkolonie nach 200jâhrigem Bestehen trotz großartiger Minenerschließungen pro Jahr ein Defifiet von 20 Millionen Mark hat, dann werden Sie auch auS diesem Vergleich ersehen, daß wir keinen Grund haben, unzufrieden zu sein. Aber Sie werden gleichzeitig die Nützlichkeit kennen, die darin liegt, daß man nicht empirisch allein fetne^ eignen Wege geht, sondern mit Aufmerksamkeit und durch persönlichen Eindruck sich davon überzeugt, wir die Nachbarländer mit ihrer großen Erfahrung vorangegangen sind.

Parlamentarisches.

mb. Die verstärkte Gemeiiidekornmisstort des Abgeordnetenhauses setzte am Mittwoch die Beratung des Gesetzentwurfes über die Abänderung des Kommunalsteuer­privilegiums der Beamten fort. Es wurde beschlossen, die nach dem 31. März 1909 zur Anstellung kommenden Be­amten mit 125 Proz. die Vorlage sagte 100 Proz. zur Gemeindeeinkommensteuer Heranzuzteben, dafür aber dir den Satz von 100 Proz. übersteigenden Zuschläge dem Kreise insoweit zu überlasten, als er zur Deckung seiner Bedürfnisse die Einkommensteuer mit Umlagen heranzieht. Ferner wurde beliessen, die Gemeindesteucrireiheit der Geistlichen, Elementar- lebrer und unteren Kirchendiener aufzuheben. Ein Antrag, die vor dem 1. April 1909 angestellien Beamten zur Kom- munalbesteuerung heranzuziehen, wurde abgelehnt. Im übrigen wurde eine Subkommission zur endgültigen Fassung der bisherigen Beschlüsse eingesetzt.

mb. Die Iustizkommisfion des Reichstags erledigte gestern aus der Novelle zum Zivilprozeß daS Kostenfest- setzungSverkahren nach der Vorlage.

nib. Die Handels- und Gewerbekommisfion des Abgeordnetenhauses hielt am Mittwoch abend ihre erste Sitzung in der neuen Legislaturperiode ab und,beschäftigte sich mit einer Petition um Abänderung der Vorschriften für das Submissiouswcsen. Die Petition verlangt bei der Aus­schreibung von Arbeiten die Zuziehung von Sachverständigen, die entschädigt werden sollen, ebenso bei der Ermittelung der Preise für Reparaturen. Ferner will sie genügend lange Fristen für die Ausführung der Arbeiten eingeführt wissen, die im Falle von Streiks verlängert werden sollen. Die Petition wurde der Regierung als Material überwiesen, ob­wohl die beantragten Aenderungen in den neuen Vorschriften für das Revisionswesen bereits festgelegt sind. Es wurden Beschwerden darüber vorgebracht, daß die untergeordneten Behörden diese neuen Vorschriften nicht beachten und daß auch die Gemeindebehörden sich nicht an diese Vorschriften hielten.

Hus aller Melt.

Ein Bürgermeister von einem Arbeitslosen er- stochen. In Marienburg erschien der 34jährige frühere Holzarbeiter Heim, der als Ortsarmer erst am Dienstag eine Armenunterstützung von 6 Mark erhalten hatte, am Mittwoch nachmittag in dem Bureau des zweiten Bürger­meisters Dr. Kunze und ersuchte um Erhöhung seiner Unter­stützung. Dr. Kunze beschied ihn abschlägig und verwies ihn an den ersten Bürgermeister. Hierauf zog Heim ein Mester aus der Tasche und stieß cs mit großer Wucht dem Beamten in das Gesicht. Der Stich drang in das Gehirn ein: Dr. Kunze wankte nach der Polizeiwache, er mußte je­doch auf dem Korridor von dem herbeieilenden Kastellan auigesangeu werden, da er besinnungslos zusammenbrach. I Infolge des großen Blutverlustes verschied Dr. Kunze in der I darauffolgenden Nacht.