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Rotationsdruck und Verlag der Buchdrucker« des verein, tv. Wmfenhaujes in Hanau.

GtNtral-Anzrigtt

Amtliches Organ für Stadt- and Landkreis Sana».

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

EinriicknngsgeiLhe r

Die fünf gespaltene PetitzrUe oder deren Naum 80 Pfg, im NeklamenteU di« Zeil« 35 Pfg.

BerantroorÜ. Redakteur: «. Schrecker in Hanau.

Nr. 14 F-rnsprechanschlntz Nr. 605, »BeBWJ^JCgHgB^^ .......-°»««--,

Amtliches.

Eandkreis Fjanau.

Polizeiverordnunq.

Auf Grund der §§ 5 und 6 der Allerhöchsten Verord­nung über die Polizeiverwaltung in den neu erworbenen Landesteilen vom 20. September 1867 und des § 142 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltvng vom 30. Juli 1883 wird .mit Zustimmung des Kreisausschusses für den Umfang des Landkreises Hanau folgende Polizeiverordnung erlassen:

§ 1.

Wer fremde Grundstücke zum Zwecke deS Fangens von wilden Kaninchen betritt, bedarf der schriftlich auf bestimmte Zeit zu erteilenden Erlaubnis des Jagdberechtigten und des Eigentümers, Pächters oder sonstigen Nutznießers der be­treffenden Grundstücke.

Der Jagdberechtigte bedarf der Erlaubnis deS Eigen­tümers nicht.

8 2.

Die Unterschrift des nach § 1 die Erlaubnis Erteilenden ist durch die Ortspolizeibehörde zu beglaubigen.

8 3.

Wer von der ihm erteilten Erlaubnis (§ 1) Gebrauch macht, hat die Erlaubnisscheine bei sich zu führen.

8 4.

Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschriften werden mit Geldstrafe bis zu 30 Mk., an deren Stelle im UnvermögenS- falle eine entsprechende Haftstrafe tritt, geahndet.

§ 5.

Auf Personen, welche im Auftrage von Behörden den FanH wilder Kaninchen betreiben, findet diese Polizei Verord­nung keine Anwendung.

8 6.

Diese Polizeiverordnung tritt mit dem Tage ihrer Ver­kündigung in Kraft.

Hanau den 13. Januar 1909.

Der Königliche Lanbrat.

V 6937/08 v. Beckerath.

Handelsregister.

Firma Ludwig Wilhelm.

Die Firma ist in L. Wilhelm abgeändert.

Der Inhaber, Ludwig Wilhelm in Hanau, hat das Geschäft den Ingenieuren

Ludwig Wilhelm und

Ferdinand Wilhelm

beide in Hanau veräußert.

Feuilleton.

Stadttheatn in Hanau.

= Hanau, 18. Januar.

Maria Stuart".

Trauerspiel in 5 Auszügen von Friedrich Schiller.

Was uns an dieser Tragödie in erster Linie ergreift und fesselt, ist die wahrhaft antike Größe der Heldin, die doch ihrer Menschlichkeit und irdischen Unzulänglichkeit nicht ent­kleidet ist, und die herrlich edle, fast körperlich wohltuende Sprache, die (mehr fast noch wie in den anderen Meister­dramen der Epoche) den Gedanken bis zur letzten Tiefe mit ihrer Feinheit und Bildkraft erschöpft. Schiller konnte kein historisch treues Bild der unglücklichen Königin geben, er mußte für seine Zwecke die Figur umschaffen und als not­wendige Folge auch den Charakter der Königin Elisabeth so formen, daß er seinen Absichten gerecht ward. Aber es ist P auch nicht der Historiker Schiller, der uns dieMaria Stuart" gab, sondern der Dramatiker, der sie uns, indem er sie im Spiegel seiner Kunst zeigte, zugleich menschlich näher rückte. Er wollte nicht, daß das unglückliche Schicksal der gestürzten Königin uns nur weich mache, ohne daß uns die gefährliche Anlage ihrer physischen und Gefühlsqualitäten, mit denen sie Leidenschaften erregte wie erfuhr, richterlich streng stimmen. In dieser gerechten Auffassung und Ausgestaltung der Maria liegt die souveräne Lebenskrast der Tragödie, die durch keine Zeitstimmung und Zeitvcrstimmung abgeschwächt werden kann. Sie büßte für eine Schuld, die sie nicht be­gangen, das ist das Martyrium ihrer Größe, unb sie bekennt ihre wirkliche Schuld, die keine irdische Strafe tilgt, das ist die Läuterung ihrer Menschlichkeit. Das Gegensätzliche in den beiden Königinnen tritt in dieser Behandlung aufs schärfste

Montag den 18. Januar

Diese führen das Handelsgeschäft unter der Firma

L. Wilhelm

als offene Handelsgesellschaft mit dem Sitze in Hanau seit dem 9. Januar 1909 fort.

Hanau den 11. Januar 1909.

Königliches Amtsgericht 5. 1573

Handelsregister.

Firma Nentzwig & Eckhardt.

Der Fabrikant Konrad Reußwig in Hanau ist aus der Gesellschaft ausgeschieden.

Die offene Handelsgesellschaft ist aufgelöst.

Der bisherige Gesellschafter Fabrikant Louis Eckhardt in Hanau führt zu Hanau das Handels­geschäft unter der bisherigen Firma als Einzelkauf­mann fort.

Hanau den 13. Januar 1909.

__________Königliches Amtsgericht 5. 1575

Stadtkreis Fjanau.

Sitzung der Stadtverordneten- Bersammlung

am Donnerstag den 2U und Freitag den 22. Jannar 1909,

nachmittags 5 Uhr.

Tagesordnung:

1. Abschiedsgesuch deS Vorstehers Herrn Kommerzienrat Canthal.

2. Vertrag mit der Aktiengesellschaft für Bahnbau und Betrieb in Frankfurt a. M. betr. Bahnbau Hanau- Büdingen.

3. Ankauf von Gelände zur Hanau-Büdinger Dahn.

4. Haushaltsplan der höheren Mädchenschule für 1909.

5. Erhöhung des Mittelschulgeldes.

6. Versetzung der Handarbeitslehrerin an der Mädchen­mittelschule, Elise Obl, in den Ruhestand.

7. Haushaltsplan der Mittel- und Volksschulen für 1909.

8. Desgl. der kaufmännischen Fortbildungsschule.

9. Besetzung der Fachzeichenlehrerstelle an der gewerblichen Fortbildungsschule.

10. Haushaltsplan der gewerblichen Fortbildungsschule für 1909.

11. Desgl. der Armenverwaltung.

12. DeSgl. der Kleinkinderschule und Krippe.

13. Desgl. der Begräbuiskasse.

14. Desgl. der Schlacbthcükasse.

zutage und gipfelt in dem dramatischen Kulminationspunkt: der Gegenüberstellung der beiden scharf umrissenen Gestalten, einer der gewaltigsten und wahrsten Szenen in allen Schiller- schen Dramen. Hier steht die hinreißende rhetorische Kunst Schillers ganz im Dienste der erschütterndsten Tragik, löst sich die elementarste Empfindungskraft im Strom einer un­erreicht herrlichen Sprache.

Die außerordentlichen Anforderungen, die die Tragödie an die Darstellung stellt, sind ohne die gründlichste Ver­tiefung nicht zu bewältigen; leider steht man nur allzuoft die Ausmünzung der psychologischen Feinheiten gegen die rhetorischen Effekte zurückgestellt. Die gestrige Vorstellung zeigte manchen guten Zug, wußte aber nicht immer die Klippen zu vermeiden, die klassischen Stücken so leicht ge­fährlich werden. Die Besetzungsmöglichkeiten bei unseren Verhältnissen legen freilich gewisse Grenzen auf und die herrschende Tendenz nach leichten Stücken kann unser Ensemble unmögliw vertiefend beeinflussen

Die Zuteilung der Titelrolle an Fräulein Halden ist viel diskutiert worden ; da sie eigentlich außerhalb ihres Faches liegt, waren die skeptischen Augurien vielleicht auch nicht so unberechtigt und fanden in den ersten Szenen eine teilweise Bestätigung. Die Sprache war oft undeutlich, falsche Pointierungen störten zuweilen. Im dritten Akt aber wuchs die Darstellerin offensichtlich mit ihrer Partie, ihr Spiel wurde großzügiger, ib>e Rede klarer, sie wußte Seele in die Figur zu legen und für die tragische Größe der un­glücklichen Schottenkönigin die rechte Note zu finden. Im Schlußakt war ihr Spiel ergreifend, innig, groß.

Daß Fräulein R o b n - R e s s e l in der Partie der Elisabeth auf der Höhe ihrer Kunst sein würde, durfte man nach früheren Proben erwarten. In ben leidenschaftlichen Szenen und namentlich auch im vierten ?lft war sie ausge­zeichnet. Herr R ö in e r als Mortimer war feurig; hin­reißend, stark im Spiel; sprachlich störte zuweilen das allzu ravide Tempo, das seine sonst so feine Leistung einigermaßen

Fernspvechanschlntz Nr. 605, 1909

15. Desgl. der Sparkaffe.

16. Desgl. der Gaswerkskaffe.

17. Jahresbericht der städtischen Gas-, Waffer- und Elek­trizitätswerke und der städtischen Badeanstalt für 1907.

18. Bewilligung von Mitteln für die Projektierung einer Hafenanlage und einer Kaianlage oberhalb der Main- brücke.

19. Erwerb von in die Rückertstraße fallenden Grundstücken von dem Bauunternehmer Friedrich Keunecke.

20. Baufluchtlinienplan für daS Gelände zwischen der alten Rückingerstraße, dem Wiesenweg und der Hanau- Friedberger Bahn.

21. Desgl. zwischen Kastanienallee, Weihergraben, Salis- weg und Friedhofstraße.

22. Desgl. zwischen Kastanienallee, Frankfurt - Hanauer Eisenbahn, Salisweg und Weihergraben.

23. Uebertragung der für Abänderung des Treppenbelags in der Eberhardschule bewilligten Mittel auf das Jahr 1909.

24. Zugangsweg zum Steg am Westbahnhof. Ent­schädigungen an die Grundstückseigentümer und Pächter.

25. Ankauf der Parzelle FF 157/2 162 qm vom Hof- brauhaus Hanau.

26. Ankauf von Grundstücken in der Gemarkung Groß­auheim.

27. Uebernahme der Ausbaukosten der StraßeVor der Kinzigbrücke" auf die Stadtkasse.

28. Voranschlag der Sammelwasenmeisterei für 1909 und Nachbewilligung für 1908. ~

29. Antrag Salomon und Genoffen betr. Stellungnahme zur Einführung der Tabaksteuer.

30. Desgleichen- betr. Notstandsarbeitrn.

31. Kontrolle des Fleischverkehrs auf den hiesigen Wochenmärkten.

32. Preis für den von der elektrischen Straßenbahn außer­halb der Betriebszeit benötigten Strom.

33. Rechnung der Schlachthofkaffe für 1907.

34. DeSgl. der Begräbniskasse.

35. Desgl. über Asservate und Vorschüsse.

Zu Punkt 3335 der Tagesordnung findet Sitzung des Rechnungsprüfungs-Ausschusses um 4'/« Uhr statt.

Hanau den 15. Januar 1909.

Der Vorsteher.

1581 ' I. V.: Schroete r.)

Polizeiverordnung betreffend den.Verkehr in der Gemeindebadeanstali in Großauheim.

Auf Grund der §§ 5 und 6 der Verordnung über die Polizeiverwaltung in den neu erworbenen Landesteilen vom beeinträchtigte. Den Burleigh gab Herr Commer gut in Haltung und Spiel, verwischte aber oft durch den singenden Ton seiner Rede das Unbeu^ same, Düstere, das dieser Figur beigegeben ist. Eine seht erfreuliche Leistung war der Talbot des Herrn W i e b e r g; immer ruhig, würdig, warm. Die Rolle des Leicester, die voll psychologischer Tiefe ist, konnte Herr Feigel nicht er­schöpfen; sein häufigpastoraler" Ton war seiner Leistung nicht förderlich. Erst in der Schlußszene hatte sein Spiel wirkliche Größe. Herr PrölS als Paulet überraschte durch eine schlicht-würdige Wiedergabe seiner Rolle. Frau Tuerschmann brachte als Kennedy eine recht sympathische Leistung. Herr Grimm hatte als Melvil nichts besonderes zu bieten. Die kleineren Rollen waren durch Fräulein Reuß, die Herren Marcell-Strobel, Perino, Urich, Süssenguth, Feidler, Faust und Küpper befriedigend vertreten; letzterer glaubte der Figur des Drury einen Stich ins Brigantenhaste geben zu müssen. Mit der Komparserie stand es arg; und ein Tumult hinter der Szene sollte nicht den Eindruck erwecken, als ob etwas anderes in der Nähe sei. C. K.

Albmnblätter.

O des Geschickes seltsamer Windung 1

Alte Verbindung, Neues Geschenk!

Aber uns leuchtet freundliche Treue;

Seht, daS Neue findet uns neu.

So durch des Lebens wirrende Beugung Führe die Neigung

Uns in das Jahr. Goethe

* *

Weißt, wo es keinen Herrn und keine Diener gibt? Wo eins dem andern dient, weil eins das andre liebt.

Rückert.