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Vette 10

erschien, verständigte die Gendarmen, die den Koffer öffneten und in ihm einen mit zwei Dolchen und einem Revolver bewaffneten Mann fanden. Dieser wurde sofort festgeuom- men. Auch die beiden Automobilisten wurden verhaftet, als sie den Koffer abholen wollten. Welchen Plan die drei Männer verfolgt haben» konnte bisher noch nicht festgestellt «erben.

Aus Hanau Stadt und Hand.

-Harrait,. Januar.

Vereins- n. Bergnüannqsnnchrichten

für Freitag den 15. Januar.

Cv. Männer- u. Jüngtingsverein: Posannenblasen (Ev. VereinsbanSl.

Turn« u. Fechtklnb: Abends 67'/, Uhr: Turnen der Dmneuableilung; 8/i10 Uhr: Fechten.

Turnverein: Abends von 8Is Uhr: Turnen der Jngeudabtechmg.

Erster Athleten - Verein: Abends von 911 Uhr: ÜednngSsiunde im Vereinslokale (Restauration Sandhof).

Humoristischer Musikverein .Germania": Don 911 Uhr: UeünngSstnnde «Restaurationpim Sandhof').

Dram.-Liter. Verein Hanan: Vcreinsabenb imCarlsberg".

Verein f. Honivopathie u. Naturbcilkunde: Vortragsabend (Stadt Bremen.) Erster Hanauer Kellnerverein: VereinSabeud in derHarmonie".

Hanauer Kellncrvercin (gegr. 1880): VereinSabend bei Ulsamcr.

Erster Hanauer Mfnerbmib 1905: VereinSabeud imEieobauien" KlubAmicitia": Bereinsabend im Gasthauszum Elephanten". Sänger-Quartett: Bereinsabend in der Brauerei Orschler.

KlubSchlarafsta": Bereinsabend in derAllemania".

KlubFrateruitaS": Klubabend in den3 Schwanen".

Verein der Badener: Bereinsabend in derBrauerei Beck".

KegelklubNeuntöter": Kegelabend int .Elefanten".

Kegelklub desD. H. V.": Kegelabend in der Turnhalle.

Katholischer Gesellenverein: Dereinsabend imDraustüb'l". Freitags-Gesellschaft Earlsberg: RestaurantEarlsberg". GesellschaftScharfes Eck": Bereinsabend.

Hanauer Sckützenveieiii (e. V.): 9 Uhr: Schießen bei Fr. Stettner.

Gesellige Verbindung .Melina": VaW Uhr: Stammtisch Gasthauszur goldnen Gerste".

1. Theatralische Verbindung Hanan": Abends Vä9 Uhr: Bereinsabend im Vereinslokalzum goldnen Schwanen" (Vorstadt).

Bicycle-Klub 1896: Klubabend imKaiser Friedrich".

EtammtischgesellschaftLustige 13ner":Zum Hopfenaarten'-Kesselstaot.

Hreltaa

McrkcS'fchcr Stmoqraphcn-Berein: RortbiltmngShninSW Ssnue".

Gabclsbccacr Siciwqravben « Verein 19oM : .Jxmkniricc Bau" Eingang Lindcnsranr): Alicuds von 8V Uhr: NniäuacrkncsuS, 910: UcImngSfhmbe der Prakiikcr-Abieilnug (Redeschrist.)

^eiellschaii .Vmtige Brüder": Klubabend bei Heinrich Boivinkel. @uttfmpbr=?oge mr Höhe, Paradeplatz 1: Abends: Freie Zusinmnenkunft. Enste ivintommtu.

yt'rftcirtovnm^ rc. Kalender für «Samstag b en 16 Januar.

Angebote bete. Uebernahme der Schreii-er-, Glaser- und Anstreicher- arbeiten mm Neubau der Kemeiu^csbnlc in Dftbeim sind bis vormittags 11 Uhr an X'm'ii Kreisbanmeister Skübwg in Hanan einzureichrn (s. Nr. 7Hau. An: ").

Standesamt der Stadt Hanau.

der in der Zeit vom 7. Januar bis einschl. 14. Januar vorgekommenen

Aufgebote.

Am 8. Jan. Friedrich Keul, Lokomotivhilfsheizer da- bier, mit Lina Farth dahier. 9. Christian Dunres, Bergmann in Laubuseschbach, mit Elisabethe Du nies da­selbst. 11. Johann Heinrich Ludwig Herbert, Taglöhner dahier, mit Maria Zeitz dahier. 12. Lukas Ferdinand Binder, Fuhrmann in Auroch, mit der Witwe Maria Crescentia Lechner geb. Bögelein daselbst. 13. Adam VoImar, Sergeant dahier, mit Elisabetha Katharina Dickhardt in Rothensee. 13. Wilhelm Adolf Mc n g c £, Landwirt in Neunkirche», mit Margareta Therese Schwanz daselbst. 13. Friedrich Jakob Waßmuth, Kaufmann da­hier, mit Elisabeth Wissenba ch dahier.

Eheschlietzmtge«.

Am 9. Jan. Karl V ogt, Kaufmann dahier, mit Elisa­beth Rudolph dahier.

Geburten.

2(m 2. Jan. Anna Marie, T. des Weißbinders Heinrich Runkel. 3. Wilhelm Martin Eckert, S. des Lehrers

15, Januar

Martin Kleinhans. 3, Peter Paul, S. des Metzgers Adam Menge?. 5. Johanna Kathinka, T. des Juwelier? Friedrich Schüler. 6. Charlotte Maria, T. des ®olb* arbeitens Otto Neuber. 6. Karl Heinrich, S. des Hi!s§- lokomotivheizers Goubeaud. 8. Luise Konkordia, T. des Bremsers Leonhard Vollmar. 9. Katharina, T. des Rangierers Adam Eymer. 9. Friederike, T. des Drah^ giehers Friedrich Schäfer. 9. Elisabeth Katharine, T. deS Fabrikarbeiters Martin Ott. 9. Magdalene, T. des Tag­löhners Friedrich Böhm. 10. Wilhelm, S. deS Deko­rationsmalers Emil Matz. 10. Aloys Georg, S. des Bier­brauers Georg Bayer. 11. Johannes Heinrich, S. des Taglöhners Ludwig Farr. 11. Helene Katharina, T. des Goidarbeiters Heinrich Frosch Häuser. 11. Eva Elisa­beth Margarete, T. des Lokomotivhilssheizers Philipp W a s s u m.

Todesfälle.

Am 7. Jan. Wilhelm Hufnagel, Knecht in Ober­rodenbach, alt 51 I. 8. Johann Christian Ludwig Diehl, Kaufmann dahier, alt 56 J. 9. Georg Hommel, Maurer­meister in Hüttengosäß, alt 52 I. 9. Katharina, T. des Rangierers Adam Eymer dahier, alt 7 St. 9. Witwr Wilhelmine Daßbach geb. Huth zu Pulverfabrik, alt 61 J. 10. Ehefrau des Uhrgehäusmachers Wilhelm Kurz dahier, Stephania geb. Schuh, alt 57 I- 10. Anna Margareta, T. des Bahnschaffners Friedrich Hermann Greif dahier, alt 11 J. 11. Ehefrau des Landwirts Johann Joseph Fuchs in Hausen, Anna Maria geb. Klesius, alt 41 J. 11. Johann Nikolaus Bau sch er, Invalide dahier, alt 89 I. 12. Jo­hannes Willmann, Cigarrenmacher dahier, alt 71 I. 12. Anna Katharina, T. des Hausdieners Martin Luy, alt 2 M. 12. Ehefrau des Privatmanns Heinrich Jung dahier, Mathilde Karoline geb. Beissel, alt 78 I.

Schiffsnachrichten.

Mitgctcilt voiu Vertreter des Norddeutschen Lloyd in Bremen, M. Schuster, Fahrstraße Nr. 1,

Der DampferMain" ist am 11. Januar wohl- behalten in New-Pork angekommen.

Verhandlungen des Deutschen Reichstages.

Deutscher Reichstag.

184. Sitzung. Donnerstag, 14. Januar.

Am Tische des Bundesrats: v. Schön, v. Bethmann- Hollweg, Wermuth.

Präsident Graf Stolberg - v K eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Minuten.

Ter Handelsvertrag mit dem Freistaat El Salvador wird in erster und zweiter Lesung erledigt.

Armenunterstützung und öffentliche Rechte.

Die Beratung des Gesetzentwurfs über die Einwirkung von Armenunterstützung auf öffentliche Rechte wird fortgesetzt.

Abg. Brühne (Sog.):

Wir erkennen gern an, daß der Entwurf wesentliche Ver­besserungen bringt. Freilich verschiedene Härten könnten noch beseitigt werden. Wenn jemand unverschuldet in Armut gerät, w sollte man ihn nicht noch mit der Entziehung öffentlicher Rechte bestrafen. Biel wird auf die Handycwung des Gesetzes an- fommen. Bisher hat man immer versucht, die Arbeiter des Wahlrechts zu berauben. Diese Methode muß endlich eingestellt werden. Unser ganzes Armenwesen sollte endlich einmal reformiert werden. Die Unterstützung mutz früher beginnen, nicht erst, wenn es schon zu spät ist. Der Redner beantragt licberweisung des Entwurfs an eine besondere Kommission von 13^liedern.

Abg. Raab (Wirtsch. Vg.):

Der Kommissionsberatung wollen wir nicht widersprechen. Man sollte sich aber nicht in theoretischen Erwägungen verlieren. Dadurch, daß jemand Armenunterstützung erhält, wird er noch lange nicht politisch abhängig. Die Bestimmungen des Gesetzes bringen einen Fortschritt, sie sollten auch auf die einzelnen Bundesstaaten ausgedehnt werden. Die Gestaltung unserer politischen Rechte mutz sich allmählich unseren modernen Anschauungen anpassen.

Abg. Dove (Fr. Vg.):

Eine Kommissionsberatung wäre freilich nicht nötig ge­wesen; da sie aber gewünscht wird, sind wir nicht dagegen. Frei­lich werden wir wohl nächstens die Zahl der Abgeord­neten vermehren müssen, nur um die Kommissionen be. setzen zu können. (Heiterkeit.) Bisher gab es hinsichtlich der Armenunterstützurm viele Harten. Das Kaiser Friedrich- Krankenhaus in Berlin soll zur Aufnahme von Kindern bei Epidemien dienen. Werden aber die Kosten für die Aufnahme eines Kindes gestundet, so wurde das als Armenunterstützung an­gesehen. Viele Väter nehmen daher ihre Kinder aus dem Krankenhause, um ihr Wahlrecht nicht zu verlieren. Ich will nicht entscheiden, ob sie in diesem Konflikt der Pflicht richtig ent­schieden haben, jedenfalls haben sie eine hohe Auffassung von ihren öffentlichen Rechten. Wenn aber die Kranken nicht isoliert bleiben, so wird die Gesamtheit gefährdet. Die Vorlage bringt ^erhebliche Verbesserungen, einiges kann daran noch geändert werden. Aber die Ausdehnung auf die Bundesstaaten ist dringend notwendig.

Abg. Brandys (Pole):

Auch wir begrüßen den Entwurf, denn er schützt die politi­schen Rechte der Staatsbürger besser als das bisher der Fall war. Besser wäre es gewesen, wenn wir nach dem Vorbilde Belgiens positiv erklärt hätten, daß gewohnheitsmäßige Vagabonden und Bettler für eine gewisse Zeit ihres Wahlrechts verlustig gehen.

Abg. Dr. Hoeffel (Rp.):

Wir sollten die Materie einheitlich für das ganze Reick regeln und keine Unterschiede zwischen den einzelnen Bundes, 'taaten gulaffen. Hoffentlich werden sich auch die Gemeinden danach richten, denn der Verlust der bürgerlichen Rechte entsprach in vielen Fällen durchaus nicht mehr unseren modernen sozialen Anschauungen. Jedenfalls begrüßen wir den Entwurf mit Genug­tuung.

Abg. Böhle (Soz.):

... sollt" ein Unterschied gemacht werden zwischen allgemeinen Usentlichen Mitteln und privaten Mitteln, die z. B. in erheblichem Oiaße in Straßburg i. E der Gemeinde zu UnterstützungS- Iwecken zur Verfügung stehen.

Die Vorlage geht an eine besondere Kommission.

Preisfeststellung beim Markthandel mit Schlachtvieh.

Abg. Fischbeck (Fr. Vp.)

empfiehlt den Antrag als ein kleineres Uebel. Werde der Entwurf Gesetz, so bestehe die große Gefahr, daß nicht nur der Markthandel mit Schlachtvieh, sondern der gesamte Fleischhandel nach Lebend­gewicht vorgenommen werde. Die Fleischer seien doch auch ein Teil des Mittelstandes.

Abg. Scheidemann (Soz.):

Der Staatssekretär bezeichnet als einziges Ziel des Gesetzes, die Preisfestsetzung durchsichtiger zu machen. Sein guter Glaube ist nicht zu bezweifeln, er kann nicht alle Verhältnisse seines aus­gedehnten Ressorts beherrschen. Aber denen, die die Anregung gegeben haben, spreche ich den guten Glauben nicht zu, denn die Preisfeststellung nach Lebendgewicht ist gerade geeignet, irre zu führen. Sie nützt den Landwirten gar nichts und schafft nur fiir den Handel und das Schlächtergcwerbc Belästigungen. Unser Antrag ist zweckmäßiger als der freisinnige.

Sie Abgg. _ Graf Schwerin-Löwitz und Dr. R o e s i ck e (Kons.) haben inzwischen folgenden Antrag einge­bracht: Vorschriften, durch welche die Feststellung von Preisen nach Schlachtgewicht verboten wird, dürfen, sofern diese Fest­stellungen auf tatsächlichen Unterlagen und nicht lediglich auf Schatzungen beruhen, auf Grund dieses Gesetzes nicht erfassen werden.

Abg. Dr. Noesicke (Kons.) .

führt gegen den Antrag der Sozialdemokraten an, daß dadurch unter Umständen der Handel nach Lebendgewicht vorgeschrieben werde, wo ein Bedürfnis dafür gar nicht vorliege. Die Agra­rier sind wirklich nicht einseitig, sie wollen gar nicht ihre Taschen füllen, sie haben nie daran gedacht. (Ge­lächter links.) Der konservative Antrag kommt allen billigen Wünschen entgegen. Die Befiirchtung wegen Schädigung der Fleischer und Händler ist unbegründet; nach Lebendgewicht wird ja jetzt schon an vielen Märkten gehandelt, bei den Schweinen geschieht das ja ganz ausschließlich.

Abg. Wachhorst be Wente (Natl.):

Unser Motiv jur Zustimmung zum Gesetzentwurf ist ledig­lich, eine bessere Statistik herbeizuführen und dem kleinen vieh- züchtenden Landwirt die Uebersicht zu erleichtern. Es hat uns vollkommen jedes agitatorische Interesse für Zeiten der Fleischnot ferngelegen. Wir sind nicht der Meinung, daß dieser Gesetzent­wurf den Qualitätshandel crschlvercn wurde. Den Stand° der Viehhändler und das Schlächtergewerbc wollen wir nicht im ge­ringsten schädigen. Der Antrag Scheidemann würde die Durch­führung des Gesetzes nur komplizieren» sonst halten wir nichts gegen ihn.

Abg. Gerstenberger (Zentr.):

Machen wir doch den Versuch; es soll ia nicht zwangsweise schon jetzt für alle Märkte das eingefüyrt werden. Wenn etwa in Zeiten hoher Fleischpreise von agrarischer Seite mit den Lebendpreisen pro Zentner agitiert werden sollte, so wäre das allerdings eine unverantwortliche Hetze, und da soll die Presse aufklärend teilten. Dem Antrag Roesicke stimmen auch wir zu.

Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg

erneuert die Erklärung, daß der Entwurf keinerlei grundlegende Aenderung bezwecke, sondern lediglich eine übersichtlichere Preis- notierung. Darum sind alle drei Anträge cntoehrlich.

Abg. Kobelt (b. L Fr.):

Der Entwurf erfüllt einseitige Wünsche der Landwirtschaft. Händler, Konsumenten und Fleischer hat man nicht gefragt. In Oesterreich hat man mit dem Lebendgcwickt schlechte Erfahruu- geu geniacht. Preußen hat eine Kommission hinge schickt, die das eskgepellt Hal; toenn die Regierung darauf keinen Wert legt, hätte man das Fahrgeld sparen können. (Heiterkeit.) Unter Antrag verhütet wenigstens daS Schlimmste. Ich beantrage Kom­missionsberatung.

Abg. Vogt- Crailsheim (Wirtsck. Vg.) und Hilpert (Bayer. Bbd.) sprechen im Sinne des Dr. Roesicke.

Die Ko in in i j si o n s b e r a t u n g wird abßeietint. In der zweiten Lesung lvird unter Ablehnung der freisinnigen und sozialdemokratischen Anträge der Antrag der Kon-

Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfs über die

Preisfeststellung beim Markthandel mit Schlachtvieh. Eine Kom- «lltlU9e

nisnonsberatung hat hierüber nicht stattgefunden. Nach der Vor- i c r b a 11 v c n a n a e n o m m e n.

I sage sind die Landesregierungen ermächtigt, die Preisfeststellung I nach Lebendgeioicht vorzuschreiben. Die Sozialdemokraten beantragen: Werden Vorschriften über die Feststellung der Preise erlassen, so müssen sie sich auf das Lebend- und Schlachtgewicht erstrecken. Die Freisinnigen, Abg. Fischbeck und Ko­belt, beantragen: Vorschriften, durch welche die Feststellung von Preisen nach Schlachtgewicht verboten wird, dürfen auf Grund dieses Gesetzes nicht erlassen werden.

Petittonru.

Die Beratung über die Petition der Bauarbciterschutz-Kom- Mission in München auf Anstellung von Baukontrol­leuren aus dem Arbeiterstande wird fortgesetzt.

Die Kommission empfiehlt Berücksichtigung, ein kon­servativer Antrag Uebergang zur Tagesordnung.

Abg. Bömelburg (Soz.)

tritt für den Kommtssronsantrag ein und bespricht als Vorsitzen­der des sozialdemokratischen Maurerverbandes die Frage vom Standpunkt der Bauarbeiter. Die elenden Verdachts- g u n g e n gegen die Arbeiter seien mit Entrüstung zurückzuwei- sen.

Vizepräsident Kaempf:

Ich nehme an, daß diese Worte sich nicht gegen ein Mit­glied des Hauses richten, sonst müßte ich Sie zur Ordnung rufen.

Abg. Wölzl (Natl.):

Auch ich empfehle den Kommissionsantrag. In der Frage der Baukontrolleure kann Bayern als Musterland gelten. Denn in Bayern unb Württemberg haben wir diese Institution schon lange. Sie hat sich durchaus bewährt. Die Aufsichtstätig­keit der höheren technischen Beamten wird dadurch nicht berührt, denn die Baukontrolleure stehen ihnen nur als Gehilfen zur Seite. Die Vorwürfe des Abg. Pauli sind ganz hinfällig, er stellt die Verhältnisse nicht richtig dar. Die Bauaufseher sollen gar nicht selbständig handeln, sondern nur gemein,chaftlich mit ihren Vor­gesetzten. Durch die Anstellung von Vauaufsehern werden zahl­reiche Unfälle verhindert. Die Befürchtung, daß das- Amt zu parteipolitischen Zwecken ausgenutzt werden könnte, ist nach den Erfahrungen in Süddeutschland grundlos. Dbe Stellung des Kontrolleurs unter die Disziplin der Behörden gibt die Ga­rantie, daß das Amt nicht mißbraucht wird. Die Einrichtung der Baukontrollenre hat praktischen Wert, sie eignet sich zur allge- meinen Einführung. (Beifall.)

Abg. Irl (Zenti.)

bekämpft den konservativen Antrag auf Uebergang zur Tages- Ordnung und weist darauf hin, daß der Reichstag schon früher sich für Baukontrolleure ausgesprochen habe. Von solchen Vertrauens­posten darf man die Arbeiter nicht prinzipiell ansschließen, das wäre keine vernünftige Sozialpolitik. Wollen Sie solange warten, bis die Unzuverlässigkeit der Unternehmer weiteres Unglück ver­ursacht?

Abg. Wieland (Dtsch. Vp.):

Klagen gegen unsere Baukontrolle in Württem- D e r g sind nicht laut geworden. Die Lasten der Bauberufsgenossen­schaften werden immer größer. Daher hat man es mit der Ein- führung der Kontrolleure nicht so eilig. Andererseits würden aber die Unfälle verringert werden. Zur Kontrolle sind praktisch technisch ausgebildete Leute nötig. Aber zur gutachtlichen Mitwirkung kann man auch Arbeiter heranziehen Die Kosten werden nicht so bedeutend sein. Vielleicht läßt man zunächst die Arbeiter kontrolleure weiter in ihrem Beruf. Sie werden sich Ichon bewahren. Auch die Arbeiterbeisitzer bei den Gewerbe- Ser-chten haben nicht enttäuscht. Ich empfehle die Petition zur Berücksichtigung.

Abg. Dr Burckhardt (Wirtsch. Vg.):

-^ Kommission hat leider der Reg:erungsvertreter klart, da,; .aum Aussicht vorhanden ist, daß der Bundesrat ^^'twn zustlmmt. Ich hoffe trotzdem, daß den Wünschen Arbeiter Folge gegeben wird.

er« der der

Abg, Pauli, Potsdam (Kons.):

Man soll nicht die Schuld an den Unfällen auf die Unter- nehmer abwalzeu. Nach der Statistik sind nur 3,5 Proz. aller IIn. falle auf baS Konto der Arbeitgeber zu setzen. Den Berufs- genoßenschaften liegt sehr Diel daran, die Unfallziffern hcrabzu. se^en. Sie haben durchaus das richtige Verständnis für die Unfall- oerhutungsvorichriften. Andere Behauptungen sind nur agita- torischer Natur. Oft weigern sich die Arbeiter geradezu, sich an b,e Schutzhestimmimgcn zu halten, iveil sie ihnen unbequem sind.

will die ganze Sache nur parte.politisch aus- nuben, das hat ein Genosse in einer Versammlung in Han- Pnih."Ae" zugegeben. Legen Sie dem Mittelstände keine neuen

DariM schließt die Diskussion. Die Petition wird unter Ablehnung des koniervatwen Antrags zur Berücksichti­gung überwiesen. m»

Das Haus vertagt sich.

Nächste Sitzung: Freitag 1 Uhr: Arbeitskammergesetz.

Schluß 6^4 Uhr.