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ßlreltag
15. Ja»««»
Brandes 250 bis 300 Arbeiter, weiche alle niS verloren gelten. Es wurde eine umfassende Rettungsaktion citige« leitet. Bis zum Abend ist es nicht gelungen, auch nur einen Arbeiter lebend anS Tageslicht zu fördern, dagegen wurden bisher 40 — nach amtlicher Angabe nur 10 — Tote geborgen. An den Eingängen des Bergwerks, wo Hunderte von Familienmitgliedern der lebendig begrabenen Bergleute händeringend stehen, spielen sich herzzerreißende Szenen ab.
Unter seinem Fuhrwerk verunglückt. In Westerndorf im Oberinntal wurde der 9jährige Iellbauer Neumaier von einem scheugemordenen Ochsen unter sein eigenes Fuhrwerk gedrückt und getötet.
Einsturz eines Gewölbes. In der Emaillefabrik im Münchener Vorort Lami ist ein Betongewölb« eingestiirzt. Ein Zimmermann wurde erschlagen. Ein Maurer schwer verletzt.
In seiner Schlafstelle erfroren. In Warmensteinach in Oberfranken wurde ein 66jähriger Ortsarmer und In- validenrentner in seiner von Eiszapfen umgebenen Schlafstelle auf dem Dachboden ohne Decke liegend erfroren auf« gefunden.
Tod infolge Schwerhörigkeit. Auf der Kreisbahn- strecke Euskirchen-Düren wurde die furchtbar verstümmelte Leiche des 69jährigen Ackerers Hubert Floßdorf aufgefunden. Der etwas schwerhörige alte Mann ist in der Dunkelheit auf daS Geleise geraten und von einem Personenzuge überfahren worden.
An einer Apfelsinenschale erstickt ist in Stockmn (Niederrhein) daS zweijährige Söhnchen des Betanmeisters Grundmann. Die Schale war dem Kleinen beim Essen einer Apfelsine in die Luftröhre geraten.
Vergiftung.
Paris, 14. Januar. Aus Chateauroux '(Departement Indre) wird gemeldet, daß 15 in der Militärabteilung bei dortigen Spitals uniergebrachte Soldaten infolge Einatmens von Kohlenoxydgas erkrankten. Zwei von ihnen sind der Vergiftung bereits erlegen.
Drahtnachrichten
Besserung
Berlin, 15. Jan. Im Befinden bei ReichsiagSabgc- ordneten Grafen Hompesch, der gestern einen leichten Schlaganfall erlitt, ist Besserung eingetreten.
Die Krisis im Orient
Konstantinopel, 15. Januar. Der österreichisch- ungarische Botschafter Markgraf Pallavacini hatte gestern nachmittag eine Unterredung mit dem Großvezier und dem Minister des Aeußern über die Formulierung der einzelnen Punkte des Einvernehmens. Die nächste Unterredung wird morgen oder nächsten Montag stattsinden. Markgraf Palla- vieini Halle auch bei der Pforte abermals wegen der Löschung österreichischer Schiffe interveniert. Die Pforte sagte zu, Anweisungen geben zu wollen, die ein baldiges Ende des Boykotts erhoffen ließen.
Feftgenommen.
^ari^, 15. Jan. Das „Echo de Paris" meldet, daß der royalistische Journalist Gaucher, der an den jüngsten Kundgebungen in der Sorbonne und im Thèalre Fran^ais beteiligt war, im Justizpalast einem Untersuchungsrichter, der sich abfällig über das Vorgehen der royalistischen Jugend geäußert hatte, einen Schlag ins Gesicht versetzt habe. Gaucher wurde von zwei Wachtleuten fesigrnommen.
Arbeiterbewegung.
Paris, 15. Jan. Sämtliche 600 Arbeiter und Arbeiterinnen der staatlichen Tabakfabrik in Lemans drohen mit dem Ausstande, weil mehreren Arbeiterinnen Lohn- abstriche gemacht und 150 Arbeiterinnen, die sich mit ihnen solidarisch erklärt hatten, bestraft wurden.
Verliehen.
Nom, 14. Jan. Kaiser Wilhelm halber Königin von Italien den L u i s e u o r d e n verliehen.
Das Märchen von den deutschen Kriegsschiffen vor Kopenhagen.
Kopenhagen, 14. Jan. FoIkethiug. Bei der zweiten Beratung deS Budgets des Kriegsministeriums sprach der Verteidigungsminister sein Bedauern aus über die auf« getauchten Gerüchte, betreffend die Anwesenheit fremder Kriegsschiffe in dänischen Gewässern zu NebungSzwecken. Die Ge
rüchte richteten nur Schaden an. Die angesteNte Untersuchung habe ihre völlige Grundlosigkeit erwiesen.
Venezuela.
New -Nork, 14. Jan. Wie aus Willemstad gemeldet wird, haben die Niederlande das Dekret, das bie freie Waffenausfuhr gestattete und das s. Zt. nlsRcpressalie gegen Castro erlassen worden war, aufgehoben.
Grubenunglück.
Veezprem^ 14. Jan. Heute nacht gelang eS, das durch die Explosion schlagender Wetter im Ajkaer Kohlenbergwerk ausgebrochene Jener. zu lokalisieren und sämtliche Eingänge frei zu machen. Von 240 eingefallenen Bergleuten sind bisher 16 lebend und 45 tot geborgen worden. ES besteht Hoffnung, die übrigen Arbeiter zu retten.
Zum Erdbeben in Süditalien.
Mailand, 15. Jan. Der in Paris lebende Herzog Vompeolitta will von seinem Länderbesitz in Florida 78 000 Hektar für die Ansiedelung von 5000 durch das Erdbeben geschädigter Familien zur Verfügung stellen.
Rom, 15. Jan. Seeleute erzählten, daß 4 oder 5 Tage vor dem Erdbeben das Wasser in den Austerbecken am Leuchtturm vor Tarent, wo auch Muscheln gezogen wurden, so heiß geworden war, daß alle Kulturen cingingen.
Die Steinheil-Affäre
Paris. 15. Jan. Der mit der Steinheil-Asfäre betraute Untersuchungsrichter AndrS Beauftragte den Polizeikommissar von Meudon, dem Sommerausenthâlt der Frau Steinhell, die Abschrift von verschiedenen Telegrammen zu beschlagnahmen, welche Frau Steinbeil im Sommer vorigen Jahres aus Biserta erhalten hatte. Diesen Telegrammen wird für das Ergebnis der Untersuchung große Bedeutung bcige- messen.
Großer Generalstab für das ganze britische Reich.
London, 14. Jan. Sir Frederick William Borden, der kanadische Minister für die Landesverteidigung, ist in London eingetroffen, um mit dem Kriegsminister'Haidane die Vorbereitung zur Errichtung eines'großen Generalstabes für das ganze englische Reich zu besprechen, ein Gedanke, der vor etwa Jahresfrist von dem bekannten Schloßhauptmann von WindsorLord Esher angeregt worden ist. Kriegsminister Halbane steht dem Plane sehr frenndlich gegenüber; er meint, es solle ein fortwährender Austausch von Stabsofsizieren der verschiedenen kolonialen Kriegsministerien mit dem Mutterlande stattfinden, so daß der große englische General- stab gleichsam zur Schule für das Militär des ganzen Reiches werde und so die Ausgleichung der Traditionen und Ansichten ermögliche und dazu diene, den Prinzipien und Theorien der Zentralleitung allgemein Geltung zu ver- schaffen.
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Kiel, 15. Januar. Prinz Adalbert von Preußen, der in den ersten Januartagen seine erste Torpedobootfahrt in einer neuen Stellung als Kommandant eines großen Torpedobootes aMrst, hatte in den letzten Tagen in der Ostsee überaus schlechter Wetter. Einige Fahrzeuge, die zur Flottille deS Prinzen gehörten, erlitten Beschädigungen.
Neweastle, 14. Jan. Hier fand eine Neederversamm- lung statt, die sich mit der gegenwärtigen Lage des Seebandels beschäftigte, und eine Resolution annkthm, in der die Notwendigkeit betont wird, eine internationale Union zum Zwecke gegenseitiger Unterstützung zu bilden. Es wurde eine Kommission ernannt, um sich zunächst mit den Reedern des Vereinigten Königreiches hierüber ins Einvernehmen zu setzen.
Paris, 15. Jan. Der frühere Senator von Französisch- Indien, Godin, der bei den jüngsten Wahlen gegen den Deputierten Flandin unterlag, will gegen bie Gültigkeit dieser Wahl Einspruch erheben, weil scstgestellt worden ist, daß die Wahl auf ein falsche?, mit dem Namen des einflußreichen Führers der Kolonialgruppe, des Senators St. (Jermain, unterzeichnetes Telegramm zurückzusühren sei. Der Deputierte Flandin hatte übrigens nicht einmal seine Kandidatur ausgestellt. Es heißt, daß die Wiederwahl Godins hauptsächlich von dem Deputierten Lemaie, dem ehemaligen Gouverneur von Französisch-Indien. bekämpft worden sei, mit bent er seit Jahren in Zwist lebte.
Belgrad, 15. Jan. Zwischen dem Kronprinzen und dem Gsterreichisch-ungarischen Gesandten Girafen Forgach bestand seit längerer Zeit eine Spannung. Man beiürchtete, daß es beim letzten Hofballe zu einem Zusammenstoß kommen werde. Durch das Eingreifen der Regierung nnd des Königs gelang es, zn erreichen, daß her Kronprinz sich darauf beschränkte, beii Grafen Forgach, her mit seiner Gemahlin und dem Personal der Gesandtschaft erschienen war, zu übersehen.
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