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1 8. Januar __________ truppe statt. Geboten wird schöner Gesang, Solo-Duette und Quartette, Schuhplattlertanz mit einerund zwei Damen. Schuhplattler, getanzt von einer Dame. Noch nie dagewesen. Für ein reichhaltiges Familienprogramm wird bestens gesorgt. Um zahlreichen Besuch bittet die Direktion.

* Stadtthcater. DieGeisha", die erfolgreiche Operette wird heute im Abonn. als 8. Vorstellung der IV. Serie nochmals zur Darstellung gelangen. Morgen Sams­tag geht die reizende Lustspiel-Novität:Fräulein Josette meine Frau" nochmals bei k l ein en Preisen in Szene. Am Sonntag nachmittag wird die OperetteDie D o l l a r p r i N z e s s i n" bei kleinen Preisen gegeben und Sonntag abends ^28 Uhr kommt Schillers TrauerspielMari a Stuart" neu einstudiert zur Darstellung.

* Gastspiel Marcel Salzer. Am Samstag nächster Woche wird der berühmte Vortragskünstler Marcel Salzer, dessen Abende in letzter Spielzeit so starken Bei­fall sanden, ein einmaliges Gastspiel absolvieren.

* Freiwillig gestellt. Wie noch erinnerlich sein dürfte, wurde vor zwei Jahren, nm 24. Januar 1907, am Main ein Revolver mit abgeschossenen Patronenhülsen auf- gesunden. An der Fundstelle befanden sich einige Vluüpuren. Der Revolver gehörte, wie festgestellt wurde, dem Fahr­burschen Karl W e i n g a r d t, gegen den ein Verfahren schwebt, in einer Privatklage wissentlich falsch geschworen zu haben und der am gleichen Tage auch verschwunden war. Jedenfalls hat Weingardt den Anschein erwecken wollen, daß er Selbstmord durch Erschießen verübt und in den Main gestürzt sei. Er war jedoch nach Holland entflohen, von wo aus er jetzt zurückgekehrt ist und sich selbst der Staats­anwaltschaft gestellt hat.

Gerrchtssaal.

Sitzung des Schöffengerichts Langenselbold vom 13. Januar 1909.

Der Artist Karl W. aus Frankfurt gab am 20. Oktober in Rückingen Vorstellungen, ohne einen Wandergewerbeschein und die erforderliche polizeiliche Erlaubnis zu besitzen. Durch Befragen der Händlerin Babette G., auch aus Frankfurt, stellte der einschreitende Gendarm die Verfehlung des W. fest. Darüber geriet er so in Wut, dass er die Frau öffent­lich beleidigte. Als er einige Tage später mit dem Ehemanne der Zeugin in einem Eisenbahnwagen zusammentraf, wieder­holte er die Beleidigungen und fügte hinzu, daß er die Frau auch umbringen werde. W. wurde wegen Beleidigung und Bedrohung mit einem Monat und einem Tage Gefängnis bestraft. Das Urteil soll in einem Frankfurter Blatte be­kannt gemacht werden. Wegen Forstdiebstahls erhielt der Maurer Jakob F. aus Langenselbold eine Geldstrafe von 3 Mark eventl. 1 Tag Gefängnis zuerkannt. Er hatte am 3. November aus dem Gemeindewalde eine dürre Birke ent­wendet. Der Milchhändler Johann L. aus Langendiebach hatte einen richterlichen Strafbefehl über 15 Mark erhalten, weil er mit seinem Pferde zu der vom Landratamt anberaumten Pferdevormusterung zu spät erschienen war. Dagegen hatte er Einspruch erhoben mit der Begründung, daß seine Milch­lieferung ^ nach. Hanau ein früheres Erscheinen er habe mit verstärktem Personal gearbeitet unmöglich gemacht habe. Der Gerichtshof setzte die Strafe auf 3 Mk. eventl. 1 Tag Hast herab. Wegen Beleidigung des Gendarmerie- Wachtmeisters Vurhenn zu Langendiebach wurde der Kauf­mann Karl K. aus Gelnhausen mit 150 Mk. eventl. 15 Tagen Gefängnis bestraft. Am l8. Oktober war in Langen­diebach Kirchweihfest, an dem sich auch der Angeklagte be­teiligte. Es war sehr spät und die Polizeistunde längst überschritten, als der Gendarmerie-Wachtmeister in dem Lokale, wo der Angeklagte mitseierte, erschien und Feierabend bot. Als er oben den Saal mit Mühe geleert, setzte sich ein Teil der Gäste darunter auch der Angeklagte im unteren Wirlszimmer von neuem fest. Der Beamte verlangte nun energisch es war inzwischen 3'/, Uhr geworden die Räumung des Lokales. Im Abgehen sagte K. zu der Wirtinwenn bei uns so einer käme, dann bekäme er das Fell voll gehauen." Der Angeklagte leugnete nicht, die Be­leidigung verübt zu haben, wenn auch vielleicht mit etwas anderen Worten, er sagte aber, er sei durch das brüske und unhöfliche Auftreten des Beamten zu dem Ausspruche gereizt worden. Ein unhöfliches - oder unkorrektes Betragen des Gendarmerie-Wachtmeisters wurde durch die Beweisaufnahme aber nicht festgestellt. Trotz der bisherigen Unbescholtenheit des Angeklagten und obwohl angenommen wurde, daß die Beleidigung nicht öffentlich gesallen war, fiel die Strafe so hoch aus, weil nach Annahme des Gerichtshofs der An­geklagte gerade als gebildeter Mann sich nicht so hätte be­tragen dürfen. Der Zimmermann Heinrich E. aus Langenselbold kehrte am 14. Dezember v. J. von der Wald­arbeit heim und legte eine ziemlich schwere Last dürres Holz, welches er hatte sammeln dürfen, an dem Staatsbahnhof- gebäude nieder, um im Warlesaale einzukehren. Als er heraustrat, war das Holz fort. Der Weißbinder Peter F. aus Langenselbold hatte es sich angeeignet und den Zim­mermann Wilhelm L. gum Tragen Hellen überredet. Er sagte heute, er habe sich nur einen Jux machen wollen. Das Gericht glaubte ihm aber nicht, sondern verurteilte ihn wegen Diebstahls zu einem Tage Gefängnis. Es wurde dann längere Zeit gegen den Metzgermeister Friedrich K. von Langenselbold verhandelt. Doch verfiel die Verhand­lung, obwohl noch Herr Dr. Schneider schnell hinzugezogen wurde, der Vertagung. Es war dem Angeklagten zur Last gelegt, seinen doggenähnlichen Hund nicht mit einem Maul- forb versehen und dadurch fahrlässiger Weise die Körper­verletzung eines Kindes verursacht zu haben. Es waren in der Verhandlung Momente zu Tage getreten, die den Hund auch als einbösartiges T'i e r" im Sinne des § 367 Abs. 11 des St.-G.-B. erscheinen ließen. Darüber, wie über die Frage ob der Hund, wie der Angeklagte behauptete, nur gekratzt und nicht auch gebissen habe, soll im neuen Termin durch Ladung weiterer Zeugen und des Herrn Dr. Schneider Klarheit geschaffen werden.

Oeffcntllchcr SettcrbiciifL Voraussichtliche Witterung für vie Zeit bom Abend des 15. Januar bis zum nächsten Abend.

W st^^d ^^' "'^ trocken, wechselnde Bewölkung, mäßige

Freitag

Für Errichtung eines Aussichtsturmcs auf dem Bnchberge bei Langenselbold gingen ein

H. Gr., Krämerstr..... 3 Mk.

F. A. S....... 1.-

Schtz . . r.....1

Voriger Betrag . 2813.00

Zusammen bis jetzt 2818.00 Mk.

Weitere Spenden nimmt gerne entgegen die Redaktion des Hanauer Anzeigers."

Hus Dab und fern.

Gelnhausen, 14. Jan. Wie man von zuverlässiger Seite erfährt, hat das Königliche Provinzial - Schulkollegium in Cassel für unsere Stadt eine Reformschule (Realprogym- nasium mit Realschule), eine Mädchenmiltelschule resp, höhere Töchterschule und eine Vorschule bei dem Minister befür­wortet. Hoffentlich wächst sich das Realprogymnasium später in eine Vollansialt aus. Weiter gehende Bedürfnisse für Griechisch rc. können berücksichtigt werden.

Ö Spiclber!*, Kr. Gelnhausen, 15. Jan. (Tele­gram m.) Förster Erich mann wurde im Walde von einem niederstürzenden Baum getroffen und schwer verletzt. An seinem Aufkommen wird gezweifelt.

r. Kirchhain, 14. Jan. Unter Umständen, die darauf schließen lassen, daß es sich um Selbstmord handelt, wurde im Walde zwischen Hatzbach und Speckswinkel die Leiche des Knechts H. Nebel aus Josbach gefunden. Der Mann, der in Neustadt bedienstet war, hinterläßt eine Frau mit 4 Kindern.

r. Marburg, 14. Jan. Vergangene Nacht tobte hier ein heftiger Sturm, mit Schneegestöber und Regengüssen verbunden. Heute früh zog unter Donnern und Blitzen ein Wintergewitter über unsere Gegend.

Hammelburg (Rhön), 12. Januar. In der bei Dippach gelegenen Miltelmühle brach Feuer aus, dem der Dachstuhl und das Innere der Mühle zum Opfer fielen. Der Schaden ist bedeutend. Bei der Holzversteigerung des Königl. Forstamts Brückenau erzielten die Eichenstämme hohe Preise. Sie stellten sich für den Stamm auf 800 bis 1200 Mark.

Bebra, 13. Januar. An der Maschine eines Güter­zuges, der von Bebra nach Göttingen fuhr, explodierte nahe der Station Allendorf die Feuerkiste der Lokomotive. Die Kleider des Maschinisten wurden in Brand gesetzt. Trotzdem besaß der gefährdete Beamte die Geistesgegenwart, erst den Hebel herumzuwerfen unb den Zug zum Halten zu bringen. Dann sprang der Maschinist von der Maschine; es gelang ihm, seine brennenden Kleider zu löschen und so sein Leben zu retten.

Eschwegc, 14. Jan. Ein furchtbares Unwetter, dem gestern abend ein heftiges Schneetreiben vorangegangen war, tobte in vergangener Nacht. Der Sturm riß stellenweise Ziegel von den Dächern, entwurzelte Bäume und richtete audj noch anderen Schaden an. Das Unwetter war wieder von einem kurzen Gewitter begleitet; Unwettermeldungen kommen heute übrigens aus dem ganzen Reiche. Vielfach waren die Gewitter recht stark, auch sind in einigen Gegenden Verkehrsstörungen durch Schneeverwehungen eingetreten.

Wiesbaden, 14. Jan. Ein hiesiger Metzgergeselle, der seinem Meister während eines längeren Zeitraums Beträge bis zu einer Höhe von etwa tausend Mark für Lieferungen an Kunden unterschlagen hatte und, nachdem er sich entdeckt sah, flüchtig geworden war, wurde hier ermittelt und fest­genommen.

Höchst a. M., 13. Jan. Hier wurde der Kammann Sibert verhaftet, der als Direktor einerInternationalen Vereinigung für industrielle Unternehmungen" eine große Anzahl kleinerer Leute um ihr Geld gebracht hat.

Köniststcin, 13. Jan. Auf der Straße von Kronberg nach Königstein wurde heute früh gegen 9 Uhr die Frau Thamer aus Niederhöchstadt tot aufgcfuudcn. Die Tote sollte zu einem Gerichtstermin erscheinen und wurde unterwegs von einem Herzschlag betroffen.

Offcnbach, 14. Jan. Zur Förderung des Scheck- und. Uebeiwcisungsverkehls hat sich die Stadt seit heute.biefem Verkehr angeschlossen. Die Siadtkasse tritt zu diesem Zwecke mit dem hiesigen Bankhanse Merzbach, der Bank für Handel und Industrie und dem Bankverein in Verbindung. Es werden die Gehalte der Beamte und Lehrer, von denen sich 97 mit einem Einkommen von über 2400 Mark dazu bereit erklärt haben, Ruhegehalte usw. auf die genannten Bank­häuser oder die städtische Sparkasse überwieieu, die bic Be-. träge täglich und mit 3l/2 Prozent verzinst. Auch die Be­zahlung der Steuern durch Schecks ist in weitestem Umfange zugelassen. Auf die Benutzung der städtischen Sparkasse für dielen Ueberweisungsverkehr legt die Stadt besonderen Wert. Man will damit einerseits den Spar sinn fördern, anberer- teils aber auch die Einlagen der Sparkasse, die seit Herbst 1907 bedeutend gesunken waren, wieder heben. Die Einfüh­rung des Scheckverkehrs bei der Stadtkasse war schon vor einem Jahre geplant, unterblieb damals aber, da gerade die Unregelmäßigkeiten au dieser Kasse cmbecft worden waren. An den hiesigen staatlichen Kassen ist der Scheckverkehr all­gemein schon mit Beginn des laufenden Rechnungsjahres em= geführt worden.

K. Giünbci'si, 14. Jan. Im nahen Ettingshau'en spielte sich gestern ein heftiger Kampf mit Zigeunern ab. Eine Bande mit einigen Wagen war im Dorfe eingetroffen. Einer der heißblütigen Pustasöhne fing mit Ortseinwohnern Streit an und drohte mit dem Revolver. Der hcrbeicileude Bürgermeister wurde von den Wütenden ebenfalls bedroht und tätlich angegriffen. Doch gelang es, die Zigeuner durch eine kräftige Tracht Prügel zu vertreiben. Als er in seinem Wagen Schußwaffen holen wollte, eilten die Bauern mit Heu- und Mistgabeln, Acxlen und dergleichen herbei und alarmierten die Feuerwehr. Da nahmen die braunen Gc- jcllcn Reißaus, verfolgt von den Ortseinwohncru. DaS

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ganze Dorf war in größter Aufregung. Die Bande entfloh in der Richtung Nonnenroth und Hungen. Der Raufbold, den man festnehmen wollte, bedrohte die Bauern mit dem Revolver und flüchtete dann in den Wald nach Nieder- Bessingen zu.

Bretzenheim, 13. Jan. Die Frau eines hiesigen Feld» schützen manipulierte an dessen Flinte herum. Plötzlich entlud sich ein Schuß, der ihre Schwester am Auge verletzte Die Wunde ist glücklicherweise nur eine leichte.

Biebrich, 14. Jan. Gestern wurde hier der Bergwerks» direktor Krombach, der sich vor einem Jahre ohne jegliche Mittel an der Wiesbadener Allee hierselbst eine Villa gekauft hatte und seit dieser Zeit umfangreiche Kreditschwindeleien und Betrügereien verübte, verhaftet. Die Höhe der Summe, um die viele Geschäftsleute besonders in Kuxen und Wiesbaden geschädigt worden ist, wird auf etwa 60,000 Mark angegeben, Kr., der verheiratet ist, soll früher bei der Kölner Straßen­bahn eine untergeordnete Stellung gehabt haben, spielte aber in der hiesigen Gesellschaft eine große Rolle.

K. Vom Vogelsberg, 14. Jan. Ein solch rapider Witterungsumschlag wie in diesem Jahre ist selten beobachtet worden. Während gestern morgen noch eine Kälte von 36 Grad herrschte, war bis gestern nachmittag das schönste Tau­wetter eingetreten. Gegen Abend machte dieses wieder einem kolossalen Schneegestöber Platz, das aber heute nacht gegen 4 Uhr in ein schweres Gewitter mit starkem Hagel­schlag ausartete, welches ca. 2 Stunden anhielt. Im Monat Januar mit einem Gewitter heimgesucht zu werden, ist auch hier oben eine seltene Naturerscheinung. Ob durch den Blitz irgendwo Schaden entstanden ist, konnte noch nicht festgestellt werden. Jedenfalls hat aber der Sturm gehörig gewütet und verschiedene unliebsame Folgen hinterlassen.

r- Pforzheim, 13. Jan. Der hiesige Kreditorenverein hat die Anregung gegeben, die Gelder für die Erdbeben­geschädigten in Italien, die von hier, Hanau und Gmünd einkommen, nicht in einem allgemeinen Sammel­becken in Berlin rc. verschwinden zu lassen, sondern sie durch Vermittlung von Bijouterie-Berufsgenoffen in Italien mög­lichst wieder an Berufsgenossen zu verteilen. Hiervon hätte einmal die deutsche Bijouterie-Fabrikation einen Vorteil, anderseits würden dank unserer guten Verbindungen in Süd- italien die Gaben ohne Vermittlung in die rechten Hände kommen.

Hus aller Mell.

Ein hundertjähriger Pfarrer. Der Pastor em. Güssow in Salzwedel beging seinen 100. Geburtstag. Der alte Herr erfreut sich körperlicher wie geistiger Gesundheit, nur ist das Augenlicht etwas geschwächt.

Stiftung für Wöchnerinnen. Frau Marie Soh­mann, geborene Sünnes in Krefeld, stiftete aus Anlaß des hundertjährigen Bestehens ihres väterlichen Geschäftes 50000 Mark dem Krefelder Frauenverein für Wöchnerinnen, in dessen Vorstand sie länger als 25 Jahre tätig ist. Die Zinsen der Summe sollen zu Vereinszwecken verwandt werden.

In der Notwehr erschossen. In Merten (Rhein­provinz) wurde der 22 jährige Arbeiter Johann Frings auf dem Nachhausewege von 3 Burschen überfallen. Frings griff in der Notwehr zum Revolver und tötete einen Angreifer, ein anderer erhielt einen Schuß in die Brust und den Arm.

Todesstirrz in die Tiefe. Lehramtskandidat Zager stürzte auf einer Jagdwanderung in der Nähe seines Hei­matsortes Zaga in Krain vor den Augen seines Vaters in eine tiefe Schluckt und wurde vollständig zerschmettert.

An den Tod gerodelt. Im Vororte Moschendorf von Hof rodelte der 5 jährige Sohn des Oekonomen Lippert einen steilen Abhang hinunter, wobei er auf die dünne Eis­decke der Saale geriel, einbrach und ertrank. Die Leiche ist noch nicht gefunden.

Schweres Brandunglück. In Horb a. Neckar brach gestern früh in der BrauereiZum Ritter", der soge­nannten Klosterbrauerei, ein Brand aus, dem das ganze Ge­bäude, der Gasthof und die Brauerei, zum Opfer fielen. Fünf Feuerwehrleute wurden durch eine einstürzende Mauer- mehr oder minder schwer verletzt, doch besteht für keinen der Verunglückten Lebensgefahr.

Aufregende Szene im Schwurgerichtssaal. In Duisburg kam es am Mittwoch im Schwurgerichtssaale zu einer aufregenden Szene, als der Staatsanwalt gegen den 26jährigen Angeklagten Eichner wegen Verleitung zum Meineide eine 3jährige Zuchthausstrafe beantragte. Eichner stürzte auf den unter der Anklage des Meineides neben ihm sitzenden Mitangeklagten, durch dessen Aussagen er der Der- leiturig zum Meineid überführt worden war und suchte ihn zu erivürgen. Dann stürzte er sich, indem er alles zu zer- trümern suchte, auf den Staatsanwalt. Unter den im Zu- schaucrraum anwesenden Frauen entstand lautes Angst- Geschrei. Erst durch das Aufgebot von Polizeibeamten ge­lang es, Eichner zu bändigen und zu fesseln. Er wurde zu 2 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Grausiger Franenrnorv in Paris. In einem un­weit deS Bastillepalastes gelegenen Hause wurde der fast mumifizierte Leichnam einer weiblichen Person von 28 Jahren gefunden, die als die vor 2 Monaten verschwundene Marthe Pliffon aus Etampes agnosziert wurde. Es liegt ein Mord vor, und der Tat dringend verdächtig ist der frühere Bräutigam der jungen Person namens Henri Paris, der als roh und gewalttätig geschildert wird. Auch hier wurde, wie in der Affäre Steinheil, ein Einbruchsdiebstahl simuliert, das kleine, von der Pliffon bewohnte Zimmer war absicht­lich in Unordnung gebracht, die Möbel durchwühlt, um die Spur zu verwischen nnb, die Justiz irrezuführen. Da aber Paris die einzige Person war, die Fräulein Pliffon zu empfangen pflegte, und da er das junge Mädchen früher bereits mehrfach mißhandelt und mit dem Tode gedroht hatte, so glaubt die Polizei, daß er der Täter sei.

, Grubenunglück. Im Ajkaer Kohlenbergwerk bei Veszprem (Ungarn) entstand gestern nachmittag infolge Kurz­schlusses ein Grubenbrand, welcher daS ganze Bergwerk er­griff. In den Gruben waren zur Zeit des Ausdruckes des