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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Sanan.

EinrLckungsgetShv r

Die fnufgejpalteni Petitzeil« oder deren Raum 20 Pfg. im ReklamenteU die Zeile M Pfg.

ev. WaifenhaujeS in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker « Hanan.

Nr. 12 F-rnsprechanschluft Nr. 605,

Amtliches.

Candkreis F)anau.

Unter den Schweinen in Windecken ist die Schweine- seuche erloschen.

Hanau den 13. Januar 1909.

Der Königliche Landrat.

V 244 I. A.: Hartmann, Kreissekretär.

Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.

Die Hebelifte über die Beiträge gitr Hand­werkskammer für das Jahr 1908 liegt vom 18. d. M ab zwei Wochen lang im Bureau der städtischen Steuer­verwaltung, Marktplatz 14, 1 Treppe, Zimmer Nr. 23 aus.

Einsprüche sind binnen einer Frist von 4 Wochen, be­ginnend mit dem ersten Tage nach Ablauf der Auslegungs- srist, bei uns anzubringen.

Der Magistrat.

Bode. 1307

Bandeiskammer Banau.

Plenarsitzung

am Mittwoch den 20. Januar, */*5 Uhr nachm., im Sitznngssaale der Handelskammer (Stadtschloß).

Tagesordnung:

1. Protokollgenehmigung.

2. Beeidigung eines Handelschcmikcrß und Edelmetall- probierers.

3. Konstituierung der Handelskammer für 1909.

4. Bildung der Ausschüsse der Handelskammer für 1909.

5. Bildung eines Fachausschusses für die Edelmetallindustrie.

6. Etals-Voränscblag für 1909. (Beschlußfassung über BeilragserhebunW.

7. Jahresbericht der Handelskammer für 1908.

8. Entsendung eines Sachverständigen in die städtische Marktpreisnotierungskommlsston in Hanau.

9. Fürsorge für die schulentlassene Jugend.

10. Ausstellung von Ursprungszeugnissen.

11. Neuer Entwurf eines Arbeitskammergesetzes.

12. Verein zur Beförderung des Gewerbfleißes.

13. Mitteilungen und evtl. Anträge.

Hânau den 12. Januar 1909.

Die Handelskammer.

C a n th al.

Der Syndikus.

1305 Dr. phil. Grambow.

Politische Rundschau.

Der Kriegsminister und derNev«e"-Slrtikel. Der Kriegsminister v. Einem bezeichnet die Mitteilung der Berliner Üniversal-Korre'pondcnz, das Manuskript des Artikels Der Krieg in der Gegenwart" sei im Bureau des Kriegs- ministers in den letzten Dezembertagen einem dem Kaiser nahestehenden General zur. Lektüre gegeben worden, nebst der daran geknüpften Folgerung als unwahr. Das Kriegs- ministcrium, das diesen Artikel zipar kannte, ihn aber nicht im Besitz hatte, habe ihn weder zu der behaupteten noch zu einer anderen Zeit irgend jemand zur Kenntnis gegeben.

mb. Airs dem Reichstage. Nicht weniger als 7 Kommissionen tagten gestern vormittag im Reichstag gleich­zeitig bis zum Beginn der Plenarsitzung.; die Weinkommission, die Budgetkommission, die Steuer- und Finanzkommission, die Rechnungskommission, die Justizkomnussion, die Wohl- prüfungskommission und die Petitionskommission. 168 Mit­glieder sind an diesen Beratungen beteiligt, nahezu ein be- Ichlußsähiges Haus.

mb. Die Wnblprüfmrgskommissioit des Reichs­tages erklärte die Wahl des Abg. Kölle (wirtsch. Vgg., GoSlar-A"lleneId) für gültig. Die Wahl des Abg. Euen (kons., Groß-Warteuberg-Oclsi wurde beanstandet und Be­weiserhebung beschlossen. Die Prüfung der Wahl des Abg. Rieseberg (wutsch, Vgg., Wanzleben) wurde noch nicht zu Ende geführt; es müssen noch die Zahlen zusammengestellt werben.

(Gouverneur von Schuckmann ist von seinem Gute in Berlin eingeuoffen, verbleibt bis Ende Februar hier und' kehrt dann auf seinen Posten nach Deutsch-Südwestasrika zurück.

Freital! den 15. Januar

Der R lckiritt des Oberbürgermeifters von Altona vom Amte. Wie gemeldet, wird der Ober­bürgermeister Tettenborn zum 1. April d. I. sein Amt niederlegen, um in den Kolouialdienst eiumtreten. Er ist erst vor drei Jahren als Nachfolger des Oberbürgermeisters Giese auf 12 Jahre zum Oberhaupt von Altona gewählt worden, so daß sein Rücktritt vom Amte überraschend kommt. Nach Meldungen anderer Blätter steht er mit Differenzen in Zusammenhang, in die Tettenborn mit dem Stadtverordneten­kollegium von Altona geraten ist.

Der sächsische Staotsminifter Graf Hohenthal ist ernstlich erkrankt. Sein Herzleiden hat sich so ver­schlimmert, daß Graf Hohenthal noch diese Woche trotz der bevorstehenden Entscheidung über die Wahlrechtsreform nach Mentone abreist.

Zur Nekäurviuna der Mitzftânde im Zahlungs- weferr richtet die Wiesbadener Handwerkskammer an die Handwerker ihres Bezirks das dringende Ersuchen, bei der Ablieferung von Waren sogleich die Rechnung beizufügen, oder dieselbe mindestens monatlich auszuschreiben, keinesfalls aber mit der Zusendung der Rechnungen länger als ein Vierteljahr zu warten, und eventuell bei Zahlung innerhalb gewisser Zeit einen entsprechenden Skonto zu gewähren.

Handelsminifter Winfton Churchill sprach sich in Birmingham für freundschaftliche Beziehungen für Deutsch­land aus.

Argentinien hat sich entschlossen, sein Heer mit Mauser- gewebren auszurüsten.

Englands jüngster Panzerriese.Daily News" berichtet, daß der neue KreuzerJndefatigable", der im nächsten Monat in Devonport auf Stapel gelegt wird, eine Länge von 555 und eine Breite von 80 Fuß erhalten wird. Das Deplacement wird ungefähr 19 000 Tonnen betragen. Die Maschinen arbeiten mit 45 00O Pferoekräften. Es sind drei Schornsteine vorgesehen, der Panzergürtel wird sich um die ganze Länge des Schiffes herumziehen. Acht schwere zwölfzöllige Geschütze werden zu Paaren in gepanzerten Ge­schützbänken so gestellt sein, daß sie nach vorn feuern. Im Hinterschiff werden sich sechs, an der Breitseite acht Geschütze befinden. Ferner werden zwölf vierzöllige und 27 kleine Geschütze vorhanden sein. Außerdem ist das Schiff mit zwei unter Wasser befindlichen Torpedorohren versehen. Man er­wartet, daß das Schiff einen neuen Geschwindigkeitsrekord für große Schiffe aufstellen wird.

König Eduard wird seine Reise nach Berlin am Montag, 8. Februar, antreten.

Die Bank von England hat den Diskont von 2^2 °/0 auf 3 °/o erhöht.

Vier japanische Kriegsschiffe werden im April San Franzisko, San Diego und Panama besuchen.

Admiral Nosheftwenski f. In Petersburg ist gestern Vizeadmiral a. D. Noshestwenski gestorben.

Die Vorgänge in Persien. Das in Jspahan zu­sammengetretene Provinzialparlament wandte sich an die aus­ländischen diplomatischen Vertretungen mit der Bitte, die Ver­fassung wieder herzustellen. Prinz Ferman Ferma brach gestern mit 700 Reitern darunter 500 Bachtlaren, nach Jspaban auf. Die Maknreitcr besetzten das Dorf Julphad bei Maranda. In der Nähe des Grenzortes Dschulvba bemächtigten sich Kurden einer aus Urmia kommenden 300 Kamelen zählenden Wagenkarawane, desgleichen der nach Persien fahrenden persischen Personenpost. Revolutionäre plünderten gestern das Palais des Prinzen Ferman Ferma in Täbris.

Die Krisis im Orient.

Wien, 14. Jan. DieZeit" dementiert die Meldung eines Londoner Blattes, nach der sich die Kosten der teil= wegen Mobilisation Oesterreich-Ungarns auf 500 Millionen Kronen belaufen, und stellt fest, daß sie gegen 200 Millionen Kronen betragen. Die Kriegsverwaliung legt voraussichtlich im Herbst den Delegationen einen Nachtragskredit vor.

Kouftattiiuopel, 14. Jan. In der Kammer gab der Minister des Innern eine Erklärung über das augebliche Attentat auf den Thronfolger ab. Er stellte fest, daß nach dem Ergebnis der eingehenden Untersuchung es sich lediglich um unbewiesene, unter den Haremsdamen enistandene Ge­rüchte handele; sodann erläuterte er die Maßnahmen der Regierung zum Schutze der allgemeinen Sicherheit, insbe­sondere in Vilajet Smyrna, sowie die Maßregeln zur Linde­rung der Not in Anatolien. Zu diesem Zwecke lieh die Regierung 100 000 Pfund bei der Oüomanischen Bank; die deutsche anatolische Bahngeiellschast habe 60000 Pjd. zur Verteilung an die längs der Bahnlinie wohnenden Not­leidenden ziusensrei vorgestreckt. Die Kammer nahm von den Ausführungen des Ministers mit Befriedigung Kenntnis.

Konstantinopel, 14-'Jan. In der Boykoltbewegung gegen die österreichischen Waren und die Lloydschiffe ist noch

tyeru)>red)anfd)lu6 Nr. 605. 1909

keine Veränderung zu bemerken. Das deutscheKonstanti­nopeler Handelsblatt" sagt, die Lastträger hätten dem Boykotts-Syndikat den Gehorsam aufgejagt und begonnen, ein österreichisches Schiff zu löschen.

Soloniki, 14. Jan. Hier wurde der Boykott gegen die österreichischen Waren für beendet erklärt.

Belgrad. 14. Jan. Was das HandelsblattTrgo- vinski Glasnik" mitteilt, erhielt der Kaufmännische Verein auf eine Anfrage bei der Regierung den Bescheid, daß sie den Boykott gegen die österreichisch-ungarischen Waren nicht billige und ihn mit allen Mitteln verhindern würde.

Belgrad, 14. Jan. Der Minister des Aeußern. Milowanowitsch, erklärte, daß die heutige Meldung eines auswärtigen Blattes über die Einberufung eines außerordent­lichen Ministerrates vollkommen aus der Luft gegriffen und daß sie ebenso daS Ergebnis höherer Phantasie sei wie die Berichte anderer Blätter über angeblich stürmische Vorgänge des letzten Ministerrates. Heute fand kein Ministerrat statt.

* *

Französische Kammer. Brisson gedenkt der Erd- bebenkatastrophe in Süditalien und der internationalen Be­weise der Solidarität, die dabei zutage getreten seien. Dann setzte die Kammer die Besprechung der Interpellationen über Marokko für morgen auf die Tagesordnung, lehnte es aber mit 372 gegen 205 Stimmen ab, am Mittwoch über den Gesetzentwurf betr. die Konzession der Minen von Quenza, trotz dringenden Verlangens des Handelsministers Barthou, zu verhandeln. Der Handelsminister ersuchte sodann, über das Projekt Quenza unmittelbar nach Annahme der Em- kommensteuervorlage zu verhandeln, was mit 303 gegen 244 Stimmen beschlossen wurde. Nachdem Justizminister Briand die Vorlage betr, Begnadigung der an den Unruhen in Draveil und Vigneux Beteiligten eingebracht hatte, wurde die Sitzung geschlossen.

Parlamentarisches,

mb. Die Finanz- und Steuerkommisfion deS Reichstages führte gestern die Bedarfsberechnung zu Ende, indem noch die Etats der Marine, der Post- und Tele­graphen- und der Kolonialverwaltung erörtert wurden. So wie bei den anderen Etats wurde auch bei diesen, wie der Vorsitzende der Kommission am Schluß der Sitzung fest­stellte, keinerlei Aenderung an der Bedarfsberechnung vor­genommen, sondern diese als zutreffend anerkannt. Der Staatssekretär v. Tirpitz machte auf eine Reihe von An­fragen vertrauliche Mitteilungen über technische Fragen des Schiffsbaues, die Erfahrungen mit den größeren Schiffen, die Fragen der Baukosten u. s. w. Von freisinniger Seite wurde gegenüber Ausführungen vom Zentrum die AnsicU vertreten, daß die Materialkosten keinen sehr großen Einfluß auf die Baukosten ausübten. Wie früher beträgt auch jetzt die Zuschußnote im ordentlichen Etat bei Neubauten 6 Pro­zent; die Grundreparaturkosten sind nach den zwischen dem Reichstag und den verbündeten Regierungen vereinbarten Grundsätzen ganz auf den ordentlichen Etat übernommen worden.

mb. Die Kommission für die Zivilprozetzuoveüe usw. sah davon ab, sofort in die zweite Lesung der Frage der Zuständigkeit der Amtsgerichte einzutreten, wie man eS ursprünglich beabsichtigt hatte. Die Entscheidung hierüber wird in der Kommissiou also erst fallen, wenn die erste Lesung der ganzen Vorlage regelrecht zu Ende geführt ist. Von konservativer Seite wurden mehrere Anträge gestellt: einmal dahin, das Hilfsrichtertum bei den Amtsgerichten einzuschränken, ferner die Bildung mehrerer Landgerichte für denselben Bezirk in stark bevölkerten Gegenden zu erleichtern, sodann die Stelle des Vorsitzenden der Kammer für Handels­sachen nur mit einem Landgerichtsdirektor zu besetzen. Nach längerer Aussprache wurden sämtliche Anträge, zum Teil mit geringer Mehrheit, abgelehnt; sie werden im Plenum erneut eingebracht werden. Angenommen wurde dagegen ein Antrag der Reichspartei, wonach zu Landrichtern auch Amtsrichter desselben Bezirks gleichzeitig ernannt werden können. In der nächsten Sitzung werden die Vorschriften der Novelle zur Zivilprozeßordnung erörtert werden.

mb. Die verstärkte Justizkommission des Abge- ordnetenhauseS verhandelte am Mittwoch abend über den ihr überwiesenen Gesetzentwurf betr. die Haftung des Staates für Versehen der Beamten. Die Diskussion erstreckte sich auf die Notwendigkeit und das Bedürfnis deS Erlasses eines solchen Hastpflichtgesetzes, waS von der Kommissionsmehrheil bejaht wurde. Die Debatte über die grundlegenden Be- ftitnmungen der §§ 1 und 4, die die Haftung des Staates, der Kommunalverbände, der Schulverbände und der diesen Verbänden gleichen Verbände wurde zu Ende geführt und ergab, daß eine Einigkeit nur bezüglich der Staatsbeamten erzielt wurde. Im übrigen gingen die Meinungen ausein­ander.^ Zu einer Abstimmung kam es noch nicht.

Die Weinkommission erörterte nach Erledigung deS unerheblichen § 10 die Vorschriften des § 11 über die Be­handlung des Auslandsweins. Die Vorlage ermächtigt den Bundesrat, für diese, soweit sie in den in ihrem UrsprunsS-