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Messina, 1. Jan. Obwosts gestern die Hiss?se>stnngen begonnen staben, sich in geregelten Bobnon zn vollsteben, erweisen sie sick nngesicktS der großen Dedür^niff? und deS Mangels an kleinen Fastrzengen für Land- und Seetransport als unzureichend. Auch in Reggio fängt man an, plan» . mäßiq vorzugeben. Gestern kam dort der PanzerMarco- Polo" mit 100000 Nationen und vielem anderen Hilfsmaterial an. Zur Beschaffung von Lebensmitteln be­fahren mehrere Torpedoboote die benachbarten Küstenstriche. Auch sind Verstärkungen nnterwegS, um noch schneller Hilfe heranznziehen. DaS Schiff des englischen Admirals hat zum Teil die Versorgung von San Giovanni und Scilla über- nommen. Zwischen Messina und Faro versieht derVittorio Emanuele" mit einigen Torpedobooten den NetinnaSdicnst. Als besonders notwendig erweist sich die Foitschaffnng der Ueberlebenden von den ÜnglürfSftättcn nach sickeren Gegen­den, um Ansammlungen von Menschen in Messina und Regaio zu vermeiden.

Neapel, 1. Ian. Die Königin-Mutter ist heute vor­mittag von Nom im Automobil hier eingetroffen und hat sich sofort in die Krankenhäuser begeben. Sie wird morgen nach Sizilien weiterfahren.

Palermo, 1. Ian. In der NeufahrSnacht lief hier der DampferAncona" mit 320 Ueberlebenden ein, von denen 29 verletzt sind. Im Laufe des TageS kamen noch 3 Eisen- bahnziige mit Flüchtlingen, von denen viele verwundet waren, an.

Rom, 1. Ian. Wie dieAgencia Stefanie" meldet, gibt Italien ein Beispiel von unübertroffener Solidarität imd nationalem Mute. Die Königlicke Familie beteiligt sich mit Begeisterung an dem Werke, die Folgen des nationalen Un­glücks zu lindern. Der König unb die Königin sind seit dem 30. Dezember unterwegs und bringen überall Hilfe und Trost. Der Herzog von Aosta ist in Calabrien tätig. Die Königin-Mutter und die Herzogin von Aosta betätigen sich in den Spitälern von Neapel. Der Herzog von Genua ist unterwegs nach Messina. Der Ministerpräsident Giolitti hat seit der ersten Kunde von dem Unglück sich kaum Ruhe ge­gönnt und mit Kaltblütigkeit, Schnelligkeit und Energie seine Maßnahmen getroffen. Die Minister sind unter seiner Leitung rastlos an der Arbeit, und zwar die Minister der Justiz, der öffentlichen Arbeiten und der Marine im Notgebiete. Die ganze Presse ist über die Arbeit der Minister des Lobes voll. Die Armee und die Marine geben ein Beispiel höchster Selbstverleugnung. Ueberall gehen durch Sammlungen be­trächtliche Summen und Hilfsmaterial aller Art ein. Jung nnd alt, arm und reich, erbietet sich zur Hilfeleistung für die Brüder im Süden. Ingenieure und Aerzte sowie Studenten beteiligen sich an dem Nettungswerk. Groß ist namentlich die Begeisterung der jungen Leute aller Gesellschgstsklgsseu

Samstag

' für die Hilfeleistung. Regierung und Volk sind ergriffen von der unbegrenzten Hils«bereitschgst aller Länder der Welt, die die Solldgrität aller Menschen der Welt vor dem riesengroben Unglück und den daraus entspringenden riesenargs'en B?» dürinffsen bestätigen. Die ganre Presse gibt als Dolmetsch der Nation den Gefühlen tiefer Dankbarkeit Ausdruck für die Hilfsbereitschaft der ganzen Welt zur Linderung der Not, für die Op^er und für den Italien gegebenen unvergeßlichen Freundschaftsbeweis.

Vom kaiserlichen Hofe.

Berlin, 1. Jan. Heute abend um 6*M Uhr war bei den kaiserlichen Majestäten im Schloß Faunlientasel. Um 8 Uâr fand im Opernhaus? Th^atre paré statt. Gegeben wurde Tannhäuser. Die Mujestâifn, sowie alle Mitglider der kaiserlichen Familie und andere Fürstlichkeiten wohnten der Vorstellung bei.

NensahrSempfänsie.

Paris, 1. Jan. (W. D.) In seiner Ansprache an den Präsidenten Falli^reS beim Empfang des diplomatischen Korps drückte der spanische Botschafter seine Freude darüber aus, daß der Friede trotz der Ereigniffe und Schwierigkeiten des Jahres 1908 nicht gestört worden sei. Ferner hob der Bot­schafter den guten Willen der Diplomatie hervor, der es ge­lungen sei, die Gefahren, wenn auch nicht zu beseitigen, so dock zu mildern. Er rühmte sodann die französische Negie­rung, die sich mit Takt und Klugheit inmitten der gegentei­ligsten Bestrebungen bewege unb durch ihre Galtung oder durch Nat unb Tat zur Lösung anftanchender Schwierigkeiten bei» trage. Vor allem habe Frankreich mit einer anderen Macht ein erhabenes Beispiel gegeben, indem es einen nachahmens­werten Vorgang zur junstilchen Regelung aller internationa­len Streiligkeiten geschaffen habe. Präsident Fallièrs hob in seiner Erwiderung hervor, Frankreich werde ihm dankbar sein für die schmeichelhaften Worte, die er seiner Diplomatie gezollt habe, welche sich bemühe, die gefährlichen Evenumli- täten zu beschwören. Die Ententen, welche die öffentliche Meinung fordere, täten der Würde der Negierungen keinen Abbruch, gestatteten aber, den Frieden in der Welt zu er­halten. Zum Schluffe beglückwünschte der Präsident das gesamte diplomatische Korps dazu, daß es zu diesem Werke der Eintracht beitrage.

Erfroren.

Oestersttnd, 1. Januar. Zwei Söhne des Ersten Hof- marsckalls des Königs von Schweden, von Printzskoeld,

S. Jaunai

I ein 22jn6riqcr Fähnrich und em Lnsäbriaer Siudent, Tml I gestern auf einem ©'mir fhm in die Berge bei 20 Grad Kiste erkoren. Ebe sie bas Rief der Fa^rt erreirbt batten, verloren sie die Krakle; der Führer rille weiter, um Hilke zu holen; doch als er mit einer Hilsemannsckast zurückkehrle, war der eine hnw Printzskoeld schon erfroren und der Bruder starb kurz daraus

Sie Orkenttrisis.

London, 1. Jan. Wie das Neulersche Bureau von amtlicher Seite erfährt, notifizierten England und Rußland Oesterreich-Ungarn ihre Annahme der Vorschläge, die Oeflrmiebdlmiarit bezüglich der mutmaßlichen Briatungen der der europäischen .Konferenz vorzulegenden Fragen macht».

Strenge Strafen.

Jekaterinoslaw, L Jan. Das Kriegsgericht fällt» Henie das Urteil im Prozeß wegen der gewaltsamen Besitzer» g-eifnng der Katharinabahn durch Aufständische im Jahre 1905: 32 Personen wurden zu Todesstrafe, 12 zu lebens­länglicher Zwangsarbeit, 48 zu Zwangsarbeit von verschie» dener Dauer verurteilt, 39 freigeiprochen.

SttmnPe.

Madrid, 1. Jan. In der Gemeinde Bolbaite, Pro», Valencia, entstaub wegen der Oftroiabgaben ein Tnmult. wobei b:e Gendarmerie zu in Schutze der Zollwächrrr ein» greifen und von der Waffe Gebrauch machen mußt«. Dabei wurde einer der Tumultuanten getötet und mehrer« verletzt.

Abgelehnt.

Petersburg, 1. Jan. Die Lanbesverteidignngskom» Mission der Reicksduma hat die vom Mcnineministerium für den Bau von Linienschiffen für das Jahr 1909 geforderten 3 Millionen Rubel einstimmig abgelehnt.

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