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Cnbvele brr Anerkennung brr »oirgogenen Tgiftch» auf b« flonfnw stnttfinbrn Ffnne, womit fih Bustlcinst Wiest'icst eineerWansten nH^rtf. Tat ist wmf i nrmn unh Icfüfhf bis Äonfereui erst re*f auf stie Innne ^nuk. Tagegen ist Hut« lei Ein'guuq über Koiupeulaiioukn für Serbien und Monte- negro er^ieTt warben. Otsterreicb-Ungarn will sich mir zu wirUckastlicheu Vorteilen für stie beiden Staaten verstehen, während Rußland territor^a e und politische Vorteile wünscht. Etwas au fordern, mit Nachdruck zu fordern, ist Rußland nicht imstande, solange es für die slawischen Brüder keinen Krieg führen kann und will, was ISwolökn in seiner Duma- rede offen ansoesprochen bat. Immerhin ist stie Verösfent- lichung der bisher ohne posiiwes Erlebnis a^wechielt n Schrill» stücke ein Zeichen dafür, daß man sich zurzeit in Wien und Petersburg von der Fortsetzung direkter Verhandlungen keinen Er'ola verstricht.
Wohl ist die deutsche Position gegenüber den Streitigkeiten in und um den naben Orient nicht ungünstig. Die oeutschk Diplomatie bat eS verstanden, unterem österreichisch- ungarischen Bundesgenossen treu utr Seite zu bleiben, ohn? uns die Mißstimmung der russischen Politik aulyiladen. Das ist von Iswo'ski in seiner Dumare^e ausdrücklich bezeugt worden. Ebenso wird in England unsere reservierte, im Notfall für Oesterreich-Ungarn eintretende Haltung richtig verstanden und vollkommen relp-kti'ert. Frankreich bat in der Türkei ganz ähnliche eigene Iniercffen wnfrvmebmen wie wir; die französisch? Bresse verh-hlt auch nicht ihren Unmut Darüber, daß die Versuche Rußlands, die alte Protektorrolle bei den unruhigen slawischen Brüdern am Balkan forhu» spielen, dem allgemeinen Interesse an. Beruhigung und Frieden nachteilig sind. Trotz dieser für uns günstigen Umstände ist die Lage doch ft verfahren, daß eS leichtsinnig wäre, nicht mit der Möglichkeit ernster Zusammenstöße zu rechnen. Ein ^njud mehr, unsere arg vernachlässigte finanzielle Bereitschaft energisch inS Werk zu sehen.
Von der Stätte des Erdbebens.
Sizilianische Erinnerungen von Paul Schweder.
Glücklich der Mann, der den Haftn erreicht bat, — aber noch glücklicher her, welcher ihn rechtzeitig verließ — den Hafen von Messina nämlich, auf dessen Quai ich vor kaum 8 Tagen nervös hin- und herging. weil der Dampfer, der mich heimbringen sollte, schon' 24 Stunden überfällig war. Schließlich wurde mir bie Zeit am lang, und als der Schnellzug von Palermo in den Hanptbadnbof von Me'sina ein« lief, gab ich kurzer Hand den Gedanken an eine schöne Seefahrt auf und bestieg die Trasektlähre, welche Messina mit der auf dem kalabrilchen Festland? gelegenen Villa San Giovanni verbindet, um die Nacht darauf mit dem neapolitanischen Schnellzug? den Anschluß über Rom an den Brenner-Zug zu erreichen. Herrliche unvergeßliche Tage lagen hinter mir. Fast einen Monat hindurch h-rtte ich zur Erholung von strapaziöser Berufsarbeit das liebliche Sizilien nach allen Richtungen bin durchstreift. Von Palermo war ich nach Selinunt und Cegrsta im Westen gegangen, dann nach EftgenU im Süden, dem BcragaS der Griechen mit feinen so wundervoll erhaltenen Temuelresten, von denen insbesondere die Nachbildungen des Castor- und Polluxtempels heute schon in jedem deutschen Warenstaus? zu finden finb. Schließlich batte ich eine längere Fahrt durch daß Schweielgebiet der Insel unternommen, baS in seiner unheimlichen Eigenart, seiner erschütternden Trostlosigkeit unst Gebe einen so tiefen unb nachhaltigen Eindruck auf festen nachdenklich gestimmten Beschauer macht. Etwa 40 000 Arbeiter fronden hier unter den erbärmlichsten Lebensbedingungen für eine englische Gesellschait, welche sich in den Besitz fast des ganzen sizilianischen Schwe-elgebietes gesetzt hat, und damit über vier Fünftel her Weltproduktion an Schweiel überhaupt gebietet. Sie schaffen jährlich sür 47 Mill. Lire Schweiel an? Tageslicht, der hier fast ganz rein gestanden wftd. Daneben kommt bekanntlich auch nach Asphalt und Salz auf der Insel vor — alle? zugleich Beweise für ihren vollständig vulkanischen Charakter, der sich auf
ihrer Seit» fuhr er im saufenden Schütten durch den verschneiten Wald, ihrem hinreißenden Gesang» lauscht? er entzückt, immer miester mit ihr tanzte er auf dem Silvester- balle beim Grafen Bbobe auf Bhostien. Sie sah an ienem Abend wie eine Fee anS, silbern ihr Haar, silbern ihr Kleid, in den Bugen ein stummes unst doch beredtes Verheißen. Am liebsten hätte er nur mit ihr getanzt ober wäre mit ihr hinausgeflüchtet, um ihr unter bem funkelnden Sternenhimmel zu sagen, wie sehr er sie liebe. Aber er verbannte das Wort; sie war ja noch so jung, und er würde von ster Reise, die fein Schiff jetzt unternahm, nicht vor zwei Jahren zurückketzren. Doch in Kiel übermannte ihn die Sehnsucht, der Wunsch, au erfahren, ob sie seine Neigung erwidere. In glühenden Worten warb er um sie. „Gib mir ein Zeichen, ein einzige? nur, daß Du mir gut bist, hast Du mein fein nullst !* Nach einigen Tagen hielt er in feinen bebenden Händen ihr Bild, unter welches sie die Worte geschrieben: „Ewig Dein!*
Er trug fein jubelndes Mlücksbewnßtsein hinaus in die schöne Welt; wo er auch war, feine Geanten eilten zu ihr, stie er über alles liebte. Tiefes Gefühl stärkte ihn, als ihn die Ngchrickst vom Toste seines Vater? ereilte, als wenige Wochen später die Kunde eintraf, stie Mutter fei ihm gefolgt. Nun waren Elft und er ganz verwaist. Dach was trägt gemeinsame Liebe nicht? Wenige Monate später kehrte er heim. Er wußte stie Geliebte, von der er nur nach dem Tode feiner Mutter einen kurzen, verzweifelten Brief, der ihn namenlos erschreckte, erhalten hatte, bei Geheimrat von Lutter in Berlin. Dorthin trug ihn der Schnell>ug. Mechanisch griff er im Hotel nach einer Zeitung. Da taumelte er, da ping’S ruft ein Schlag durch feinen Körper, wft ein schneidender Schmer, durch feine Seele: er laS dft Arneige von der Versptuing ElftiedenS mit dem Ulanen-Rittmeister Graf Harald Mengern.
Die Kunde tötete dft Lenzblüt»n in feinem Herzen, ner« wandelte ihn, machte ihn zu dem finsteren Maune, der. Welt und Menschen verachtend, die He'mat floh, sich noch Afrika begab, um zu vergessen, um seinem wertlosen Leben durch einen rühmlichen Tob ein Ziel zu festen. Doch er starb nicht, und er vergab auch nicht sein Leid; daß er zur
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Schritt unb Tritt verfnrgen läßt unb der schon im Altertum her ftnW ziemlich mnsteHöfc Bedeutung verlieh. An den Tempelttümm-rn von Se'-ni-ni und Giraenti läßt sich bie zerstörende B’hhtng des Vuiftni^iuuS deutlich Nachweisen, und schon von den Ureinwohnern her Inftl, den Siftlern. bie sie vor Jasti tauftud bevölkerten, heißt es, daß sie in vorgeschichtlicher Zeit bie Aetnagegend nach einem starken Ausbruche des Vulkans in Scharen verließen.
Langsam nähert sich die kaum als Nebenbahn anm- sprecheude Eisenbahn von dem Hauptarte des Schwefelgebietes Caitauisetta kommend bem am ©straube der Insel gelegenen Agtnngcb'et, bem schönsten unb interessantesten des narren Eilandes. Schon im Hotel in Girgenti hieß es damals — geraste brei Wochen finb e§ her —, daß bie Bahnverbinbuna nach bem südlichsten Pun't meiner Reise, bem sgaenreichen Svra^us, an mehreren Stellen durch ge- waltlae lleber^chwemnnmaen her letzten Tage unterbrochen fei und p'ele Fremde ließen sich dadurch bestimmen, die Weiterreise nach der Südostküste überhaupt nn'zugeben, um über Palermo beimzukabren. Denn noch immer herrscht ja bei uns hier oben vielfach die Meinung, als ob Sizilien ein moderner Rmiherstaat sei, in dem die Banditen nur die günstige Zeit unb Gelegenheit abpaßten, um friedliche Wanderer auf den Landstraßen ober gar bie Reisenden in den Zügen am hellichten Taae ausnlp'ündern. Nichts törichter at? biete Annahme unb nichts beschämender für »ns Teutsche, a's wenn zu alo'cher Zeit, m-e es damais ne= schab, 4 bis 5 Eisent-nbu-Neberläsle auf deutschen Strecken gemeldet werden. In Catania, her drittarößten Stadt her Iiisel unb dem Ausgangspunkt für die Aetnabesteigunaen, erfuhr ich, daß An'ang Dezember nngehenre Wolkeubrüche über die setzt neuerdings so schwer heimgefuebte Ostküste der Insel niedergegangen seien. Vor den Toren MesstnaS hatte der non einem furchtbaren Stiwm begleitete tagelang? Blah« reaen eingesetzt und bis nach ©nrafuS hinunter bie unnlaub« lichsten Berheernnaen angerichtet. In gemastiaen Massen war der an den FelSabhänaen lagernde HumuS herunter« geschwemmt worden unb bedeckte weithin bie an der .Qüste entlang laufende eingleistae E'lenbahnstreck?, die die einzia? VerkebrSmöalichkeit zwischen Melstna, Taormina, Caiania unb SyrakuS am Lande bildet. Weithin lagen die Wein-, Oliven- unb Apftlstnenanpflanzungen unter Sch'amm unb Erdtrümern begraben, unb bei Galati an der Straße von Messtna, bie ich auf der Rückreise von Jerusalem im Februar 1906 nach einer nnaebenren Sturmflut au Schiff passiert hatte, lag über den damals zerstörten Häusern schon wieder eine Schnttwell? beS neuen NnalückS.
Jener Stnrmstnt war das schwere Erdbeben in Calabrien vorangegangen, durch das Monteleone vollständig zerstört wurde. Und nnmitte'bar, nachdem ich damals Neapel passiert hatte, erfolate der schwere Ausbruch des Besttn. Was lag da näher als die Annahme, daß auch der diesmaligen Gr« schütternna, mit der ein starkes Seebeben einhergeganaen war, wieder irgend eine Katastrophe folgen werde. Und mirstich meldeten die Zeitungen in Catania gerade zu dieser Zeit bie entsetzliche Radbodkatastrophe unb die Erdbeben im Voigtlande. womit ich die schlimmsten E'warlunaen bereits als einaetroffen ansah. Aber schon in Catania fiel mir die merkwürdige Haltung des Aetna auf, der sonst nur mit einer kleinen Rauchlinle bedeckt basteat, unb der diesmal während der ganzen Zeit meines Aufenthaltes an der Ost- küste anhaltende Banhaarben anS'andte, die nicht langsam wie sonst wohl als Abdämpft des Kraters in die Höhe stiegen, sondern stoßweise, vermischt mit Lava unb Feuerschein heranSgeschlendert wurden, sodaß der in den Beichten gefallene Neuschnee schon am stützen Morgen in der gerade herrschenden Windrichtung bie charakteristische rotbraune Bfcbenfarbe angenommen hatte. Bus der kurzen Strecke von Catania nach Syrakus mar die Bahnlinie nicht weniger als dreimal unterbrochen. Einmal war das Gleise verschüttet, ein anderes Mal eine Tunnelwand einaestürzt, und bei Brio'o hisst eS schließlich anssteigen und zu Fuß in dunkler Nacht bei Fackelbeleuchtnng am Flnßuftr ent'mm durch Morast zu waten bis zu einer bührrnen Notbrücke, um den am anderen Ufer bastensten Hilsszug zu besteigen. Denn die über den Fluß lührende Eisenbahnbrücke war durch einen einzigen gewaltigen Stoß der durch dft Ueberschwemmung angestauten Waffermaffen weit, ins Meer hinausgetrieben worden, und hoch oben schwebte nur noch baS Gifenoerippe ster Schienen aespenstiich in der Lust. Auch mstten in diesem
Glücklosigkeit verurteilt war, hätte er mannhaft ertragen J daß er die verachten muhte, stie er so heiß geliebt, überwand er nicht. Denn was anbereS, al? die glänzende Position beS Grafen Mengern hatte sie untreu sein lassen ?
Zum ersten Male aber kam ihm setzt der Gedanke: Mar e? wirklich so, hatte er sie nicht zu schnell verurteilt? War ihre L'?be für Mengern nickn zwingender gewesen als die Freundschaft für ihn ? Unst war sie glücklich gemorsten ? Wie ein Fieber quälten ihn p'östlich stie in ihm erwachten Fragen, wühlten sein Blut aus, ließen fein Herz unruhig schlagen. Er mußte eine Antwort auf sie erhalten; nur Lutters sonnten sie ihm geben. Daher mußte er hin. wenn auch stie Wunde von neuem bluten würbe. Er ließ in einem Geschäft zwei herrlich? Sträuße binden, legte im Hotel Uniform an und fuhr nach dem gastlichen Hause in der Rauchstraße.
Er land eine größere Gesellschaft vor. afS er vermutet, und wurde bald ihr Mittelpunkt. Sein Schick'nl hatte überall Teilnahme erweckt; mit Interesse lauschte man nun seinen Schilderungen der Luftäude in Afrika. Er sprach lebhaft, aber er vergaß weht seine Absicht. Dock, Helene von Lutler, die er fronen wollte, plauderte mit ihrem Verlobten. Endlich bei Tisch, ba er zu ihrer Berieten fisten durste, bot sich ihm bie ersehnte ©e'egenheit. Sie selbst aab sie ihm, indem sie herzlich sagte: „Wie traurig muß es Ihnen gewesen fein, bei Ihrer Heimkehr Ih-e Eltern nickst mehr zu finden, auch E'ft fort, das traute HauS aus Wolfsburg verwaist, ver« lassen!"
Er nickte. „Für mich war's bart, doch die Eltern ruhen im Frieden, im Toste noch vereint, Elfe wird glücklich sein mit ihrem Mgsten."
„Mein Gott, so w'lbm Sie nickst? Mengern fiel ein Vierteljahr nach der Verlobung im Duell."
„Bh!“ Er brachte fern anderes Wort aus d»r zusnmmen- acfchnürten Kehle. Gottlob, daß die übrigen Gäste in ihrer fröhlichen Silnesterstimmung seiner tiefen Bewegung nicht achteten! Mengern tot. auch E'ft ein'arq, g'ücklos wie er! Hatte die Hand der rächenden Nemesis ihr den Geliebten entrissen -
UI 4 81* Dezember
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Wirrwar herrschte übrigens bie musterhafteste Ordnung unb Disziplin. A'S e’nstaer Fretsther, der sich anarfichts der Nuaewiffen Nachrichten über den Zustand bet Bahnstrecke b's hierher gewagt hatte, gesellten steh sofort zwei Bahnbeamte mit Fackeln zu mir, Me den mit dem Handgepäck bewaffneten „Fafttzino" in bie Mitte nahmen und nicht anS den Augen ließen. Mit fünfstünbiger Verspätung langten wir endlich gegen Morgen in Syrakus an, wo ich bei bem ans Leipzig stammenden Hotelier Kockel in ber Villa Po'iti beinahe eine Woche hindurch bet einzig? Gast in diesem paradiesischen Erdenwinkel blieb. Auch bei ber BütTahrt waren her Beifebinberniffe vftft. Auf ber Strecke von Catania nach Taormina waren ebenfalls Zahlreiche Notbrücken errichtet, und direkt vor Taormina mußte man noch einmal beinahe eine halbe Stunde ’n Fuß geben, weil bie abaestürzten Grbmaffen bie Gleise fast in Haushöhe verschüttet hatten. So kam eS, hast auch in dem herrlichen Taormina, baS feit dem vierwöchentlichen Aufenthalt ber beutfehen Kaiserin im Vorjahre einen im« geahnten Bistfcbwuna genommen hat, nur etwa zehn Fremde anwesend waren, während sonst nm biete Zeit ster Fremdenverkehr schon ein ganz enormer ist. Nur bie O'fiziere und Mannschaften des damals gerade vor Messina ankernden deut'chen Schn'schiffes „Hertba" brachten riniaeS Leben in das griechische Theater unb bie anderen Sehenswürdigkeiten non Taormma, wo ein frühl’nnSb’auer Himmel und der Tust, ber Bofen« unb Citrauetihnume in den Gärten oct einer Wöräft von 2fi—l’8 Grad unter Tage Medanken an den in Deutschland schon herrschenden Winter nicht auf« kommen ließen. Tag und Nacht habe ich bama’S den Blick nicht von stent majestätisch Über ster Bwht von Taormina emporragenden Betna wenden können. Immer aufS neue reiste der seltene Anblick eines in voller Ausbrnchstätlgkeit stehenden Vulkans, dessen eiaenartiacr Anblick noch dadurch erhöht wurde, daß eine stiebte (^thncebecfe den 3274 Meter hohen Berg bis auf über 1000 Meter herab bedeckte, während die Landschaft rings umher in üppiger Fruchtbarkeit prangte unb Männer und Frauen eifrig an der Brbeit waren, die go'biaalöu’cnben Apftlsinen unb Mandarinen stir den deutschen Weihnaclstsbedarf von den Bäumen zu pstitefen. — Etwa alle fünf Jahre hat man bekanntlich beim Aetna mit einem Ausbruch zu rechnen. Der letzte ereignete sick' im Zusammenhang mit dem Vesiwansbrnch iig Jahre 1906, war aber nur geringeren Umfange?, lobast feine festige Tätigkeit darauf schließen läßt, daher an den allerneuesten Ereignissen nicht ganz unbeteiligt ist. Hat er doch schon eine ganze Menge Greueltaten ähnlicher Art auf bem Gewissen. Bon zahllosen verheerenden Ausbrüchen im Altertum abgesehen, hat er 1693 ein Erdbeben auf Sizilien bernoraentlcn, durch welches 40 Städte mehr ober weniger zerstört und 60« bis 100000 Menschenleben vernichtet wurden. Auch im Jahr» beS Erdbebens von Lissabon im Jahre 1875 efo'gie ein furchtbarer Ausbruch, und 1812 spie er ununterbrochen gleich sechs Monate hindurch, wobei ebenfalls mehrere Städte und Törfer durch Erdbeben zerstört wurden. Ein Blick auf die Karten von Sizilien und Calabrien mit den jetzt zerstörten Ortschaften zeigt dabei deutlich, daß das Erdbebengebiet sich in einer sortlnuftnden geraden Linie von dem unmittelbar am Fuße des Betna liegenden Orte Pjedimonte Etneo nach Nordwesten bis Cafanzâro erstreckt.
Schließlich fei noch hervorgehoben, daß ftirz vor den Meist« nachtstagen bei meiner Durchreise durch Rom unb Florenz bie italienischen Zeitungen übereinstimmend von auffallend starken Ausbrüchen des Betna berichteten. Bisher liegen auch nur bie Nachrichten vor, welche bis Melsina reichen. Ueber die Vorgänge in dem unmittelbaren Hinterland von Melsina ist man zur Zeit noch ohne jede nähere Bachriebt, unb ebenso fthftn bislang vollkommene feiSmographifche Beobachtungen in bem Observatorium beS Aetna, das zyr Winterszeit leider weht bewohnt w:rb, sondern zu bem nur alle 24 Tage ein Kustode hinaujsteigt, um die Begiftrir« apparate zu kontrollieren.
Bon Taormina aus hatte ich Erkundigungen in Messina eingewgen, wft unst wann man am besten bie langweilige Eiseul'ahnfttzrt durch die gome italienische Halbiylel nach dem Norden durch eine Seereise bis Genua sparen könne, und ich freute mich schon auf den bevorstehenden Genuß, alt ich durch die b'ühenbe Landschaft an der Meerenge von Messing entlang fuhr, immer im Angesicht der geaenüber- lieamden calabriichen Berge. Aber da bie großen llcbcrfee«
Warum empfand er keine Befriedigung darüber? Dauert» sie ihn nicht von gawem Herzen?
„Gottlob, daß ich in jenen Tagen der Bertolten bciftelien konnte!" fuhr Helene fort. „Bald danach ver'angte sie fiebrisch nach einer Tätigkeit. Wir alle rieten ihr, sich der Konzertlcm'batzn zu widmen, sie mochte nichts davon stören. Das schöne, vielbegehrtq Biüdchen bildet sich zur Krankenpflegerin aus."
„Unmöglich!* stieß er heraus. „Für dieses Amt ist Elfe Diel au gart.*
Ihr fester Wille wirst ihr helfen. Auch jetzt weilt sie im Augusta-Hospital, wo sie ihre Lehrzeit stitrehgemaestt. am Lager einer Schwerleidenden. Erst um zehn Uhr wird sie hier sein, um mit unS den Anfang des neuen Jahres zu erwarten."
Er saß wie betäubt sta. Elft im Hospital als Pflegerin schwer Leidender! Sie, die baut geboten schien, des Lebens Freuden zu geniesten l Freilich, wie zart, wie gut hatte sie seine Eltern gepflegt 1 Sie war mehr, als er in ihr gesehen, ein rechtes, ein hochherziges Weib, das sich nicht in müßigex Trauer um Unwiderbringliches verzehrte, sondern andern zu helfen suchte. G’fe. ach. Gl sei Der verschüttete Quell der Liebe brach in ihm auf. Bald, in einer Stunde würde e) sie Wiedersehen 1
Ohne recht zu missen, waS er sprach, unterhielt er sich nach Tisch, liest sich in den frohen Kreis der Jugend ziehen, die sich mit bem allbekannten Wücfgrei'en vergnügte.
„Bim, lieber Granden, sind Sie an der Reihe!" mahnte Erich von Cutter.
Er? Was gab eS denn noch für ein Glück für ihn? Aber warum mft einer Ablehnung auffaNen ? Mechanisch hob er bie verhüllenden Schalen, Iubelruftn erklang. „Vortrefflich. Herr von Granden I Fortuna ist Ihnen hold, sie beschert Ihnen ein liebes Weib, Brot unst Glück!"
Ein licbeS Weib, — nur eine könnte eS sein, unst fit hatte sich von ihm abgemanstt ! Verzehrend hingen seine Bliese an der Türe, um Glfe sofort zu erblicken, wenn sie endlich, endlich kam; er bemerkte eS nicht, daß von her andern Seite eine schlanke Mädchengestalt unter dem Tür* Vorhang erschien und dann rotester in sta« Musikzimmer zu-