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Erstes Blatt.

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Amiiiches ®t$M für Stabt» null finikrtis Sanni.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 300

Fernsprechanschlits; Nr. 605.

Mittwoch den 23. Dezember

Fernsprechanschlutz Nr. 605.

1908

Die Warnet umfaßt MßttÜ.MttthMW^lck

14 Seiten.

Amtliches,

Stadtkreis Ranau.

Die Müllabfirhr wird in den Bezirken, in welchen sic am 1. bepv. 2. Weihnacktsfeiertag planmäßig zu erfolgen hätte, am 24. bezw. 28. v. Mts. jedesmal von 1 Uhr nachmittags ab statifindcn.

Hanan den 22. Dezember 1908.

Königliche Polizei-Direktion.

P 13904 v. Beckerath.

Eandhreis kzanLu.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 16. 5. 08 A 2616 Amtliche Beilage Nr. 9 zumHanauer Anzeiger" vom 19. 6. 08 um Einsendung der Knndestenet'Nach- tragslisten bis zum 2. Januar 1909.

Hanau den 22. Dezember 1908.

Der Königliche Landrat.

V 5361 v. Beckerath.

Unter Bezugnahme am meine Nundoerfügung vom 18. März d. Js., V 2016, betreffend Erhebung über die Hagel­wetter-, Hochwasser- und Ucbcrfchwemmungsschäden des Jahres 1908 mache ich die Herren Bürgermeister und Guts­vorsteher des Kreises nochmals darauf aufmerksam, daß die ausgefüllten Erhelmngsblätter bis spätestens zum 31. d. Mts. zurückzuseuden sind.

Hanau den 22. Dezember 1908.

Der Königliche Landrat.

V 8423 I. A.: Martina n n, Kreissekretär.

Gcsnndeuc und dcrlorcne Gegenstände re.

Gefunden: 1 graucS Kiuderportemonnaie mit 54 Pfg.., 1 Damenschirm, 1 silberner Fingerhut (gez. G. M.), 1 Trau­ring (ohne Zeichens 1 Dainenporlemonnaie mit 4,80 Mk.

Hanau den 23. Dezember 1908.

Feuilleton.

Der Wald »ad die Landwirtschaft.

Vortrag, gehalten im landwirtschaftlichen Kreisverein Hanau von Forstmeister Fenner- Hanan.

(Schluß.)

Man pflegt die Land- und Forstwirtschaft als Schwestern zu bezeichnen: Ihre gemeinsame und hauptsächlichste Guter- quede ist ja die Natur, welche in der Sonnenwärme und den Stoffen des Bodens und der Luft die Mittel zur Produktion der Feld- und Walderzeugnisse bietet. In ihren Ansprüchen an den Wald Ij.it sich aber die Schwester Landwirtschaft schon seit Jahrhunderten, ja seit ihrer Geburt als eine rechte Sliefschivciter gezeigt, die fast alles für sich allein vom Wald haben wollte. Erst in neuerer Zeit ist das Verhältnis ein harmonisches und erträgliches geworden, besonders in dem Gebiet, wo durch die Ablösung der Waldgrurrdg-rcchligkeiien namentlich die Waldivcide und die Streunutznug fortgefallcn sind. Beide, Weide und Strcuuutzung, ganz, besonders die letztere, sind im Laufe der Zeit geradezu ein Fluch für unsere Waldungen geworden, an bereit Mark sic zehrten. Daß das Feld gedüngt werden muß, wenn es genügend Erträge liefern soll, das gibt der Bauer bereitwilligst zu aber dem Walde glaubt er neben dem Holz auch noch seinen natür­lichen Dünger, die Streu, ungestraft entziehen zu dürfen. Die Streuniihung ist der Landwirtschaft nicht zum &otteil, dem Walde aber'zum Nachteil. Der landwirtschaftliche Wert der Streu ist bedeutend überschätzt worden und zwar zum eigenen Schaben der Landwirtschaft.Laub macht das Land taub", sagt schon ein alter Spruch, der den Landmann vor allznstarker Anwendung dieses Strohsll uogatcS warnt. Weil die Landwirtschaft nicht

politiTebe Rundschau.

Ter Kaireit hörte gestern vormittag den gemein tarnen Vortrag des Chefs des Marinekabinetts und des Chefs des Zivilkabinetis und daran anschließend den Vortrag des Chefs des Mititârkabiuelts.

Graf Bernstorff über seine Aufaaben in Amerika. Der neue Vertreter des Deutschen Reiches bei den Vereinigten Staaten von Nordamerika hat unmittelbar nach seiner Landung auf dem Boden der neuen Welt sich mit einer Rede eingeführt, die dazu bestimmt ist, ihn als den getreuen Erben der von seinem Vorgänger erfolgreich ange­wandten diplomatischen Methoden erscheinen zu lassen. Hoffent­lich wird seine Absicht, sich auf diese Weise in der Union eine gute Aufnahme zu sichern, beim amerikanischen Volke richtig gewürdigt. Ein Telegramm berichtet: New - Uork, 22. Dezember: Der deutsche Botschafter Graf Bernstorff gab bei seiner Ankunft den amerikanischen Pressevertretern gegenüber folgende Erklärungen ab: Dank dem Vertrauen des Kaisers und der kaiserlichen Negierung bin ich mit der schwierigen und verantwortungsvollen Aufgabe beauftragt, die Nachfolge des Frhrn. Speck von Stern bürg anzutreten, der mein Vaterland so gut in Amerika vertreten hat und zugleich das Glück hatte, das Vertrauen der Regierung und des Volkes der Vereinigten Staaten zu ge­winnen. Nicht ohne Bedenken kann ich als Nachfolger des Freiherrn von Sternburg die von ihm erfolgreich getane Arbeit übernehmen. Obwohl ich daher mit einem gewissen Zögern ans Werk gehe, so empfinbe ich doch das außerordent­liche Vertrauen, das mir bewiesen worden ist, und ich sehe einen klaren Weg vor mir infolge der freundlichen Gesinnungen, die zwischen unseren Regierungen und Völkern bestehen. . Ich habe den innigen Wunsch, diese freundlichen Beziehungen zu fördern, und ich weiß keinen anderen Weg dazu als Offenheit und vollkommene Aufrichtigkeit. Solange ich in Washington bin, wird cs hinsichtlich unserer Beziehungen zu den Vereinigten Staaten kein Geheimnis über die deutschen Absichten geben. Ich brauche nicht zu sagen, daß ick mit dem größten Vergnügen und Interesse das Land betrete; mein Aufenthalt in Amerika wird mir die Gelegenheit bieten, den erstaunlichen Fortschritt des amerikanischen Volkes in jedem Zioeige des öffentlichen Lebens genau zu verfolgen, einen Fortschritt, der die Bewunderung der ganzen Welt auf sich zieht. Man ist in Deutschland überzeugt davon, daß Regierung und Volk der Vereinigten Staaten sich ihr eigenes, sachliches und unvoreingenommenes Urteil über die europäischen Vorgänge bilden, und wir können uns solchem Urteil wohl auvertrauen. So können sich erfreulicherweise die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland vermöge gemeinsamer Ideale und des Fair play auf dem politischen Gebiete entwickeln. Mir st die Aufgabe

auf alle übrigen Bezüge ans dem Wald verzichten kann, dessen sie doch in Gestalt von Brennholz, Bau-, Werk- und Geschirrholz der verschiedensten Art dringend bedarf, so muß sie dem Walde lassen, was des Waldes ist und sich in der Düngerproduklion selbständig machen. Der Landwirt, der den zu seinem Gute etwa gehörigen Wald durch fortgesetzte Streu- nutzung (zur vermeintlichen Besserung seines landwirlschaftlimen Betriebes) unfähig zur normalen Holzerzeugung machen wollte, handelte ebenso töricht wie jener Mann, der seinegoldene Eier" legende Henne schlachtcte, um alle Eier auf einmal zu bc- kommen. In welcher Weise die Landwirtschaft ihren Betrieb ändern muß, um sich von dem Walde unabhängig zu machen, hier näher zu erörtern, kann nicht meine Aufgabe sein, zu­mal ich auch voranssetzen kann, daß Ihnen, meine Herren, das hinlänglich bekannt ist. Nur muß der Grundsatz auf­recht erhalten werden, daß die höheren Erträge aus Vieh­zucht oder Produktion von Handelsgewächsen wenigstens teil­weise zum Ankauf von Düngemitteln vermenbet werden sollen. Ferner kann der Wald selbst teilweise Streuiurrogate, deren Entzug ohne allen Schaden möglich ist, ;- 2). Farrn- kräuter, Seegras, Riedgräser, Schilf und andere sog. Forst- unfräutcr ohne Nachteil a-gebrn. Auch durch vermehrte Anwendung der grünen Aststreu (Schneidestreu); welche von den gefällten Fichten, Tannen und Kiefern im Winter ge­wonnen werden kann, läßt sich viel Waldstreu ersparen und zwar zum Vorteil der Landwirtschaft, weil die g r ü n e n Nadeln viel reicher an Stickstoff und mineraliidjen Nähr­stoffen sind als die abgeialleuen. Auch von staubigen Wegen, Schncißen und Gräben kann die Laubstreu ölme Nachteil cni- UdPmeu werden. Die Streunutzuugistiimvi.rsschafllicherHiusi eine für die Nachhaltigkeit der forstlichen Produktion sehr gefährliche Nebcunutzung, wenn auch in Notjahren (wie V B. 1893 und 94) mit sehr geringem Futter- und Stroh- ertrag eine aushilfsweise Unterstützung der Landwirtschaft mit Slrcumalcrialien, die aber in schonender Weise ent­nommen werden müssen, nicht von der Hand gcivicscn werden

gestellt, dafür zu sorgen, daß dies so bleiben möge; am Grund meiner Instruktionen und meines eigenen guten Willens hoffe ich, sie zu erfüllen. Das neue Postabkommen fügte der Botschafter hinzu, ist in Deutschland mit großer Genugtuung begrüßt worden, und wir hoffen, daß es zur Verstärkung des freundschaftlichen Verkehrs zwischen den beiden Völkern dienen wird.

Im Streit zwischen den Lebensverstcherungs« qesell'chaften und dem Leipziger Aerzteverband hat nach dem Schwäbischen Merkur das kaiserliche Aufsichtsamt für Privatversicherung seine Vermittlung angeboten und Ver- gleichsverhandlungen unter dem Vorsitz seines Präsidenten vorgeschlagen. Die Lebensversicherungsgesellschaften stimmten dem Vorschlag zu.

Die Artillerievermehrnnq im französischen Parlament. In der gestrigen Sitzung der Deputierten« kammer wurde die Diskussion über die Vermehrung der Ar­tillerie fortgesetzt. Adigard befürwortete den Ankauf von Lastautomobilen, um die Beschaffung neuer Munition für die Geschütze zu erleichtern. Maffabuau forderte eine neue Ein­teilung der Batterien, mit der bei den Armeekorps südlich der Loire begonnen werden solle. Jaurvs erklärte, es sei verständlich und klug, die Zahl der Geschütze zu vermehren; er befürwortete aber die Batterie zu 6 Geschützen, die weniger kostspielig und eher geeignet sei, die Ebenbürtigkeit mit der deutschen Artillerie zu gewährleisten. Jaurès protestierte schließlich im Namen des Proletariats gegen die unfinnigen Rüstungen, die alle Völker Europas dem Untergänge ent« gegenführten. Redner wünscht, ohne von Frankreich die Ab­rüstung zu fordern, die das Land fremden Eroberungsgelüsten preisgebcn würde, daß Frankreich allen Völkern ein inter­nationales Ueberemkommen vorschlage. Er werde bei Be­sprechung der Kredite für Marokko auf diese Frage zurück­kommen. Nachdem der Vorsitzende der Heereskommission, Berteanx sich für die Batterie zu 4 Geschützen ausgesprochen hatte, wurde die Sitzung auf morgen vertagt.

London, 21. Dezbr. Der Kanzler der Schatzkammer, Lloyd George, sagte in einer Rede in Liverpool über die Verwerfung liberaler Maßregeln durch die Lords: Lord Lnnsdowne hätte sich die Herrschaft angemaßt, die seit den Tagen Karls I nicht beansprucht worden wäre. Die Not des Landes mache es zu einer gebieterischen Notwendigkeit, daß der Streit mit den Lords zur Entscheidung gebracht werde. Lloyd George verteidigte dann eingehend das Frei- Handelssystem und sagte: Anstatt das Brot der Armen zu besteuern, wollten die Liberalen ohne Belästigung der Industrie Steuern erheben; sie möchten etwas tun, um dem Land die Gewalt des Volkes zu bringen. Die Hilfsquellen des Landes wären durch das alte Feudalsystem zugefroren; er sehne sich nach dem Frühling, wenn es taue und das Volk die Erbschaft antrete.

kann. Die Forstwirtschaft wird und muß in solchen Fällen stets ihrer Schwester hilfreich zur Seite stehen. Es läßt sich aber keineswegs eine regelmäßige und nachhaltige Ab­gabe der Bodenstreu durchführen, wie durch die gemachten Er­fahrungen nachgewiesen ist.

Wenn Sie von hier aus durch die Bulau nach Alzenau und zum Hahnenkamm wandern, so treten Ihnen die Folgen einer andauernden Ausraubung des Waldes im Vergleich mit geschonten Waldungen in schlagendster Weise entgegen. In den von jeder Streunutzung seit Jahrzehnten geschonten Nadelwald der Bulau hochwüchsige, geschlossene, meist mit Buchen durch- und unterstandene Kiefern- und Eichenbestände, mit einer humosen Nadel-, Laub- und Moosdecke; nach Uebcrschreitung der Landesgrenze nur noch verachtete meist un« wüchsige Kiefernbeständc ohne jegliches Laubholz, höchstens einige genügsame Birken, und auf einem Boden, so kahl, ivie eine Scheuuenteune. Eine Folge maßloser, fortgesetzter Streunutzung durch die berechtigten Landwirte! Ob die Landwirtschaft dort infolge der Streunutzung auf einer höheren Stufe steht als die hiesige, überlasse ich Ihrem sachverständigen Urteil.

In ganz Bauern spielt die Streuabgabc eine Hauptrolle und in jeder Laudlagsscssion steht die Streubchatre mit ihrer er­müdenden Länge auf der Tagesordnung. In Preußen dagegen kommt fast gar keine Streu aus den Staatswaldungcu zur Abgabe, nur an Waldarbeiter und sonstige bedürftige kleinere Landwirte in geringen Quantitäten, in log. Not­jahren auch in größeren Mengen. Die Landwirtschaft hat sich im Laufe der Jahre mit diesem Zustand abgefunden.

Eine bedeütcude Nebennutzung bildet auch die Viehweide in den Waldungen sowie die Graânutzuug, weiche die land- wirtschastliche Benutzung der Futterstoffe des Waldes zum Gegenstand haben. Bezüglich der Waldweidennutzimg ist es ost schwer, die Vorteile, die sie der adterbammbenbcn Be­völkerung gewährt, und die Nachteile, die sie dem Wald zu- sügt, gegeneinander richtig abzuwägen. Es besieht kein Zweifel, daß die erstere Rücksicht im höheren Gebirge (Rhön.