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iS. Dezember

Lehrer setzte die Polizei davon in Kenntnis. Die Unter- suckung cr^ab, hast jener Mann selbst erst vor kurzer Zeit aus dem Gefängnis entlassen war.

Melsr«N"en, 17. Dezbr. Verhaftet wurde hier der Postsekrclär Heinrich Müller. Jungen Schreibern, die sich auf eine Anzeige betreffs Antritts einer Stelluna bei ihm meldeten, forderte er eine Kaution von 30 bis 100 Mk. ab, die er angeblich bei der betreffenden Behörde für die Stelle- suchenden hinterlegte. In Wahrheit verwandte er das Geld für sich.

i" Marburg, 18. Dezbr. Der bekannte Marburger Lokalhistoriker, Volkssckullehrer a. D. Dr. Wilhelm Bücking, begeht am 20. Dezember seinen 90. Geburtstag. Dr. Bücking hat sich hauptsächlich um die Erforschung der Geschichte der hl. Elisabeth verdient gemacht.

Wiesbaden, 17. Dezbr. Von der katholischen Kirchen­gemeinde wurden der Voranschlag und die Pläne für eine dritte katholische Kirche hinter der Gutenbergschule genehmigt. Die Baukosten betragen 289 000 Mark.

Frankfurt a. M., 18. Dezbr. Der Verband mittlerer Peichspost- und Telegraphen-Beamten nahm eine Erklärung an, die die in Aussicht genommene Gehaltserhöhung nicht als organische Ausbesserung ansieht und die Erhöhung des Anfangsgehalts von 1500auf 1800 Mk. verlangt.

Darmstadt, 18. Dez. Die Zweite Kammer hat heute an die Regierung das einstimmige Ersuchen um Vorlage eines neuen Wahlgesetzes auf der Grundlage des direkten Wahlrechts gerichtet. Die Kammer vertagte sich aus Anfang Januar.

Mainz, 18. Dezbr. Die hiesige Handelskammer hat be­schlossen, wegen der schon früher gewünschten, von der Eisen­bahndirektion inzwischen jedoch abgelehnten Herstellung einer neuen Eilzugverbindung zwischen Bingen, Mainz und Frank­furt nochmals vorstellig zu werden. Die Kammer erklärt diese Verbindung für unbedingt notwendig, umsomehr als durch den neuen Vormittagszug nach Frankfurt ein guter Anschluß in Frankfurt an die Züge 8.50 Sonach Gießen-Cassel und 8.54 V. nach Bebra-Leipzig hergestellt würde. Außerdem wäre der Zug für die Verbindung von Oppenheim über Mainz nach Frankfurt von großem Wert.

Weilburg, 17. Dezbr. Das Kriegsministerium hat seine Genehmigung erteilt, daß die Unteroffizier-Vorschule für BO 000 Mark in den Besitz der Stadt übergehen darf.

Dillenburg, 17. Dezbr. , Hier hat sich ein 19jähriger Primaner W. erschossen. Seine Leiche wurde in derEber­hardt", oberhalb des Kurhauses, aufgefunden. Der Grund zur Tat ist unbekannt.

Mühlhausen, 18. Dez. Seit einiger Zeit ist die Unsicher­heit auf den Landstraßen in der hiesigen Gegend recht groß. Am Montag abend wurde der Bahnarbeiter Sckneppe, als er sich auf dem Wege nach seiner Wohnung in Görmar be­fand, unterwegs von einem Wegelagerer angefallen und zur Herausgabe seiner Barschaft aufgefordert. Schneppe schlug den Mann mit seinem kräftigen Gehstock nieder. Bevor aber andere Passanten kamen, hatte sich der Strolch wieder er-

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hoben und das Weite gestickt. Ein andererStraßenräuber nahm am hellen Tage einer Frau aus AMenhausen, die in Scklotheim einkaufin wollte, die Barschaft von etwa 9 Mark ab. Weiter fielen zwei unbekannt gebliebene Männer einen Nähmaschinenreisenden aus Nordhausen an und ver­suchten, ihn zu berauben. Infolge der energischen Gegenwehr sahen die Räuber von ihrem Vorhaben ab und ergriffen die Flucht. Nach langwierigen Verhandlungen ist jetzt zwischen der Staatseisenbahn und der Ebeleber Bahngesellschaft eine Einigung dahin zustande gekommen, daß bei dem bevor­stehenden Umbau des hiesigen Staatsbahnhofes, der etwa 1 Million Mark kostet, die bisher getrennten Bahnhöfe zu einem vereinigt werden.

Kiel, 17. Dez. Es verlautet, daß Dr. Schücking. der sein Amt als Bürgermeister niedergelegt hat, sich in Berlin als Rechtsanwalt niederlassen und sich mit einem dortigen Anwalt assoziieren wird. fNach einer andern Meldung will Dr. Schücking die Rechtsanwaltschaft in Dortmund ausüben.j Von anderer Seite wird noch mitgeteilt, daß Dr. Schücking vom 1. Januar 1909 an auf den Bezug seines Gehalts ver­zichtet hat. Er wird vor seiner Abreise von Husum vor einem größern Kreis von Bürgern einen Bericht über seine Amtstätigkeit geben.

Pforzheim, 18. Dezbr. Zu den Schnipflern, welche zum Teil schon seit längerer Zeit entweder wegen Golddiebstahl oder wegen Hehlerei festgenommen sind, ist jetzt wieder ein kleiner Fabrikant von hier gekommen, der als Hehler wenn auch zunächst von Partien bescheidenen Wertes ermittelt und in Untersuchungshaft genommen ist. Der Verhaftete gehört zu der großen Gesellschaft, der man schon seit dem Frühjahr auf der Spur ist, ohne bis jetzt alle Teilnehmer von ihr zu kennen.

GericbtsTaaL

§8 Cassel, 18. Dezbr. Ein schamloser Erpresser erhielt heute mittag von der hiesigen Strafkammer eine überaus harte, aber verdiente Strafe. Der 18^/üsährige Kaufmann Zisck aus Bockenheim hatte mit einem hiesigen Kaufmann schmutzige, aber nicht strafbare Handlungen vorgenommen und forderte Schweigegelder. Er preßte dem Geschäftsmann 2000 Mk. ab, forderte dann aber plötzlich 1250 Mk. Ab­findung, da er nach dem Ausland wollte. Dieses Geld konnte der Geschäftsmann nicht beschaffen und in seiner Angst offenbarte er sich, einem hiesigen Rechtsanwalt, der die Kriminalpolizei verständigte. Der junge Bursche wurde zu

3 Jabren Gefängnis verurteilt. ,

^FC. Darmstadt, 18. Dezbr. Heute stand vor der Zivilkammer des Landgerichts der Prozeß des ©rasen Georg Albrecht zu Erbach-Erbach gegen seine Neffen, die Söhne seines am 7. Juni 1908 verstorbenen Bruders Arthur, die Grafen Konrad, Leutnant im Dragoner-Regiment Nr. 23, Eberhard und Alexander zur Verhandlung. Die Sache hatte seit dem Tode des Grafen Arthur geruht und wird nun-

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mehr fortgesetzt. Der Sachverhalt dieses Sezzessionsprozesses ist bekannt. Graf Georg Albrecht klagt wegen Aufhebung des bekannten Schiedsgerichtsurteils, die Grafen auf Voll-- streckung desselben. Der Wert des Streitobjektes ist gerichts» seifig auf 50 000 Mark angesetzt worden. Die Grafen Konrad, Eberhard und Alexander haben um das Armenrecht nachgesucht, was ihnen bewilligt worden ist. Die Sache wurde vertagt. Beim Amtsgericht Michelstadt i. O. ist der Antrag gestellt morde', die Entmündigung des Erb- graien Erasmus zu Erbach-Erbach aufzuheben, die im Jahre 1907 vom Amtsgericht Homburg v. d. H. verfügt war, zu einer Zeit, wo der Erbgraf in Oberursel i. T. domizilierte.

Hus aller Mett.

Eine Liebestraiödie im Expreßzug. Aiis Lon­don wird berichtet: Während der Erpreßzug den Severn- Tunnel zwischen Southampton und Cardiff durchfuhr, knallten in einem Coupee sechs Schuß. Passagiere zogen die Notleine und brachten den Zug zum Hatten. In dem Abteil fand man die Seichen eines Mannes in mittleren Jahren und die eines schönen Mädchens von ungefähr 21 Jahren. Der Mann, ein verheirateter Ingenieur aus Bristol, hatte, wie sich aus Vorgefundenen Briefen ergab, seine Geliebte mit deren Einverständnis er'choffen und dann sich selbst getötet.

Aus Antrag Rockefellers verhaftet. Aus New- Park wird gemeldet, daß Mr. Carvalho, der leitende Chef­redakteur desNew-Aork American" wegen verleumderischer Beleidigung verhaftet worden ist. DerNew-Pork American" gehört dem bekannten Zeitungsmagnaten Hearst. Das Blatt hatte behauptet, daß Rockefeller junior mehrere Arbeiter, die bei der Slaiidard Oil Company beschäftigt waren, gefoltert hätte. Auf Antrag Rockefellers senior, wurde die Verhaftung des Chefiedakteurs vorgenommen.New-Pork American" bat die ersten von Mr. Hale als unrichtig bezeichneten Vcr» öffentlichungen aus dem Kaiserinterview gebracht.

Ein Prozeß um die Nase beschäftigte das Gericht in Wien. Der Schneidergehilfe Johann Sukop erfreut sich des Besitzes einer stark ausgeprägtenböhmischen" Nase oder, wie sie wissenschaftlich genannt wird, einer Sattelnase. Schon im September 1905 wandte sich Sukop an den Privat­dozenten Dr. Alexander mit der Bit.e, eine Verschönerung der Nase auf operativem Wege vorzunehmen. Dr. Alexander führte die Operation mittels einer Paraffineinspritzung aus, der beabsichtigte Verschönerungserfolg blieb aber aus, da das Paraffin sich nicht an der richtigen Stelle festsetztè, sonderrn Geschwülste auf der Stirn und bei den Augen hervorrief. Zwei Jahre später begab sich Sukop ins Spital, wo neuer­lich diesmal mittels Transplantation eines Rippenknorpels eine Verbesserung der Nasenform versucht wurde: aber

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