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Sette 10

Donnerstag

*7» Dezember

Erschossen. Der Leutnant Frhr. von Ompteba vom 31. Infanterieregiment in Altona bat sich heute vormittag in seiner Dienstwohnung in der Kaserne erschosten, ^ In Neuburg a. d. Donau bat sich der ledige Hauptmann Passa­vant vom 50. Jnfanterie-Reg'mcnt erschossen. Er war seit einiger Zeit nervenleidend und schwermütig.

Verhaftete Defraudanten. Der durch seine Hotel­fusion in Berlin, Hamburg und Bremen bekannte Spekulant Adolf Eberbach wurde am Mittwoch in einem schlesischen Sanatorium verhaftet. Sein Bruder, Fritz Eberbach, der frühere Direktor des Hotels Kaiserhof in Berlin, wurde in Wien verhaftet.

Hus Hanau Stadt und Eand.

Hanan, 17. Dezember.

Vereins- u. Äer inüi rnisna hrichten

für Donnerstag den 17. Dezember.

Äirchenâsr der Marienkirche: Abends 8 Uhr: Probe im Saale des Stadt- schlssses.

Kirchenchor eer Ishauniskirche: Abends 8 Uhr: Probe im Uebungssälchen der Kirche,

§rang. Männer- und IünoliinOverein: Vibslstunde sPu. Vereinshans.i Tnrngemeind-: 56: Mtdchenabiettiing, 67: Knadcnahieitnng, 7*/« 8S 4: grauenailcilnui A, 9 10; Aiißenbabteiliirg.

Tnrngeieltichakt: Abends von 810 Uhr: Turnen der Jugend- und Mânner-Ableitunq.

Verein her reinigen Kaufleute, Ortsvereiu Hanau: Vereiusgbend im RestaurantEarlsberg".

KatbolisLer Männerverein: V-rsinsabend in der Restauration Mohr. (Besäum'ereilt . gsörlichscit": Singsiundo im Vereivswkvle.

ArendshPer «teuograpbenvereinAvollobund" (Gasthauszum Grafen Pkiltvv Ltidivlg") : Bereinsabend,

Dramatisch-liierarstcher Verein ..Melpvmene"rur Sonne": Lesung. Nationalstenoarapben-Vereiu: kehr- ii. Uehungsstunde (Lakai,,Aur großen Krone' Steinheimerstraße).

Allgemeiner BitdungDperein: Abends 9 Ubr: Lese-, DiskusstonS- und Vor­tragsabend int Restaurant ,;ur Sonne*.

Naitoualtiberaler Donnerstags-Liamuitisch in der ..lJonrordia".

Cejterr. = Ung. Klub: Vereinsabend in der Brauerei Orschler.

VereinCanaris': Vcrcinsnbkuo im Vereinslaka! ,5, deutschen Schützen" KlubBavaria": Klubabend in der RestaurationAllemünig'.

Sitte Hanauer P01 leaesellschgft: Preisspiel imDeutschen Haus".

SinhSoneortia": Stammtisch imKarpfen" (Pa:adeplatz). Fußballklub «Viktoria": Vereinsabend tmgoldnen Rad". Radiabreryerem Hanau 1885: Klubabend in der .tlcu.ralbaNe". RadfabrervereinVorwärts": Znsammenkunit im Gastbausj. Sonne". Spenart-Tonristenverein: Vereinsabend imMevhamen".

Konsulat yangu der Allgemeinen Radfahrer-Union, D. T, C.: Versamm­lung im RestaurantEarlsberg".

Freiwillige Feuerwehr, 2. Komp., in den3 Schwanen".

Verfteigeimngs- re Kalender' rur Freitag den 18. Dezember.

Aureoote bete. Uekernabme der Arbeiten auf die Felbbereiuiguug in der Hernniknug Mutelgiündan und bis vormittags IGO» Uhr an die Großh. Bürgermeisterei Mitielgrnndau einznreichen (s. Nr. 291Han. Anz").

Gerichtssaql.

Titzung des Schöffengerichts zn Langenselbold

vom 16. Dezember.

lAin alter Groll veranlaßte den Weißbinder Jakob E. und den Schreiner Konrad R., beide von Langenselbold, am Abend des 10. v stöber bem Weißbinder T. in Langenselbold aufzu- lauent und ihm einige Ohrfeigen zu verabreichen. Da sie unbestraft sind und die Mißhandlung keine Folgen gehabt hat, so kamen sic jeder mit 20 Mark eueml. 5 Tagen Gefängnis bauen. Am 18. Oktober traf der Gendarmeriewachtmeister B. von Langendiebach in der Rückinger Gemarkung den Tage­löhner Philipp B. von Rückingen in einer Situation, die daraus schließen ließ, daß er dem verbotenen Pogeliang ob- lag. Als der Beamte zu den nötigen Feststellungen schritt, wurde B. obstinat. Er stieß ihm mit beiden Händen vor die Brust und beleidigte ihn auch wörtlich. In Anbetracht seiner zahl­reichen Vorstrafen erhielt er 10 Tage Gefängnis. Das Ur­teils soll durch Aushang im Gemeindehaus zu Rückingen auch veröffentlich! werden.

Handel, Gewerbe und Verkehr»

Frankfurt a. M., 17. Dcchr. Der Diehmarkt war gestern mit 1112 Schweinen befahren. ES kosteten Schweine i. Qualität 71 73 Pfg., 2 Qualität 70 Pfg. pro Pfund Schlachtgewicht. Das Geschäft ging gut, es verblieb ein unbedeutender Neberstand. Die Zufuhr betrug 10 Doppel­waggons und 1 Waggon.

Eus Hab und fern.

Hersfeld, 16. Dezbr. In der heutigen Sitzung des Kreistages wurde die Erbauung einer nebenbahnähnlichen Kleinbahn von ^Hersfeld nach Heimboldshausen durch den Kreis Hersfeld einstimmig beschlossen unb soll die endgültige Genehmigung des Projekts durch die Regierung herbeigeführt tuerbcn.

bfchwege, 16. Dezbr. Die Wahl deS Herrn Pfarrers Hocke in Berge, Kr. Homburg, zum Superintendenten der Diözest Eschwege ist vom Könige bestätigt worden.

Wiesbaden, 16. Dezbr. Der deutsche Botschafter in Paris, Fürst Radolin, ist mit seiner Gemahlin zum Kur- gebranch hier eingetroffen.

Wiesbaden, 15. Dezbr. Die Untersuchung gegen die Näherstr Marie Heilmann wegen des mutmaßlichen Doppel- mordes an den Swirbliesschen Zwillingen ist als ergebnislos eingestellt worden, nadibem durch die chemische Untersuchung im Magen der Zivillinge Spuren von Bergifiuug nicht kon­statiert werden konnten, auch im übrigen sich Nichts ergab, was dafür gesprochen hätte, daß die Heilmann den Kindern Gift beigebracht haben sonnte.

Soven, 15. Dezbr. Vom 1. Januar ab lassen die hiesigen Friseure eine Preiserhöbuug eintreten. Von da ab kostet Rasieren 1520 Pfg., Haarschneiden 3050 Pfg., Kinderbaarsekmeiden 2040 Pfg.

Ufingen, 16. De;br. Hier starb Hychbetagt der letzte Mitbegründer der hiesigen Turngemeiude, der Landwirt Mariiu Arnold.

Laitbustfli'.bach, 15. Dezbr. Die Buderu-^sche Gniben- verivalinng hat als Weihuachtsieicheuk für die Bergleute auf den verschiedenen Gruben 60 000 Mark bereitgestellt, welche in diesen Tagen ausgezahlt werden.

DarmstaDL, 16. Dezbr, Heute vormittag ll1^ Uhr fand im neuen Palais die Taufe des am 20. November ge­borenen zweiten Sohnes des groß?er:og!ichcn Paares statt. Die Taufe vollzog Ohcrhosprediger Ehrhardt. Der Prinz erhielt die Namen Ludwig Hermann Alexander Chlodwig; Taufpaten sind die Prinzcssii! Heinrich von Preußen, welche den Prinzen über die Taufe hielt, Prinzessin Ludwig von Baiteilberg in Vertretung des Prinzen Ludwig, ihres Ge­mahls, Landgraf Alexander von Hessen und Landgraf Chlod­wig von Hessen-Philippsthal, ferner die Prinzen ßubmig unb Reinhard zu Solms-Lich, die Kaiserin von Rußland und die Königin von England.

Mainz, 16- Dezbr. Hier ist wieder ein junger Spanier an Blattern erkrankt und in die Isolierbaracke gebracht worden.

Gietze«, 16. Dezbr. In Paris wurde dieser Tage die uugewöhulich wertvolle Briefmarkensammlung des Herrn Koch in Gießen versteigert. Da die Stücke selten und aufs denkbar beste erhallen waren, wurden lehr hohe Preise er­zielt. Insgesamt wurden 380 000 Francs vereinnahmt.

Heidclb' Psi, 15. Dezbr, Wie dieHeidelberger ZtgI erfährt, bat der bisherige Universitätssechtlehrer K. Lorber wegen Steuerhinterziehung während seiner Amtszeit (10 Jahre) einen Steuernaditrag von 20000 Mark bekommen.

Vilburg tRegierungsbezirk Trier), 16. Dezbr, Die von hier nach Echternacherbrück sahrende Pc,sonenpost wurde vorgestern abend nach Einbruch der Dunkelheit von zwei Strolchen überfallen. Die Räuber kletterten auf den Bock und versuchten den Postillon, der den Schlüssel zum Wert- oelaß bei sich führte, zu erivürgen. Der Postillon, ein kräf­

tiger Mann von 25 Jahren, versetzte dem einen der Räuber einem Fußtritt und warf den andern vom Bock h'nunier, dann trieb er die P erde an und enttarn so mit der Post und den Passagieren. Die Räuber sind erkannt, aber noch nicht dingfest gemacht.

Verlosttngen. (Ohne Gew.)

Credit Courier de France. Ziehung vom 5. Dezember 1908. Auszahlung ab 2. Januar 1909. Obli- nationen von 1891. Hauptpreise: Nr, 1 17647 zu 100 000 Fres. Nr. 963499 zu 10 000 Frcs. Nr. 85015 zu 5000 Frcs. Nr 76445 118347 120717 194965 199360 208393 243565 280559 342548 350191 373295 3,3645 407790 515424 639520 714539 800529 856137 905642 982101 je 1000 Frcs. Obligationen von 1899. Hauptpreise: Nr. 59150 zu 100 000 Frcs. Nr. 168631 zu 25 000 Fr.

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Unb wenn er der Versuchung nicht widerstehen könnt', Äorierl, und durch uns zum Dieb würd'?"

Loisl, Du mußt mich nit so unruhig machen. Nein, nein, das wäre zu schlimm."

- ,7^ern§ ro'r^ i*tzt wirklich spät, Bonerl fast halb lechs. Wo nur der Bub' bleiben mag ? Bonerl mir wird ganz angst bei dem Gedanken, wenn wir schuld wären an so einem Unglück, und heiliger Christabend dazu."

Tie beiden schwiegen und horchten.Und meine schöne Puppe" meinte Bonaventura bedauernd.

Ja, und unsere Weißtanne. Bonerl, Horst Du was?"

Lie horchten wieder beide angestrengt. Im Flur wurde c:ne Stimme laut. Leni trat ins Zimmer.Jetzt so was, Fraullein Loisl, so was, Fräulein Boner,! Hat da der Bub den Bäuml mit allen Sachen vor die Glastür hinae- IteUt und selber ist er fort!*

"^wrt ? Der Christbaumbub? Wohin denn?" Die Schwestern waren besorgt aufgeftanben.

Ja, wenn ich das wußt! Fort ist er, ganz fort 1" klagte tem,unb mit toi m Aug' hab ich ihn nit g'sehn. Wenn nur bre Sachen alle da und, dann tut's ja schließlich wr."

.vnerl war schon hinausgeeilt, Loisl folgte ihr bedächtiger. Richtig, da stand die Weißtanne vor der Glastür, in die Ecke ge-ehnt, die Puppenschachtel daneben auf dem Boden und darauf die übrigen Sachen. Es war alles da. Aber der Toni war nirgends zu sehen, so sehr audt bic beiden Lchweircrn ihre Singen an strengten, um in der Dunkelheit umherzu 'pahen.Leucht 'mal her, Leni," sagte Bonerl,er tit vielleicht noch auf der Treppe."

Loiil^^ ^ er ^enn ' Haus hereingekommen?" fragte

^.'^ ^^ vorhin was g'schellt," erwiderte Leni. "'W . ote Haustür aui'zog'n und hab' noch g'schivind

meinem Linserkuchen 'guckt, den ich im Backofen hab'. Bis :ch rariskomm, Is der Bub fort und die B scherung fleht draußen. So einer!"

Horch!" meinte Loisl, den Zeigefinger erhebend.Ich ^w was. Hierher, Leni!" und sie eilte die âum Keller hinab. Von dorther kam das leise

^âen. Aus dem ersten Trurwenabsatz saß der Knabe.

zitternd unb bitterlich weinend.Ja, Buber!, ja, Kind, was ist Dir denn?" forschte Loisl besorgt, denn des Knaben ganzer Körper bebte vor Schluchzen;komm daher zu mir und sag, was Dir fehlt!"

Aber Toni rührte sich nicht, und auf alles Zureden der alten Damen hatte er nur neues Schluchzen als Aniwort.

Sie erkälten's sich aut der eiskalten Treppen da draußen," erklärte Leni,und Sie, Fräulein Aloysia, kriegen mir den bösen Bronchialhlisten wieder, unb Sie, Fräulein Bonanen- tura, den Rhemnatis. Lasscn's mich machen, das versteh ich besser!" Sie schob ihre beiden Fräuleins mit sanfter Gewalt wieder zur Tür hinein, zog bann den Knaben in die Höhe und führte den Widerstrebenden in die Wohnstube hinein.So, Fräulein VoiO, so Fräulein Bonerl, da haben's ihn. Und jetzt bring ich alle die Sächeln ins Eßzimmer so wird's recht fein."

Da staub nun Toni vor den beiden Damen unb wagte nicht anszublicken. Von Zeit zu Zeit guckte er noch in leisem Schluchzen, und abwechelnd mischte er bald mit der einen, bald mit der andern Hand über die nassen Augen.

Vor allem sag uns, wie Du heißt", forschte Bonerl, ihm freundlich auf die Schulter kloppend.

Ter Knabe schwieg und senkte den Kopf nur noch tiefer hergb.

Du heißt Toni, gelt?" fragte Loisl, ihm ebenso freund­lich auf die andere Schulter klopfend.So hat der Mann gesagt, bei dem nur die Weißtanne tauften, mein' ich. Gelt, Toni heißt Du?"

Endlich ein fanm merkliches Nicken mit den Kopse.

Co, da wären wir ja schon um einen ganzen Schritt weiter," meinte Bonerl zufrieden.Und nun, sag mir, Toni, warum ..." *

Wart doch, Bonerl," unterbrach sie die Schwester etwas vorwurfsvoll.Du bist immer so jugendlich über­schnell. Laß doch den armen Buben zu sich kommen! Ta, Toni, hast eine Tass' Kaffee bist ja ganz blau und klapperig vor Frost und eine Semmel dazu. Aber wart so" sie stellte die Tasse sorglich auf ein Seebrett, um die schöne Tamaftferuictte zu schonen. Jetzt unb trink, arm's Duberl, unb nachher erzähl, wie alles getommen ist."

Der Anblick des dampfenden, herrlichen Getränkes und der Semmel, die ihn beinahe ebenso freundlich anlächelte wie die beiden alten Damen, war rinwiderstehlich. Toni zögerte noch einen Augenblick, dann biß er in die Semmel hinein und schlürfte in langen, hastigen Zügen den warmen Trank. Aber als die Tasse geleert war, fing er, das letzte Stückchen Semmel in der Hand, von neuem bitterlich zu schluchzen an.

Die Schwestern waren ratlos. Selbst ihr guter Kaffee vermochte hier nicht zu trösten! Loisl staub auf unb beugte sich über das iveinenbe Kind.Na, so geh doch, Buberl, und tu nit so! Was ist denn geschehen? Es tut Dir ja seins ein Leid," sagte sie freundlich.

Da hielt es den Knabe» nicht länger.Nit nach dem Sdjanbarm schicken," stammelte er mit halberstickter Stimme, nit nach bem Schandarni! Ich will's ja eingestehen, aber ci>,sperren lassen S' mi nit, mein Muttert tül's nit überleben."

Ja, um's Himmels willen, Kind, was hast Du den» getan?" rief Boneri unb Loisi trat erschreckt zurück.Nach bem Schandarni? Hub warum denn?" drängte sie den Knaben.

Dieser deckte die Augen mit dem Arm. Dann kam es schluchzend heraus:Ich hab's ja alles wiedergebracht, den Bau», unb die guten Sachen unb den Schal und 's Dockerl unb 's Buch und und . . ."

Mehr konnte er nicht sagen, Aber den beiden welcher. Seelen war ein Vicht aufgegangen. Die Schwestern wechselten verständnisvolle Blicke. Dann ivandte sich Loisl als die VIeitere wieder dem Knaben zu. Nur mit Mühe vermochte sie ihrer gutmütigen Stimme einen strengen Klang zu geben. »Kind, Kind, hat Dich das fremde Eigentum verführen wolle», eine (^imb z» begehe» ? Und waren es »nsere Spiel­sache» unb unser Bam» unb unser Konfekt, die Dich fast zum Dieb gemacht hätten?"

Toni schliichzle noch lauter auf.Ich Habs ja nit nur für mich haben wollen," rief er,nein, füi^ Vicfeil auch und für die Mutter."

(Schluß folgt.)