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16. Dezember

Mittwoch

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Französische Depntkertenkammer.

Paris, 15. Dezbr. In der heutigen Sitzung der Deputiertenkammer brachte A r dji mbaud Vater einen Antrag dahingehend ein, die Höbe der Entschädigung der Kammermitglieder einem Referendum zu unterwerfen. Die Kammer nahm den Antrag ohne Kundgebung entgegen. Der Präsident ließ Archimbaud Sobn, der von der Tribüne der ehemaligen Abgeordneten die Sitzung fortwährend unter­brach, entfernen. Präsident Brisson erklärte, der Antrag Archimbaud sei verfassungswidrig und beantragte Uebergang zur Tagesordnung. Dumont (radikal) pro­testierte gegen den Wahllärm Archimbauds, der antirepublik- kanisch sei; er leugnete die Erregung des Volkes, die von einigen Rednern der Rechten vorgebracht worden sei. Archim- band Sohn wurde bann auch ans den Wandelgängen ge­wiesen, weil er, nachdem Colliard geschrien hatte, Archim­baud Vater habe nie unterlassen, an die Kasse zu gehen, Colliard beleidigte und rief :Ihr seid Slrandränber der Republik!" (Lärm.) Beim Verlassen der Wandelgänge sagte Archimbaud Sohn:Guten Appetit, meine Herren 1" Die Kammer nahm den Vorschlag des Präsidenten Brisson, über den Antrag Archimbaud zur Tagesordnung überzugehen, mit 811 gegen 206 Stimmen an. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde der Gesetzentwurf betreffend den Effektiv- st a n d der Armee, insbesondere die Vermehrung der Artillerie, beraten. Der Kommissionsberichier- statter sprach sich für eine solche aus und zwar durch Schaf­fung neuer Batterien zu vier Geschützen, um der numerischen Ueberlegenheit der deutschen Artillerie, deren Geschütz dem französischen gleichwertig sei, ein Ende zu machen. Der Deputierte P l i ch o n empfahl die Schaffung von 42 neuen Arülleriercgimentern, wodurch deren Zahl von 40 auf 64 erhöht würde. Hierauf wurden die Verhandlungen abge­brochen. Nächste Sitzung übermorgen.

Präsident Castro in Berlin.

Berlin, 15. Dezbr. Staatssekretär v. Schoen entsandte heute vormittag den Wirkl. Legationsrat Götsch zu dem Prä­sidenten Castro, um ihn zu begrüßen und sich im Namen des Staatssekretärs nach seinem Befinden zu erkundigen. Wirkl. Legationsrat Götsch ist dem Präsidenten von früher her be­kannt. Er war Mitglied der Kommission, die im Jahre 1903 in Venezuela die deutschen Entschädigungsansprüche feststellte. Präsident Castro hatte gestern den Gesandten und die vene­zolanischen Konsuln, die ihm ihre Aufwartung gemacht hatten, zu einem Souper geladen. Cipriano Castro ist übrigens »er bestgestellte Beamte der Welt. Er hat sein Vermögen »ekauntlich in europäischen Banken angelegt, ein Vermögen, )as die einen auf 180, andere auf 280 Millionen Mark schätzen. Die Einnahmequellen, aus denen sich die Einkünfte res Präsidenten zusammensetzen, stammen zunächst aus den

Monopolen des Viehhandels, des Tabaks, des Alkohols und | des Salzes. Sodann hat er seinen Anteil an der Münz- j Prägung; der Leuchtturm von Puerto Cabello muß ihm einen Teil seiner Einnahmen abliefern; ferner gehört dem Prä­sidenten die Eisenbahn von Coro, die Mehrzahl der Aktien der Eisenbahn von Tactura, ein Anteil von 10 000 Pesos monatlich von den Einkünften der Kais vom Puerto Cabello; das alleinige Recht der Schiff­fahrt auf dem Rio Zulia, dem Orinoko und dem Maracaibo- See. Er ist sodann Eigentümer der großen Viehverwertnngs- anstalten zu Apure und zu El Blanco. Außerdem steuern ihm die Straßenbahnen, Brauereien, Elektrizitäts- und Gas­werke von Caracas, die Straßenbahnen, Telephone, Kais und der Leuchtturm von Carapano, die Asphaltseen von Beramdes und Zulia ... Die Liste kann wohl hiermit geschlossen werden, denn es kann schon nach dieser Aufzählung nicht überraschen, wenn Herr Castro auf Grund dieser Ein- nahmepöstchen in einem Jahrzehnte vielfacher Millionär ge­worden ist.

Kündigung.

Görlitz, 15. Dezbr. Fünf große Firmen der Beleuch- tungs- und Glasindustrie in Weißwasser haben ihren sämt­lichen Arbeitern, zirka 700, gekündigt, weil sie den neuen Tarif, welcher eine Lohnreduzierung - von TVe Prozent vor­sieht, nicht annahmen. Man befürchtet einen allgemeinen Streik.

Sächsische Erste Kammer.

Dresden, 15. Dezbr. In der heutigen Sitzung der Gesetzgebungsdeputalion der Ersten Kammer, an der die Ver­treter der Regierung teilnahmen, erstattete der Berichterstatter, Geheimrat Dr. Wacht, eingehend Vortrag über die bei Be­handlung der Wahlrechtsvorlage in Betracht zu ziehenden allgemeinen Gesichtspunkte. Die Deputation machte sich nach eingehender Besprechung dahin schlüssig, daß ihr verfassungs- mäßig zunächst die Stellungnahme zu der ursprünglichen Regierungsvorlage obliegen werde. Dabei wurde die Frage der Gesetzmäßigkeit des in der Zweiten Kammer zur An­nahme gebrachten Eventualvorschlages erörtert und in einen Meinungsaustausch über die eventuell in Betracht kommenden verschiedenen Wahlsysteme eingetreten. Die nächste Sitzung, in der die Spezialberatung über den ursprünglichen Regie- rungseutwurf stattfinden soll,» wurde auf den 28. Dezember festgesetzt.

Empfang beim Kaiser.

Berlin, 16. Dezbr. Der Kaiser wird heute in Gegen­wart des amerikanischen Botschafters Hill und des Staats­sekretärs des Aeußern v. Schoen die beiden amerikanischen Ausgleichsprofessoren Adler und Davis im Reuen Palais bei Potsdam empfangen.

Bilvgeiprovisorium.

Witz,,, 15. Dezbr. Das Abgeordnetenhaus nahm nach längerer Debatte das Budgetprovisorium in zweiter und dritter Lesung an. Hierauf wurde um 10 3i* Uhr abend- die Sitzung geschlossen. ,

Flüchtige Fremdenlegionäre.

Parts, 15. Dezbr. Aus Saida wird'gemeldet, daß auch der Rest der flüchtigen Legionäre bis auf ihren Anführer gefangen genommen worden ist.

Eingeäschert.

Bern, 16. Dezbr. Gestern wurde die große Glas- Hütte Münster im Berner Jura vollständig cingeäschcrt. Ueber 1200 Personen werden dadurch arbeitslos.

Beschlagnahmt.

Prag, 16. Dezbr. Die Polizei beschlagnahmte das Titelbild desSimpliziisimus", das den deutschen Michel in der Abwehr gegen die tschechischen Löwen zeigt.

Ankaussverhandlungen.

Düsseldorf, 16. Dezbr. Angeblich fordert die Krone für das Bernrather Schwß nebst Park 6'/, Millionen Mark, für den Düffeldorfer Jägerhof 4 Millionen.

Sänger und Redner.

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