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holte darauf den Gendarmen, der den Erhitzten zur Abkühlung in das PolizeigcfânqmS Windecken brachte. Die Verhandlung wurde mit Hilfe einer Dolmetscherin geführt. Das Urteil lautet auf 8 Tage Gefängnis, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt betrachtet werden. — Der Handelsmann Heinrich H. ans Hüttengesäß fauste von dem Landwirt B. in Marköbel ein Rind für 275 Mark. Nach etlichen Tagen kam der Händler und sagte, das Rind würde nach Meerholz zum Schlachten verkauft werden, es läge in seinem Interesse, das Rind zu versichern. Der Verkäufer bezahlte darauf 7 Mark für die Versicherung. Der Sohn des .nauses kundschaftete aber an demselben Tage noch aus, daß das Rind bereits in Langendiebach geschlachtet war und erstattete Anzeige wegen Betrug. Es konnte aber dem Händler nicht nachgewiesen werden, daß er gewußt hat, daß das Rind schon abgeschlachtet war, als er sich die 7 Mark geben ließ. Ob er gesagt hat, das Rind käme nach Meerholz oder nach Diebach, ist gleichgültig, cs liege im Geschäftsinteresse, nicht den Bestimmungsort des gesausten RindcS anzugeben. Der Händler wurde freigesprochen. — Der Wagner Wilhelm Wenzel aus Gronau war anläßlich der Kirchweih bei Verwandten in Kilianstädten und amüsierte sich, bis ihm die Freude durch die Gebrüder K. gestört wurde. Ohne stichhaltige Gründe schlug der ältere Bruder dem Wenzel eine Weinflasche auf den Kopf, daß er bewußtlos und blutüberströmt zusammenbrach. Der jüngere Bruder machte es gelinder, er warf mit einer Selterswasserflasche. In Anbetracht der erhitzten Gemüter und der Unbescholtenheit der Angeklagten kommt der filtere mit 100 Mark, der jüngere mit 15 Mark Geldstrafe davon. — Aus Oberdorfelden sind vier junge Burschen angeklagt, die wegen geringfügiger Sachen sich gegen- sciiig verprügelten. Die Gedächtnisschwäche der jungen Leute ist zur heutigen Verhandlung beängstigend groß. Daß sie im Straßengraben gelegen haben, wissen sie, was sie aber darin gemacht haben, können sie sich nicht erinnern, so daß der Vorsitzende sie schließlich fragt, ob sie vielleicht Sechsundsechzig gespielt hätten. Einer muß 20, zwei je 10 Mark zahlen, der vierte wird freigesprochen. — Gegen den Uhrmacher und Optiker Otto M. in Windecken wurde seinerzeit ein Gerichtsbeschluß auf Räumung der Wohnung erlassen. Der vollziehende Beamte, Gerichtsvollzieher Hübenthal, stellte dem Beklagten daS Urteil zu und erklärte, daß die Wohnung bis mittags 2 Uhr geräumt werden müßte. Hierüber wurde M. erregt und drohte dem Gerichtsvollzieher mit Totschlag. Im Hause lag ein junges Mädchen, hochgradig am Tnphus erkrankt, und das war für M. der Grund zur Aufregung. Allerdings hätte er nur auf das Amtsgericht zu gehen brauchen und der Beschluß wäre rückgängig gemacht worden, was ja auch geschehen ist. Es wurden dem Angeklagten mildernde Umstände im weitesten Maße zugebilligt und auf die geringste zulässige Strafe von 1 Tag Gefängnis erkannt.
— Der Schweinchändler Philipp Michael K. aus Kilianstädten verkaufte dem Oekonom Schmidt in Windecken ein paar Schweine, wovon das eine im Kopse ein Leiden hatte. Der Handelsmann äußerte sich nach dem Verkauf bei einem Metzger, er hätte den Schmidt einmal schön dran gekriegt. Darauf baute sich die Anklage wegen Betrugs auf. Tatsächlich fauste auch der Vater des K. in Ostheim das Schwein als minderwertig. Es konnte aber dem Angeklagten nicht nachgewiesen werden, daß er vor dem Kauf von der Krankheit gewußt hat, so daß er freigesprochen werden mußte, zumal es auch nicht erwiesen war, daß dem Oekonom Schmidt ein Schaden entstanden ist. — Der Grubenarbeiter N. aus Kilianstädten war bei dem Sandgrubenbesitzer Vetter in Niederdorfelden beschäftigt und bekam pro Meter Sand 70 lene ist künstlerisch etwas geleistet worden. Das machte, daß das Drama schon in Offenbach und wohl auch in Homburg gespielt war, daß also die Schauspieler sich bereits in ihre Rollen eingelebt hatten.
Frl. Stefanie Rohn-Ressel spielte die Klara. Unumwunden sei zugestanden, daß sie den darzustellenden Charakter bis ins Kleinste und Feinst« durchgearbeitet hatte. Diese Magdalene war eine — nach Geste, Bewegung und Sprache abgerundete, geklärte Schöpfung. Hervorzuheben ist ihr Minenspiel besonders im 2. Akt, wo Klara unter der Last ihres Geheimnisses fast zusammenbricht, und jene schöne Stelle, die zu den besten gehört, was wir in deutscher Sprache besitzen: „Sieh, der Sonnenschein liegt so^goldig auf der Straße, daß die Kinder mit Händen nach ihm greifen" usw. Herr Mar Grimm, der auch das Stück in Szene gesetzt hatte (das Szenarium des 1. und 2. Aktes war mit Stilgefühl hergerichtet !) gab den Tischler Anton mit der Energie alles Ehrgefühls, die in dem Charakter dieses Starrkopfs tobt und brandet. Sein Minenspiel besonders im letzten Akt war meisterhaft. Herr Oskar Feigel (als Anton) spielte, wie mir schien, hier und da zu getragen und feierlich; gelegentlich aber hatte er überraschend feine Tönungen und die Spielerei seiner Hand mit der Blume (dritte Akt) war bedeutsam und vielsagend, zwar nur eine âuße e Handlung, aber dem Charakter der Rolle sinnig entsprechend. Frau E. Tuerichmann-Talander brachte mit ihren schönen sprachlichen Mitteln das Leidende in Meister Antons Frau wirksam zum Ausdruck. Herr Joseph Römer stellte einen unmutigen, aber dabei doch immer schwärmerischen Jüngling (Karl, Antons Sohn) dar. Herr Marcell-Strobel (Sekretär) war gut in der Szene mit Leonhard fübrigens die schwächste Stelle des Dramas, die aber nichtsdestoweniger die tiefste Wirkung auf das Publikum halte; es liegt zuviel Theatralik darin!); dagegen wollte ihm die Sierbeszene im vierten Akt nicht gelingen. Herr Walther Krug als Kaufmann Wolfram sprach gemessen und machte etwas aus seiner kleinen Rolle. Der Gerichtèdiencr Adam des Herrn Karl Urich war zu abrupt. Der Brief Leonhards, der im zweiten Akt zerrissen wurde, war im dritten Akt merkwürdigerweise wieder ganz: ein kleines Versehen, aber störend.
Karl Engelhard.
Montag_______
Pfennige. Um reckt viele Meter zu bekommen, machte er über den abgehobenen Mutterboden Sand und täuschte damit den Besitzer. Außerdem ließ er sich 23 Mark Vorschuß geben und verschwand. Urteil: 10 Mark Geldstrafe. ©er Schweinehändler Sch. aus Kilianstädten machte einen Witz, der unter Umständen ihm schlecht bekommen konnte. In der Wohnung deS Schweinehirten Ullrich in Ostheim lag ein Zwcimark-Stück, das der Angeklagte cinstccktc, um den Ullrich zu uzen, vergaß aber, dasselbe dem Ullrich iviederzugeben. Erst als er in Windecken war, fiel cs ihm ein. Er machte auch dem Gastwirt Lapp darüber Mitteilung, und zu seinem Glück konnte sich Lapp dieses Vorfalls noch erinnern. Er wurde demgemäß freigesprochen. — Ein Akt unglaublicher Roheit vollbrachten die beiden 12 jährigen Schüler L. und M. aus Kilianstädten. Sic fingen bei dem Mühlenbesitzer Tylmann ein junges Kätzchen, banden ihm eine Schnur um den Hals und warfen es wiederholt in die Nidder. Dann hingen sie das arme Tierchen an einem Baume auf und warfen mit Steinen darnach. Als es jedoch immer noch nicht tot war, steckten sie es in einen Steinhaufen und bauten Steine herum, so daß es in dieser Lage verhungern mußte. DaS Gericht läßt diese Zierde von Jugend mit einem Verweis davonkommen. — Der Maurer G. aus Marköbel probierte die Härte des Schädels seiner Schwägerin mit dem Maurerhammer. Er bittet um Freisprechung, da seine Frau bei seiner eventuellen Bestrafung einen Schlaganfall bekommen könnte. Doch sicherlich ein stichhaltiges Argument. Er wird aber doch verknurrt und zwar zu 25 Mark. — Die Ehefrau Sch. aus Niederdorfelden bat den Fuhrmann Menger beleidigt. Urteil: 20 Mark Geldstrafe.
Weitere Berichte „Aus Stavt unv Land" in der Beilage.
Barometerstand.
12 Uhr am 12. 12. 14.12.
Sehr trocken
Beständig ==
Schön
Veränderlich =:
Regen (23ittb)7602Q
Viel Regen
Sturm 730—
720—^
Oeffcntlicher Wetterdienst.
(Beobachtungen des Physikalischen Vereins, Frankfurt.) Aorousstchtliche Witterung für die Zeit vom Abend des 14. Dezember bis zum nächste» Abend.
Verhältnismäßig warm, trübe, Südwinde; Niederschläge.
Hus Dab und fern«
* Schw.-Gmünd, 12. Dezbr. Im Jahre 1906 wurde dahier als Konkurrenzblatt gegen die „Remszeitung" (Amtsblatt) ein liberales Blatt, die „Gmünder Zeitung," ins Leben gerufen, das mit allen Mitteln Fuß zu fassen suchte und sich dabei auch in heftigen Angriffen gegen die „Remszeitung" erging. Auch nach einem Redaktionswechsel scheint der Konkurrenzkampf in scharfen Formen weiter zu toben. Am 5. August d. Js. hehaupkete die „Gm. Ztg.," die „Rems- zeitung" habe in ihrer ganzen „Skrupellosigkeit" eine für die „Gmünder Zeitung" bestimmte Depesche abgefangen u'w. Die „Remszeitung" strengte Privatklage an und in der Verhandlung kam ein Vergleich zustande, nach dem der angeklagte Redakteur der „Gmünder Zeitung" erklärte, daß er die in dem Artikel enthaltenen Vorwürfe nicht aufrecht erhalte, da die gerichtliche Beweisaufnahme die Unbegründetheit der Vorwürke ergeben habe, und daß er sie mit dem Ausdrucke des Bedauerns zurücknehme. (Die Vorgänge im Gmünder Zeitungswesen haben für eingeweihte Kreise auch für Hanau ein gewisses Interesse. D. Red.)
r- Marburg, 13. Dezbr. In einer heute abend in den Stadtfâlen abgehaltenen, stark besuchten allgemeinen Studenten-Versammlung wurde nach den Referaten eines nach Prag entsandten Marburger Studenten und der Professoren Geh. Fischer und Heymann eine Sympathiekundgebung für die deutschen Studenten in Prag beschlossen.
FC. Frankfurt a. M., 13. Dezbr. Die von dem Gerichtsherrn des 18. Korps und der 21. Division für das Geschäftsjahr 1909 bestellten ständigen Richter des Obfr- kriegsgerichls und des Kriegsgerichts und der Standgerichte, etwa zwanzig Offiziere verschiedener Dienstgrade, wurden gestern hier vereidigt. Ueber die Beeidigung wurde ein Protokoll ausgenommen.
-a- Mainflingen, 13. Dezbr. Ein Frachtschiff der Firma Remckel Geiger aus Aschaffenburg ist vorgestern auf feiner Talfahrt, unmittelbar vor dem Scheibenbogen der Stockstädter Main-Eisenbahn-Brücke gesunken. Die Durchfahrt durch die en Bogen bleibt auf behördliche Anordnung bis zur Beseitigung des Verkehrshindernisses für Schiffe aller Art gesperrt. Das verunglückte Frachtschiff wurde infolge einer Leckage in den Grund gebohrt. — Jean Blesch aus Frankfurt a. M. ersteigerte die Gemeindejagd zu Großheubach um den Jahrespachtpreis von 1028 Mk.gegen bisher 780 Mk. Die Gemeidejagd zu Sülzbach, die bisher jährlich nur 425 Mark kostete, stieg bei der vorgestrigen Neuverpachtung auf jährlich 1025 Mark.
Mannheim, 12. Dezbr. Der Verband der Metall- industriellen hat die Vermittlung deö Oberbürgermeisters der des Gewerbegerichts vorgezogen. Seit dem frühen Nach-
14. Dezember
mittag werden auf dem Rathaus unter her Teilnahme be großherzoglichen Fabrikinspektors Dr. Bittmann Verhand jungen gepflogen, um den Frieden im Metallgewerbe zu er halten. , c _
Eisenach, 12. Dezbr. Im Wettbewerb um den Bt bauungSplan für Johannistal erhielt den ersten Preis bei Architekt Hausen in München, den zweiten die Arckctektel Cartobius und Schypulla in Eisenach, den dritten Borkowsk in Barmen.
seit Fulda, 13. Dezbr. In einer stark besuchten „Har monie"»VersammIung, der sogar der Bischof von Fulda bei wohnte, und in dèr Rektor Haw aus Trier einen Vortrag über die Alkoholfrage hielt, wurde heute ein Maßigkertsbund für die Diözese Fulda gegründet. — Die Fohlenweide aus dem Bieberstein (Rhön) ist erweitert und verbessert worden durch entsprechende Bearbeitung des „Kuckayer Grundes' Dagegen droht das Gelände um die Brunnenkammern auf der Weide zu versumpfen und gefährlich zu werden für die Weidctiere; doch glaubt man diesem Uebelstande leicht ab helfen zu können. Bis zum nächsten Auftrieb wird ein neuer Schuppen auf der Hute und die Anpflanzung schattenspendender Baumgruppen zum Schutze des frei laufenden Jungviehs fertig sein. — Es sind nun 700 Jahre her, daß Fulda zur Stadt erhoben wurde und es ging ohne Festlichkeit her bei diesem Gedenken. — Das unter bem Verdachts der Kindesaussetzung verhaftete 40jährige Fräulein von hier legte ein Geständnis ab und wurde gegen eine Kaution von 500 Mk. einstweilen wieder auf freien Fuß gesetzt.
-r. Frankenberg, 13. Dezbr. Bei einer Treibjagd im Waldeck'schen Revier Bringhausen wurden 12 Hirsche zur Strecke gebracht.
Sonneberg, 12. Dez. Die Saalfelder Handelskammer hat sich für die Beibehaltung der Fahrkartensteuer ausge sprachen. Sie ist wohl die einzige, die das getan hat.
Trier, 12. Dez. Der bekannte Großindustrielle, Geh. Kommerzienrat Diené- v. Boch in Mettlach, ist gestorben.
Weitere Berichte „Aus Nah und Fern" in der Beilage.
Die wahre Liebe ist das nicht.
(Unber. Nachdr. Verb.) 3. u. H. Elbing, 12. Dezbr.
Wegen vorsätzlicher Brandstiftung hatten sich vor dem hiesigen Schwurgericht zwei Stallschweizer zu verantworten, die beschuldigt wurden, im Oktober die Scheune ihres Arbeitgebers in Brand gesteckt zu haben. Auf der Besitzung, in der die Angeklagten in Arbeit standen, waren auch zwei Mägde, zu denen die Schweizer in heißer Liebe entbrannten. Als sie eines Tages im Oktober abends gegen 10 Uhr bei ihren Liebchen fensterln wollten, waren diese unerbittlich und öffneten die Tür nicht. Darob ergrimmten de beiden Schweizer gewaltig, sie wurden unangenehm und iforderten durch kräftiges Klopfen gegen die Fensterladen Einlaß — jedoch vergeblich. Darauf geriet der eine der Stallschweizer I in eine begreifliche Wut, er beschimpfte die spröden Schönen in wenig liebevoller Weise und rief ihnen drohend zu, daß sie noch in der Nacht barfuß gehen würden, da er ihnen die Scheune über dem Kopfe anstecken würde. In der $atr-' brannte noch in der gleichen Nacht die Scheune nieder, und die Angeklagten wurden wegen Brandstiftung verhaftet. In der Verhandlung bestreiten beide Angeklagte beharrlich, daß sie den Brand gelegt hätten. Aus Mangel an Beweisen und auf Grund der Aussage der beiden Mägde, daß die Angeklagten ständig vor ihrem Fenster gestanden hätten, und daß, selbst wenn die beiden Mägde einen Augenblick vom Fenster fortgesehen haben sollten, dieser Augenblick doch nicht genügt hätte, von ihrem Fenster bis zu der Scheune zu gelangen und diese anzuzünden, sprachen die Geschworenen die Angeklagten frei, die in Zukunft wohl beim Fensterlu mit Drohungen vorsichtiger sein werden.
Patent-Erteilungen.
Nr. 200 111. Verfahren zur Regelung von Wechsel- strom-Kommulatormaschincn; Zus. z. Pat. 194 653. Felten LGuilleaume-LahmeyerwerkeAkt. Ges. in Frankfurt a. M., vom 21. Juli 1907 ab. - F. 23 853. Kl. 21b.
Nr. 204 948. Als Badbehälter ausgebildeter Trommelapparat zur Elektroplattierung von Massenartikeln; Zus. z. Pat. 200 385. Dr. Adolf Barth in Frankfurt a. M.- Sachsenhausen, Darmstädter Landstraße 6, vom 10. April 1908 ab. — B. 49 797. Kl. 48a.
Nr. 205 304. Maschine zum Bearbeiten von Fellen, Häuten, Leder o. dgl. Maschinenfabrik Moenus A.-G. in Frankfurt a. M.-Bockcnheim, vom 14. Dezember 1907 ab. — M. 33 854. Kl. 28b.
Nr. 205 082. Verfahren zur Herstellung von Ledernachbildungen aus Papier durch Einpressen der Narbe, Gottlieb Chr. Maier tn Offenbach a. M., Sprendlinger- straße 25, vom 1. Oktober 1907 ab. — M. 33 285. Kl. 75h
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