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am 21. Januar 1909, vormittags 10 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle Zimmer Nr. 14 versteigert werden.

Hanau den 3. November 1908.

Königliches Amtsgericht 2. 27373

Gefundene nnd verlorene Gegenstände 2C

Gefunden: 1 Portemonnaie mit 115 Mk., 1 schwarzer Damengürtel, 1 brauner Herren-Glacohandschuh (linker), 1 Bündel nasser'cke.

Verloren: 1 kleines Damenportemonnaie mit etwas über 12 Mk., 1 vergoldetes Halskettchen mit Anhänger (Krachmandelform) mit der Eingravierung 27. 12. 07.

Entlaufen: 1 schwarzer Dachshund mit gelben Pfoten ul Geich l.

Hanau den 14. Dezember 1908.

Politische Rundschau»

Ueber den Stand der Orientbahn-Angelegen­heit sind von Sofia aus in Verbindung mit dem Aufent­halt des Direkiors der Deutschen Bank, Helfferich, Nachrichten verbreitet worden, die offenbar den Anschein erwecken sollen, dass die Betriebsgesellschaft der Orientalischen Eisenbahn jetzt versuche, zu einer Einigung mit der bulgarischen Regierung ohne Zuziehung der Türkei zn kommen. Diese Nachrichten find unrichtig. Die Betriebsgesellschaft ist niemals von ihrem von Anfang eingenommenen Standpunkt, daß die Erledigung der Angelegenheit nur unter Zustimmung der Türkei möglich sei, abgegangen. Jnbezug auf die Besprechungen des Direk­tors Helfferich mit hiesigen maßgebenden Personen ist festzu­stellen, daß Helfferich, einem Wunsche des Handelsministers Liapschew entsprechend, sich auf seiner Reise von Konstanti­nopel nach Berlin hier zwei Tage aufgehalten hat, um sich über die Stellung zu orientieren, zu welcher daS bulgarische Kabinett auf Grund der in Konstantinopel stattgehabten Be­sprechungen in der Orientfrage gelangt ist. Seine Unterhal­tungen mit Liaptsckcw haben ergeben, daß die bulgarische Re­gierung den Abschluß eines definitiven Vertrages über die Orientbahn-Angelegenheit ablehnt, solange nicht die übrigen zwischen Bulgarien und der Türkei schwebenden Fragen politischer Natur geregelt sind. Auch gegenüber der An­regung eines m't Zustimmung der Türkei abzuschließenden Provisoriums, welches der Betriebsgesellschaft bis zum In­krafttreten der definitiven Einigung einen Ersatz für die ihr eingehenden Einnahmen sickern soll, verhielt sich Liaptschew ablehnend. Nach seinen Erklärungen ist der Ministerrat lediglich bereit, der Betriebsgesellschaft bei Unterzeichnung des definitiven Vertrages die Zinsen auf die noch nicht feststehende Entchädigungssumme, gerechnet vom Tage der Beschlagnahme der Bahn, zu gewähren. Mit einer solchen Lösnng, die alles bis zu einem durchaus ungewissen Termin in Schwebe läßt, kann sich natürlich die Betriebsgesellschaft nickt zufrieden geben. Helfferich machte von dem Ergebnis seiner Bespre­chungen mit Liaptschew alsbald dem hiesigen türkischen Kom­missar, sowie den diplomatischen Vertretern Deutschlands und Oesterreichs Mitteilung. Auf die Vorstellungen der Letzteren hat der Minister des Acußeren Paprikow neuerdings befrie- rigende Erklärungen in Aussicht gestellt.

Gegen ven Klatsch. DieNorddeutsche Allg. Ztg." schreibt: Gegen den kaiserlichen Gesandten in Bukarest, o. Kiderlen-Wäckter, wurden in mehreren Blättern Angriffe ge­richtet, die seine häuslichen Verhältnisse betreffen. Wie wir er­fahren, hat eine erneute Prüfung der Sache die Haltlosigkeit der Beschuldigungen ergeben. Gegenüber der Behauptung, daß s. Kideritn-Wâchter nur auf kurze Zeit auf seinen Buka­rester Posten zurückkchreu werde, find wir in der Lage, mit» zuteilen, daß der Genannte zurzeit noch mit einigen bc- anderen Arbeiten im Auswärtigen Amt beschäftigt ist, dann aber seinen Posten in Bukarest wieder übernehmen wird.

Die Gelegenheit war tatsächlich günstig, weil di« Behörde ruf den Erwerb der Oberförster« seitens der Gemeinde ein» ging. Das alte Schulhaus wurde an Wilhelm Lehr für 370 Gulden verkauft. Es ist dies das Haus Nr. 37 Wilhelm Peter Lehr). Die Ober-Finanzkammer zu Cassel erhielt durch den GtaatS-Ministerial-Bescbluß vom 1. Oktober 1834 die Genehmigung zum Verkauf der Oberförsterwohnung in die Gemeinde.

(Schluß folgt.)

Stadttbcater in Hanau.

Hana«, 12. Dezbr. (Zweites Gastspiel Rita Saechetto.Herbstzauber". Die schöne Galathee".

Tas bleibt ein unvergeßliches Ereignis. Der Glückliche, der Rita Saechetto in ihren Tanzszenen sehen durfte, wird spät erst wieder zum Alltag erwachen, ein staunendes Lächeln auf den Lippen; und das berückende Bild wird ihm immer, immer nachgehen. In einem unbeschreiblichen Glücksgefühl saugt sich die Seele voll mit einer Schönheit, die durch eine unendlich feine, tiefe Kunst Bewegung geworden ist. In jeder der drei verschiedenen Tanzszenen sehen wir eine Künstlerin, die uns so viel zu geben hat, daß wir fast vcr- leoen vor der überreichen Gabe stehen; ein unerschöpflicher Schatz von Poesie scheint sich, nein muß sich in ihr lösen, fließt in die schönen Glieder, daß sie ganz Rhylmus, ganz sich bewegende Grazie werden und bannt uns in eine Zauber­seligkeit, die uns gar nicht wieder loslassen will. Eine wunderbare Weichheit liegt in jeder Geste, der herrliche Körper scheint losgelöst von jeder Erdenschwere, alles ist Anmut, Vollendung, hoheitsvolle Ausgeglichenheit. So war das Spiel mit den Rosen (im ersten Teil) von einer wunder- weichen Innigkeit, die wie traumsüßes Liebkoien wirkte. Hub bann in den spanischen Tänzen diese durch höchste Seelen-

Montaa

Die Pforte richtete am 10. Dezember eine Note an die russische Botschaft, in welcher sie erklärt, dem in der Note an die Botschaften vom 8. Oktober gemachten Vor­schläge betreffend die Beurlaubung der mazedonischen Gendarmerie auf unbestimmte Zeit zuzustimmen. Die Pforte behält sich die Regelung der Entschädigung der zurückberufcnen Offiziere vor und gibt ihrer Befriedigung und ihrem Danke für die von den Offizieren geleisteten Dienste Ausdruck.

Seit Benin« der Boykottbewegung in der Türkei hat die österreichisch - ungarische Regierung kein Mittel unversucht gelassen, um dieser Bewegung zu steuern, wobei sie es nicht nur nickt dabei hat bewenden lassen, zu wiederholten Malen die allercrnstesten Vorstellungen in Kon­stantinopel zu erheben, sondern auch teilweise die ihr zu- kommenden Reklamationen geschädigter Exporteure und Schiff- fabrlSgesellschaften mit allem Nachdruck zu vertreten sich ver­anlaßt gesehen hat. Der Boykott hat zur Folge gehabt, daß die Verhandlungen, die Oesterreich-Ungarn mit der Pforte behufs Erzielung eines Einverständnisses wegen der Annexion Bosniens und der Herzegowina einqelcitet hatte, bedauer­licherweise eine Unterbrechung erfuhren. Die österreichisch­ungarische Regierung hat bei ihren Bemühungen, dem Boykott ein Ende zu bereiten, der Pforte gegenüber den Standpunkt vertreten, daß sie von ihr ein mit den Bestimmungen des Handelsvertrages in Einklang stehendes Verhalten zu ver­langen berechtigt sei, und zwar in dem Sinne, daß unsere Schiffe bei ihren Operationen geschützt werden, die Konivenz der zollamtlichen Organe aufhöre und das Publikum nicht gebindert werde, österreichische und ungarische Kaufläden zu betreten. Die türkische Regierung sah sich daraufhin kürzlich veranlaßt, in offizieller Weise zu erklären, daß den Zoll­behörden entsprechende Weisungen erteilt worden seien, und daß die Pforte in den Grenzen der ihr gesetzlich zustehenden Befugnisse alles aufbieten werde, um dem Boykoti zu steuern. Von diesen Erklärungen hat die österreichisch-ungarische Re­gierung Akt genommen, und die türkische Regierung darauf aufmerksam gemacht, daß, wenn sic diesen von ihr anerkannten Verpflichtungen nicht Nachkommen sollte, sie für alle etwa daraus entstehenden materiellen Schäden haftbar. wäre. Mit Rücksicht darauf, daß infolge der Erklärungen der türkischen Regierung und Unserer Erwiderung über die Frage des Boykotts eine prinzipielle Divergenz nicht mehr besteht, hat die österreichisch-ungarische Regierung, um einen Beweis freundschaftlichen Entgegenkommens zu geben, sich bereit er­klärt, die bisher unterbrochen gewesenen Unterhandlungen wieder aufzunehmen. Der österreichisch-ungarische Botschafter in Konstantinopel hat demnach die entsprechenden Weisungen erhalten, und es würde lebhaft begrüßt werden, wenn die bald zu gewärtigenden Verhandlungen zu einem völligen Einvernehmen führen und in gleichem Schutte auch die wirt­schaftlichen Beziehungen wieder in ein normales Gleis zurück­kehren würden. '

Ter Wormser MromdWM vor dem Sfrif^rtt

(Huber. Nachvr. Verb.) 8. & H. Worms, 13. Dez.

Der umfangreiche Diebstahl an scharfen Militärpatronen aus den Beständen des in Worms garnisonierenden 118. Infanterie-Regiments, der im Juli d. I. überall so großes und berechtigtes Aussehen erregte, fand vor dem hiesigen Kriegsgericht seine endgültige Sühne. Bekanntlich wurde in der Nacht vom 11. Juli d. J. der 23jährige Sergeant Adolf Leineweber von zwei Schutzleuten dabei ertappt, wie er in Zivilkleidung auf einem Karren 8000 scharfe Militärpatronen zu dem Heilkünstler Appelhans schaffen wollte. Auf die Vorhaltungen der beiden Schutzleute war Leineweber sofort geständig, daß er die Patronen widerrechtlich den Beständen seines Regiments entnommen habe. Er wurde daraufhin sofort in Hast genommen. Die weitere Untersuchung lieferte das überraschende Ergebnis zu Tage, daß Leineweber, der Schießunteroffizier der 5. Kompanie des 118. Regiments war, seit November 1907 aus den Munitionsbeständen des Regi­ments und auch aus denen des Reserveinfanterie-RegimentS

Vornehmheit gebändigte Wildheit der Bewegungen, von dem prächtigen altkastilischen Kostüm aufs Wirksamste unterstützt das ist reifste, innerste Kunst, die unS ergreift und be­glückt zugleich. So fand denn auch gerade der letzte Teil der Tanzszenen in seiner sinnfälligeren Wirkung lautesten Beifall, der die liebenswürdige Künstlerin zu einer kleinen Zugabe veranlaßte. Wir müssen der Direktion für die Ver­mittlung dieser Darbietung vielen Dank wissen.

Eingeleitet wurde der Abend durch Rudolf PresberS graziöses DersspielH e r b st z a u-b e r", einer stimmungs­vollen, wenn auch ein wenig gekünstelten Mondnachtszene. Das Steinbild des Dionys, unter der sich Pierrot und Colombine ein Stelldichein geben, erwacht in der Herbstnacht zum Leben und saugt die Seele der schönen Colombine wir einen Lethe- trank aus herrlichem Pokal in sich ein, so das schöne Menschen­kind als Stein gewordene Göttergefährlin für ewig mit sich einend.Wen zur Nacht die Götter küssen, scheidet heiter aus der Welt" . . . Ein fein ausgeglichenes Zusammenspiel verhalf dem Stückchen zu guter Wirkung. Frl. Horsten war eine lebens- und liebesfrohe Colombine und war beson­ders in der Szene mit dem Gott sehr gut. Herrn C o m- m e r 's Pierrot hätten wir uns nicht wahrer und wirkungs­voller denken können. Den erwachenden Gott gab Herr Römer in feiner, innig-hoheitsvoller Größe, ohne pathe­tische Unterstreichung, ganz wie es die Rolle heischt.

Suppé6 lustige OperD i e schöne G a l a t h e e" wollte nun eigentlich nicht so recht in die Stimmung des Abends passen; wenigstens mit der vornehmen Kunst einer Saechetto will man solche, heutzutage doch etwas abgeschmackt wirkenden Grotesken nicht zusammen serviert haben. Die Darstellung war allerdings sehr gut. Ganz besonders Frl. Harves als Ganymed war von einer so liebenswürdigen Munterkeit und gesanglich so vorzüglich, daß man sich dieser Leistung nicht genug freuen konnte. Musste es aber sein, daß sie sich in ihre Jungenrolle io cinleble, daß sie in simsonhafte in Stärkegesühl dic schöne

______________________________14» Dezember

nach und nach 42 000 Patronen, 20 Gewehre und 800 Re­volverpatronen der neuesten Modelle entwendet hatte. Um zu diesen Patronen zu gelangen, musste Leineweber mit einem Nachschlüssel operieren. Der ständige Abnehmer der ge­stohlenen Patronen und Gewehre war der Heilkünstler Appelhans in WormS, der sie zu billigen Preisen wieder an den Waffenhändler ©dinier in Ludwigshafen verkaufte. Diese beiden wurden später wegen gewerbsmäßiger Hehlerei und Beihilfe zum Diebstahl zu je 1"- Jahren Zuchthaus ver­urteilt. Der schuldige Sergeant Leineweber hat bis jetzt im Militärgefängnis zu Darmstadt in Untersuchungshaft gesessen und dort den Arrestaufseher, den Wachthabenden der Mili­tärwache und verschiedene Dragoner zu Durchstechereien ver­leitet, um seine Briefe an die Außenwelt gelangen zu lassen.

Zu der Verhandlung, die im Mannschaftsspeisesaal der hiesigen Kaserne stattfand, hatte sich ein zahlreiches Publi­kumeingefunden. Die Verhandlung führteKriegsgerichtsratHeß, die Anklage vertrat Kriegsgerichtsrat Koch. Die Verteidigung ruhte in den Händen der Rechtsanwälte Dr. Kleefeld und Dr. Rahn (Worms) sowie des Dr. Bopp (Darmstadt.) Auf der Anklagebank nahmen Platz Sergeant Leineweber, Vize- feldwebel Wassermann, Vizefeldwebel ®anbte£, Sergeant Biehla, und die Dragoner Kaibel, Jonas und Dechler. Leineweber wird beschuldigt, fortgesetzt Patronendiebstähle begangen zu haben, ferner seine Dienstgewalt dazu miß­braucht zu haben, die entwendeten Patronen durch Rekruten sortschaffen zu lassen, sowie unrichtige Dienstmeldungen ge­macht und sich im Arrest gegen das ausdrückliche Verbot mit den Posten unterhalten und sie durch Versprechen von Geschenken zur Fortschaffung heimlicher Briefe veranlasst zu haben. Die übrigen Angeklagten werden beschuldigt, Wassermann als Ärrestaufseher, die anderen als Wacht­habende oder Posten sich des Ungehorsams durch Fortschaffung der Briefe und der Begünstigung schuldig gemacht zu haben. Während der Vernehmung Leinewebers über die Vorgänge in der Kompanie und einige waffentechnische Erörterungen wird die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Nach Wieder­herstellung der Oeffentlichkeit gesteht er im weiteren Verlause seiner Vernehmung die Diebstähle in vollem Umfange ein. Um sich die Patronen aneignen zu können, habe er dem Hauptmann die falsche Meldung gemacht, e§ seien keine Patronen mehr da, worauf sofort neue Munition angeschafft wurde. Die Vernehmung der übrigen Angeklagten gestaltete sich verhältnismäßig kurz, da die Dragoner ihr« Schuld zugaben und nur ihre vorgesetzten Unteroffiziere be­stritten, sich der Begünstigung schuldig gemacht zu haben. In der Zeugenvernehmung bekundete Leutnant Weber, daß er die zur Bewachung kommandierten Leute mit genauen Instruktionen versehen habe. Leutnant v. Kayser sagte aus, daß er über die Patronenaufbewahrung ebenfalls genaue Instruktionen erteilt habe. Sergeant Döring war Arrest­ausseher im Darmstädter Arresthaus und hat gehört, wie der Platzkommandant den Leineweber über sein Verhalten instruiert und ihn besonders ermahnt habe, die ihn überwachenden Mannschaften nicht auch noch ins Unglück zu stürzen dadurch, daß er mit ihnen in Verkehr trete.

In der Beweisaufnahme kam es bei Verlesung von Briefen des Angeklagten Wassermann zu einem Zusammen­stoß zwischen Verteidigung und dem Verlreteer der Anklage. In diesen Briefen werden Bemerkungen über den Verteidiger Dr. Bopp gemacht, die im Zuhörerraum Heiterkeit erregen. Dr. Bopp protestiert gegen die Verlesung, die nur dazu ge­dient habe, aus Kosten seiner Person im Auditorium Heiter­keit und Gelächter hervorzurusen, und verlangt, seine Ver­nehmung über die Aussagen Wassermanns und Leinewebers zu verlesen. Auf die Erklärung des Verteidigers, daß er eine Aufklärung des Vertreters der Anklage über dessen aggressives Auftreten gegen die Verteidigung erwarte, lehnt Kriegs­gerichtsrat Koch jede Erklärung mit dem Bemerken ab, daß er auf die persönliche Empfindlichkeit des Verteidigers keine Rücksicht nehmen könne. Mit aller Entschiedenheit weise er die Unterstellung zurück, daß er sich aggressiv gegen die Verteidigung gewendet habe. Nach weiterer belangloser Beweisaufnahme, die teilweise wieder unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfindet, ver­kündete der Gerichtshof in später Abendstunde folgendes Urteil:

Sergeant Leineweber wurde zu 5 Jahren 6 Monaten Zuchthaus, Degradation, 6 Jahren Ehrverlust und Aus- dorische Säule um stürzte??... Frau Voß als Galathee gewann ihrer Rolle die besten Seiten ab. Gesanglich hatte sie sehr schöne Momente und ihr Spiel war abgerundet und sicher. Herr Richter gab den Bidhauer Pygmalion etwas zu derb im Spiel; mit dem musikalischen Teil seiner Aufgabe fand er sich besser ab. Und endlich der mauschelnde Kunstmäcenas des Herrn Land eine Komikeraufgabe, die die stärksten Mittel verträgt war ganz daS, was er sein sollte: luftig, beweglich, grotesk und ungetanst. Karl Kohlhepp.

Hanau, 13. Dezbr.

Maria Magdalene"

Trauerspiel von Friedrich Hebbel.

(1. Hebbels seelische Stimmung vor dem Drama. 2. DaS Drama selbst. 3. Die hiesige Aufführung).

Düster, wie das vergangene geendet, begann auch daS Jahr 1842 für Hebbel. Er eröffnete es in seinem Tage­buch mit den Worten:Due armer Seidenwurm, du wirst spinnen und wenn auch die ganze Welt wird aufhören, Seidenzeuge zu tragen".

Und Hebbel spann immer weiter. Er schrieb literarische Aussätze (Ueber Heines Buch der Lieder") und veröffentlichte seine erste Gedichtsammlung, gewidmet seinem toten Freund Rousseau. Sie blieb ziemlich unbeachtet, obwohl 'sie neben einigem Krassen und Abstrusen bereits das S ch ö n st e und W e r t v o l l st e seiner Lyrik enthielt. Hebbel musste eben auch die traurige Erfahrung machen, daß gerade das Vorzügliche, wenn nicht ganz besondere Umstände seine Verbreitung erleichtern, beim Publikum immer am s p ä t e st e n und langsam st en Eingang findet.

Alles in allem kam Hebbel in Hamburg um nicht« weiter. Er fürchtete hier zuverwesen". Und so ent­stand in ihm der Entschluß, zu reisen. Zu der Bildung des Dichters wollte er nun auch die des Menschen ae-