Erstes Blâ
Nr. 289
Ferner echanschlich Nr. 605.
Donnerstag den 10. Dezember
Fernsprechanschlich Nr. 605.
1908
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Die ielltigeNWvltt nmfnM sEer -.MrhâMatl
14 Seiten.
Amtliches.
Stadtkreis F)anau.
Auf Grund des § 18 des Gesetzes vom 12. März 1881, betreffend die Ausführung des Gesetzes über die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen, sind als Schiedsmänner zur Schätzung des gemeinen Wertes der auf polizeiliche Anordnung getöteten oder nach dieser Anordnung gefallenen Tiere für den Stadtkreis Hanau die Herren:
1. Franz Hoffmann,
2. Andreas Schindler,
3. Fi iedrich Baader für das Jahr 1909 wieder gewählt worden.
Hanau den 8. Dezember 1908.
Königliche Polizei-Direktion.
P 13164 v. Beckerath.
Eandkreis F$anau* BekmtMchNW hes Königlichen LandrntSnintö.
Unter den Schweinen in Bergen ist die Schweineseuche erloschen.
Hanau den 8. Dezember 1908.
Der Königliche Landrat.
V 8123 I. A.: Hartmann, Kreissekretär.
ZwMMMEeègeMg.
Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in der Gemarkung Langenselbold belegene, im Grundbuche von Langenselbold Blait 2254 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Maurers Anton Raab 4t und dessen Ehefrau, Katharina geb. Prietz in Langenselbold, je zur ideellen Hälfte eingetragene Grundstück:
Krtbl. 69 Nr. 41, Steinweg Nr. 39 = 2 ar 51 qm, 60 Mk. Nutzungswert,
a) Wohnhaus mit Hofraum und Hausgarten,
b) Stall mit Abort,
am 29. Januar 1909, vormittags 91/’ Uhr, durch das unterzeichnete Gericht — an der Gerichtsstelle — versteigert werden.
Langenselbold den 5. Dezember 1908.
Königliches Amtsgericht. 27071
Theater.
Direktor S t e f f t e r spielte Montag mit dem Stadttheater- Ensemble in Offenbach „2X2 = 5" ; das Stück hatte vor vollem Hause einen starken Erfolg. Wir lassen hier die Original-Kritiken folgen, die für hier Interesse haben dürften, da das Stück auch hier gegeben wurde. Die „O f f e n= bacher Zeitung" schreibt: Offenbacher Stad t- t h e a t e r. Zum ersten Male : „2 X 2 — 5". Satyrspiel in 4 Akten von Gustav Wied. Uebcrsetzt von Ida Anders. Der Däne Gustav Wied ist ein geistreicher, noch öfter ein bloß geistreichelnder Feuilletonist. Ein Jongleur, der mit Begriffen in bunter Beleuchtung in der amüsantesten Weise Fangball spielt. Mit einer taschenspielerischen Fixigkeit vertauscht er die Begriffe und läßt sie durcheinander schwirren. Gustav Wied bewegt sich gleich einem Artisten auf dem hohen, schwankenden Drahiseil der gewagtesten Behauptungen. Er ist ein Fechter, der die feinsten und biegsamen Wortwaffen geschickt zu handhaben versteht. Tödlich sind diese Waffen freilich nickt, sie ritzen und kitzeln bloß. Die gelenke Hand, in der sie blitzen, will gar nicht, daß wirklich echtes Lebensblut fließt. Sie spielt mit dem feingeschliffenen Stahl und spielt mit dem Gegner. Mit der Logik, mit der Moral, mit den Menschen experimentiert Gustav Wied. Aber Menschen wie Sittlichkeit und Logik lassen nur bis zu einem bestimmten Grad Versuche mit sich anstellen, ohne daß ihnen das Lebenslicht ausgeht. Darum stellte Wied keine Menschen von Fleisch und Blut, sondern nur Schemen auf die Bühne. Bis jetzt haben wir no. nicht von dem Inhalt deS Satyrspieles gesprochen. Der Schriftsteller Paul Abel, eine lustige Bohßmgestalt in modernem Sinne, hat ein Buch geschrieben, das nicht für Backfische ist. Dafür muß er einen Monat - ins Gefängnis. Seine Frau, ein braves, unbedeutendes Mädchen, ist untröstlich und wird von ihrem Vater, einem steifen, streng konservativen Rechnungsrat, zurückgeholt. Da
Politische Rundschau*
Vortrag beim Kaiser. Der Kaiser hörte am gestrigen Mittwoch vormittag den Vortrag des Reichskanzlers, hierauf den Vortrag des Chefs des Admiralstabs der Marine.
Der bayerische Thronfolger als landwirtschaftlicher Jubilar. Prinz Ludwig von Bayern feierte am Mittwoch sein 40jähriges Jubiläum als Präsident des landwirtschaftlichen Vereins. Eine Abordnung des bayerischen Landwirtschaftsrates mit dem Reichsrate Freiherrn v. Soden an der Spitze beglückwünschte den um die Förderung der deutschen Landwirtschaft hochverdienten Prinzen.
Eine Swakopmunder Petition an den Reichstag. Eine Bittschrift an den Reichstag haben die Bewohner von Swakopmund in einer Schulbausrage gerichtet. Der Wortlaut der Bittschrift ist der folgende: „Der hohe Reichstag wolle veranlassen, baß ein aus Reichsmitteln begonnener und zu Schulzwecken beendeter Neubau in Swakopmund, der jetzt durch das Kaiserliche Gouvernement dem Bezirksgerichte überwiesen werden soll, seiner ursprünglichen Bestimmung erhalten oder wieder zugeführt werde, oder daß sobald als möglich 25 000 Mark für den Bau eines Schulhauses in Swakopmund als Beihilfe eingestellt oder bewilligt werden." In einer ausführlichen Begrü dung wird der Wunsch ausgedrückt, daß künftig der Gemeinde wenigstens die Möglichkeit gelassen werde, den Bau zu übernehmen.
Der deutsche Aerzteverband und die Lebens- versicherungsgefellschafteu. Zu dem Kampf zwischen dem Verband deutscher Lebensversicherungsgesellschasten und der deutschen Aerzleschaft wird von der Korrespondenz des Aerzteverbandes berichtet, daß die Einigungsverhandlungen daran gescheitert sind, daß der „Lebensversicherungsverband" die von. seinen eigenen UnterhäMern Lexems zugestandene Honorarerhöhung von 5 Prozent nicht allgemein, sondern nur für einzelne Städte zu bewilligen bereit war, außerdem einen neuen Vertrag nur für die der Aerzteschafl unannehmbar lange Dauer von 15 Jahren zustimmtc.
Oesterreichisches Abgeordnetenhaus. Der Ministerpräsident besprach die Schaffung einer italienischen Rechtsfakultät. Er erklärte, die Reaicrung hielt über die Art und Weise, wie die italienischen Studenten ihren Wünschen Gehör verschaffen wollten, mit ihrer Meinung nicht zurück. Die Regierung stehe nach wie vor auf dem Standpunkte, daß der Anspruch der Italiener auf die Schaffung einer Rechtsfakultät, die sie bereits besessen haben, berechtigt sei. (Zustimmung.) Sie werde demgemäß im nächsten Januar eiste Vorlage betreffend die Errichtung einer italienischen Rechtsfakultät der verfassungsmäßigen Behandlung zuführen. Die Berechtiguitg des Anspruches sei auch deutscherseits und zwar von- dein Abg. Stölzel anerkannt worden,
zwischen steht man noch ganz eigenartige Gestalien, die Wied ohne Ausnahme zum Sprachrohr seines Spotts macht. Kurz und gut. Im letzten Akt muß sich alles, alles wenden. Abel nimmt die Stelle eines Chefredakteurs nm „Konservativ" an, der Rechnungsrat wird liberal, weil das Ministerium die Farbe gewechselt hat, und aus der kleinen schüchternen Frau Abel ist eine Grande Dame geworden . . . 2X2=5. Die Aufführung die gestern abend dem erfolgreichen Werk zuteil wurde, war in jeder Beziehung wohlgelungen. In der Rolle des Abel hatte Adalbert Siefftcr hinreichend Gelegenheit, seiner Spielgewandhcit die Zügel schießen zu lassen. Temperamentvoll und elegant gab Adalbert Stcfftcr den übermütigen Spöitcr. Käthi Horsten spielte mit viel Geschick die bescheidene Esther. Die feine Charakterisierungskunst Max Grimms kam auch gestern abend wieder zur Geltung. Ganz vortrefflich war Mathilde Albes als Truelsen. Eins mit dem Siern. Hans Süssenguth führte seine nicht ungefährliche Rolle recht wirkungsvoll durch. Warum man Georg Land, einen ganz vortrefflichen jugendlichen Komiker, mit einer Statistenrolle betraut hatte, ist nicht recht verständlich. Man stelle ihn endlich auf den Platz, der ihm gebührt. Die übrigen Darsteller schienen ebenfalls mit Lust und Liebe bei der Sache zu sein. 2x2 = 5, das in einem flotten Tempo heruntergespielt wurde, hatte eine ziemi che Anziehungskraft ausaeübt. Das zahlreiche Publikum erwies sich dankbar und rührte kräftig die Hände. — „O fscnbacher Abendblatt": I n t e r i m s st a d t l h e a t e r. 2x2 = 5. Ein Satyripiel in 4 Auszügen von Gustav Wied. Es ist ein recht lustiges Stück und mancher Hieb fällt wuchtig. Eine Logik, auch nur so was wie eine Handlung sucht man darin allerdings vergeblich. Das ist aber gar tiicht beabsichtigt: Emporhcben will das Sälyrspiel das Publikum über die Nüchternheit des trockenen alltäglichen Lebens, freuen sollen wir uns, amüsieren und genießen. Meist ist das dem Dichter gelungen. Die 4 Akte lassen eine ernsthafte Kritik gar nicht âufkommen. Besonders wenn ein so hervorragender Dar
für dessen Rede er, der Ministerpräsident, im Namen der Regierung um so mehr seine Genugtuung aussprechen müsse, als der Abgeordnete in einer Zeit fieberhafter nationaler Erregung so versöhnliche Töne angeschlagen habe. Insbesondere wünsche er, daß auch die tschechischen Abgeordneten diese Ausführung sorgfältig würdigten; denn sie könnten daraus einehmen, daß nichts die Einheit des Königsreichs Böhmen mehr zu gefährden geeignet sei, als wenn die Deutschen Prags aufhören müßten, sich auf dem Boden der Hauptstadt zu Hause zu fühle». Mit gegenseitigen Vorwürfen komme man nicht einen Schritt weiter. Hier ständen nicht Parteien ; hier ständen Völker gegeneinander, die einander nicht niederzuringen imstande seien. (Zustimmung.) Wenn sie nickt den Mut fänden, mit entschlossenem Schritte aus dem Zauberkreise herauszutreten, in den sie gebannt seien, dann wird die Zeit in ihrem atemlosen Laufe über uns wegschreilen. Wir alle werden nur ärmer werden an politischer wie wirtschaftlicher Macht. Ein magerer Vergleich ist immer besser, als ein fetter Prozeß. (Beifall.) Ich bin nicht optimistisch genug zu glauben, daß beide Volksstämme sofort versöhnt einander in die Arme fallen werden. Was aber bei einigem guten Willen möglich wäre, ist eine Minderung der Reibungsflächen und friedliche Auseinandersetzung auf einer Reihe von strittigen Gebieten. Einen solchen Versuch will die Regierung in der nächsten Zeit durch konkrete Vorschläge machen. Di« in der Frage der Koalition und der Mehrheitsbildung wiederholt von einzelnen Rednern geäußerten Zweifel vermag die Regierung nicht zu teilen. Es kann nicht bestritten werden, daß die frühere Parteiverbindung großer Schwierigkeiten Herr geworden ist und daß schließlich die eingetretenen Hemmnisse viel weniger das Ergebnis innerer Reibungen als vielmehr störender Einflüsse von außen gewesen sind. Dies möglichst zu vermeiden wird die Aufgabe der Regierung sein bei dem im kaiserlichen Auftrage zu erneuernden Versuche, eine arbeitsfähige parlamentarisch« Körperschaft zu schaffen, die den schwankenden Mehrheiten bei den Abstimmungen unbedingt vorzuzichen ist. Die Regierung wird darum ihr Bemühen fortsetzen, ein Wieder- zusammenwirken der parlamentarischen Parteien herbeizu» führen, weil sie nicht anzunehmen vermag, daß das Parlament wirklich darauf verzichten könnte, seinen Einfluß auf die Regierung selbst auszuüben. Mit Befriedigung könne er, der Ministerpräsident, feststellen, daß zwei so hervorragende Redner wie Stölzel und Kramarsch grundsätzlich für die Berechtigung des Koalitionsgedankens eingetreten seien. In, der Debatte sei mit seltener Einmütigkeit der Gedanke zum Ausdruck gekommen, daß die Interessen der Parteien aus keinen Fall unter Preisgcbung der parlamentarischen Gesamtinteressen durchgesetzt werden dürien und daß vor
steller wie Herr Direktor Steffter in seiner ganzen lebendigen Komik auf uns einwirkt. Auch die übrigen Rollen waren gut verteilt. Und so darf 2X2 = 5 als ein Erfolg verbucht werden. Des Beifalls wollte schier kein Ende nehmen.
Albumblätter.
Es wird kein Ding so schön gemacht, Es kommt ein Spötter, der's veracht't.
Drum gehe hin, und schweige still, Es baut ein jeder, wie er will. Alter Spruch. * *
Beklage dich nicht auf deinem Pfad, Daß<chir's an Raum zum Handeln fehle;
Em jeder Klang aus voller Seele Ist eine wirkungsvolle Tat. Geibest
*
Wohl dem, der frei von Schuld und Fehle, Bewahrt die kindlich reine Seelei Schiller.
Mußt dich selber überwinden, Duldend schweigen; — das nur kräftigt. Mitleid wähne nicht zu finden, Jeder ist mit sich selbst beschäftigt. Dauernfeld.
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* Weine! nie entweiht die Träne Das erhabenste Gesicht.
Fühlen ist der Menschen Ehre, Aber — unterliege nicht! Seume.
* ist
O müde Seele, stick' nicht kraftlos nieder, Und wünsche nicht, ist dir das Glück zuwider, O wär's vorbei!
Verzage nicht, gebrauche deine Flügel! Sieh, nur noch über einen kleinen Hügel, Und du bist frei 1 ' Ä. Tâl»