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Mittwoch

9* Dezember

Seite 14___

wurde er ni 6 Wochen verurteilt, auch soll er nun ;um 18. Male ins Arbeitshaus wandern. Wegen Bettelns und Milchen von LegiümationSpapieren erb'elt der Arbnier Ma­thias St. aus Hof 10 Tage Hakt. Am 5. Okiober erschlug der auf der Mütelbuchcr Gemarkung seine 5?erbe weidende Schäfer Karl K. aus geranntem. Orte einen in seinem Lager liegenden Hafen. Er hatte aber das Pech, dabei non dem Jagdaufseher Adam Sch. beobachtet tu werden, der sich des noch blutenden und warmen Tieres bemächtigte und bamit den unbefugten Jäger überführte. Per Spaß kostet ihm 40 Mk. event!. 10 Tage Gefängnis. Wegen Feilbietens entrahmter, also gefälschter Milch, wurde der Auszüger Friedrich R. zu Wachenbuchen mit 50 Mark eventl. 10 Tagen Gefängnis be­straft. Der Angeklagte ist ein alter Mann und noch unbe­scholten. Wäre das nicht der Fall geweien, so hätte er wohl eine höhere Strafe erhalten. Der Taglöhner Wilhelm D. zu Hanau ist ein harmloser Mensch, den man aber mit der Zahl 13 schwer ärgern kann. Und weil man das weiß, so gibt man sich in feinen Kreisen weidlich Mühe ihn damit recht zu hänseln und sich daran zu belustigen. Diesen Spaß vet steht D. aber nicht. In dem Punkie ist er sterblich. Er haut dann ge­hörig darein und die Folge ist dann immer eine Einladung vor die Schöffen. In diesem Falle war es der Tagelöhner Jean F. gewesen, der anscheinend ganz harmlos von einem 13 er und auch davon gesprochen, daß der Schnaps jetzt 13 Pfg. kostete. D. wußte aber nur zu gut, daß diese Bemerkungen lediglich ihn angingen. Er langte daher dem

Sprecher ein paar, der nun seinerseits Strafantrag stellte. | Der Gerichtshof trug aber der Sachlage Rechnung und ließ | den Anaeklagien D. straffrei ausgehen, da er eine Be­leidigung mit einer leichten Mißhandlung auf der Stelle er­widert hatte. Am 17. November stahl der sich hier um- hertreibende Dienstknecht Peter R. ein in einem Hausdurch­gauge stehende? Fahrrad mit dem er nach dem Bayerischen ' zu verschwand. Das Rad gehörte einem Tagelöhner aus Wachenbuchen. In Marktheidenfeld wurde der Dieb ver- ' haftet und ihm das Rad abgenommen. Heule erhielt er da­für 6 Wochen Gefängnis. Nach langem Suchen war es gelungen, den Bäckergesellen Otto St., der einem hiesigen Bäckermeister im April d. J. Brötchengelder in Höhe von 12 Mk. unterschlagen hatte, im Gerichtsgefängnis zu Hagen in Westfalen zu ermitteln. Er wurde mit einem Monat Gefängnis bestraft. Am 21. August geriet der Weißbinder Wilhelm W. in Hanau mit dem nleici falls hier wohnhaften Schreinermeister Eduard L. in Streit bei dem L. seinem Gegner einen Schlag mit einem Stück Holz versetzte. W. soll sich bei der Gelegenheit des Hausfriedensbruchs schuldig gemacht haben. Er wurde aber freigcsprocbeu, während L. zu 20 Mk. Gelb­st iafe verurteilt wurde. Der Meister des W. hatte nämlich eine Werkstatt auf dem L.'scben Grundstück gemietet und um diese auszuräumen, hatte sich W. im Auftrage seines Arbeit­gebers dorthin begeben. Er konnte also annehmen, daß er auf dem L.'scheu Gritndstück mit Fug und Recht verweilte. Der Dienstknecht Hrcb. Gl. zu Niederissigheim hatte am 1

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17. Juli den Schmied J. F., setzt in Lohrhaupten wohnhaft, verprügelt, weil er über ihn und seine Braut ungehörige Bemerkungen nemacht hatte. Er war aber zu weit genangen und muß dafür mit 15 Mk. büßen. Freigesprochen wurde der Kelluer Fr. M. zu Frankfurt a. M., dem eine Unterschlagung zur Last gelegt wurde. Er servierte bei dem Festessen auf der diesjährigen, landwirtschaftlichen Ausstellung in Hanau und lieferte das Geld für 135 Gedecke ab, er sollte aber die Beträge für 145 Gedecke abliefern. Der An­geklagte bestritt das und die austretenden Zeugen vermochten ihn auch nicht zu belasten. Der Festwirt hatte es an einer ausreichenden Kontrolle fehlen lassen und so waren die An­gaben des Angeklagten nicht zu widerlegen. Mit lOO Mk. eventl. 20 Tagen Gefängnis wurde derEbauffeur Max Scherer aus Frankfurt a. M. bestraft. Er passierte am 11. Juli die hiesige Stadt und versäumte es, der Vorschrift gemäß langsam zu fahren und rechtzeitig zu signalisieren. Die Folge war ein Zusammenstoß mit einer Droschke, die ebenso wie ihr Führer beschädigt wurde.

--Am Ghtenbersrdenkmal.--

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ganz zweifellos, daß vieles, was man bei Frauen als Begleit­erscheinungen des Alters ansieht, nichts anderes als Folgen ihrer unzweckmäßigen Kleidung sind. Einmal las ich in einem Modejournal, daß Damen in reifen Jahren keine Rüschen und Spitzen um den Hals, sondern nur ganz hohe steife Kragen tragen sollten. Nun wird aber durch die letzteren der Blutumlauf gehemmt und wenn man über die Jugend hinaus ist, so tritt als Folge davon eine häßliche Rötung des Gesichts ein, die leicht konstant wird. Damen, welche diese hohen steifen Kragen bevorzugen, büßen überraschend früh ihren hellen, jugendlich frischen Teint ein. Und wie­viel anmutiger erscheint zudem das Antlitz der älteren Frau, wenn die Linien ucn Kinn unb Wangen, welche ihre urwrünglich feine und runde Form verloren haben, weich und duftig in Spitzen und Ruschen versinken! Nicht uner­wähnt will ich auch lasten, daß der sogenannteglatte Scheitel", der nur bet üppigem Haarwuchs und einer tadel- losen Kopfform gut aussieht und dennoch für die einzig mögliche Frisur älterer Frauen gilt, sie in unglaublichster Weist entstellt. Infolge des Dünnwerdens dec Haare ist die Scheitellinie dann so breit, daß sie direkt unästhetisch wirkt.

Wahrlich, die moderne Altdamenkleidung scheint mit großem Scharfsinn ausgeklügelt zu sein, um die Verwüstungen der Jahre recht ans Licht zu fetzen. Zarte und leuchtende Farben und flotte Schnittformen. Nostnknolpen, Bergißmein- uicht und wehende Schärpenbänder, kurze Jäckchen und Röckchen gebühren der Jugend darüber kann kein Zweistl . bestehen -.- aber warum die Frau in späteren Jahren sich nicht in einer Weise kleiden soll, die ihr körperliche Freiheit läßt und ihre äußeren Mängel verhüllt, muß noch erst be­wiesen rott bett. Es ist wohl nur die Konvention, welche man, wie für so viele andere Torheiten, verantwortlich Dafür machen muß. Warum besteht zwilchen der Kleidung älterer und jüngerer Männer kein andrer Unterblieb, als der l cren Bequemlichkeit für die ersteren ? Warum war ba§ gleite bezüglich der Frauengewändcr für alte und junge in früheren Zeiten der Fall. Wenn wir die berühmte Erajiche Pottrn'fammlung aus dem Altertum durchmustern, finden wir, daß unser heutiges törichtes Modegesetz für jene

Zeiten nicht gait. Auch jene französischen Frauen, welche noch in hohen Jahren durch ihren Witz, ihre Kenntnisse und ihr Urteil die größten Geister deS Landes an sich fesselten und ihren Sa^on zu der Stätte machten, auf der die wich­tigsten Fragen der Politik gelöst wurden, trugen der Würde ihres Alters nur durch lost Trnperien und ein graziös über die erbleichten Haare gescklungenes Spitzentüchlein Rechnung, nicht aber durch eine entstellende, unbequeme Maskerade.

Sie bemühten sich nicht, jugendlich zu erscheinen, aber suchten innerlich jung zu bleiben und den äußeren Nlerkmalen der Jahre eine gefällige Form zu verleihen. Jedes Lebens­alter hat seine Vor- und Nachteile, und es komnit nur darauf an, die ersteren auszubilden und die letzteren in eine har­monische Hülle zu kleiden; wenn das geschieht, wird die ältere Frau sich nie vor der jüngeren zurückgesetzt suhlen. Es ist ein grenzenlos törichtes Beginnen, wenn eine reife Frau im Ballsaal Triumphe zu feiern und den jungen Mädchen die Tänzer wegzukaperu sucht, aber niemand wird es ihr ver­argen, wenn man ihre Unterhaltung bevorzugt, ohne daß sie sich vordrängt. Ein jeder hat fein eigenstes Gebiet, auf dem er geschätzt werden kann, und daß die ältere Frau, wenn sie ihren Geist ausgebildet hat, durch ihren Scharfsinn, ihre Kenntnisse und Erfahrung der Zwanzigjährigen überlegen ist, versteht sich doll; von selbst. Allerdings möchte ich an bieier Stell? darauf Hinweisen, daß nicht alle Damen in vor­gerückteren Jahren das R-'cht besitzen, mit ihrer Erfahrung zu prunken ; denn wenn sie ganz Hausmütterchen geblieben sind, niemals Interesse für die großen Fragen der Zeit be- lessen und sich einem geistigen Dämmerschlaf überlassen haben woher soll sie ihnen dann kommen? Es macht einen direkt lächerlichen Eindruck, wenn man eine solche Frau immer von ihren Erfahrungen sprechen hört ihr zehnjähriger Sohn hat im Grunde mehr von biefem Artikel, denn er tummelt sich hier und dort und lebt in seiner Zeit, während die Mutter nodt mit dem Geist einer vergangenen ungefüllt ist unb alles nach dein Nlaßstab derselben mißt.

Die Historie erzählt uns von Frauen, wie Diana von Poitiers und 9<iiwn de l'EncloS, die bis ins Greisenalter hinein die Herzen der Männer zur Liebe entflammten, und man will wissen, daß sic ihre Ersoigc einer konsequenten

Anwendung kalten Wassers verdankten, das ihren Körper frisch erhielt. Mag fein, daß an dem letzten etwas Wahres ist. dessenungeachtet aber wird die ganze Geschichte wohl nicht viel mehr als eine Fabel fein. Ninon de l'EncloS war eine geschmackvolle, hochgebildete mid feinsinnige Frau, daher vermute ich, daß sie nie versucht haben wird, mit der Jugend zu konkurrieren, sondern sich darauf beschränkt hat, durch reue Anmut und Geist zu gefallen. Nur die umgebende Welt hat mit plumpem Urteil ihrer Anziehungs­kraft Eigenschaften zugeschricben, die sie längst nicht mehr besaß. Es gibt ja genug Frauen, in deren Gegenwart niemand fragt:sind sie schön, sind sie jung?" weil ihre Liebenswürdigkeit den Mangel an Jugend und Schönheit vergessen läßt.

Ich will mit einem Gleichnis schließen: Jedermann wird beobachtet haben, daß es nur in den Wipfeln eines Baun, es mit grünem Holz rauscht. Ist dasselbe dürr, so weckt der Wind in dem Gezweig nur ein knurrendes Liechzen. Aber auch junge Bäume haben oft dürres und alte frisches grünes Holz. Die Frau, in der die Fragen, welche die Well be- wegen, kein Echo mehr finden, ist dem Baume vergleichbar, in dessen Wipfeln es nicht mehr rauscht, mag sie an Jahren jung oder alt sein.

Albumblätter.

Nur ber Glaube Aller stärkt den Glauben,

Wo Tausende anbeten und verehren, Da wird die Glut zur Flamme, unb beflügelt Schwingt sich der Geist in alle Himmel auf.

Schiller.

Gâbcn wir die Hälfte dessen, Was wir, krank und machend, essen Denen, die macht Manael krank, Könnten wir und sie gesunden, Unb unS für die guten Snmven Gegenseilig sagen Dank. Rückert.