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Erstes Blatt.

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tlrtettoelbmdt unb Wieg d« Buchdruck««! bd imâ «a, Gaistal) ou|e8 in Hamm.

General-Anzeiger

AMihts Organ fit SUM- null Martin Kma».

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 288

Fernsprechattschluß Nr. 605

Mittwoch den 9. Dezember

Fernsprechanschlntz Nr. 605.

1908

Die ß^AeNllMtt Wfkßt Mer Ltoter^IN^lafi

14 Seiten.

Slmtliches.

Bekanntmachung.

Die diesseitige Bekanntmachung über die Beiträge zur Invalidenversicherung im Kreise Hanau-Stadt vom 28. März 1904 wird infolge Aenderung der Statuten für die Mit­glieder der nachbezeichneten Krankenkasse wie folgt ergänzt:

1. Mitglieder der Hanauer Ortskrankenkasse zu Hanau

vom 30. November 1908 ab:

t Mitgliederklasse I Beitragsmarken der Lohnklasse I zu 14 Pfg.

'^ M II Beitragsmarken der Lohnklasse II Z- Z zu 20 Pfg.

a S III Beitragsmarken der Lobnklasse III £ ® zu 24 Pfg.

Z TIV Beitragsmarken der Lobnklasse IV K zu 30 Pfg. u V u. VI Beitragsmarken der Lohnklasse V ..... zu 36 Pfg.

Für diejenigen Perwnen, welche als Lohn oder Gehalt eine feste, für Wochen, Monate, Vierteljahre oder Jahre ver­einbarte bare Vergütung erhalten, sind Beiträge derjenigen Lohnklasse zu entrichten, in deren Grenzen diese bare Ver­gütung fällt, sofern diese Beiträge höher sind, als die nach der vorstehenden Bekanntmachung maßgebenden.

Cassel den 17, November 1908, Der Vorstand der Landes-Versicherungsanstalt Hessen-Nassau.

J. V.: Glaß.

Stadtkreis Hanau.

NmiMW für Hmm-WWt.

Die hiesigen Landivirtschafitreibenden, in deren landwirt­schaftlichen Betrieben im laufenden Jahre Veränderungen durch Ab- und Zugänge in den Bebauungsflächen eingetreten sind, werden ausgeiordert, binnen 3 Tagen (spätestens bis MM 12. Dezember er.) diese Veränderungen dem Be­zirksvorsteheramt anzuzeigen.

Hanau den 7. Dezember 1908.

Der Sektionsvorstand.

Hild. 26053

Feuilleton.

Zweites Abonnementskonzert der Frankfurter Kammermusikvtreinignng.

Hanau, 9. Dezbr.

Im Saale derConcordia* fand am vorgestrigen Abend das zweite Abonuementskonzert derFrankfurter Kammer- musikvereinigung" statt. Es hatten sich die Herren Konzert­geber (Hermann Hock, Fritz Dippel, A u g u st A l l e k o t t e und Heinrich A p p u n n) für besagten Konzertabend eine sehr schwierige, aber auch ebenso dankbare Aufgabe gestellt. Die Wiedergabe zweier umfangreicher, tief­gründiger und schwerwiegender Brahms- Nummern, des a-moll-Streid)quartette§op34 und des i-moll- Klavierquintettes op 51 Nr. 2. Brahms ist eine schwere Kost, für den Interpreten sowohl, als auch für den Hörer. Die Pracht und Reinheit des Empfindungslebcus, das der Meister Brahms in seiner schöpferischen Tätigkeit seinen unsterblichen Werken als Lebensodem eingehaucht hat, kann sich nur in der wachsenden Vertrautheit mit seiner Muse uns enthüllen. Selbst für den ausführenden Musiker gibt es bei diesem Eindringen in den BrahmS'schcn Geist keinen Stillstand. Immer ueber Saiten Klang aus dem Jenseits der BrahmS'schcn Gedanken- und Gefühlswelt vernimmt er mit seinem geistigen Ohre, und an der Struktur der Brahms- scheu DarstelluugSformcn entdeckt sein entzückwS Auge immer mehr, immer andere, immer neue, keusche Schöuheüolinien. So ergibt es sich denn von selbst, daß derjenige Musiker, welcher als Mittelsperson, als Dolmetscher zwischen Brahms und dessen Hörern steht, nur immer in ganz bedingter Weise mit Erfolg wirken kann. Denn der Umfang dieses Erfolges steht im geraden Verhältnis zu des ausübenden Künstlers eigener Fähigkeit, viel oder noch mehr zu hören und

Gefundene nnd verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 kleines Portemonnaie mit 85 Pfg. und 3 Sparmarken von I. Hermann, 1 brauner Spazierstock, 1 brauner Herren-Glacähandschuh (linker).

Verloren: 1 Schlüsselbund (5 Stück).

Zugelaufen: 1 brauner Jagdhund mit weißer Brust w. Geschl.

Hanau den 9. Dezember 1908.

politische Rundschau.

Immer wieder die Fraae einer Invasion in England. In der gestrigen Sitzung des Unterhauses wies der Äbg. Bellairs (liberal) darauf hin, das Admiral Finnis in einer Rede, die er am 2. d. M. in Dover hielt, erklärt habe, daß es ihm bei den Flottenmanövern mit einer Flotten- abteilung, die eine TranSportflotte mit 70000 Mann Landungs­truppen vorstellte, gelungen sei, der englischen Verteidigungs­flotte bei Nebel auszuweichen und die Küste von Schottland unbemerkt zu erreichen. Demgegenüber erklärte der Marine- Parlamentssekretär Mac Kenna, daß Admiral Finnis seit Januar d. J. inaktiv sei und bei den letzten Flottenmanövern kein Kommando irgendwelcher Art gehabt habe. Auch habe ihm Finnis mitgeteilt, daß die ihm zugeschriebene Erklärung auf einer falschen Auffassung und Verdrehung eines kleinen Teiles seiner Rede beruhe. Mac Kenna fügte hinzu, es sei während der Flottenmanöver nichts vorgekommen, was zu einer solchen Erklärung hätte Anlaß geben können.

Die Lage in Marokko.

Berlin, 8. Dezbr. Für das Schiedsgericht in der Casablancafrage hat die deutsche Regierung den Wirkt. Geh. Legationsrat und Justizrat im Auswärtigen Amte Dr. Kriege und den italienischen Staatsrat Fusinato zu Schiedsrichtern gewählt. Die von der deutschen und französischen Regierung gewählten Schiedsrichter werden gemäß Artikel 2 des Schieds­vertrages vom 24. November 1908 nunmehr einen Obmann zu wählen haben.

Paris, 8. Dezbr. Die Budgetkommission der Kammer beschäftigte sich mit der Prü'ung der Ergänzungskredite für Marokko, welche im Jahre 1608 eine Höhe von 25 118 000 Francs erreichten. Mit den Ausgaben von 1907 ergibt das eine Gesamtsumme von 41 Millionen.

Eine MMnzlttâ Ort Ne Mnmiige Lage.

Im Reichstage hielt am zweiten Tage der Etatsberatung der Reichskanzler Fürst Bülow eine großzügige Rede über die augenblicklich schwebenden Fragen der auswärtigen Politik. Ausgehend von der Orientkrists betonte Fürst Bülow mit besonderer Wärme und Lebhaftigkeit gegenüber den Ver­

zu erschauen in der Sphäre des Meisters, aus der so unend­lich viel zu erzählen ist, Gedankentiefes und Gefühlsinniges, bald in gewaltiger, breiter Epik, bald in dem lichten, herzigen Gewände einer lieblich-zarten lyrischen Poesie. Aus diesen Gründen waren der Zuhörerschaft des vorgestrigen Kammermusikabcuds einige Stunden ungetrübten geistigen Genusses bereitet; denn dieFrankfurter Quartettvereinigung" versteht es, im Ensemble einen BrahmS zu spielen, und jeder einzelne der vier Künstler kennt die erhabene Sprache des Meisters und ist imstande, dessen Gedanken und Empfindungen nachzugehen und in sich selbst nachzuerleben. Auf diesen für viele verborgen bleibenden Pfaden, welche die Quartett- genossen an der Hand des n - in o 11 - S trei chqua rte tte s in der BrahmS'schcn Sphäre wandelten, fanden sie nachher beim K I a v i c r q n i n t e 11 noch einen fünften Gcistcs- verwandteu, der sich ohne Mühe ihnen anschließen konnte in der Hebung der reichen Schätze dieser Komposition: Willy Rehberg. Denn auch i b m ist die Brahms's je Muse eng vertraut, so daß er sich überall schnell orientieren kann, wohin der Weg geht, ohne vorher ängstlich jeden Schritt und Tritt abgemessen zu haben dank seiner bekannten, virtnysen technischen Fertizkciwu und all der anderen hervor­ragenden musikalischen Eigenschaft, welche ihn zu dem voll­endeten Künstler machen, der er ist. Unter bieten Voraus­setzungen gestaltete sich die vorgestrige Wiedergabe der beiden Brahms-Nummern, welche das Programm ver­zeichnete, zu einem ganz hervorragenden Kunstergebnis. Dieses in seine Einzelheiten zu zerlegen und es stückweise zu erörtern, wäre wenig angebracht; denn überall würde man dieselben Schönheiten in der Ausführung hervorzuheben, überall von der erfolgreichen Sinnig derselben technischen Schwierigkeiten und derselben geist- und empfinduugS- vollen Ausdrucksweise zu berichten haben.

Ein würdiges Pedant zn den vortrefflichen Leistungen im Streichquartett und Klavierquintelt bildeten die Sologe­sänge des Konzertabcuds) welche von der Sopranistin

suchen, die deutsche Politik in der Türkei zu verdächtigen, unsere Achtung und Sympathie für die konstitutionelle Türkei und hob hervor, wie unsere Diplomatie von jeher bei allen Gelegenheiten Reformen in der Türkei befürwortet und sich vom ersten Tage der Anerkennung der Würde und des Idealismus der jungtiirkischen Bewegung und ber^ntegrität ihrer Führer angeschlossen habe. Auch jetzt hätten wir keinen anderen Wunsch, als den Uebergang in die neue Ordnung der Dinge erleichtert und die Türkei politisch und wirtschaft­lich gekräftigt zu sehen. Wir hätten ja niemals ein Stück osmanischen Bodens an uns gerissen oder beansprucht, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil schon unsere geo­graphische Lage keinen Anreiz dazu bietet. Um so aufrich­tiger sei aber "auch unser Wunsch, daß die Türkei innerlich gesund und stark sei.

Bei der Wahrung der deutschen Interessen habe er stets zwei Punkte im Auge gehabt: erstens, daß die deutsche Poli­tik bei dem diplomatischen Spiel andern Mächten die Vorhand lassen mußte. Der zweite Punkt war die Treue zu dem uns verbündeten Oesterreich-Ungarn. Von der österreichischen Ab­sicht, die Okkupation Bosniens und der Herzegowina in eine Annexion zu verwandeln, sei der deutschen Regierung unge­fähr gleichzeitig mit Italien und Rußland Mitteilung ge­macht worden, aber er denke nicht daran, es dem Wiener Kabi­nett übel zu nehmen, daß es dec deutschen Diplomatie Zeit­punkt und Form der Annexion nicht vorher bekannt gegeben habe, sondern er sei ihm offen gestanden dafür sogar dankbar. Die Auffassung des Abgeordneten Speck, als hätten wir erst sehr spät und nach längerem Zögern unseren Platz an der Seite Oesterreich-Ungarns eingenommen, wies Fürst Bülow als unbegründet zurück. Dann machte der Reichskanzler Mit- teHung über den Inhalt seiner Unterredungen mit Iswolski und versicherte, daß in den alten freundschaftlichen Be­ziehungen zwischen Deutschland und Rußland keine Aenderung eingetreten ist und eintreten soll. Daß die italienische Politik, wenn sie ihre eigenen realen Interessen in weitsichtiger Weis« wahren will, ihren Platz im Dreibund behalten muß, erhärtete Fürst Bülow unter allgemeiner Zustimmung durch die Aus­sprüche zweier hervorragender italienischer Politiker selber, deè Grafen Nigra, der erklärte, Italien könne mit Oesterreich nur verbündet oder verfeindet sein und des Ministerpräsidenten Giolitti, der die segensvollen Wirkungen des Dreibundes für die durch ihn verbundenen Mächte wie für Europa aufS wärmste anerkannt hat.

Was unser Verhältnis zu Frankreick anbetrifft, so berge das Balkanproblem noch mancherlei Schwierigkeiten in sich, der Kanzler hoffe aber, daß es möglich sein wird, bei dem aus allen Seiten vorhandenen guten Willen, in der Anerkennungs­frage und auf anderen Problemen zu einer Verständigung zu gelangen. Unter stürmischer Heiterkeit erteilte er demGe­nossen" Scheidemann bei Erwähnung des Casablancazwischen­salles eine wohlverdiente Abfuhr. Bei Besprechung dieses Zwischenfalles im Reichstage habe Scheidemann als Vertreter der Sozialdemokratie sich genau auf den Standpunkt gestellt, den die nationalistischen und militaristischen Organe in Frank­reich eingenommen haben, wenn es sich um deutsche Vorgang«

Fräulein Margarete Bletzer aus Baden-Baden dar­gereicht wurden. Fräulein Bletzer sang dieLiebeSbot- schäft" von Franz Schubert,Ueber allen Gipfeln ist Ruh" von Franz Liszt,Gesegnet s e i" von Hugo Wolf undW i e sollen w i r geheim sie halten" von Richard Strauß. Auch bei der Betrach­tung dieser Nummern ist es schwer zu entscheiden, welcher von ihnen der Vorzug gebührt. Ohne Zweifel liegen aber der jungen, hochtalenlierten Sängerin diejenigen Lieder am besten, welche zu ihrer Wiedergabe ein volles Maß reichsten Empfindens, ein aufs feinste abgestimmtes, gemütvolles Innenleben als Voraussetzung und als Grundbedingung erfordern. Bei solchen Gesängen, (siehe daS Liszt'sche N e b e r allen Gipfeln i st Ruh") erhebt aber Frl. Bletzer sich selbst und ihre Hörer weit hinauf in die Re­gionen, wo das Alltagsleben mit seinem gesamten Kleinkram dem Auge entschwindet und das fühlende Menschenherz, sich feiend und sich stärkend, aufgeht in Wonne und Kraft. M't diesem Schwünge der Gefühle und Empfindungen erklären sich in der Auffassung und Darstellung von Fräulein BletzerS Gesängen auch alle die edlen, reinen Regungen des mensch­lichen Herzens, welche ihren Nährboden in einer verklärten Auffassung irdischer Beziehungen des Menschen zum Menschen haben. Deshalb sind in selten schöner und inniger Wieder­gabe von Frl. Bletzer Lieder zu hören, wie Schuberts L ic b es b o t s ch a ft", und Genühlsausbrüche wieGe­segnet sei, durch den die Welt erstand, der das Paradies und die Schönheit schuf und dein Angesicht" oderWie sollten wir geheim sie halten, die Seligkeit, die uns erfüllt uns, die in Liebe sich gefunden!"

Herr Gustav Altvater hatte die Klavierbegleitung von Frl. Bletzers Sologesängen übernommen. Er entledigte sich seiner überaus dankbaren Aufgabe in gewohnter präch­tiger Weise, mit dem Anpassungsvermögen eines routinierten und empfindenden Musikers, der seine Technik ganz in b« Dienst der Ideen zu stellen vermag.