Seite 10
Dien-ray
8, Dezember
größere Bewegungsfreiheit verstauben werden. (Lebhafter Beifall).
An den Vortrag knüpfte sich eine sehr ausgedehnte und
rege Diskussion, in der Jnstizral Rieisch-Görlitz Bedenken
dagegen äußerte, daß man die Sparkassen zu Banken macken ■ anleihen als direkte Abnehmer von Reich ober Einzelstaat ist ’ bje 3te((e ^ ?{rm? Dertretfn und bei ihnen den Komokorreniverkchr kinführen wolle. Die bei entsprechender Kursvergünstigung ein für die Sparkassen 1 AmwreNsfir-pn nah nerfertint
und bei ihnen den Komokorreniverkchr einführen wolle. Die
Grundlage für die Tätigkcit der Sparkassen sei durch das preußische Reglement vom Jahre 1838 gegeben. Demgegenüber betonten Geheimrat v. Boddin-Ratzeburg, Geschäftsführer Götting - Hildesheim, Stadlrat Petersen - BreSlau, Oberbürgermeister Ebeling-Dessau, Oberbürgermeister Eberle- Nosscn i. S., daß man vor dem Worte „bankmäßig" doch nicht gar zu sehr erschrecken solle. Wenn die Sparkassen ^.;, nicht den modernen Anforderungen des GeldverkehrS anpaßtcn, könne es zwar sehr leicht passieren, dass die Sparkassen kein Geld verlieren, aber auch kein Geld mehr be- kdneen. Oberbürgermeister Siegrist faßte sodann das Ergebnis der Dcbat!? dahin zusammen, daß der Verbandsvorstand die Frage der Einführung ober weiteren Ausbildung des Scheckverkehrs in ernsthafte Erwägung ziehen und ans dem Entwürfe eines preußischen Einführnngsgesetzes zum Scheckgesetz möglichst alle hindernden und hemmenden Bestimmungen zu beseitigen sich bemühen solle.
Darauf hielt Beigeordneter Ottermami (Düsseldorf) einen
Vortrag über:
„Beteiligung der Sparkassen bei Begebung
" Er führte aus: Der unbe-
ton Reichs- und Staatsanleihen.
gründet niedrige Kursstand der deutschen Staatspapiere gegenüber den Slamspapieren von England und Frankreich ist ein wirtschaftlicher Verlust, der durch die im Reiche herrschende Finanznot noch verschärft werden kann. Der Einlagenstand der Preußischen Sparkassen betrug 1907 über 9 Milliarden, der der deutschen Sparkassen rund 13,8 Milliarden. Die Steigerung betrug in den letzten fünf Jahren in Preußen jährlich ca. 478 Millionen Mark, in Deutschland jährlich ca. 710 Millionen Mark. Die Sparkassen sind der weitaus größte Kapitalfaktor zur dauernden Aufnahme von Staatspapieren. Es darf zumal in der heutigen Zeit sehr wohl als Ausgabe der Sparkassen betrachtet werden, zur Hebung des StaatskreditS neben vielen anderen Faktoren mit bcizu- tragen, soweit die Sparkassen-Jnteressen es zulassen. Theoretische Gesichtspunkte müssen hierbei in den Hintergrund gedrängt werden. Der armcnpflegcrische Standpunkt bezüglich des Entwicklungsrahmen der Sparkassen, wie er im Preußischen Reglement von 1838 bestimmt ist, daß darauf zu sehen ist, „daß die Sparkassen hauptsächlich auf das Bedürfnis der ärmeren Klassen, welchen Gelegenheit zur Anlegung kleiner Ersparnisse gegeben werden soll, berechnet sein soll," kann in heutiger Zeit nicht mehr als die alleinige und Haupttendenz angesehen werden. Wenn sie auch selbstverständlich nach wie vor ein Hauptgesichtspunkt für die Sparkassen sein und bleiben muß, so ist andererseits zu beachten, daß von den gesamten Spareinlagen nur ca. 1/6 auf Einlagen bis zu 600 Mark entfallen, dagegen 5/6 auf Einlagen über 600 Mark. Der armenpflegerische Standpunkt ist aber nicht nur tatsächlich durch die Entwicklung des Wirtschaftsverkehrs überholt, sondern auch rechtlich durch die moderne Gesetzgebung. Durch die Dor mund- schaflsordnung, das Bürgerliche Gesetzbuch und die sozialpolitischen Gesetze, sind die Sparkassen zu den allerersten und sichersten Depositenstellen für große Kapilalsummen bestimmt. Durch das neue Scheckgesetz sind die Sparkassen, die bisher sich hauptsächlich nur als Realkreditinstitute und in d'er neueren Zeit mehr unb mehr als billige Bankiers der eigenen Gemeinden betätigt haben, auf dem Gebiete des bisher nur in verschwindendem Maße gepflegten Personal-Kredits zu einer Entwicklung als öffentliche Kreditinstute für den Mittelstand berufen. Diese Entwicklung nötigt die Sparkassen mehr als bisher für liquide Mittel zu sorgen, als solche neben dem Erwerb von Diskonten in erster Linie Reichs- und Staatsanleihen in Betracht kommen. Die verstärkte Anlage in
kämpsen. Mechanisch blätterten die Finger der jetzt wieder Vereinsamten darin herum. Plötzlich entdeckte sie einen Brief. Er war an Fräulein Hella Dagart gerichtet und hatte ein zerlesenes Aussehen. Die Rätin war niemals neugierig gewesen. Auch diesmal beherrschte sie ein anderes, edleres Gefühl, daS sie förmlich zwang, diese Zeilen zu lesen.
„Meine Hella," schrieb der, welcher sich am Schluß Kurt Pistorius nannte, „glaubst Du wirklich, dass uns das Fehlen deS Geldes von einander losreißen könnte?"
Nein, wir warten weiter. Warten und kämpfen. Ich will Dir darin mutig vorangehen und einen Beruf erwählen, der keine andere Kaution, als den ehrlichen Willen zur Arbeit verlangt.
Mit dem ersten April werde ick auf dem Gute meines Bruders die Landwirtschaft erlernen. Dessen reicher Schwiegervater hat mir auch in Aussicht gestellt, daß er mir die Oberaufsicht über eins seiner Güter später übertragen wolle. Dann können wir uns endlich angehören, mein Lieb!
Nur eins erbitte ich mir als Weihnachtsgabe, dass die Stunde, in der ich Abschied von der geliebten militärischen Laufbahn nehme, ru-ch nicht schwach finde."
* *
Am 24. Dezember, gerade als Frau Oberstleutnant Tagart ihre Tochter Hella zur Einbescherung rufen wollte, ertönte die Flurkliugel.
Tas Mädchen brachte mit geheimnisvollem Gesicht einen Brief herein. Frau Tagart ging, nachdem sie ihn gelesen, mit seltsam schwankenden Knien auf den Korridor zu dem ihrer Antwort Harrenden hinaus.
Darauf wurde viel geluschelt, einmal sogar gelacht, mit tiefem, glücklichen Männerlachen.
— '— — — AlS Hella endlich kommen durste, schrie sie auf.
Das Fähnlein des Weihnachtsengels auf der Spitze der Tanne wies auf eine weißhaarige Frau, die heute zum erstenmal ihr gesundetes Bein spazieren führte, und auf einen anderem, — ganz still und gerade stand der da und breitete beide Arme nach ihr aus.
Der WeihnachtSengel winkte und die Mutter weinte still vor sich hin. Ta fand sie sich hinein.
Frau Wernicke, die nach langem Kampf den Oberleutnant / Pistorius zur Einnahme eines jährlichen Zuschusses, der ihm i Heirat und militärischen Beruf aeftattete. bewogen hatte, i
Staatsfonds ist daneben eins der vielen kleinen Mittel, welche mfammengenommen geeignet find, zu einer Besserung der Kurse der Siaatsfonds mitzuwirken. Die Beteiligung
der Sparkassen bei Begebung von Reichs
und Staats
angesichts der in Betracht kommenden großen Beträge nicht zu unterfrbä^ciibcr Vorteil und ist ferner geeignet, wenn der Versuch gelingt, dauernd das Interesse der Sparkassen für Reichs- und Staatsanleihen neu zu beleben und eine wünschenswerte Organisation der Sparkassen beim Erwerb von Staatspapieren herbeizuführen. (Lebhafter Beifall.)
Ohne Debatte wurde darauf eine Resolution angenommen, in der der Vorstand beauftragt wird, zu gegebener Zeit die geeigneten Schritte zu tun, um eine Organisation aller deutschen Sparkassen zur Beteiligung bei der Ausgabe von Reichs- und Staatsanleihen bezw. zur Aufnahme größerer Beträge dieser Anleihen herbeizuführen. — Mit dem Ausdruck des Dankes an die Stadt Charlottenburg für die freundliche Aufnahme in ihrem schönen neuen Rathause schloß darauf Oberbürgermeister Siegrist (Karlsruhe) den Verbands- tag. Nach den geschäftlichen Verhandlungen vereinigte ein Festmahl in den Räumen deS „Ratskellers" die Teilnehmer noch geraume Zeit in zwanglosem Zusammensein.
Randel, Gewerbe und Verkehr-
Der deutsche Poft Uel erweisuugs- und «cbecfc Verkehr. Einführung in die Postscheckordnung vom 6. Nov. 1908, mit zahlreichen Erläutei ungen, Beispielen und Musterformularen. Gemeinverständlich bearbeitet von J. Weltz, Kaiserlicher Postinspektor. Preis 60 Pf. Verlag von Hermann Schneider Nachf., Pößneck i. Th. — Die bevorstehende Einführung des Post-Ueberweisungs- und Scheckverkehrs läßt in den Geschäftskreisen den Wunsch nach genügender Aufklärung laut werden und bieten Zweck erfüllt dieses Büchlein. Der erste Teil enthält die Postschcckordnung vom 6. November 1908 nebst einem Auszug aus den von dein Reichspostamte herausgegebenen Ausführungs-Bestimmungen, sowie Erläuterungen, Beispiele und zahlreiche Musterformulare. Es folgt ein Verzeichnis der von der Reichspostvcrwaltung, der Konigl. Bayerischen und der Königl. Württembergischen Postverwaltung eingerichteten Postscheckämter mit Angabe der zu ihrem Bereiche gehörenden Ober-Postdirektionsbezirke, sowie ein Verzeichnis sämtlicher Orte im Deutschen Reiche mit mehr als 5000 Einwohnern unter Angabe der genauen Einwohnerzahl und des für jeden Ort zuständigen Postscheckamtes.
Kunst und Leben.
Interessante Ergebnisse der Südpolarerpedition.
Der Siidpoiarexpedition ist es laut „Leipz. N. N." zum ersten Male gelungen, im tierischen Organismus Strontium nachzuweisen. Die zoologischen Sammlungen haben durch wichtige Tiergruppen, die erst bei der mikroskopischen Sichtung gefunden wurden, eine bedeutende Erweiterung der Arbeiten notwendig gemacht, so daß statt der vorgesehenen zwei Bände Zoologie deren acht herausgegeben werden müssen. Auch die erdmagnetischen Ergebnisse sind reicher als vorausgesetzt wurde, namentlich hat sich die Bearbeitung der sogenannten magnetischen Stürme als besonders schwierig und langdauernd erwiesen. Der Expedition ist es auch geglückt, bei letzteren Arbeiten auch die Idee eines Doppelkompasses auszubilden, welcher gestattet, ohne Zuhilfenahme von Himmelskörpern, also auch bei unsichtigem Wetter, die jeweilige Abweichung der Magnetnadel von der wahren Nord- und Südrichtung zu finden.
Ein Maler ohne Hände und Küste. Eine bemerkenswerte Ausdauer bei Ueberwindung grosser Gebrechen hat ein junger Mann in Oxford, namens Cccil Shirley, der
küßte das Mädchen ebenfalls. „Kinderchen", sagte sie nachher ganz leise, „nun habe ich doch endlich meine'Weihnachtsfreude und Du, Hella, Deinen Weihuachtsleutnant, ich will dahingestellt sein lassen, wer jetzt von uns der Glücklichste ist."
„Der, welcher den echten Weihnachtssrieden mit sich anderen hat," summte der goldene Weihnachtsengel meinte sie alle vier.
und und
Hunger und Ernährung.
Die kulturelle Entwicklung des Menschengeschlechts
hat
dasselbe fast völlig eine Fähigkeit verlieren lassen, die jeder andere lebendige Organismns, sei er pflanzlicher, sei er tierischer Art, besitzt, und die gewiß auch einst vor vielen tausend Jahren in seinem Urzustands dem Menschen eigentümlich war, nämlich das Eigenerkenuen für feinen Ernährungsbedarf. Wir stillen wohl unser Verlangen nach Nahrung, das wir Hunger nennen, und das mehr oder weniger als ein Produkt unserer Gewohnheit bezeichnet werden muß: wir vermögen aber nicht, in der Wahl der Stoffe für Besriedinuna des Hungers uns von dem im .Körper statt» gefundenen Verbrauch leiten zu lassen, trotzdem dessen Be- achtnng und Ersatz die unerläßlichste Bedingung für die Erhaltung unserer Gesundheit und Arbeitskraft ist. Das ist ein grosser Nachteil, in dem sich der Mensch gegenüber allen andern Lebewesen befindet. DaS Rind auf der Weide unter» schadet zwischen guten und schlechten Kräutern, und das Reh im Walde frisst nicht die giftigen Pilze: das Pferd wird stets den eiweissreichen Hafer dem an Nährstoffen bedeutend gecinaeren Heu vorziehen; der Iadghund wird nur dann sich mit Brot und Kartoffeln begnügen, wenn er das wertvollste Nahrungsmittel, das Fleifck, nicht bekommen kann; der Mensch aber bat, je mehr er sich von der Natur abge- wandt und diese zu bemeistern begann, mehr und mehr das Erkennungsvermögen für diejenigen Nahrungsmittel verloren, die er im speziellen Fall geniessen muss, um Körpersubstanz und Körperkraft auf dem physiologischen Gleichgewicht zu erhalten. Dock nicht nur das Tierreich mag hierfür $um Vergleich herangezogen werden: das Verhalten der Menschen selbst beweist die Nichtigkeit der Behauptung. Dem Eskinio , wird eS nicht einfallen, durch trügerischen Genuss von Al- j tohol die Kälteempsindung zu bekämpfen und die Körper-
27 Jahre alt ist, gehabt. Obgleich er ohne Gliedmaßen geboren ist, hat er doch ein beträchtliches Talent für Zeichnen sowie Oel- und Wassermalerei entwickelt. Er vollbringt seine Arbeit mit denselben Instrumenten wie andere Künstler und hält diese an den Enden seiner Stumpfe fest, welche bei ihm
Er malt Porträts und
Aquarellskizzen und verfertigt prächtige Malereien auf Seidenstoffen.
Ein Künstler aus der Zeit Ludwigs I. von Bayern, der von ihm viel beschäftigte Bildhauer Joses , Schefzky, vollendete in seltener geistiger und körperlicher ; Rüstigkeit am 4. Dezember in München sein 90. Lebensjahr.
Deutsche ärztliche Studienreise 1909. Das I „Deutsche Komitee für ärztlichen Studienreisen" beabsichtigt im Anschluss an den „Internationalen Medizinischen Kon- ; greß in Budapest" seine nächstjährige neunte ärztliche I Studienreise am 4. September 1909 in Budapest binnen / zu lassen. In Aussicht genommen ist der Besuch ungarischer ! Bäder, ferner der von Abbazia, von wo die Teilnehmer eine / Mittelmeerfahrt antreten, auf welcher (Aenderungen vor- behaltens Ragusa, Cattaro, Spalato, Korfu, Patras, Piräus, Athen, Konstantinopel, Venedig und Triest besucht werden sollen. Anfragen sind zu richten an den Generalsekretär des Deutschen Komitees für ärztliche Studienreisen Dr. A. Oliven- Berlin NW., Luisenplatz 2/4.
Hus aller Mell.
Der Bezirkshauptmann Freiherr von Moreau, der in seiner Eigenschaft als Badekommissar von Kissingen eine Visitationstour unternahm, verunglückte bei der Rückkehr in der Nähe des Dorfes Waldfenster durch das Scheuen der Pferde seines Wagens. Er erlitt eine Gehirnerschütterung, eine tiefe Kopfwunde und einen Rippenbruch. Der ihn begleitende Offiziant Gress kam mit leichteren Verletzungen davon.
Der starke Nebel, der vergangene Woche in allen Teilen Belgiens herrschte, hat mehrere Opfer gefordert. In Lüttich fiel ein Eisenbahnarbeiter in den Kanal und ertrank. Ein anderer wurde vom Rangierzug erfaßt und getötet und in Ninove wurde ein Arbeiter' vom Zuge beim Ueberschreiten des Gleise? zermalmt.
259 000 Obdachlos- und 40 000 Arbeitslose sind infolge der Arbeilslosen-Zähiung in Berlin vom 17. November und der Dankschrift des dortigen Alylvereins für Obdachlose gezählt worden. Die Zahl der Obdachlosen umfaßt dabei nur 10 Monate und bedeutet die Verkehrsziffer in den Berliner Asylen in der Zeit vom 1. Januar bis 31. Oktober d. Js. Trotzdem kamen jährlich ca. 30 000 junge Männer mit den rosigsten Hoffnungen nach der Reichsbaupt- stadt und denken, dort die besten Stellungen und höchsten Löhne zu bekommen. Viele bringen nicht einmal soviel Geld mit, daß sie wieder in die Heimat zurückkehren können und vermehren so das Heer der Arbeits- und Obdachlosen. Abgesehen von dem Schaden, den dieser leichtsinnige Zuzug dem Staate und der Gesellschaft zusügt, ist der moralische Schaden, den die Jugendlichen im Kreise der Arbeits- und Obdachlosen nehmen, garnicht zu berechnen. Die Gesellschaft zur Fürsorge für die zuziehende männliche Jugend in Berlin warnt darum dringend vor leichtsinnigem Zuzug nach den Großstädten und bittet alle Volksfreunde, Eltern, Lehrer, Geistliche und Jugeudvereme, die Jugend über den wirtschaftlichen Tiefstand und die Not in den Großstädten aufzuklären und ihr den Rat zu geben, ohne zwingenden Grund die heimatliche Scholle nicht zu verlassen. Wer trotzdem nach Berlin ziehen muß, wende sich vorher um Rat und Auskunft an die obige Gesellschaft, Berlin, Sophienstraße 13.
Achtzig Vereine ! Ein hübsches Beispiel übertriebener Vereinsmeierei, das einen wunderbaren Beleg zu der Richtigkeit des Wortes bildet, wonach überall, wo drei Deutsche beffamnzen sind, auch sofort ein Verein da ist, gibt der e:wa 15 000 Einwohner zählende Harzort Thäte. In ihm bestanden bislang nicht weniger als 80 (achtzig) Vereine! Das
wärme zu erhöben: er nimmt deshalb Fette in sich auf und ermöglicht instinktiv seinem Körper, mehr Wärme zu erzeugen, indem die zugesiihrten Fette gewissermaßen als Heizstoffc gelten, was von dem Alkohol nicht behauptet werden kann. Dem Anhänger einer überreichlichen Fleischnahrung steht der strenge Vegetarier gegenüber: der Alkohol und die Genuss- mittel haben einen breiten Platz in unserer Ernährungsweise erobert: auf die Bedeutung des Obstes im vegetativen Haushalt des Menschen musste in neuerer Zeit ausdrücklich hingewiesen werden, so sehr war dieses vorzügliche Nahrungsmittel in Vergessenheit geraten, und manches andere Beispiel liesse sich noch anführen. Bei solchen Verhältnissen wird es sehr wohl möglich, dass sich jemand vollkommen sättigt, und doch nicht ernährt, während ein anderer halb hungrig bleibt, dabei sich aber blühender Gesundheit und unge- schwächter Kraft erfreut.
Liebhaberei und Gewohnheit sind heute eben die Bedingungen geworden, nach denen wir unsere Mahlzeiten zrr- sammenietzen, und beide Eigenschaften können in ihrer Ausartung nicht nur den eigentlichen Zweck der Mahlzeit hin. fällig machen, sondern selbst zu Schädigungen der Gesundheit führen, die sogar das Leben bedrohen. Die ungeheuren Mengen, die manche Menschen zu sichzu nehmen sich gewöhnt haben, führen zu Magenerwcäterungen und belasten den VerdauungSapparat, der als Folge davon in seiner Tätigkeit ermüdet und nur noch ungenügend seine Arbeit leistet. Die scharfen Gewürze, die wir'zu verwenden pflegen, reizen in gefährlicher Weise die Schleimhäute, stumpfen sie mit der Zeit ab und führen in unser Blut Stoffe über, welche zu ernsten Erkrankungen den Grund legen. Ganz besonders schwierig aber wird die Unfähigkeit, unter den zur Verfügung stehenden Nahrungsmitteln die richtigen auszuwählen, für den Unbemittelten, dessen einziges Vermögen seine Gesundheit und der ungeschmälerte Besitz seiner Arbeitskraft ist. Diesen über eine gesundheitsmäßige Lebens- und Ernährungsweise eingehend zu unterrichten, wird daher direkt zur Pflicht, und in seinem eigensten Interesse sollte der Staat sich dieser Pflicht nicht länger entziehen, sondern ihr genügen durch Einführung des Hygienischen Unlerrichts in den Schulen, der einzigen Stelle, von wo ans eine systematische Aufklärung über eine gesundheitgemäße Lebensweise mit bleibender Wirkung gegeben werden kann. Dr. M.