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Erstes Blatt.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Beantwort!. Äebetee: 9. errettet in (*tuuk

Nr. 286 Mernsprechanschlutz Nr. 605.

Montag den 7. Dezember

Fernsprechanschlntz Nr. 605. 1908

Die lkutigeNnMtt mf^t *t ß.WtthâszSKttt 14 Seiten.

Amtliches.

Eandkreis F^anau. BeklNNltimEilUtn Hes Köiliglicheil LilnKiltSllmts.

Unter den Schweinen zu Großkrotzenburg ist die Schweine­seuche erloschen.

Hanau den 4. Dezember 1908.

Der Königliche Landrat.

V 8037 I. A.: Hartmann, Kreissekreiâr.

Im Namen des Königs!

In der Strafsache gegen den Fabrikarbeiter Jossa»»es Lindenberger, geboren am 8. August 1874 in Kempen- brunn, evangelisch, z. Zt. in Griesheim a. Main, Garten­straße 28, wegen Beleidigung hat das Königliche Schöffen­gericht in Hanau in der Sitzung vom 24. November 1908 für Recht erkannt:

Der Angeklagte wird wegen Beleidigung verurteilt zu einer Geldstrafe von zwanzig Mark ersatzweise vier Tagen Gefängnis und trägt die Kosten des Verfahrens.

Den beleidigten Bahnbeamten Becker und Weber wird die Be'ugnis zugesprochen, die Verurteilung binnen 14 Tagen nach Zustellung einer Ausfertigung einmal im Hanauer Anzeiger" aus Kosten des Arweklagten öffent­lich bekannt zu machen.

gez. Dr. Popper. Ausgefertigt

Hanau den 2. Dezember '1908.

Der Gerichtsschreiber des Königl. Amtsgerichts Abt. 4.

(L. S.)

Rößing, Amtsgerichtssekretär.

25873

LlMirWWer Kreismein ßmu.

Nächste Versammlung Samstag den 12. d.M., nachmittags 2'/- Uhr, im Gasthauszum goldnen ^ o To e n" hier.

Tagesordnung:

1. Geschäftliche Mitteilungen.

2. Besprechung darüber, wie sich die ländlichen Bau- polizerordnungen bewährt haben.

Feuilleton.

Stadttbcatcr in Hanau.

Hanau, 7. Dezbr.

Am gestrigen Sonntage wurde nachmittags das Lustspiel O diese Leutnants" geboten, das nochmals die zahlreichen Zuschauer in die heiterste Stimmung versetzte. Die Abend­vorstellung brachte eine Wiederholung der erfolgreichen Operette Die lustige Witwe" in der bekannten Besetzung. Der Er­folg der Vorstellung war wiederum ein durchschlagender. Das DuettZauber der Häustichkeit" (Herr Richter und Frl. Harves) im ersten Akt, dasViljalied" im zweiten Akt (Frau Voß), das Marsch-Septett, das Zwischenspiel des dritten Aktes mit dem Grisettenlied u. a. m. zeitigten stur- mische Beifallsszeneu, so daß die Künstlerinnen und Künstler wiederholt hervorgerufen wurden und auch sinnige Blumen- spenden entgegennehmen konnten. Direktor Steffter und Kapellmeister Andermann, die ja beide auch hervorragend an dem Gelingen der Operettenaufführuug beteiligt sind, wurden gleichfalls nach dem wirkungsvollen zweiten Akt stürmisch hervorgerufen.

Frankfurter Theater.

,® tt kleine Land predig er". Erstaufführung am Frankfurter Schauspielhause am 5. Dezember 1908.

Der kleine Landprcdiger", Komödie in vier Akten von James u. Barrie, heißt das romantisch aufgeputzte Stückchen, das uns das Schauspielhaus in der deutschen Bearbeitung von Rndolph Dothar servierte. Der kleine Landprediger ist ein einundzwanzigjähriger Jüngling, der es mit seinem Amt recht ernst nimmt und den seine kleine (Semeinhe.

3. Vortrag des Herrn Forstmeisters Fenner überDer Wald und die Landwirtschaft."

4. Mitgliederaufnahme.

7. Sonstiges.

Die Herren Bürgermeister wollen die vorstehende Be­kanntmachung des landwirtschaftlichen Kreisvereins in den Gemeinden wiederholt in ortsüblicher Weise bekannt machen.

Hanau, den 7. Dezember 1908.

Der Königliche Landrat.

v. Beckerath.

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 Peitsche, 1 blaues Damenjäckchen, 1 Jnvalidcnkarte Nr. 14 für Theodor Litersti geb. 7,/9, 1872 zu Außendeich.

Verloren: 1 schwarzes Spitzentuch.

Zugelaufen: 1 brauner weißgefleckter Jagdhund m. Geschl.

Entlaufen: 1 rotgrauer Wolfshund.

Hanau den 7. Dezember 1908.

Politische Rundschau.

Dernburg über die Kolonien. Bei einem Fest­mahl, zu dem sich der Vorstand der Deutschen Kolonial­gesellschaft mit den Mitgliedern der Abteilung Berlin-Char­lottenburg im Saale des Rathauses vereinte, erhob sich der Staatssekretär des Reichskolouialamts Dernburg und führte u. a. aus : Mit froher Ztiversicht habe er vor zwei Monaten Demschsüdwestafrika verlassen. Vor allem deshalb, weil er dort deutsche Männer und Frauen gefunden habe, die mit Ueberzeugung Pioniere des deutschen kolonialen Gedankens sein wollen. Die Diamantfelder, die man gefunden, seien viel reicher, als die Welt bisher geglaubt. Die Finanzen des Schutzgebietes seien den Wirrnissen eines langjährigen Krieges zum Trotz sehr gut. Ueberhaupt seien ja die Finanzen das beste Barometer, um daran die Fortschritte eines Landes zu messen. Dernburg zog folgende Bilanz: Im Jahre 1907 erforderte Ostafrika einen Zuschuß von sechs Millionen Mark, der 1908 auf vier Millionen Herab­sank und für 1909 auf 21/a Millionen Mark angesetzt ist. Kamerun erheischte 1907 3 Millionen Mark, im nächsten Jahre 2 700 000 Mark, und begnügt sich für 1909 mit einem Zuschuß von 1 600 000 Mark. Südwestafrika hatte 1907 65 Millionen erfordert, 1908 verlangte es 38 Millionen und wird 1909 deren noch 18 Millionen bedürfen. Aber immerhin auch hier ein rapider Rückgang in den Forderungen. Bei Nen-Guinea blieben mit 111 000 Mark die Zuschüsse

schottische Webersleute, abgöttisch verehrt. Er hat erfahren, daß sich in seiner Gemeinde Rebellen befinden, die von ihren Mitbürgern von den bewaffneten Kriegern des Lord Rintoul treu beschützt werden, überrascht die ausgestellten Wachtposten zur Nachtzeit im Walde, und schickt sie, ihnen das ungesetz­liche ihrer Handlungsweise klarmachend, nach Hause. Auch Barbara, die Tochter des Lord Rintoul hat durch ihren Bräutigam Hauptmann Halliwell erfahren, daß die Stadt eingeschlossen und den Rebellen so der Garaus gemacht weiden soll. Sie schleicht sich durch eine geheime Tür aus dem Schlosse, verkleidet sich als Zigeunerin, und sucht die Wachtposten zu warnen. Barbara trifft int Walde nur einen mutlosen Weber an, der gerade noch Zeit findet, ihr die verabredeten Hornsignale zu verraten, als der kleine Land- prediger Pastor Dishart hinzukommt. Die Zigeunerin über­listet den Pastor das Signal zu geben, das sie/angeblich ihrer Truppe zuführen soll, in Wirklichkeit aber das von den Rebellen vereinbarte Warnzeichen war. So mißglückt der Handstreich Hauptmann Halliwells, die Rebellen entkommen. Nur die Zigeunerin wird verfolgt und eingeholt, gibt sich aber als die Frau des Land­predigers aus und leitet so die Bewaffneten irre. Pastor Dishart fühlt sich als Seelsorger berufen, das Zigeunerkind zurecht zu weisen, verstrickt sich dabei jedoch in Liebessesseln. Als er von der steckbrieflichen Verfolgung und Gefangen- nahme Barbaras hörte, eilt er seine Gebetstunde im Stich lassend, zu Lord Rintoul Gnade für sie zu erbittten, und bekennt sich schließlich als den Urheber des Hornsignals. Barbara, auf heimlichem Wege schon vordem ins Schloß zurückgekehrt, wird von ihm als sein Weib erkannt, und er wirbt um sie, wird aber abschlägig beschieden. Um die beiden vollends zu trennen, läßt Hauptmann Halliwell seine Leute bezeugen, daß der kleine Landprediger die Zigeunerin, deren Herkunft sie alle nicht ahnten, geküßt habe, und sie so nach schottischen Gebräuchen zu seiner Frau gemacht habe. Er giebt sich damit selbst eine Schlinae. Barbara bekennt ihrem

sich gleich. Bei den Mariannen hatte 1907 das Reich noch 340 000 Mark Zuschuß zu gewähren, und für das kommende Jahr ist ein Üeberschuß von 62 000 Mark zu erwarten. Samoa erheischte 1907 noch 180 000 Mark und wirb 1909 einen Ucberschuß von 58 000 Mark gewähren. Als er in das Staatssekretariat eintrat, waren 75 Millionen für die Kolonien erforderlich, 1909 werden es nur noch 23 Millionen sein. Und lasse man Südwestafrika aus dem Spiel, so habe das Deutsche Reich für seine Kolonien im ganzen 5 Millionen im kommenden Jahre aufzuwenden.

Zit den Vorgängen in Prag.

Berlin, 6. Dezbr. Eine von den Freien Wissenschaftlichen Vereinigung an der Universität Berlin einberufene, außer­ordentlich stark besuchte Akademikerversammlung nahm heute mittag im großen Saale der Philharmonie Stellung zu den jüngsten Vorgängen in Prag. Auch der Lehrkärper der Universität war zahlreich vertreten, so durch Prorektor Stumpf, die Professoren von Schmöller, Erich Schmidt, Harnack, Hirschfeld und viele andere. Die Versammlung leitete der Student Heine. Es sprachen zunächst die Professoren Roethe, Lenz, Adolf Wagner und von Liszt, sowie der Generalsekretär des Vereins zur Erhaltung des Deutschtums im Auslande, Geifert, wobei die Redner zum Schutz des DeuttchtumS auf­forderten und die Kommilitonen baten, die österreichischen Hochschulen mehr wie bisher aufzusuchen. Der erste Vor­sitzende der Freien Wissenschaftlichen Vereinigung, cand. jur. Loewenthal, erzählte seine Erlebnisse in Prag. Die Ver­sammlung nahm nach 2'/,stündiger Dauer eine von Professor v. Liszt eingebrachte Resolution an, in der sie ausspricht, daß sie den Vorgängen in Prag mit größter Entrüstung gefolgt ist tind in der sie es für die Pflicht eines jeden Deutschen erklärt, den bedränkten Stammesbrüdern zu helfen. Demge­mäß fordert die Versammlung zum Beitritt in den Verein Zur Erhaltung des Deutschtums im Auslande auf und ver­sichert zum Schluffe die Deutschen sn Oesterreich ihrer größten Sympathie. Die Resolution wurde mit großem Beifall ein» stimmig angenommen und ein Sympathietclegramm an die Prager deutsche Studentenschaft abg-schickt. Mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland schloß die eindrucksvolle Kund­gebung. Machtvoll durchbrauste da« LiedDeutschland, Deutschland, über alles" den Saal. Der Rektor der Univer­sität Berlin, Professor D. Kahl, hatte der Versammlung ein herzliches Begrüßungstelegramm geschickt, indem er seine Sym­pathien und die der Universität für die Kundgebung gegen die Prager Vorgänge zum Ausdruck bringt.

Aus den Kommissionen.

mb. Die verstärkte Budgetkommission ves Abgeord» netenftauses setzte am Samstag Vormittag dieBeratung über

Vater ihr Doppeldasein als Tochter seiner Lordschaft und Zigeunerin und wird die Frau deS kleinen Landpredigers. Während die beiden ersten Akte wenig Handlung zeigen, ist der dritte Aufzug im Schloß sehr wirkungsvoll herausge­arbeitet. Besonders die Szenerie im ersten Akt war vollendet schön und vor allem wurde flott gespielt. Fräulein Irmen war als Zigeunerin verführerisch kokett, als Tochter des Lords ein liebreizendes Mädel, und verstand es wie immer meisterhaft, ihre Zuhörerschaft zu freudigem Beifall herauszu­fordern. Herr Leugbach gab den kleinen Landprediger mit stark unterstrichener Komik, den Amt und Würde vergessen­den Liebhaber mit überzeugender Wärme. Das Werk als solches ist zu harmlos naiv, als daß eS vor einer ernsten Kritik bestehen könnte. Es ist kurz gesagt, romantische Back­fischliteratur, und dürfte sich kaum auf der Bühne halten

1 r

Prima-Ballerina", Uraufführung am Frankfurter Opernhaus, Sonntag den 6. Dezember 1908.

Prima-Ballerina" ist eine Operette in 3 Akten, Musik von Dr. Otto Schwartz, dem bereits bekannt gewordenen Urheber der OperetteHotel Eva", mit Text von Max Reimann und dem Komponisten, die ebenfalls gemeinsam schon durch ihr Koloniallust'pielBei uns da drüben", von sich reden machten. Die für drei Akten recht dürftige Hand­lung ist: Der Sohn deS Mühlenbesitzers von Sansouci läßt sich zur Garde anwerben. Beim Abschied von der Geliebten reut es ihn und er entgeht der Rekrutierung im Sonntags­staat der Braut als Mädchen verkleidet. Eine vom Berliner Hof geflüchtete Prima-Ballerina, die in Sansouci von einem Offizier des Königs eingeholt wird, nimmt das vermeintliche Mädel als Kammerzofe mit zurück nach Berlin. Daraus resultieren eine ganze Anzahl mit viel Humor ausgedachter Situaiiönchen. Der Text enthält ganz nette, witzige Einfälle: im g oßen und ganzen ist aber alles nur eine gewählte Muster foIIetMon nna mmenhanalbser Kouvlets und Gesänae. ut denen