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Erstes Matt.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Slmtliches.

Stadtkreis Hanau.

Zur Vermeidung der häufig tödlichen Verletzungen, die sich die Mullwagenpferde an der Abladesielle beim Auftreten auf Glas- und sonstigen Scherben zuziehen, ersuche ich, diese Scherben von dem Haus- und Straßenkehricht auszuscheiden und für sich angesammelt am Nachmittag des ersten Werk­tages eines jeden Monats besonders zur Abfuhr bereit tu stellen.

Hanau den 2. Dezember 1908.

Königliche Polizei-Direktion.

P 12911 v. Beckerath.

Landkreis Hanau.

SMmMiiiilltn dt8 Kirchlichen Lnnhrntsnmts. ^e^üßren^rörutrtg fflr die Hebammstt des Negierungsbezirks Cassel.

Mit Genehmigung des Herrn Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten (Erlaß vom 6. August 1901 M 6786 II. Ang.) wird hiermit festgesetzt, daß in Ermangelung besonderer Verabredungen die Dienste der Hebammen nach folgender Gebühren-Ordnung gelohnt werden:

1. Für die Entbindung von einer reifen oder

unreifen Frucht oder einer Mole . . . 410 M.

2. Für eine Zwillingsgeburt ..... 5 12

3. Für eine Entbindung von mehr als drei Stunden Dauer, wobei die andauernde An­wesenheit der Hebammen nölig gewesen oder ausdrücklich verlangt ist, ebenso für eine Entbindung bei der bie,. HebaiMz. . hat operativ eingreifen müssen . . . . 6 15

4 Für einen Wochen- oder sonst verlangten Besuch mit Einschluß der dabei vorgenom- nieiien kleinen geburtshilflichen oder chirur­gischen Hilfeleistungen oder des Katheteri- sierens........ . 0,751,50 oder für die gesamte Wochenbettpflege und die dabei erforderlichen 8iâgigen Besuche zusammen ..........412

5. Für Ratserteilung einschl. kleiner geburts­hilflicher oder chirurgischer Hilfeleistungen sowie für Untersuchungen der Geburtsteile außerhalb der Entbindungswit . . 0,751,50

6. Bei Nachtzeit erhöht sich b*e Gebühr zu 4 und 5 um die Hälfte bis zum Doppelten

7. Für eine Nachtwache ......24

8. Tag- und Nachtwache......4-6

Feuilleton.

StaLlthcatcr in Hanan.

Hanan, 4. Dezbr.

Im Mittelpunkt des gestrigen Theaterabends stand das Gastspiel der Signorina Rita Sacchetto. Als erster Tanz gelangte Sirenenzauber" von Waldteufel zur Darstellung.' Die Idee desselben ist folgende: Erlkönigs Tochter tanzt mit den Irrlichtern einer Waldwiese um die Wette; sie lockt einen Wanderer (der wohl in der roten Rose symbolisiert sein sollte, die sie in der Hand trug) in die Geheimnisse ihres duftblaucn Schleiers und er wird ihr Opfer: sie wirft am Ende die Rose zu Boden. Der ziveite Tanz war eine Übertragung der Melodie einer Rhapsodie von Liszt in Mimik und Bewegung; der brüte begleitete einen unga­rischen Tanz von B r a h m s ; der vierte übertrug die Licht- geistigkeit eines Walzers von Joh. StraußFrühlings- stimmen" in sichtbare Gegenständlichkeit.

Es war etwas ganz Eigen-Wunderbares, was uns Signorina Sacchetto bot. Man hatte dabei das pantheistische Gefühl von der Seligkeit desSich-verlierenS i m Grenzenlosen", wie es Goethe vielleicht ausgedrückt haben würde; ein Gefühl, daS uns beim Lesen unserer alten Mystiker überkommt: das Gefühl, daß das Wesen unserer Seele kosmischen Ursprungs ist, daß unser Leben und Bc- wußtsein im Ewig-Unvergänglichen milbeschlossen ist, ivie das Fechner in seinerTagesansicht von der Welt" einmal so schön ausführt. Tanz dieser Art ist Andacht; die Sinn­lichkeit ist da vollständig Wesenhaftigkeit, eitel Schönheit und Licht gcivordcn.

Statt aller weiteren Ausführungen mögen die folgenden Verse sprechen:

Freitag den 4. Dezember

9. Für Beistand bei Operationen an Frauen

in anderen als Entbindungsfällen . . 25 M.

Bei Hilfeleistungen außerhalb ihres Wohn­ortes haben die Hebammen bei mehr als 3 Kilometer Entfernung Anspruch auf freies Fuhrwerk zur Hin- und Rückfahrt. Legen sie diesen Weg zu Fuß zurück, so haben sie bei Tage 20 Psg. und nachts 40 Pfg. für das Kilometer zu beanspruchen 10. Für Anwendung trockener oder blutiger Schröpfköpfe, für Ansetzen von Blutegeln, die jedoch von den Kranken gestellt oder besonders vergütet werden müssen, nebst Stillung der Nachblutung ..... 12 ,

Anmerkung:

1. Die Hebammen sind berechtigt, sich die verauslagten Kosten für das bei der Entbindung verbrauchte Desinfektions­mittel- und Verbandmaterial zurückerstatten zu lasten.

2. Frei praktizierende Hebammen in Städten mit mehr als 10000 Einwohnern sind berechtigt, für ihre Gebühren­forderungen die Mindestsätze der Taxe um ein Viertel, die Höchstsätze um die Hälfte zu erhöhen.

3. Welcher von den Sätzen obiger Taxe in jedem Einzel­falle anzuivendcn ist, hängt ab:

a) von der Dauer und Schwierigkeit der Hilfeleistung,

b) von der Vermögenslage der Hilfesuchenden und von der Größe und Wohlhabenheit deS Ortes.

4. Die Hebammen erhalten auch dann ihre Gebühren un­verkürzt, wenn die Entbindung von einem hinzugerufenen Arzte verrichtet oder zu Ende geführt wird.

Diese Gebühren-Ordnung tritt am 1. Januar 1902 in Kraft, die geltende Taxe vom 9. September 1871 tritt am gleichen Tage außer Kraft. (A II 9275).

Cassel, am 19. August 1901.

Der Regierungspräsident. Trott zu Solz.

Obige Gebühren-Ordnung bringe ich wiederholt zur öffentlichen Kenntnis.

Hanau den 28. November 1908.

Der Königliche Landrat.

V 7883 I. A.: Hartmann, KreiSsekrctär.

Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.

Die Plätze für den Samstag den 19. Dezember b. J. beginnenden Weitznachtsmarkt werden Donnerstag den 17, Dezember 1908, nachmittags 3 Uhr, auf dem Marktplatz verlost.

An Signorina Rita Sacchetto.

Wenn Du tanzest, führen die Sphären Klingend zur Erde herab ihren Reigen.

Wenn Du tanzest, singen die Aehren Zitternd imd leis im Sonnn erschwcigen,

Ist es, als ob die Seele der Welt

Selber dahertanzte, fessel-befreit

Und von der eigenen Seele fällt

Jede Schranke der Endlichkeit:

Und sie tanzt mit, tanzt mit im Schall

Von überirdischen Sternenakkorden, Selig-beseligt durchs tanzende All, Selber âitm tanzenden All geworden . . .

Vorher gingHerbst", ein Einakter von WalterSchmidt- Häßler in Szene. Ueber das Stück ist nicht viel zu sagen, es ist nichts weiter als ein lyrisch-dramatisches Stimmungs­bild. Herr Max Grimm spielte die Hauptperson, einen Grafen, der sich mitvertrockneten Illusionen" vergangener Zeiten abquält und der zuletzt mit stoischer Weisheit seinem nahen Ende entgegensicht. Sein Spiel war fein und zart. Herr Joseph Commer gab die Rolle desFremden" ruhig, gemessen und bedeutsam. Die Verse der Todesweihe sprach er mit tiefer Innigkeit. Frl. Linda Groß als Ella ivar frisch und jung, Herr Hans Süssenguth, der den Lothar barfteßte, sprach klar und deutlich, aber wohl etwas zu laut. Außerdem wurde das einaktige Liederspiel Beckers Geschichte" von E. Jakobwhn mit Musik von August Conradi gegeben. Ein Genrebild aus der Goldschmiedewcrkstatt. Herr ReinholdRichter sang den Siegfried Berger zur großen Befriedigung der Zuhörer, Frl. Lila Harves erntete ebenfalls viel Bei­fall und Herr Grimm war ein prächtiger Mensch aus der Kategorie derer, die manchmal im Trinken desGuten" zu viel tun. Bei offener Szene wurde ihm öfters applaudiert.

Herr Kapellmeister A aber m a n n leitete die Musik mit innigem Mitcrleben, besonders muß das von der Leitung der klassischen Piècen . Liszt unb Brahms) gerühmt werden.

Fernsprechanschlutz Nr. 605, 1908

Die näheren Bedingungen werden vor der Verlosung bekannt gegeben.

Hanau den 21. November 1908.

Der Magistrat.

Hild. 25619

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in Groß» auheim belegenen, im Grundbuche von da Band VII Art. 390 Abt. I Nr. 1, 2, 4, 5, 6 und 8 bis 11 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsoermerkes auf den Namen bei Holzhändlers Peter Schroth und beffen Ehefrau Agnes geb. Lenz in Großauheim eingetragenen Grundstücke: Krtbl. Q 171, Haggaffe 29, a) Wohnhaus mit abgesondertem Abtritt nebst Hosraum 2 ar 40 qm, b) Stallanbau (A),

Gebäudesteuernutzungswert 75 Mk. Krtbl. 8 198, in den Hergesgärten, Wiese 38 qm,

Reinertrag 0,27 Mk. Krtbl. W 678, im hintersten Hopfengarten, Garten 12 qm, Reinertrag = 0,09 Mk.

Krtbl. W 1016, im mittelsten Hopfengewann, Garten 6 qm, Reinertrag 0,03 Mk.

Krtbl. F 317, im Steinzerütsck, Acker = 5 ar 57 qm, Reinertrag 1,77 Mk. Krtbl. AA 175, auf dem Mittelweg, Acker 3 ar 94 qm, Reinertrag 0,36 Mk.

Krtbl. W 347, im Trappgarten, Garten 20 qm,

Reinertrag = 0,06 Mk.

Krtbl. W 1358, vorm Türchen auf den Herrnrasen, Gartrv 11 qm,

Reinertrag = 0,08 Mk.

Krtbl. X 389, im Tümpel, Garten 37 qm,

Reinertrag 0,12 Mk. am 11. Februar 1909, vormittags 10V» Uhr, durch das unterzeichnete Gericht zu Großauheim im Gast­haus zum Löwen versteigert werden.

Hanau den 14. November 1908.

Königliches Amtsgericht 2. 25653

Die delltiseNllmmr umfaßt * r.llvtadâMAlrtt

18 Seiten.

Zum Schluffe die Frage: Wäre es nicht möglich, daß Signorina Rita Sacchetto ein zweites Gastspiel hier gäbe? Gewiß geschieht diese Anfrage im Einverständnis aller der vielen Zuschauer, die gestern sich an ihren lyrisch-dramatischen Tanzszentn erbauten. KarlEngclhard.

Albumblätter.

Des TodeS rührendes Bild steht

Nicht als Schrecken dem Weisen und nicht als Ende dem Frommen.

Jenen drängt es ins Leben zurück und lehret ihn handeln, Diesem stärkt es zu künftigem Heil in Trübsal die Hoffnung. Beiden wird zum Leben der Tod. Goethe.

* *

*

Ideen. sind ja nur das einzig wahrhaft Bleibende im Leben. Sie sind im eigentlichsten Verstände das, was den denkenden Menschen ernsthaft und dauernd zu beschäftigen verdient. * W. v. Humboldt.'

Nicht bloß das Tun, nicht bloß die Tatsache der hinter­lassenen Leistung gibt uns ein Recht auf ehrende Anerkennung nach dem Tode, sondern auch das Streben selbst. Heine.

Ein mächtiger Vermittler ist der Tod, Da löschen alle Zornesflammen aus. Der Haß veriöhnt sich, und das schöne Mitleid Neigt sich, ein weinend Schwesterbild, mit sanft Anschmicgender Umarmung auf die Urne. Schiller.

Wer hohen Mnt's sich rühmen kann, den lohnt nicht Gold, den lohnt Gesang. Bürger.

*

Auch der Reichtum ist eine Kraft, So gut wie Weisheit und Stärke. Kann werden nicht minder ehrenhaft Verwendet rum ß}leniM,üsw^^