Erstes Blatt.
Himmler K Alyeiger
«Jährlich 1,80 SM., m»«ulich 60 Pf«., st, ,»» »Last« Äl»u«eu«n Mit d« b#tefi«boi Sß»fctufi4t«|, JDw einzetm Stumm« taji« io w*
SMÜMifbnuf um» »«lag der Buchdruckerei de» «â «. Waiseohauj«! in Hamm.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stabt« nab Landkreis Sanaa.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Nr. 283 Fernfprechanschlntz Nr. 605*
Die beMNummer wW * -.N«terhslts«888ktt 14 Seiten.
Amtliches. Stadtkreis Fjanau. Bekanntmachung.
Die im Hofe der Kanalmühle lagernden allen Baumaterialien (Eisen, Zink, Holz, Herde u. s. ro.) sollen daselbst am
Freitag den 4. d. Mts., nachmittags 1/»3 Uhr, gegen sofortige Barzahlung öffentlich versteigert werden.
Hanau den 1. Dezember 1908.
____________ Stadchimptkasse.25421
Freiwillige für das 18. Armeekorps.
Vom 5. Januar 1909 ab können sich diejenigen jungen Leute, welche im Jahre 1909 bei einem Truppenteil des 18. Armeekorps als einjährig oder mehrjährig Freiwillige eintreten wollen, an jedem Dienstast bis 10 Uhr vormittags unter Vorlage der vorgeschriebenen Papiere in den Kasernen der betreffenden Truppenteile zur ärztlichen Untersuchung melden. M 5037
politische Rundschau.
Kandtasts-Anstelestenheiten. Die verstärkte Budgetkommission des Abgeordnetenhauses begann gestern die Beratung der Vorlage betreffend die Abänderung des ©in kommensieuergesetzes. Es lag ein sreUynseryatwer Antrag vor, der einen Steuerzuschlag fordert, bis die Finanzen gesetzlich und epdgiltig geregelt seien. Ein nationalliberaler Abänderungsantrag will diesen Steuerzuschlag nur für 1909 und 1910 gellen lassen. Der Finanzminister gab in seinen Ausführungen eine Darstellung der schwierigen Finanzfrage und der Etatsverhältnisse. Der Eiat für 1909 werde mit 150 Millionen Mark Defizit abschließen; für 1909 ständen 774 Millionen Mark Ausgaben bevor, für 1917 etwa 1100 Millionen Mark. Die Einnahmen würden etwa 700 bis 818 Millionen Mark betragen, die sich um jährlich 3 bis 4 Prozent steigern dürften, sodaß sich jährlich Defizits von 100 bis 200 Millionen Mark ergeben. Bei dieser Situation könne die Regierung nicht darauf verzichten, die neuen Mittel dauernd bewilligt zu sehen; daher sei der freikonservative Antraa annehmbar. Nach einem Staats-
Feunkton»
II. Kammermusik -Abend der Frankfurter Änartett-VereinigW.
Der 2. Kammermusik-Abend der Frankfurter Quarteit- Vereiniaung (Hermann Hock, Fritz Dippel, August Allckotte, Heinrich Appunnh verspricht nach dem uns vorliegenden Programm ein musikalisches Ereignis der diesminterlichen Konzertsaison zu werden. Kein Geringerer, als der weltberühmte P i a n i st, Herr Willy Reh - b e r a aus Frankfurt a. M. hat den Klavierpart in dem Quintett F - m o 11 von Brahms übernommen. Dieses Werk gehört zu dem Gewaltigsten was aus der Feder dieses großen Komponisten geflossen ist. Ueber die Leistungen der mitwirkenden Konrerlsängerin Frl. Margarete B l e tz c r aus Baden-Baden lassen wir hier einige Kritiken folgen.
„Germania", Berlin. Vor etwa sechs Wochen erregte eine junge, hier gänzlich unbekannte Sängerin als Mitwirkende bei einem Violin-Abend durch ihren gottbegnadeten Gesang bei den wenigen damals anwesenden Kritikern berechtigtes Aufsehen. Wahrscheinlich durch die ihr damals zuteil gewordenen aufmunternden Kritiken veranlaßt, gab die junge Dame, Fräulein Margarete Bletzer, am Samstag einen eigenen Liederabend. Das, was wir seinerzeit über die glänzende Kunst dreier Dame sagten, können wir nunmehr zu unserer großen Freude vollkommen aufrecht erhalten. Bedeutende Talente werden nicht künstlich erzogen, sie sind eben da. Das ist auch bei Fräulein Bletzer der Fall. Alles vereinigte sich bei ihr, um ein so ideales Gesamtbild nbnl- geben. Eine Stimme mit unsagbar berückender Klangfärbung, tadelloser Technik und staunenswertes künstlerisches Empfinden, das sind die zunächst in die Auaen springenden ivcfenF lichsten Eigenschaften der gediegenen Sängerin. Ganz cigcn-
Donnerstag den 3. Dezember
ministerialbeschluß ständen und fielen die Besoldungserhohungen mit der Bewilligung der Steuern. Nach längerer Debatte wurden die Beratungen abgebrochen.
Bischof Doppelbauer t- Bischof Doppelbauer in Linz ist am Mittwoch gestorben. Franz Maria Doppelbauer hat ein Alter von 63 Jahren erreicht. Er war seit dem Jahre 1868 Priester, seit 1889 Bischof. In theologischen Kreisen hat er sich besonders durch seine Veröffentlichungen „Rudigiers geistige Reden und Hirtenschreiben' (1886—1888), „Rudigiers Predigt" (1900) bekannt gemacht.
Zur Lage in Persien.
Teheran, 2. Dezbr. (Wiener K.-B.) Ein abermaliges durch Maueranschlag bekannt gegebenes Manifest des Schahs über die Nichtberufung des Medschlis hat den russischen und englischen Gesandten in Teheran veranlaßt, neuerdings bei der persischen Regierung zu protestieren.
Teheran, 2. Dezbr. (Reuter.) Die englische und die russische Gesandtschaft erhielten amtliche Erklärungen, daß das Anschlägen von Proklamationen gestern nicht mit der Genehmigung des Schahs erfolgt sei. Dieser habe den Gouverneur von Teheran zur Verantwortung gezogen und ihm befohlen, die schuldigen Unterbeamten zu bestrafen. — Zugunsten der Verfassung sind im religiösen Zentrum von Mesched Unruhen ausgebrochen, was als Beweis dienen kann, daß die Geistlichkeit nicht ausnahmslos auf Seiten der Reaktionäre steht. — Die Führer der Nationalisten haben den Gesandtschaften eine nicht unterschriebene Petition mit der Bitte zugestellt, sie dem Schah zu übermitteln. Am Schluß der Petilic.i heißt es, daß die Geduld der Nationalisten er« schöpft sei.
Der Aufstand auf Haiti.
New-Uork, 2. Dezbr. Nach einest Telegramm aus Port-au-Prince hatte bei dem Staatsstreich hier General Canal die Leitung in Händen. Er hatte bis heute morgen nichts von seinen Absichten verlauten lassen, als- auf einmal gut bewaffnete Bürgerbausen die Polizeiwachen überwältigten, das Arsenal und den Hafen besetzten. Präsident Nord Alexis befindet sich noch in feinem Palast. Die diplomatischen Vertreter beschlossen, seine Abreise von Haiti zu erleichtern und zu beschleunigen. Alle in der Stadt gebliebenen Minister, die höheren Militärs und Beamte suchten in den verschiedenen Gesandtschaften Zuflucht.
Port-au-Prince, 2. Dezbr. Zwei amerikanische und ein französischer Kreuzer landeten heute nachmittag zum Schutz ihrer Geiandtichafien Truppen. Das Volk nimmt gegen den Präsidenten Nord Alexis, der sich noch immer in seinem Palaste befindet, eine drohende Haltung ein.
artigen Reiz übt ihre Sangeskunst auf den unbefangenen Zuhörer aus. Man wird zum aufmerksamen Zuhören gezwungen, mag man wollen oder nicht. Obwohl Fräulein Bletzer diesmal nicht so gut disponiert schien wie das erste Mal, da wir sie hörten, so vermochte das absolut nicht den hohen Genuß, den wir vor Allem beim Anhâren der Schubert'schen „Nonne" und des Liszt'schen „Ueber allen Wipfeln ist Ruh" empfanden, irgendwie zu beeinträchtigen.
„ B ö r s e n - Z e i t u n g", Berlin. Eine angenehme Uebcrraschung gabs noch zu guterletzt im Saal Bechstein: Fräulein Margarete Bletzer, eine bis dabin völlig unbekannte Sängerin, erwies sich nicht nur im Besitz einer Stimme von seltener Schönheit, sondern auch im Besitz alles dessen, was man in trefflicher Schule lernen kann und — was das Beste ist — auch alles dessen, was man nie und nirgends erlernen und erwerben kann, wenn's einem eben Mutter Natur nicht zum Geschenk gemacht hat. Fräulein Bletzer sang Schuberts „Du bist die Ruh" — eines von den Liedern, beim nur echtes Empfinden beikommen kann — so vollendet schön, wie eS seit Jahren in Berliner Konzertsälen nicht gehört worden ist. Man wird dem Namen Bletzer hoffentlich von jetzt ab häufiger begegnen.
„B e r l i n e r N c u e st e N a ch r i ch t e n" : Fräulein Margarethe Bletzer, welche sich zu Anfang dieser Saison als ein hochbedeutendes Gesangstalent vorstellle, gab am Samstag abend in einem eigenen Liederabend (Saal Bechstcinl Gelegenheit, das damals an dieser Stelle geäußerte glänzende Urteil auf seine Stichhaltigkeit zu prüfen. Mit einem Programm, das von vornherein den besten Eindruck von der Geschmacksrichtung der jungen Sängerin erweckte, mit Liedern von Schubert, Schumann, Brahms, von Hugo Wolf, Max Kretschmar und F. Liszt, die durch ihren vornehmen, tiefen Gehalt nicht um die Gunst der Menge buhlen, wandte sich Frl. Bletzer allein an das Empfindiingsleben musikalischer Zuhörer und denen hat sie mit ihrer tiefen Innerlichkeit mit der „Macht des Gesanges" wieder das Herz bewegt, wie cs eben nur die Lieblinge der Götter vermögen. Ich habe am i Samstag abend die Gewißheit empfangen. daß Margarethe
Ferufprechanschlutz Nr. 605. 1908
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Die Krisis im Orient.
Wien, 2. Dezbr. Ein ungarischer Grenzkommissar serbischer Abkunft hat in Belgrad eine Studentenverschwörung gegen Oesterreich und Ungarn entdeckt. Die Studenten haben sich verpflichtet, im Mobilmachungsfalle alle von Serbien nach Ungarn führenden Brücken in die Luft zu sprengen.
London, 2. Dezbr. Wie Reuter erfährt, ist die Meldung, daß England bei der türkischen Regierung wegen des Boykotts der österreichisch-ungarischen Waren Schritte getan oder ihr Vorstellungen gemacht habe, nicht zutreffend. Ebenso habe England Oesterreich-Ungarn gegenüber wegen des Anhaltens serbischen Materials an der Grenze _ keine Schritte unternommen. Die in Londoner Kreisen herrschend» Ansicht sei, daß das beste Mittel, um dem Boykott ein End« zu machen, die direkte Verständigung der österreichisch- ungarischen mit der türkischen Negierung sei.
Konstantinopel, 2. Dezbr. Der italienische Bot» fünfter hat bei der Pforte Schritte wegen der Aufhebung des Boykotts auf die österreichischen Waren getan.
Konstantinopel, 2. Dezbr. Die Lage in Smyrna verschlechtert sich zusehends. Mehrere tausend Briganten plündern und rauben. In Odenisch wurde das Regierungs- gebäude sowie ein Basar von den Räubern angegriffen.
Italiens Orientpolitik.
Rom, 2. Dez. Kammer. In der heutigen Sitzung wurde die Diskussion über den Antrag Fusinato fortgesetzt. Galli gab der Meinung Ausdruck, daß internationale politische Verträge nicht unverletzlich seien. Er sprach dann über die Nachteile, die der Berliner Vertrag für Italien im Gefolge gehabt habe. Die kürzlich erfolgte Verletzung dieses Vertrages habe den bisherigen Stand der Dinge geändert. Der Redner villigte weiter die Unabhängigkeitserklärnng Bulgariens und betonte, daß die Gefahr eines Verstoßes Oesterreich-UngarnS nach Salonik ausgeschaltet sei. Er empfahl, die Annexion Kretas durch Griechenland zu begünstigen. Er forderte di« Kammer auf, die Regierung zu unterstützen, bemerkte dann, die von Oesterreich-Ungarn für die Annexion Bosniens gegebenen Kompensationen seien wertlos und beschäftigte sich weiter des Engeren mit dem Dreibund. Galli erklärte, eS sei die Pflicht Italiens, in dem Bunde zu verbleiben, bis der Vertrag abgelaufen sei; später könne man denselben unter neuen Bedingungen erneuern oder sich Rußland, Frankreich und England nähern. Einstweilen müsse man dafür sorgen, die Grenze und die Armee zu stärken, damit Italien di« Herrin seines Geschickes sei. Nach Galli nahm Daccelli daS Wort, der für die Politik TittoniS sprach und die gegenwärtige Lage Italiens für besser erklärte, als sie es nach dem Berliner Kongreß gewesen sei. Die Politik ItalienS
Bletzcr eine der markantesten Persönlichkeiten unseres so über' aus reich bewegten Musiklebens ist. Frl. Bletzer verfügt nicht über die universelle Begabung einiger großer Künstler- dafür aber ist sie in ihrem Bereich absolute Herrscherin. Wie Gura der Meister des Balladen-Gesanges, so ist Margarethe Bletzer die Sängerin des deutschen Liedes. Der Typus, mit ihn Schubert mit „Du bist die Ruh", Schu nann mit „Mondnacht", BrahmS mit „O müßt ich doch der Weg zurück", Franz mit „Für Musik" und ähnlichen Sh dern geschaffen haben, ist das ureigenste Betätigungsfeld dieser Künstlerin. Da wo Frl. Bletzer einen Vorwurf findet, der ihr Innerstes ganz gefangen nimmt, da erzielt sie Wirkungen, die überhaupt ihres Gleichen suchen. An diesem Abend war der Vortrag des Liedes „Ueber allen Wipfeln ist Ruh" von Fr. Liszt von so bezwingender Gewalt, daß er als ein Erlebnis für alle Zeiten in mir fortleben wird. Wenn Liszt, der so manchem Talent die Wege geebnet hat, noch lebte, dann wäre Fräulein Bletzer in kurzer Zeit eine gefeierte Künstlerin.
Margarete Bletzer bestätigte in ihrem Liederabend (Mittwoch, Beethoven-Saal) das früher an dieser Stelle geäußerte Urteil in allen Punkten: die Künstlerin ist eine der eiaenartißften Persönlichkeiten in der Gesangswelt. Ihr Mezzosopran, dessen schwebender, süßer Duft oft die Vor- fteHung von etwas überirdisch Schönem, Sphârenbaften erweckt (ich erinnere nur an „Ueber allen Wipfeln ist Ruh" von ShftO und der bei breiter Tonentfaltung strahlende Helligkeit um sich verbreitet, ist von ebenso individuellem Klang- gepräge, wie die Vortragskunst Margarethe Bletzers, welche ihr besonders zusagende Vorwürfe mit einer Vollkommenheit ausschöpft, die an Eingebung glatibcn läßt. „Waldeinsamkeit' von Brahms, „'s ist ein so stiller beil'ger Tag" von Rob. Kahn, einiges aus den „Dolorosa"-Liedcrn von Jensen, das oben erwähnte Liszt'sche Lied und „Traum durch die Dâm merung" von R. Strauß — die ersten Lieder des Pro- arammS habe ich nicht gehört — waren solche Eingebungen. Möge Margarethe Bletzer bald die Förderung finden, welche ihre seltene große Begabung verdient.