Zweites Blatt.
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Senn» und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Nr. 281 Fernspr-chanschlnk Nr. 605.
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Dienstag den 1. Dezember
Fernsprechanschlutz Nr. 605» 1908
Amtliches
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmach»««*.
Die Arbeiten und Lieferungen der Baustoffe tum Ausbau veS ZuaangSwegeS tum neuen Exerzierplatz sollen unter Zugrundelegung der Bedingungen für Beiverbung um städtische Arbeiten und Lieferungen öffentlich verdungen werden.
D'e Berdinaungsunterlagen liegen im Stadtbauamt, Rathaus Zimmer Nr. 18, zur Einsicht aus und können von da bezogen werden.
Die Angebote für die Baltarbeiten sind versiegelt und mit der Awschrift: „Angebot für die Bauarbeii-n zur Herstellung eines ZugangswegeS tum neuen Exerne-platz" bis Samstag den 5. n. Mts., vormittags 11 Uhr, und die Angebote auf Banstoffl'efernng mit der Aufschrift : „Angebot auf Baustofflieferung zur Herstellung eines Zugangsweges zum neuen Ererzierplatz" bis Samstag den 8. n. Mts., vormittags II11« Uhr, auf obengenanntem Dienstzimmer emmreicken, wo um diese Zeiten die Eröffnung der Angebote im Beisein etwa erschienener Anbieter erfolat.
Zuscklagsfrist 3 Wochen.
Hanau den 23. November 1908.
Das Stadtbanamt. 25119
Bekanntmachung.
Die WodMtNg im 1. Obergeschoß des Hauses Hauptstrabe Nr. 9 in Hanau-Kesselstadt, bestehend aus 3 Zimmern, Küche und Zubehör ist nlsba d zu vermieden.
Aug böte können auf dem,Pathau'e mündlich zu Protokoll gegeben ober schri'tlick an uns eingerricht werden.
Hanau den 24. November 1908.
Der Magistrat.
H i I d. 24889
Bekanntmachung.
Das Proviantamt kauft Roggen, Aaser, Wiesen- heit und Noggenstroh (Flegelstroh und ungepreßtes Maschinenstroh) diesjähriger Ernte zü den gangbaren Tagespreisen. Es werden selbst die kleinsten Mengen angenommen.
Die Einlieferung der Naturalien kann ohne vorherige Anmeldung und, mit Ausnahme der Samsiag-Nachmittagè, an jedem Wochentage von 8 — 12 Uhr vormittags sowie von 2—4 Uhr nachmutaas erfolgen.
Hanau den 28. November 1908. V 7918
Königlich es Nroviant-Amt.
Feuilleton
Ter älteste Friedhof Deutschlands.
Siehe, Geschlecht auf Geschleckt verschwindet im Schoße der Erde, Still auf des Ahnherrn Gebein senkt man den En el h nab.
Walzt den verwitterten Stein mit den Zeichen gefeierter Namen
Mit auf des rühmlosen SobnS stilles, verblichenes Haupt. . .
November! Eine Mahnung an Vergehen und Sterben bringen seine dunklen Tage, in denen der Nebel das Leichentuch webt für die Erde,' deren Kraft erschöpft ist, die un Schlafe erstarrt. — Denen, die da ruhen nach der Lebensarbeit, nach Lust und Leid, dem Andenken an .die »Toten ist der November geweiht: Allerseelentag feiert bie katho i che Christenheit zu seinem Beginn, das Totenfest die evangelische an seinem Ende. Allüberall zieht es dann die Lebenden hinaus zu den Ruhestätten der Abgeschiedenen, Liebe und Treue, schmückt die ärmlichsten Holzkreuze auf kleinem Dorskirchhos, wie die Särde in der Fürstengruft mit Kränzen und Gewinden aus dem letzten Grün, den letzten Blüten des Somniers . . . Schweigen, tieses, feierliches Schweigen über den Totenieldern! Aber Kreuze und Denksteine mit ihren Namen und Anschriften, von immergrünen Efeuranken umzogen, sie führen eine stumme und doch beredte Sprache von Vergehen und Unvergänglichkeit, von . Hinsterben und Weiterleben über Grab und Tod hinaus. Unb am eindringlichsten, am wunderbarsten wird der Wanderer von dieser stummen Sprache wohl berührt, wenn er zenen Kirchhof besucht, der, mitten un Herzen Deutschlands liegend, sein ältester genannt wird: den berühmten Fohanniskirchhof von Nürnberg. — Jahrhunderte sind verflossen, seit man ihn weihte, die ersten Berb ichenen hier bearub. Sieben „Leidensstationen des Erlösers , Tafeln mit Reliefbildern von Adam Krasts Meisterhand be
Politische Rundschau*
Denkmalsettlstüllmrg. An Schweidnitz wurde gestern vormittag in Anwesenheit des Prinzen Eitel Friedrich als Vertreter des Kaisers das Denkmal König Friedrichs des Groszen enthüllt. Die Vereine der Stadt und des Kreises, die Innungen und Schulen batten in den Straßen, die der Prinz vom Bahnhof bis zum Denkmal auf dem Markt vor dem alten Raihause durchfahr, Aufstellung genommen. Vor dem Denkmal standen eine Ehrenkompanie des Grenadier- regiments König Wilhelm II. (1. Schlesisches Nr. 10) mit den direkten Vorgesetzten, sowie die Spitzen der Provmzial- und Stadibehördeu und die Ehrengäste. Der Vorsitzende des Denkmalausschusses, Generalleutnant z. D. Freiherr v. Reitzenstein, hielt die Festrede, in der er die Verdienste des großen Preußenkönigs um Schlesien und Schweidnitz insbesondere hervorhob. Prinz Eitel Friedrich gab das Zeichen zur Enthüllung des Denkmals, das eine in Bronze gegossene Nachbildung des Denkmals Friedrichs des Großen in der Siegesallee in Berlin ist. Nach der Feier nahm der Prinz im Raihause deu Ehrentrunk der Stabt Schweidnitz entgegen und begab sich dann zum Frühstück in das Kasino des Grenadier- Refiments. Der Prinz fuhr nachmittags über Breslau nach Berlin zurück. Zur weiteren Feier sand ein Festessen statt; abends war Festvorstelluug im Stabt» «Heater. Aus Anlaß der Feier wurden verschiedene Auszeichnungen verlieben. Der erste Bürgermeister Kaewel erhielt den Tiiel Oberbürgermeister.
Abkommen. Zu der New-Porker Meldung über das zwischen den Bei einigten Staaten und Javan getroffene Abkommen erfährt die Petersb. Telcgraphen-Ageniur aus zuverlässiger Quelle, dieser neue internationale Akt sei völlig analog dem im vorigen Fahre zwischen Japan, Rußland und Frankreich abgeschlossenen Abkommen und diene zweifillos als eine neue Garantie für die Befestigung des Friedens im fernen Osten.
Der Grotzherzog von Mecklenburg-Schwerin über die Berfassunasreform.
Schwerin, 28. Novbr. Der Großherzog hat heute vormittag den Geschäftsausschuß des liberalen Wahloereins für beide Mecklenburg in Audienz empfangen. Nackdem in längeren Aussührunaen die Wünsche des liberalen Wahlvereins dargelegt worden waren, erflehte der Großherzog, daß eres sich versagen müsse, auf die Einzelheiten der Ausführungen einzugehen, daß er aber seinen grundsätzlichen Standpunkt der Deputation nicht vorcnthalten wolle. Der Großherzog fuhr dann fort: Als ich mich aus freien Stücken entschloß, das von meinem Großvater begonnene, aber nicht zu Ende geführte Werk einer zeitgemäßen Umgestaltung der bestehenden Landesvertnssuug nreberaufzunebmen, war es mir nickt un-
zeichnen, am Pilatushaus auf der Burg beginnend, den Weg zum Eingang des Friedhofs, hier ragt in „stummer Trauer" das Krenzbild Gottes als Ende jener Schmerzens- straße auf. Räumlich klein nur ist der Gottesacker, der sich um ein niederes Kirchlein, die alte Holzschuherkapelle hinzieht, — aber zahllos sind die sterblichen Hüllen, die dort geborgen sind.
Nicht wie auf andern Friedhöfen bilden die Gräber nebeneinander liegende Hügelreihen, — hier decken länglich viereckige, wuchtige, oft bis zu halber Menschengröße hohe Granitoder Marmorsteine die Grüfte, deren jede bestimmt ist, ganze Familien vom Ahn bis zum spätesten Enkel auszunehmen. Wo für eine entseelte Hülle die Einsenknng gefordert, — da wälzen die Totenwärter den schweren Stein hinweg und zu dem Staube derer, zu denen er im Leben gehörte, läßt man den neuen Ankömmling still hinab, — über ihn schließt der Stein wieder die Oeffnung. Kein Kreuz, kein Christusbild, keine gebrochene Säule oder trauernde Engelsfigur ragt zu Häupten der Grüfte empor, Büsche und Gesträuche nur beschatten sie, Gras und wilde Blumen sprossen in den schmalen Wegen und aus den Fugen rund um die mächtigen, ost schon verwitterten grauen Blöcke, herrliche Bronze-Epitaphien, Wappenschilder der alten Patrizierfamilien Nürnbergs, der Peller, Fischer, Imhoff, Baumgartner, der Müntzer und anderer prangen auf ihrer Oberfläche, Sprüche und Inschriften zum Gedächtnis der darunter Nutzenden. Unb betrachten, entziffern wir Bildwerk und krause Lettern, dann erwacht in uns die Vergangenheit, die große Zeit deutscher Städteherrlichkeit, der Macht des den Welthandel beherrschenden reichen Knusm'annSstandes, deS Ringens der Geister nach Aufklärung, Licht und Befreiung — jene bewegte Periode, die, Forscher und Erfinder auf neuen Gebieten begünstigend, auch eine nationale Kunst zu wunderbarer Entfaltung brachte, und in der eine beispiellose Arbeitssreudigkeit und jener hohe, überraschend stark entwickelte Sinn für Formenschöntzeit herrschte, der auch den geringsten Erzeugnissen des GewerbefleißeS künstlerisches Gepräge lieh, es bewies, wie der Schöpfer deS Werkes immer sich mühte, ein „Meister" zu heißen. Vom Herzen Deutschlands ist so kräftig und segensvoll pulsierendes Leben dazumal auSgegangen, und die Schläfer unter den
bekannt, daß über die Frage, in welcher Weise diese schwierig» Anfaabe zu lösen sei, sowie welcke Verfassungsreform für Mecklenburg als zeitgemäß anzusehen sei, die Ansichten in den verschiedenen Kreisen des Landes weit auseinandergehen. Wollte ich mein Land vor schweren Konflikten bewahren und die ruhige Entwicklung seiner öffentlichen Rechtszuständ» flcherstellcn, so mußte ich deshalb mein Augenmerk darauf richten, daß die Verfassungsvorlage nicht den einseitigen Standpankt einer bestimmten Partei zur Richtschnur nehme, sondern unter Berücksichtigung der tatsächlich bestehenden Verhältnisse tunlichst eine zwischen den verschiedenen politischen Gegensätzen im Lande vermittelnde Richtung ein« Halte. Von dieser Erwägung ausgehend, habe ich seinerzeit meinen Entschluß, die Verkassungsverhandlungen wiederauf» nehmen zu wollen, kundgegeben und durch meine Regierung die an die Stände herauszugebende Vorlage ausarbeiten lassen. Wenn, wie ich zu meinem Befremden vernommen habe, dst Auffassung geltend gemacht worden ist, daß ich in der Verfassuugsfrage ein gegebenes Versprechen nicht ein gelbst Halle, so muß ich dem mit aller Entschiedenheit entgegen« treten. Eine Verfassung bestimmter Art habe ich meinem Volke weder versprechen wollen noch versprechen können. Ach habe nur meinen Entschluß kundgetan, auf die Durchführung der Verfassungsreform nach Maßgabe meiner ange» deuteten Erwägungen binzuwirken. Ich bin auch fest ent« schlossen, die von mir eingeleiteten Verhandlungen auf Grund der Vorlagen meiner Regierung fortzusetzen und dieselben zu einem dem Lande dienlichen Ende zu führen. Gleichwohl habe ich es mir nicht vertagen können, in dieser für das ganze Land so wichtigen Angelegenheit auch die Wünsche deS liberalen Wahlvereins zu hören, wie ich für jeden meiner Untertanen ein offenes Ohr habe.
Hus Flab und fern,
-r. Marburg, 29. Novbr. Im nächsten Jahre soll hier ein 8 Wochen dauernder Kursus zur Erteilung von Turnunterricht, sowie zur Ausbildung von Lehrern und Lehrerinnen in der Leitung von Volks- und Jugendspielen ab» gehalten werden.
k Frankenberg, 29. Nov. Mit der am 1. Dezember stattfindenden Inbetriebsetzung der Bahn Frankenberg-Winterberg wird der letzte Rest des seit Jahren angestrebten direkten Schienenstrangs von Hessen in das Siegerland und Ruhrtalgebiet dem Verkehr erschlossen. Die ganze Strecke führt bie amtliche Bezeichnung Frankenberg-Bestwig. Sie hat folgend« Stationen: Frankenberg, Röddenau, Allendorf, Bromskirchen, Hallcnberg, Züschen, Winterberg, Sleinhelle, Bigge, Nuttlar, Bestwig. Es ist also eine gerade Verbindung zwischen bei Main-Weserbahn von Marburg an gerechnet bis zur Ruhr- Steinen des JohanniSkirckhofs sind nicht zum mindesten dafür zu rühmen. Was, als sie lebten, geschaffen worden ist an unsterblichen Werken, was wir in der alten Noris und über ihre Grenzen hinaus an Bau und Bildwerken in Stein, Holz und Eisen, an farbenglühenden, unvergänglichen Darbietungen bewundern, es ersteht hier vor unseren inneren Blicken und kernige, urdeutsche Weisen, launig und gemütvoll, leise scheinen sie zu uns herüberzuklingen. Alljährlich zu großen kirchlichen Feiern am Johannistag und am Totenfest schmückt die dankbare Sta^t Nürnberg die Gräber ihrer großen Söhne. Unter leuchtend buntfarbigen Kränzen und Gewinden verschwindet dann das Malerzeichen auf dem Granitblock des Möisters der Farben: Albrecht Dürers. Die Hände, die nun dort tief im Erdenschoß längst zu Staub geworden, wir danken ihnen die herrlichsten Schöpfungen, sie sührten den Pinsel und auch die Feder, deutsche Kunst offenbarend und lehrend; mit gleicher Gewandtheit zeichneten st« Baupläne und übten Gravieren und Holzschneiden: aus allem was sie geschaffen, spricht Kraft und Wahrheit, ein echt deutsches Gemüt — einer gewissen Schalkheit nicht abhold, —_ spricht ein gewaltiges, unsterbliches Genie, uns, dem deutschen Volke gehörig. Schweigend, voll Stolz beugen ivir uns über den Stein, der unter Blumengewinden ander linken Seite die dem berühmten Toten gewidmete lateinische Anschrift trägt, deren freie Uebersetzung ins Deutsche rechts daneben in erzenen Buchstaben also lautet:
Hier ruht der Künstler Fürst, Der mehr als große Mann,
An viel Kunst hat cs dem
Noch keiner gleich getan.
Die Erd' war ausgemahlt,
Der Himmel dich jetzt hat,
Du mahlest heilig nun
Dort in der Gottesstadt.
Der Bau-, Bild-, Nkvhlerkunst
Die nennen dich Patron
Unb setzen dir nun auf
Am Tod die Lorbeerkron! —
©§ ist auf dem Grabstein nicht angegeben, wie bei den meisten andern, daß auch Frau und Familie mit darunter