Donnerstag
26. November
Seite 10__________.__
Parteien in derselben Meise ihre Gegenschriftsätze mit den zn- gehörigen Bekagslücken und ihren Schlußantrngcn hinterlegen.
Artikel 4. Jede Partei hat spätesten? am 15. April 1909 beim internationalen Bureau den Betrag von 3000 niederländischen Gulden als Vorschuß auf dieKosten des Schiedverfahrens zu hinterlegen.
Artikel 8. Das Schiedsgericht wird am 1. Mai 1909 im Haag zusammentreten und sofort zur Untersuchung des Streitfalles schreiten. Es ist befugt, sofern ihm das nützlich erscheint, zeitweilig sich nach einem andern Orte zu begeben, oder eins oder mehrere seiner Mitglieder dahin abziwrdnen, um dort Erhebungen gemäß Artikel 20 des Abkommens zur friedlichen Erledigung internationaler Streitfälle vom 18. Oktober 1907 anzustellen.
Artikel 6. Die Parteien können von der deut sch e n oder der französischen Sprache Gebrauch machen. Die Mitglieder des Gerichts können sich nach ihrer Wahl der deutschen oder der französischen Sprache bedienen. Die Entscheidungen des Gerichts werden in beiden Sprachen abgefaßt.
Artikel 7. Jede Partei wird durch einen besonderen Agenten vertreten, der die Aufgabe hat, zwischen ihr und dem Gericht als Mittelsperson zu dienen. Diese Agenten werden die Ansklärungen geben, die das Gericht von ihnen erfordert. Sie können die'Rechtsbeihilfe vorbringen, die sie zur Verteidigung ihrer Sache für nützlich halten.
Artikel 8. Soweit sich nicht aus dem vorliegenden Schiedsvertrag ein anderes ergibt, kommen auf dieses Schiedsverfahren die Bestimmungen des erwähnten Abkommens vom 18. Oktober 1907 zur Anwendung, das zwar noch nicht ratifiziert, aber sowohl von Deutschland wie von Frankreich unterzeichnet worden ist.
Artikel 9. Nachdem das Schiedsgericht die ihm unterbreiteten Tat- und Rechtsfragen entschieden hat, wird es dementsprechend über das weitere Geschick der am 25. September verhafteten Personen, insoweit Streit darüber besieht, Bestimmung treffen.
Berlin) 24. Nov. Der heute bekannt gegebene Wortlaut des zwischen dem Vertreter des Auswärtigen Amtes Herrn von Kiderlen und bem Botschafter Jules Cambon abgeschlossenen Schiedsvertrages bedeutet den formellen Abschluß des Zwischenfalls von Casablanca, der nunmehr in aller Form der schiedsgerichtlichen Erledigung iiber- tragen ist. Dieses Abkommen wird in Deutschland und wohl auch in Frankreich ohne Erregung und mit Befriedigung ausgenommen werden. Denn alle Welt ist wohl froh, daß die Sache auf dieses Geleis gebracht worden ist. Herrn von Kiderlen-Waechter kann man nur Dank wissen, daß es ihm während seines kurzen Interregnums — Herr o. Schön wird voraussichtlich am 1. Dezember die Geschäfte wieder übernehmen — gelungen ist, diesen überaus ärgerlichen Fall rasch und in' einer Weise zu Ende zu führen, die die Würde beider beteiligten Staaten in keiner Weise beeinträchtigt.
Das Martyrium eines Kaisers.
Ein merkwürdiges Geheimdokument, in dem der jüngstverstorbene chinesische Kaiser seine Schmerzen und Leiden aufzählt und das durch eigenartige Umstände in die Hände eines Mitgliedes der französischen Gesandtschaft in Peking kam, wird im „Matin" veröffentlicht. Es war im Jahre 1898, als der damalige französische Gesandte in China Stephan Pichon angesichts der pessimistischen Gerüchte von dem Gesundheitszustand des Kaisers Kwang-sü in Peking die Erlaubnis erwirkte, dem Kaiser die Behandlung des französischen Botschaftsarztes, des Dr. Detheve, angedeihen zu lassen. Die Kaiserin-Witwe erteilte ihre Genehmigung, und in Begleitung des Konsuls Vissiere wurde der Arzt in Gegenwart Tsu-Hsis von dem kranken Kaiser empfangen. Der Kaiser machte einen sehr deprimierten Eindruck, seine dunklen Augen starrten teilnahmslos ins Weite, und der schwächliche kleine Körper ließ kaum glauben, daß man einem erwachsenen Manne von 28 Jahren gegenüberstand. Mit Erlaubnis der Kaiserin-Witwe durfte der Arzt zur Auskultation schreiten, und dann richtete man eine Reihe Fragen an den Kaiser, die sich auf sein körperliches Befinden bezogen. Mitten im Gespräche, ohne seine Tante anzusehen, zog er plötzlich heimlich aus seinem Seitentuch eine kleine Papierrolle, die er unbemerkt dem Dr. Detheve in die Hand drückte. Es ist das Schriftstück, das heute veröffentlicht wird, ein einzigartiges Leidensbekenntnis eines gekrönten Fürsten. Der Kaiser erzählt darin, wie er immer beim Klange des Gongs von Schwächegesühlen übermannt werde und wie in der Nacht im Traume derselbe Klang in ihm forthalle, ihm Schwindelgefühle errege, allerlei anfangs angenehme Vorstellungen wachrufe, die dann fast immer in einem schmerzlichen Gefühle körperlicher Leere ausklangen. „Seit dem Frühling dieses Jahres ist es mir, als seien die Finger meiner beiden Hände innerlich geschwollen und starr wie Holz; meine Hüften und Schenkel schmerzen mich, als wären sie hohl und leer. Wenn ich spreche, huste oder niese, so ist es, als zöge sich mein Körper innen zusammen; der Atem überstürzt sich, wie wenn man keucht, und ich muß seufzen. Zudem kann ich weder die Kälte ertragen, noch die Wärme und auch keinerlei Ermüdung. Siehe ich eine zeitlang aufrecht, so wächst der Schmerz in den Hüften und Schenkeln, die Brust scheint sich auszuweiten und der Atem hastet. Ich fühle keinen Boden unter meinen Füßen. Wenn ich längere Zeit sitze, schwellen mir die Augen auf und Arme und Beifie geraten in schmerzvolle Erstarrung, die Brust scheint sich zu verstopfen und der Atem wird gepreßt. Wenn ich in der Nacht schlcue, erkalten meine Schenkel und Knie. Nach dem Erwachen ist mein ganzer Körper statt, und es fällt mir schwer, mich zu rühren odermichumzudrehen. Gewöhnlichhabeich fortwährendes Summen und Surren in den Ohren und eine leichte Taubheit, und an den Händen habe ich stets ein Kältegefühl. Aber diese meine Leiden können nicht beseitigt werden. Wenn ich die Arzneien gebrauche, die mich wärnien sollen, so bilden sich an meinem Köpfe und an meinem Körper kleine Blattern und auf meinem Halse und an den Zähnen entstehen kleine Blasen. Dann schmerzen mich die Zähne. . . Obgleich ich täglich viel esse, wickelt sich der Verdauungsprozeß nur schwer ab. . . Am Tage verspüre ich eine Müdigkeit und rmen Widerwillen gegen jede Bewegung, ich habe den Wunsch, mich zu legen. Allein, wenn ich längere Zeit liege, erweitert sich die Brust, und ich kann es kaum aushalten. Auch den Wind muß ich sehr fürchten. Wenn ein kühler
Windhauch mich berührt, verspüre ich einen Schmerz oberhalb der rechten Schläfe. Andererseits, im Herbst und im Winter, wenn ich etwas dichtere Kleidung trage und wärmere Decken benutze, dann entstehen leicht die Blasen auf meinem Körper und auch auf der Zunge. Das tritt auch ein, wenn mein tägliches Getränk Teile enthält, die Wärmegefühle ausILsen." Mit einem melancholischen Seufzer schließt dies seltsame Dokument: „In Wahrheit, es ist schwer, ein Mittel zu finden, um dies Nebel zu bekämpfen und die Gesundheit aufrecht zu erhalten."
Lieber die Neger in Nordamerika teilt der „Berliner Missionssreund" eine Reihe von Angaben mit, die den schlagenden Beweis liefern, daß diese vielfach so verachtete Rasse doch einer großen geistigen und kulturellen Entwicklung fähig ist. Als in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Sklaverei in Amerika ausgehoben wurde, behaupteten viele, es würde ben befreiten Negern gehen wie den Indianern — sie würden aussterben. Dabei steht es heute so, daß sie sich stärker vermehrt haben-als die weißen Bewohner des Landes. In etwa 40 Jahren sind die 4 Millionen Neger in Amerika auf etwa 10 Millionen angewachsen. Vier Fünftel davon — 8 Millionen — sind evangelische Christen, die sich im Laufe der Zeit etwa 24 000 Kirchen mit fast 7 Millionen Sitzplätzen gebaut haben ; das Vermögen dieser Kirchengemeinden wird auf über 110 Millionen Mark geschätzt. Im Jahre 1900 besuchten etwa 2 Millionen Negerkinder Schulen, an denen 22 000 Neger als Lehrer tätig waren. Die Zahl der höheren Schulen beträgt jetzt 136, unter ihnen ist wohl die Hochschule (Tuskegee-Jnstitut) in Alabama die bekannteste, ihr Begründer und Vorsteher, der Neger Booker Washington, ist ein weltberühmter Mann geworden.
Fast auf allen Gebieten haben die amerikanischen Neger bewundernswerte Fortschritte gemacht. Vor 40 Jahren hatten sie nicht einen Morgen Landes, heute besitzen sie Land, welches Zusammengelegt die Größe von Holland mit Belgien erreichen würde. Im Jahre 1900 zählte man unter ihnen 757 822 Grundbesitzer und Pflanzer und 1 344125 Landarbeiter. Damals erwarben 84,1 Proz. der männlichen und 40,7 Proz. der weiblichen Negerbevölkerung über 10 Jahre schon durch Arbeit ihr tägliches Brot — eine Tatsache, vor der doch das so vielfach nachgesprochene Gerede von der heillosen Faulheit der Neger sich schwer behaupten kann. Aber auch in den Städten, wo sie hin und wieder den Haupttcil der Bevölkerung bilden, wie z. B, in Richmond mit 35 000 Negern, verdienen sie sich ihr Brot, und zwar nicht nur immer als niedrige Arbeiter. Im Jahre 1900 waren schon 1724 als Aerzte und Chirurgen anerkannt. Im Patentbureau von Washington sind Negern 400 Erfindungen patentiert. In Richmond gab es unter den Negern schon 1900 etwa 30 Geistliche, 90 Schullehrer, 10 Advokaten, 18 Aerzte. Fünf Wochenblätter wurden hier von ihnen redigiert, vier Bankgeschäfte von ihnen geleitet, nicht weniger als 31 Kirchen sind von ihnen erbaut.
Tas Monatsblatt der Norddeutschen Mission erwähnt noch ein höchst bemerkenswertes Urteil, das ein Herr Moritz Schanz, Besitzer einer großen Baumwollspinnerei in Chemnitz, im „Tropenpflanzer", dem Organ des Kolonial-Wirtschaftlichen Komitees, über den Einfluß der Erziehung auf die Neger Nordamerikas gefällt hat. Es heißt da: „Die Schwarzen, welche bei der Sklavenbefreiung mit nichts anfingen, besitzen heute Eigentum. im Werte von etwa 500 Millionen Dollars. Nur noch 44 Proz. der nordamerikanischen Farbigen sind heute Analphabeten, und neben unmoralischen und trägen Elementen gibt es auch unter den Negern viele, die bezüglich Intelligenz, Reinheit des Familienlebens und ihrer Bürgertugenden durchaus den Vergleich mit jeder anderen Rasse aushalten. Verbrechen unter den Farbigen sind seit 1894 in nennenswerter Abnahme begriffen. Ebenso geht die in erster Linie durch Unwissenheit, Unmoral und Nichtbeachtung der einfachsten hygienischen Grundsätze bedingte hohe Sterblichkeit der Farbigen in Nordamerika, welche um 75 Proz. und mehr biejenige'ber dortigen Weißen übersteigt und sich vorwiegend in Lungenkrankheiten und starker Kindersterblichkeit äußert, langsam zurück."
Angesichts solcher Tatsachen sind es doch gewiß nicht leere Träume, denen die Mission nachjagt, wenn sie mit der Zeit auch bei den Negern Afrikas eine ähnliche geistige und sittliche Entwicklung durchzusetzen hofft.
KunTt and Heben.
Eine Fahrt ins unbekannte Land. Die gewaltige Eisenbahn, die die Engländer vom Kap der guten Hoffnung nach Kairo bauen, schreitet täglich etwa eine Meile fort; aber das Ende bilden vorläufig noch die Viktoria-Fälle des Zambesi. Wer von dort weiter fährt, macht eine Fahrt ins unbekannte Land auf der halb fertigen Straße. Hat man die letzte Station Livingstone hinter sich, die inmitten prächtiger Gärten liegt, so geht die Fahrt durch einen herrlichen Urwald ; nur ab und zu sieht man die ersten Zeichen der Kultur, dürftige Hütten der Streckenarbeiter, die nur zweimal in der Woche durch die provisorischen Züge mit Nachrichten aus zivilisierten Gegenden versehen werden. Selten findet man hier Frauen; denn für eine Frau wäre es ein ziemliches Wagestück, einem Manne in die Einsamkeit zu folgen, ohne jede Aussicht, mit einer Geschlechtsgenossin zusammenkommen zu können. Noch während der Fahrt durch den großen Wald muß der Reisende sich sein Mittagsmahl zubereiten, denn einen Speisewagen führt der Arbeiterzug, der nur aus unbequemen Güterwagen besteht, nicht mit sich und auch mit Nahrungsmitteln muß man für genügende Zeit versehen sein. Mittags wird Kalomo erreicht, die alte „Hauptstadt" des nordwestlichen Nhodesia, die in einer un= geheuren Ebene liegt. Kalomo ist jetzt fast vollständig verlassen und die Wildnis überflutet allmählich wieder die Stadt. Wenn es Abend wird, wird die Fahrt überaus interessant, denn jetzt wacken überall die Tiere des Waldes und der Steppe auf und nähern sich ohne Scheu der Eisenbahn. Dann bricht mit der den Tropen eigenen Geschwindigkeit die Dunkelheit herein und der Zug hält in Choiiia. Hier entspinnt sich nun reges Leben und ein großer Teil des Abends wird der Unterhaltung gewidmet. Der nächste Tag verläuft dem ersten ähnlich, denn die Landschaft zeigt wenig neues. Interessant ist dagegen das Leben der Arbeiter an der Strecke. Abends flammen plötzlich amBahn- damm zahlreiche Feuer auf, an denen gekocht und geschwatzt wird: Leute aus aller Herren Länder sind da durcheinander
gewürfelt und sie reden in allen möglichen Sprachen. Erst am dritten Tage erreicht der Reisende die Station, an der auch die Arbeiterzüge Halt machen müssen, Broken Hill; eine Strecke weiter noch ist der Bahndamm-schon fertig, aber die Schienen hören bald auf und es beginnt die Wildnis, durch die die Eisenbahn der Kultur den Weg bahnen soll.
Hus aller Gleit.
Eine Verbrecherjagd mit Hindernissen Wie sich gestern in Berlin ab. Ein gefährlicher, Verbrecher, namens Rischewski, entfloh bei seiner Verhaftung dem Polizeibeamtcn und konnte nur mit Mühe wieder einge- fangen und überwältigt werden. Wegen seiner Gefährlichkeit wurde er in eine mit einem Drahtgitier versehene Zelle gesetzt. Als man aber den Verbrecher später vernehmen wollte, war er wieder verschwunden. Er hatte sich entfesselt, das Drahtgitter auseiuandcrgerissen und war anderthalb Stock hoch aus dem Fenster auf den asphaltierten Hof hinab- gefpritngen. Die Vermutung, daß der Flüchtige zu seinen Freundinnen gehen werde, bestätigte sich. Bei einer Durchsuchung der Behausung entdeckten die Beamten zwischen Matratze und Untergestell eines Bettes Rischewski. Er hatte sich bei dem Sprung aus dem Zellenfenster ein Bein verstaucht und nur mit Mühe seinen Unterschlupf erreicht.
Ein Snell unter — Schülern! Zwei Schüler einer höheren Berliner Lehranstalt fochten gestern im Walde bei Karlshorst einen „Ehrenhandel" aus. Eine Anzahl junger Leute nahm um die Duellanten Aufstellung und bald darauf ging die Knallerei aus Revolvern los, ohne daß jedoch einer verletzt wurde. Als die Herren Jungens merkten, daß sie beobachtet wurden, ergriffen sie die Flucht in der Richtung nach Köpenick zu und sind auch unerkannt entkommen.. Es soll sich bei dem „Duell" um eine Liebesaffäre gehandelt habcy. (Natürlich!)
Ein Wettrennen mit dem Tode. Furchtbare Szenen haben sich bei der großen unterirdischen Gasexplosion abgespielt, die vor einigen Tagen die Bewohner von Brook- I y n in höchste Aufregung versetzte. Eine der Hauptstraßen war amgerissen worden, da die Gasleitung reparaturbedürftig ivar, und in der Tiefe arbeiteten 15 Arbeiter an den riesigen Rohren. Plötzlich erschütterte ein dumpfer, furchtbarer Stoß den Erdboden meilenweit im Umkreis, Fenster wurden eingedrückt, und aus dem Schacht in der Straße stieg sofort eine lohende Flammenwelle empor. Unten in der Tiefe waren fast alle von dem Druck an die Wände geschleudert und zerschmettert. Nur vier Arbeiter waren noch am Leben. Die Explosion sprengte das große Hauptrohr der Wasserleitung, so daß die vier, die dem Tode entgangen schienen, das Ertrinken vor Augen hatten. Ein furchtbares Wettrennen durch den dunklen, halbvollen Abzugskanal folgte. Atemlos arbeiteten die vier durch die Fluten sich vorwärts, hinter sich das aus der gesprengten Röhre eindringende Wasser, das immer höher stieg. Gelang es nicht, die Oeffnung zum Flttsse, die Mündung des Abflußrohres beizeiten zu erreichen, so mußten sie ersticken. Mit jedem Meter, den sie zurücklegien, stieg die Flut. Endlich erreichten sie die Mündung zum East-River in dem Augenblick, als das Wasser die Röhre völlig ausfüllte. Halb bewußtlos zog man die Geretteten aus den Fluten.
®tn Akt unmenschlicher Roheit wird atts Uten- Hofen in Niederbayern gemeldet. Zwei von der Hochzeit heimkehrende Bauernburschen halten aus reiner Rauflust einen friedlich heimkehrenden Knecht trotz seiner flehentlichen Bitten mit Zaunlatten totgeschlagen. Sie schleppten die Leiche darauf ein paar hundert Meter weit weg und gingen dann wieder in das Wirtshaus zurück, wo sie zuvor schon geäußert hatten, einer müsse heute noch hin fein. Die beide» Totschläger wurden verhaftet.
„Echt russische Leute!" Während der Eröffnung der Petersburger Ausstellung alter russischer Meister behandelte der kaiserliche Kommissar Wraugell den greisen Maler Botkin, einen hervorragenden Künstler, und Mitglied der Akademie der Künste, auf das Brutalste; er versetzte ihm wegen einer geringfügigen Ursache mehrere Ohrfeigen. Der Vorfall erregt natürlich große Empörung.
Ein folgenschwerer Unfall im Theater ereignete sich zu Barcelona in Spanien. Im dortigen Alcoy-Theater gab das Geländer der Galerie beim Andrang des Publikums nach. Einige hundert Personen stürzten 12 Meter tief in das Parkett hinunter. Alle wurden schwer, 3 tödlich verletzt. *- Im Neuen Operettentheater in Berlin stürzte ein Bühnenarbeiter während der Vorstellung von einer Laufbrücke herab. Der Sturz wurde dadurch gemildert, daß der Mann auf die Beleuchtungsanlage siel; so kam er zum Glück mit Hautabschürfungen davon.
Kampf mit einem Bären. In den Gebirgswäldern bei R u ß k o (Mähren) wurden der Taglöhner Michael Htimicza und dessen Sohn von einem Bärenpaare angegriffen. Der alte Humicza schlug eines der Raubtiere mit der Holzaxt in die Flucht, wurde aber von dem zweiten Bären lebensgefährlich verletzt. Glücklicherweise kollerte das Tier, während der Mann verzweifelt mit ihm rang, einen steilen Abhang hinab und wurde von herbeigeeilten Waldarbeitern in die Flucht gejagt.,
DreihunDert gefälschte Schulzeugnisse. Die Staatsbahndircktion in O f e n p e st erstattete die Anzeige, daß eine große Anzahl ihrer Angestellten, meist Weichenwärter und Gepäckträger, auf Grund falscher Bürgerschul- zeutznisse die Aufnahme in den Bahndienst erschwindelt hat. Die Polizei ist nach kurzer Untersuchung bereits im Besitze von annähernd dreihundert falschen Bürgerschulzeugnissen. Es stellte sich heraus, daß zahlreiche Bauernburschen, meist Analphabeten, nach kurzem Aufenthalt in der Hauptstadt mit dem Reifezeugnis der Bürgerschule in die Heimat zurück- kehrten. _ Mehrere Direktoren der hauptstädtischen Bürgerschulen sollen in der Affäre' schwer kompromittiert sein.
Sleruvteifter Bankier. Das Landgericht Hamburg verurteilte nach mebrstündiaer Verbandluna den Bankier