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25. November_______________

Hus aller Mett.

Umfangreiche Schmuggeleien entdeckt! Eine Firma Schröbet und Bachmann, die in Berlin ein Groß- gesckäit in Kaffee und Zucker unterhält, stand mit Fracht­schiffern in Berbindung, die ihr gegen einen fest vereinbarten Preis ihren Bedarf an Waren lieferten und ihn aus den einzelnen Frachtschiffen in kleinen Stücken stahlen. Ein Frachtkutscher, der das Anrollen besorgte, hat ausgesagt, daß er im letzten Jahre für etwa 60 000 3)!. Waren an die Groß­firma gefahren habe. Das Geschäft ging so gut, daß die Firma Reisende zum Vertrieb ihrer billigen und ausgezeich­neten Waren unterhalten konnte. Berliner Einbrecher raubten in Trampe das Herrenhaus des Grafen v. d. Schulenburg aus, das zurzeit fast ohne Aussicht ist. In die Hände fielen ihnen namentlich Silber und Gold, das einen hohen Metallwert, aber einen noch viel größeren Altertums­wert hat, darunter viele Geschenke von Königen und Fürsten, benio ein Geleitbrief Napoleons I.

. Ein Ueberfall auf einen Bahnschaffner wird aus Aachen gemeldet. Der Schaffner wurde zwischen Aachen und Jülich in einem Abteil 3. Klasse von Fahrgästen überfallen und schwer mißhandelt. Er liegt im Sterben. Bei Noten­mühlen (Negbz. Arnsberg) wurde der Händler Pampus auf der Nachhausefahrt von mehreren Personen überfallen, er­schlagen und seiner Barschaft im Betrage von 300 Mark beraubt.

Die Rache Des Wilderers. Indem mährischen Orte Dietkowitz in der Nähe von Brünn wurde der Wald­heger des Grafen Shlva-Tarouca, Franz Gazel, als er vor dem Ofen hockend Feuer machte, durch einen meuchlings durch das Fenster abgegebenen Schuß getötet. In der Wohnung lag die Gattin des Hegers im Wochenbett. Der Verdacht der Täterschaft lenkt sich auf einen von dem Er­schossenen zur Anzeige gebrachten Wilderer.

Beim Essen erstickt. Einem Kohlenhändler in Kiel geriet beim Abendessen ein Stück Fleisch in die Luftröhre. Trotz aller Versuche, ihm Hilfe zu leisten, fand der Mann den Erstickungstod.

Stiftung. Der Stadtverordnetenvvrsteher Emil Steckner tind der Bankier Ktirt Steckner in Halle a. S. haben der zur Jahrhundertfeier der Städteordnung aus städtischen Mitteln errichteten Frhr. v. Stein-Stiftung 15 000 Mk. überwieien.

Gestrandet. Das italienische Segelschiff Fernanda, mit einer Holzladung von Riga nach Swansea bestimmt, ist bei der niederländischen Insel Terschelling gestrandet. 5 Mann wurden gerettet, der Kapitän und ein Mann befinden sich noch an Bord, sieben Blaun werden vermißt.

Die Rettungsstation Helgoland der Deutschen Gesell­schaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphiert: Am 23. Nov. wurden von den drei deutschen Tjalken Talken (Schiffer lllbs), Wilhelmine (Schiffer Backhoff) und Hermann (Back- hoft), die von Hamburg nach Bremen bestimmt waren, sechs Personen durch das Rettungsboot Claus Dxeyer in zwei Fahrten gerettet.

Ein verhängnisvollerDell"-Sch«fi. In einem Londoner Variötè-Theater produzierte sich jeden Abend ein weiblicher Künstschütze, der einem Mitwirkenden mit einem Tellschuß einen Apfel vom Kopfe schoß. Bei der vorgestrigen Vorstellung ging der Schuß fehl und traf den Partner in den Kopf. Dei Schwerverletzte wurde ins Kings-College- Hospital gebracht, wo er gestern morgen starb.

Das Grubenttnglück in Westfalen. Die Enl- schävignngcn.

Bochum, 24. Nov. Bei dem Unglück auf Zeche Radbod sind 341 Personen getötet und 27 verletzt, mithin 368 Per­sonen von den, Unglück betroffen worden. Von den Getöteten waren 232 verheiratet, 105 ledig und 4 verwitwet. Das Sektionsverwaltungsbureau der Knappschaftsberufsgenossen- schait hat die erforderlichen Arbeiten für das Rentenfest- setzungsverfahren unverzüglich ausgenommen und so gefördert, daß mit der Auszahlung der Entschädigungen &ir die Hinterbliebenen seitens der zuständigen Postämter bereits am 19. November begonnen werden konnte. Die letzten Zahlungsanweisungen sind, soweit deren Ausfertigung erfolgen konnte, der kaiserlichen Oberpostdirektion in Dortmund am 22. November vormittags eingesandt worden. In 71 Fällen konnte das Hinterbliebenengeld und in 79 Fällen die Hinterbliebenenrenten noch nicht ange- mich doch auch wecken können." Im nächsten Augenblick aber sah sie es doch ein, daß das unmöglich war; das ver­bot ihm sein Stolz, seine Ehre, wußte er doch, wieZeppe­lin" sozusagen derZankapfel" zwischen ihnen war. Als sie sich schnell ankleideie und aus dem Fenster schaute, da be­gegnete ihr ein Bild höchster Aufregung: aus dem Dach­fenster schauten zwei oder drei aufgeregte Gesichter, jede Plattform war dicht besetzt von Menschen, auf einem Telephon­gestell hockte ein lustiger Junge und schwenkte wie toll mit dem Tuch.Hurra, hurra!" tönte es von allen Seiten. Jedermann, jedes Kind stimmte ein in den Jubel, als das Wunder von der Bismarcksäule her majestätisch herankam ; aber Grete konnte nichts am Himmel sehen, aus keinem Fenster konnte sic das Luftschiff entdecken, das konnte man bis jetzt nur vom Dach aus sehen! Sollte sie die Einzige sein, üe abseits stünde, die nicht mitjubeln konnte, nur um eines Zwistes willen, nein, eines Unrechtes, das sie, ja sie allein ihrem Mann getan hatte!

Auf einmal stieg es heiß in ihrer Seele alls.Max, vergib mir", murmelte sie, und heiße Tränen stiegen ihr in die Augen. Es wurde ihr auf einmal klar, wie groß, wie herrlich' es war, etwas Großes, Neues, noch nie Dagemesenes zu erfinden! Und wenn auch Baxens Patent ganz winzig, ganz unbedelitend im Vergleich zu diesem Wunder war, waren es nicht die gleichen Hoffnungen, das gleiche Selbst­vertrauen und der gleiche Kampfesmut, welche den Helden Zeppelin zu seinem Sieg geführt hatten, die auch ihres Mannes Brust erfüllten ? Wie mußte sie ihn ost gekränkt haben mit ihrem Unverstand, ihrem teilnahmslosen Wesen seinem Unternehmen gegenüber! Sie häufte noch Vorwürfe auf ihn weil er sein Geld bricht das ihre) daran verwendete. Tief beschämt fühlte sie sich in diesem Augenblick ; sie war häßlich, kleinlich, abscheulich gewesen! Und draußen jubelte es aus allen Kehlen! Eine unbezwingliche Sehnsucht über­kam sie, mitzujubeln, mitzustaunen !Hinauf! rief cs in ihrer Seele,hinauf zu ihm, ihn um Verzeihung bitten, stolz als sein Weib an seiner Seite stehen!" ,

Ein Schluchzen rang sich aus ihrer Brust, als sie die Treppen hinaufeilte : leise öffnete sie die -Htre despatent- zimmers" und schlick hinein; Mar hörte nichts, er hing

- _________Mittwoch__ wiesen werden, weil der Wohnort der Hinterbliebenen noch nicht zu ermitteln war. Die Fürsorge für die Aus­länder wird stattfinden, wenn die erforderlichen Urkunden durch die betreffenden Konsulate beschafft worden sind, wozu sich diese schon bereit erklärt haben. Die bis jetzt festgesetzten Uniallsentschädigungen betragen: a) einmalige Ausgabe für 341 Getötete: 36 536.28 Mk. Sterbegeld oder im Durchschnitt pro Kopf 107.14 Mk.; b) fortlaufende Ausgaben für 232* Witwen mit 567 Kindern 184 010.34 Mk.; im Durchschnitt entfallen auf jede Tamile rund 800 Mk. (genau 739.15 Mk.). Ferner erhalten 6 Waisen zusammen eine Jahresrente von 1382.22 Mark. Nach den bisherigen Feststellungen der Knappschaffsbcriüsgenossenschaft beziehen an Rente : 31 Witwen mit mehreren Kindern eine Jahresrente von 1000 bis 1100 Mark, 112 Witwen mit mehreren Kindern eine Jahresrente von 900 bis 1000 Mark, 2 Witwen mit mehreren Kindern eine Jahresrente von 800 bis 900 Mark, 4 Witwen mit mehreren Kindern eine Jahrcs- rente von 700 bis 800 Mark, 32 Witwen mit einem Kinde eine Jahresrente von 600 bis 700 Mark, 1 Witwe mit einem Kinde eine Jahresrente von 573.12 Mark, 1 Witwe mit einem Kinde eine Jahresrente von 476.40 Mark, 46 allein­stehende Witwen eine Jahresrente von 300 bis 400 Mark, 2 alleinstende Witwen eine Jahresrente von 275.88 Mark, 1 alleinstehende Witwe eine Jahresrente von 238.20 Mark. Die Verhandlungen über die Aszendentenansprüche sind, so­weit solche bekannt geworden, eingcleitet, haben aber ihren Abschluß noch nicht finden können. Zur Zeit befinden sich noch 22 Verletzte im Krankenhause, während 5 inzwischen entlassen werden konnten.

Sturm auf der Nordsee.

Wilhelmshaven, 24. Novbr. Infolge Hochwasser und Sturm erlitt der im Bau begriffene Scedeich erheb- lichen Schaden. Ein Eisenbahnzug wurde fortgc- schwemmt. Menschen wurden nicht verletzt.

Antwerpen, 24. Novbr. Infolge des Sturmes ist eine erhebliche B c e i n t r ä ch t i g u n g der Schiffahrt auf der Schelde eingetreten. Mehrer Dampfer sind überfällig. Ein Teil der am Kai aufgestapelleii Waren ist durch den hohen Wasserstand fortgeschwemmt worden. Bei Crayseke ist der Deich auf eine große Strecke beschädigt. Es sind so­fort Reparaturen vorgenommen worden, um einen Deichbruch zu verhüten.

Dünkirchen, 24. Novbr. Der Sturm hält an. Die Wellen dringen in denHaien ein. Die Ver­kaufsbuden längs des Strandes wurden von den Wellen fortgeschwemmt. In Port Mardick sind zahlreiche Gegen­stände, die von Schiffen herrühren, an den Strand geschwemmt worden. Man vermutet daher Schiffsunfälle.

Wirbelsturm in Nordamerika.

Newhork, 24. Nov. Ein Telegramm aus Little Rock (Arkansas) meldet, daß zwei Wirbelstürme gestern mehrere Städte im nordwestlichen Arkansas schwer heimgesucht haben. 30 Personen sind tot, viele verletzt, andere werden vermißt. Es sind Eisenbahnzüge mit Mitteln zum Steuern der ersten Not nach den betroffenen Ortschaften abgelassen worden.

Barometerstau-.

12 Nhr am 24. 11. 25. 11.

Sehr trocken 770,

Beständig =^

Schön 760^21

Veränderlich === ]

Regen (Wlnd?o0'^-

Viel Regen 74

Sturm 730 H

mit bem Oberkörper zum Fenster hinaus und schrie aus Leibeskräften:Hurra, hurra, Zeppelin, all Heil!!" Da fühlte er plötzlich eine kleine Hand auf seiner Schulter und eine tränenerstickte Stimme bat:Vergib mir, Max!"

Du!" rief er. Luftschiff, Zeppelin, alles war vergessen; sein geliebtes Weib verlangte nach ihm, nach seiner Liebe! Jubelnd schloß er sie in die Arme. Dicht aneinander ge­schmiegt, Wange an Wange sahen sie durch das schmale Dachfenster das Wunder herannahen, und es durchschauerte ihre Herzen, als sie diesen großen, weißen Körper, von der Morgensonne hell beleuchtet, so zielbewußt, so majestätisch sich seinen Weg dnrch die Luft bahnen sahen. Beiden liefen die Freudentränen nur so herunter, und Grete faltete unbewußt die Hände, wie ein Kind, das plötzlich vor dem Weihnachtsbaum steht, überwältigt von all der Herrlichkei.t Und zwischen dem Jubeln und Staunen flüsterte Max: Nun ist alles wieder gut zwischen uns !"Gott sègne ihn'', hauchte sie leise,er hat uns in dieser Stunde wieder zu- sammengeführk!" Und als endlich das Luftschiff, kleiner und kleiner werdend, gegen Degerloch hinter dem Wald ver­schwand, da mußte Grete ihren Mann nochmals um Ver­zeihung bitten.Ich habe Dir bitter unrecht getan, ich habe Dich tief gekränkt, Mar, aber jetzt glaube ich an Dich und Dein Können, ich fühle es, Dein Patent wird noch triumphieren !" Und als Max sie gerührt an sein Herz hielt, da raunte sie ihm ein paar Worte ins Ohr, die ihn wie elektrisiert auffahren ließenUnd wenn's ein Junge ist, dann soll er Ingenieur werden, wie sein Vater", schloß Frau Grete glückselig!

Als am Nachmittag die erschütternde Nachricht zu Grete drang von dem Unglück in Echterdingen, da schmolz ihr ganzes Herz in innigem Mitgefühl für den Helden, der in seiner Siegesstunde so furchtbar von dem Schicksal getroffen worden war. Ihr war, als müsse sie ihm Abbitte tun, daß sie ihm jemals gegrollt hatte! Sie mußte Max aussuchen, ob er es schon erfahren hatte. Sie hatte ihn gleich nach Tisch sortgehen sehen, und nicht gehört, daß er heimgekommen war. Alle Zimmer waren auch leer: da kletterte sie hinauf zumPatent-immer", da fand sie ihn, hie Arme über den Tuch nusgestreckt : er meinte

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wie ein Kind!Wie schnell kann das Glück in Trümmer fallen!", schluchzte Grete, und es durchschauerte sie, als sie daran dachte, daß auch ihr Glück in Gefahr ge­standen hatte. Da faßte sich Max; er zog seine süße kleine Frau an sich und schaute gen Himmel, zur Sonne, die eben zu dem kleinen Dachfenster hereinstrahlte.DaS Glück ist nicht vernichtet", sagte ec mit fester Ueberzeugung.Das Luftschiff ist verloren, aber der Sieg bleibt und aus den Trümmern wird ein neues Luftschiff erstehen, schöner, herr­licher als das alte!" Wie auch unser Glück jetzt neu erstehen soll!" hauchte Grete glückselig und schmiegte sich fester an sein Herz.

Der 5. August 1908 wird unvergeßlich bleiben in Maxens Leben, denn nicht nur konnte er beim Tagesanbruch das größte Wunder des Jahrhunderts bewundern, nicht nur brachte es ihm die lang ersehnte Versöhnung mit seiner kleinen Frau und brachte ihm die große süße Neuigkeit, die seinem Leben von jetzt an doppelten Wert gab und ihn mit neuem Mut und Arbeitskraft erfüllte, sondern zuletzt, ganz abends, als sie wieder traulich zusammensaß wie im Anfang ihrer glücklichen Ehe, undLuftschlösser" bauten, da klingelte es draußen. Ein Telegramm! Max riß es auf: dann aber erscholl einJuchhe!", daß es nur so von der Decke wider­hallte. Sein patent war von der Regierung angenommen worden, und sie bot ihm eine Summe dafür, daß ihm fast davor schwindelte.Die ersten tausend Mark von dieseni Gelde sollen dem Grafen Zeppelin helfen, ein neues Luft­schiff zu bauen!" rief Max begeistert. Und Grete lief an ihren Schreibtisch, öffnete etwas umständlich die geschlossene Lade im oberen Fach, holte ein dickes Portemonnaie hervor und schüttete den Inhalt ant den Tisch. Es war ein ganz ansehnlicher Hausen, Nickel, Silber und auch einige Gold­stücke waren dabei.Das soll dem lieben guten Grafen auch helfen, ein neues Lnftschifi zu bauen!" sagte sie glück­strahlend.Das habe ich alles ans dem Wirtschaftsgeld zusammeng «Part," erklärte sie lebe für die neue Aus­steuer gib's dem Grafen! " es wirdBubi" Glück bringen!"