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©elbhidi gibt ganz belniUierte Mitteilungen über den in» leres) anten Versuch der Assoziierung französischer und deutscher Häuser zum Zwecke der Vornahme von Kanalarbeiten und des Baues eines Hafens in Laroche. Das Gelbbuch enthält keinen auf die Deserteurfrage bezüglichen Abschnitt; diese Frage wird gänzlich dem Schiedsgericht überlassen. Dagegen nehmen in dem Gelbbuch die Grenzfragen einen breiten yiaum ein.
Nachklänge.
Berlin, 21. Novbr. Die BerlinerAbendblätter verzeichnen mit Genugtuung, bau der heutige Festakt im Rat- Hause sich in einer Form abgespielt hat, die dem Ansehen der Krone wie der Vertretung der Bürgerschaft gleichermaßen gerecht wurde. In dem Gebäude, das er 15 Jahre lang gemieden hatte, war der Kaiser ohne allen Prunk erschienen, er selbst und der Kronprinz in einfacher Gardeuniform, dir Kaiserin und die Kronprinzessin wie die Hofdamen im schlichten schwarzen Kleid. Kein Hoch beim Empfang, kein Absingen der Kaiierhymne. Nur beim Weggang des Kaiserpaares forderte der Stadtverordnctenvorsteher zu einem Hochruf auf, in den die Versammlung einmütig einfiel. Bedeutsam finden es die Abendblätter, daß sich die Ansprache des Kaisers in der korrektesten konstitutionellen Form vollzog. Er verlas seine Rede von einem Papier, daß ihm coram publico der Reichskanzler übergeben hatte. Nach Schluß der Rede gab er sie dem Kanzler zurück. Dieirr überreichte sie seinem Nachbar, seinem Stellvertreter im Amte, dem Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg. Dieser übermittelte sie, wie die Nationalzeitung berichtet, sofort den Journalisten; so war der Weg vom Träger der Krone bis zu den Vertretern der Presse mit einer bisher unerlebten Promptheit ohne alle Zwischrninstanzen gefunden. Den Anfang einer neuen Aera erblick! ein Blatt auch in den freimütigen Worten, die der zweite Bürgermeister Dr. Neicke vor dem Angesicht des Kaisers gesprochen hat. Sehr bemerkt wurde in der Rede des Kaisers auch die Anspielung auf die trüben Tage, auf aussteigende Wolken und ihre Schatten, die sich niemals trennend zwischen Fürst und Volk werten sollen. Sympathisch berührte es auch, daß schon vor dem Festakt durch den Minister des Innern mit dem Hinweis auf die Leistungen der Kommune hohe Orden verliehen worden waren. Dein einstigen Bürgermeister Berlins, Staatsminister Hobrecht, der Rote Adler-Orden erster Klasse mit Eichenlaub, dem Oberbürgermeister Kirschner der Stern zum Kronen-Orden zweiter Klasse. Auch der Stadlverordnetenvorsteher und sein Stellvertreter und verdiente Stadträte wurden ausgezeichnet. So hat allüberall die Jahrhundertfeier der Stadt Berlin den besten Eindruck hinterlassen.
Englisches Parlament. Die Jnvafionssragc.
London, 23. Novbr. (W. B.) Lord Roberts brachte eine Resolution ein, in der es heißt, die Frage der Landesverteidigung erfordere die unverzügliche Aufmerksamkeit der Regierung zum Zweck der Beschaffung eines Heeres, das so stark an Zahl und so wirksam durch seine Eigenschaften sei, daß die furchtbarste fremde Macht zögern würde, eine Landung an der Küste Englands zu versuchen. Ter Redner sagte, der Punkt, auf ben" er die Aufmerksamkeit des Landes zu lenken wünsche, sei, ob eine Invasion möglich sei oder nicht. Lord Balfour habe am 11. Mai 1905 gesagt, daß eine ernstliche Invasion nicht möglich sei. Diese Schlußfolgerung habe auf Taten beruht, die von der Admiralität im Hinblick auf Frankreich als das nächst gelegene Land geliefert seien, da von dort aus ein Einfall am leichtesten auszuführen wäre. Eine in jüngerer Zeit angestellte Untersuchung habe aber gezeigt, daß Balfours Feststellung, wenn sie auch bezüglich Frankreichs im Jahre 1905 zutreffend war, bezüglich Deutschlands im Jahre 1908 nicht zutraf. Die Bedingungen, die Balfour in keinem Urteil bestimmten, hätten sich vollkommen geändert, und England könne sich nicht länger vor der Möglichkeit einer Invasion sicher fühlen. Lord Roberts fuhr fort: Ich habe die Frage unter dem Gesichtspunkt geprüft, daß die einfallende Macht von Deutschland herkommen werde. Lord Balfour hat Frankreich als Beispiel angeführt, ohne daß er dabei an Feindschaft gegenüber Frankreich oder an eine vor diesem Lande zu hegende Bekürchtung dachte. Für meine analoge Beziehung auf Teutschland nehme ich dementsprechend in Anspruch, daß sie weder Feindseligkeit gegen Deutschland noch Furcht vor ihm einfchließt.
Lord Roberts fuhr fort: Er und Lord Lovat hätten ermittelt, daß in Deutschland jederzeit Schiffe verfügbar seien, die zur Unterbringung von 260 000 Mann ausreichten. Diese Truppen könnten während mehrerer Monate des Jahres in den ihren Bezirken zunächst gelegenen Häsen zusammengezogen werden ohne Mobilisierungsmaßnahmen. Die Eisenbahnverbindungen seien so, daß sie gestatteten, dieses Heer in sehr viel geringerer Zeit als in Frankreich nach den Häsen zu bringen und einzuschiffen. Seine Untersuchungen und diejenigen Lovats hätten bewiesen, daß ein deutsches Heer von 150000 Mann in der gleichen Zahl von Schiffen transportiert werden könnten, die Balfour für die Einschiffung der halben Zahl für nötig erklärte. Die Einschiffung und die Ausschiffung würden weit weniger Zeit in Anspruch nehmen, als dafür angenommen worden sei. Nachdem sich Lord Roberts eingehend über diesen Punkt verbreitet und auf die verschiedenen verwaltungstechnischen und strategischen Vorteile hingewiesen hatte, durch die es Deutschland möglich sein würde, der englischen Flotte zu entgehen und eine Invasion auszuführen, fuhr er fort: Es wäre eine Torheit, unsere Augen diesen Möglichkeiten gegenüber zu verschließen, so sehr wir den Frieden wünschen. Tie warnenden Ereignisse im nahen Osten brachten es dem sorglosesten Beobachter zum Bewußtsein, daß nichts ein Land zu retten vermag, daS.für seinen Schutz nicht vorbereitet ist. Weder Bündnisse noch Verträge sind von Nutzen. Wenn wir fortsahren, die gewöhnlichen Vorsichtsmaßregeln zu vernachlässigen, so können wir uns eines TageS in den Händen einer eingedrungenen Macht befinden und gezwungen sein, unS den demütigendsten Bedingungen zu unterwerfen. Die Gefahr wird mit jedem Tage drohender. Innerhalb zehn Jahren hat Deutschland die größte Seemacht geschaffen, die anker der auaenblicklick furchtbaren enalif&en Klottenmacht
Dienstag
jemals bestanden hat. Wenn die ausgezeichneten gesetzlichen Maßnahmen für eine weitere Verstärkung der deutschen Seemacht getroffen werden, so werden keine Häken in der Welt besser auSgestattet sein als die deutschen Nordseehäfen und die Handelsmarine wird mit jedem Tage wirksamer werden. Um eine Invasion ausführen zu können, muß eine Nation nicht notwendig die Herrschaft zur See besitzen; eine zeitweise oder lokale Beherrschung würde genügen. Dies ist den Deutschen sehr wohl bekannt und es kommt nicht darauf an, wie stark unsere Flotte sein kann. Das Haupterfordernis ist ein starkes Landheer, ein Heer aus Bürgern, das aus einer Million Mann bestehen sollte. Jenseits des Meeres lebt ein Volk, daS über 60 Millionen Menschen zählt, die unsere stärksten Nebenbuhler im Handel sind und die die größte Heeresmacht der Welt besitzen; sie fügen zu einer überwiegenden Militärmacht eine Flotte hinzu, die sich entschieden und schnell vergrößert hat, während wir keine entsprechenden militärischen Gegenmaßregeln getroffen haben.
Lord Cromer sagte, er berufe sich mit Nachdruck auf die Mahnungen, die er über die Möglichkeit eines Krieges bereits früher ausgesprochen habe. Die jüngsten Ereignisse hätten gezeigt, daß diese Warnung notwendig war, und daß ein Volk, das sich nur auf die See verläßt, um sein Eigentum zu schützen, sehr töricht handle. Lord Roberts habe eine authentische Erklärung der Negierung über die Frage einer Invasion verlangt. Er (Cromer) zweifle daran, ob es in diesem Augenblick für die Regierung passend wäre, eine solche Erklärung abzugeben. Durch die elektrischen Entladungen, denen die Nerven Europas von den verschiedensten Seiten in jüngster Zeit ausgesetzt waren, sei eine ziemlich hohe Spannung erzeugt worden. Eine solche Erklärung wäre nicht dazu geeignet, untere eigenen Nerven oder auch der anderen zu beruhigen. Die Spannung hätte zwar nachgelassen, aber sie wäre noch nicht vorüber. Er begrüße, die im deutschen Reichstage abgegebenen Erklärungen, gegen alles, was nach einer Feindseligkeit England gegenüber aussehe. Aber wenn England dieses Gefühl auch erwidere, so befreie dies Eng'and doch nicht von der Verpflichtung, ein hinreichend stackes Landheer und eine hinreichend starke Flotte aufrechtzuerhalten.
Im Namen der Regierung antwortete der Staatssekretär des Kolonialamts Earl os Crewe: Lord Roberts habe mit seiner Resolution einen sehr ernsten Schritt getan und der Ernst dieses Schrittes sei durch Lord Cromers Rede nicht gemildert worden. Die parlamentarische Erörterung eines solchen Gegenstandes sei eine ernste Angelegenheit, weil es schwierig sei, eine solche Erörterung so zu leiten, daß sie außerhalb nicht zu ernstlichen Mißverständnissen Anlaß gebe. Er könne nur hoffen, daß ein solches Mißverständnis sich nicht ergeben werde. Redner verwies dann auf die Rede Campbell Bannermanns, in der dieser die Bezugnahme auf Frankreich in Balfours Erklärung von 1905 bedauerte und sagte, die Umstände seien heute andere; er möchte aber den Appell Campbell Bannermanns wiederholen, weil er das Gefühl habe, daß, wenn ein solcher Appell nicht erfolge, in der öffentlichen Meinung Englands und des Auslandes aus der Rede Lord Roberts sich (nicht unnatürlicherweise) Konsequenzen ergeben könnten, die von allen bedauert werden möchten. Was den Landesverteidigungsausschuß betreffe, so unterliegen dessen Anschauungen und Beschlüsse einer ständigen Revision. Crewe wies auf verschiedene seit 1905 gemachte neue Errungenschaften hin, wie drahtlose Telegraphie, erhöhte Schnelligkeit der Kriegsschiffe, Fortschritte im Bau von Unterseebooten, und meinte, das feien die wichtigsten Erwägungen, die man sich stets gegenwärtig halten müsse.
todnMMtf W^ 0er hie als WimM her Pserhe bezeichneten Krankheiten.
Der Begriff der Pferdeinfluenza um aßt zwei ihrem Wesen nach verschiedene seuclenhafte Trailstieiien der Pferde. Die eine dieser Krankheiten ist eine ansteckende Lungenbrustiell- entzüudung, und wird daher als Brustscuche bezeichnet. Die andere ist durch hochficberhaste Allgemeinerkrankung, durch Schwellungen der Haut und Augenschleimhaut sowie durch Entzündung der Magen- und Darmschleimhaut gekennzeichnet. Diese Krankheit wird als Pferdestaupe oder Rotlaufscuche oder« als Influenza im engeren Sinne bezeichnet. Zuweilen erkrankt ein und dasselbe Pferd gleichzeitig an Brustseuche und an. Pferdestaupe.
1. Die Brnstsenche.
Wesen. Die Brustseuche ist eine ansteckende Enl- zündung der Lunge und des Brustfells. Der Anstcckungsstoff ist zurzeit noch nicht sicher bekannt. Auch die Art und Weise der Ansteckung steht noch nicht fest. Vermutlich wird der Ansteckungsstoff durch die Atmungsluft und die Ausscheidungen, außerdem aber auch durch, Zwischenträger (Dünger, Streu, Personen usw.) von den kranken Pferden auf gesunde übertragen. Die Seuche tritt namentlich in den größeren Pferdebestäuden der Städte auf und zeigt gewöhnlich im Winter eine größere Verbreitung als im Sommer. Erkältungen, Uebcranstreugungen, Transporte erhöhen die Empfänglichkeit der Pferde für die Erkrankung.
Das einmalige^ Ueberstehen der Brustseuchc schützt die meisten Pferde gegen wiederholte Erkrankung. Die durch- geseuchten Pferde können jedoch noch viele Wochen nach der Genesung den Ansteckungsstoff auf gesunde Pferde übertragen.
Nach der Aufnahme des Ansteckungsstoffs werden die Erscheinungen der Brustseuche nicht sofort sichtbar. Zwischen dem Eindringen des Ansteckungsstoffs in den Körper und dem Auftreten der ersten offensichtlichen Krankheilserscheinungen liegt vielmehr eine verschieden lange sogenannte Inkubationszeit, die vielfach fünf bis zehn Tage beträgt.
Merkmale an den lebenden Tieren. Die ersten Erscheinungen der Brust'euche sind gelbrote Färbung der sichtbaren Schleimhäute (Augenbindehaut, Maulschleimhaut), verminderte oder aufgehobene Freßlust, Verstopfung, Mattigkeit und in schweren Fällen Schwanken der Nachhand. Außerdem besteht Fieber; die Mastdarmtemperaiur steigt auf 40 bis 41°.
Sehr bald, schon in den ersten Tagen, tritt das Krankheilsbild der Lungenentzündung hinzu. Diese gibt sich zu erkennen durch matten Husten. Beschleuniauna und Er-
24. Novemver
schweruug der Atmung, rostfarbigen oder bernsteingelben Nasenausfluß, der zuweilen auch ausbleibt, und durch besondere, beim Beklopfen und Behorchen der Brustwandungen in den unteren Partien nachweisbare Veränderungen (Dämpfung, Trommelton, Unterdrückung der Atemgeräusche, Rasselgeräusche usw.)
Das Hinzukommen einer Brustfellentzündung wird durch Schmerzhaftigkeit der Brustwand (Stöhnen beim Betasten und bei der Bewegung), durch starke Atembeschwerde unb durch besondere, beim Beklopfen und Behorchen feststellbar« Veränderungen (horizontal verlaufende Dämpfung, Reibungs- geräuscht) bargetan.
Verlauf. Die Krankheit erreicht bei regelmäßigem Verlauf am fünften oder sechsten Tage ihren Höhepunkt. Von da ab sinkt die Fiebertemperatur rasch, der Appetit stellt sich wieder ein, die Munterkeit kehrt zurück, die Harn- absonderung ist auffallend reichlich und die Dämpfungen hellen sich auf; nach etwa einer Woche sind die meisten Krankheitserscheinungen verschwunden: Bis zur vollständigen Genesung vergehen jedoch, auch wenn die Krankheit in dieser milden Weise verläuft, mehrere Wochen.
Zeitweise nimmt die Krankheit einen sehr schweren Verlauf, namentlich bei schwächlichen Pferden und solchen Tieren, die, obwohl bereits erkrankt, noch zur Arbeit verwendet werden. Es treten in diesen Fällen gefährliche Nebenerscheinungen auf, die häufig zum Tode führen: Herzschwäche und Herzlähmung (80 bis 120 schwache Pulse, Herzklopfen), Lungenbrand (übler Geruch der ausgeatmeten Luit, Lungcnblutung), ©armenttünbung (Kolik, Durchfall), Gehirnentzündung (Krampfanfälle, Lähmung), Nierenentzündung (Eiweißharnen, Blutharnen). Andere Nebenerscheinungen und Nachkrankheiten sind: Sehnenscheidenentzündung (Lahmheit), innere Augenentzündung (Lichtscheue, flock ge Gerinnsel in der vorderen Augenkammer), Kehlkopf- pfeifen, Lungen- und Herzdämpfigkeit, Kreuzschwäche, Schweif- lähmung, Blasenlähmung, Mastdarmlähmung, Lähmung bei Rute.
In besonders milden Seuchengängen kommt endlich ein sogenannter abgekürzter Verlauf der Brustseuche vor; bii Krankheilsdauer beträgt dann nur einige Tage.
In den einzelnen Pferdebestäuden verläuft die Krankheit verschieden. Häufig erkranken innerhalb 8 bis 14 Tagen alle empfänglichen Pferde des Stalles, sodaß die Seuche nach etwa sechs Wochen vollständig wieder erloschen ist. In anderen Fällen ist die Verbreitung unregelmäßig und sprunghaft ; der Seuchengang kann dann in einem größeren Pferde- bestande niedere Monate andauern.
Die Häufigkeit der Todesfälle bei der Brustseuche wechselt, jedenfalls ist sie aber viel höher als bei der Pferde- staupc (Rotlaufseuche, Influenza im engeren Sinne); sie beträgt im Durchschnitt 4 bis 15 Proz.
Merkmale an den toten Tieren, Die Entzündung der Lunge erstreckt sich in der Regel auf die mittleren, unteren und die in der Nähe der Lungenwurz«! gelegenen Teile. Die Ausbreitung der Entzündung ist verschieden ; bald sind größere Abschnitte der Lungen, bald kleinere Herde in Form von Knoten erkrankt. Auch der Grad der Lungenenizündung zeigt Abweichungen. Im allgemeinen weist die Lungenentzündung einen blutigen Charakter auf, der häufig zu einem Absterben' der betreffenden Lungenteile führt. In den leichten Graden sind die entzündeten Lungenteile braunrot, luftleer, auf dem Durchschnitt glatt und glänzend, anfangs feucht, später trockener und derb anzufühlen. In den schweren Graden sind sie schwarzrot (Blutungen), auf dem Durchschnitt körnig und derb anzu- fühlen. Die abgestorbenen Lungenherde sind graugelblich; aus den abgestorbenen Herden können sich brandige Höhlen oder Eiterherde in der Lunge entwickeln.
Die Entzündung des Briistfells äußert sich in Rötung und Trübung, in der Auflagerung gelblicher, geronnener, abziehbarer Massen und in der Ansammlung einer meist trüben, rotgelben oder schmutzig graugrünen, mit Flocken vermischten Flüssigkeit im freien Raume der Brusthöhle (bi# zu 30 Liter und darüber).
Außerdem findet man entzündliche Veränderungen an der Nasen-, Kehlkopf- und Lufli öhrenschleimhaut, sowie Veränderungen am Herzen, an der Leber, an der Milz und an den Nieren.
Wenn in einem Pfcrdebestande zwei ober mehr Pferde gleichzeitig ober bald hintereinander unter den oben beschriebenen Erscheinungen erkranken, wenn mithin ein ansteckender Charakter der Lungenentzündung dargetan ist, muß angenommen werden, daß die Brustseuche ausgebrochen ist. Bei vereinzelten Fällen von Lungenentzündung ist namentlich dann anzunehmen, daß Brustjeuche vor-, liegt, wenn sie mit Gelbfärbung der Schleimhäute, rostfarbigem Nasenausfluß und schweren Allgemeinerscheinungen (hohes Fieber, Schwankens verlausen und andere Ursachen der Lungenentzündung sich nicht nachweisen lassen. Die nicht unter den Begriff der Brustseuche fallenden, nicht ansteckenden, durch andere Ursachen bedingten Lungenentzündungen entstehen nach dem Eindringen von Fremdkörpern in die Lunge (Eingüsse bei Kolik, Verschlucken bei Halsentzündung und Gehirnentzündung), nach äußeren Verletzungen und Quetschungen der Brustwand, nach längerem Hochbinden und anhaltendem Liegen der Pferde, nach Erkältungen, durch Einatmung von Rauch sowie im Verlaufe der Blutvergiftung im Anschluß an eitrige Entzündungen und verunreinigte Wunden.
Der Verdacht der Brustseuche liegt schon bei jedem Pferde vor, das ohne nachweisbare äußere Veranlassung (Eindringen von Fremdkörpern, Hochbinden, Verletzung, Erkältung, Rauch- einatmung, Blutvergiftung) auch nur einige der nachstehend aufgeführten Krankheitserscheinungen zeigt: Husten, Fieber, Mattigkeit oder Schwanken, gelbrote Färbung der Schleimhäute, rostfarbigen Nasenausfluß, beschleunigtes und er» schwertes Atmen, Dämpfung und unterdrücktes Atemgeräusch in der Luna«.