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Drittes Matt.

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v^ichrlich 1,80 Mk., mimÄich 60 Pf^, für au«.

»Mee 9»»ax«tet mit bem b«tr«jj«d« PestauMq^ Die emgelm Stummer testet 10 Pf^

Äeteibelbnid! imb Verlag bet Buchdruck«^ bei Berthe. M Baiieuboufel üt Hanau.

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Amtliches GkW für Alldt- aal AMreir Sanaa.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 273

Fernsprechanschlittz Nr. 605

Samstag den 21. November

Ferttsprechanschltttz Nr. 605

1908

Amtliches.

Stadtkreis F)anau.

Am 1. Dezember v. I. findet im preußischen Staate eine außerordentliche ViebzälftttNsl Heiteren Umfanges statt.

Ku diesem Zwecke werden in der Zeit vom 29. bis 30. d. Mts. jedem Haus- bezw. Geböftevorstande die erforder­lichen Zählpapiere zur Ausfüllung tuaeftent.

An die Einwohnerschaft ricbien wir die dringende Bitte, die Herren Zähler, welche das Amt eines Zählers als Ehren­amt übernehmen, durch möglichstes Entgegenkommen in der Erfüllung ihres mühevollen Amtes unterstützen zu wollen.

Bemerkt wird hierbei, das; die Mehzähttmst nicht, wie immer noch vielfach irrtümlich anfle- nommen wird, zu irgend welchen steuerlichen Zwecken erfolgt.

Die Abholung der Zählpapiere wird am Morgen des 2. Dezember d. Fs. erfolgen und ersticken wir, dieselben zu diesem Zeitpunkte vollständig und wahrheitsgetreu ausgefüllt bereit zu halten.

Hanau ben 11. November 1'908.

Der Magistrat.

Hild. 24203

Ansprache an die Bevölkerung

über die

Bedeuttmg und die Ausfülnuna der Viehzählung am 1. Dezember 1908.

Am 1. Dezember dieses Jahres finbet in Preußen eine au^erordentlick? Viehzählung kleineren Umfanges statt.

Folgende Viehgattungen werden gezählt;

1. die P f erd e, und zwar gesondert nach folgenden Grupven: a) die unter 3 Jahre alten Pferde, ein­schließlich der Fohlen, b) die 3 bis noch nicht 4 Jahre alten Pferde, einschließlich der Militärpferde, o) die 4 Fahre alten und älteren Pferde, einschließlich der Milüärpferde;

2. das Rindvieh, und zwar a) die unter 3 Monate alten Kälber, b) das über 3 Monate bis noch nicht 1 Fahr alle Jungvieh, c) das 1 bis noch nicht 2 Fahre alte Jungvieh, d) die 2 Fahre alten und älteren Bullen, Stiere und Ochsen, e) das 2 Fahre âst' und ältere Rindvieh weiblichen Geschlechts (Kühe, Färsen, Kai''innen);

3. die S ch a f e, und zwar a) die unter 1 Fahr alten Schafe, einschließlich der Lämmer, b) die 1 Fahr alten und älteren Schafe;

4. , die Schweine, und zwar a) die unter Ue Jahr alten Schn'eine, einsckließlich der Ferkel, b) bie //« bis noch b. j-i_____r»n»»ir._______________________I--»u».»^.-!nr........

Feuilleton.

Ein Sna im InAc ist den Toten frei.

Von Käte Subowski

Nachdruck verboten.

Auf dèn kühlen Sommer war ein warmer, sonniger Herbst gefolgt. Als der Gutsbesitzer Karl Fliest an einem klaren Nooembertag sein Feld ablief und inne ward, daß es nichts mehr barg, als ben Keim, den der Wind ans der überreifen Aehre zwischen die Stoppel gejagt hatte, seufzte er tief. Da lagen die Sieder und warteten, daß er dort, wo der Lehm kalt und spröde war, mit künstlicher Kraft nachhelfe und siehe, es war kein Geld vorhanden, um solche zu erstehen. Geld aber mußte er schaffen.

Im Liergartenviertel zu Berlin wohnte der Mann, ber dem strebsamen Karl Fliest den jetzigen Besitz Züllau überlassen hatte. Auch der ihm gehörenden, angtenzenden beiden Güter entäußerte er sich bei passender Gelegenheit. Der dunkle pommersche Boden verlangte viel Schweiß und Mühe und enttäuschte das Kind der Großstadt schwer. - Der Gutsbesitzer Fliest wollte jetzt bei thut seine Zuflucht nehmen. Keiner kannte so genau die Tücken dieses Bodens wie der frühere Besitzer und er hatte ihm damals und) der Uebernahme ein paar hübsche Worte vonVertrauen haben und überzeugt sein, daß er es schaffe gesagt.

Darauf konnte sich der reiche Mann aber beim besten Willen nicht mehr besinnen, als Karl Fliest ihm, drei Tage nach dem gefaßten Entschluß, ihm seine Bitte vortrug. Er lächelte ein wenig mitleidig unb antwortete etwas ganz Richtiges : Denken Sie, wenn jeder der Käufer mit dem gleichen Anliegen zu mir käme - nicht wahr, eie müssen auch bei dem bloßen Gedanken lachen - na also das ist ausgeschlossen! Aber ein Maschen Sekt wollen mit zusammen trinken. Nein?! Das tut nur aufrichtig leid, den» ich schütze Sie. »A propos", ich hätte es ja auch gar

nicht 1 Jahr alten Schweine, c) die 1 Jahr alten unb älteren Schweine.

Auf die genaueste Beantwortung der Fragen nach den Unterabteilungen der einzelnen Viehgattungen muß besondere Sorgfalt verwendet werden, da nur hierdurch eine ausreichende Kenntnis der Zusammensetzung und der vor- oder rückwärts schreitenden Entwickelung des Viehstandes gewonnen werden kann. Diese Kenntnis ist für viele wirtschaftliche Zwecke, so u. a. für alle Maßnahmen zur Förderung der Viehzucht, unentbehrlich; die Angabe der Gesamtzahl für die einzelnen Viel'gattungen genügt zu derartigen Zwecken niemals.

Die Zählung erfolgt wie im vorigen Jahre wieder nach Haushaltrmsten (also nicht wie früher nach Gehöften).

Feder Hansbaltungsvorsteher ober sein Stellvertreter hat das ihm gehörende ober unter seiner Obhut befindliche Vieh, welches in der Nackt vom 30. November bis tum 1. Dezember 1908 auf dem Gehöfte, wo er wohnt, steht, nach Maßgabe der Zählkarte zu zählen und in diese wahr- heitsgeire« einmtragen.

Für Vieh, dessen Besitzer nicht auf dem Gehöfte wohnt, z. B. bei Penstonsstallungen, Droschkenpferden u. dgl. ist da, wo es steht, von dem Pensionsinhaber oder dem Hauswirte eine besondere, auf den Namen des Viehbesitzers lautende Zählkarte nuszustellen; es darf also nicht einer anderen vieh­haltenden Haushaltung hinzugerechnet werden. Ebenso sind in Gutsbezirken für das Vieh des Gutsbesitzers, welches in Vorwerken eingestellt ist, auf den Namen des Besitzers lautende besondere Zählkarten nuszufertigen. Dieses Vieh darf eben­falls nickt beim Hauptgute gezählt werden, sondern nur da, wo es steht. Gleiches gilt für das Leutevieh. Ist dieses auf dem Gute in einem Stalle gemeinsam unlergebracht, so müss-u auch diese Tiere getrennt in auf den Namen des be- treffenben herrschaftlichen Tagelöhners lautende Zählkarten ein- getraaen werden.

Ausgenommen von der Aufzeichnung sind nur diejenigen Viehstücke, die vorübergehend anwesend sind (also z. B. Pferde in der Ausspanne u. dgl.). Derartige Vieh- stücke sind durch den Haushaltungsvorstand zu zählen, bei dessen Haushaltung sie sich r e g c l m ä ß i g e r w e i s e be­finden, von der sie also am Zählungstage nur vorübe r- gehend abwesend sind.

Am 1. Dezember gekauftes Vieh hat stets der Ver­käufer, nicht der Käufer anzugeben.

Schlächter (Metzger) und Händler haben auch das bei ihnen stehende, zum Schlachten oder zum Verkäufe bestimmte Vieh anzugeben, es sei denn, daß es erst im Laufe des 1. Dezember gekauft ist; trifft das letztere zu, so ist das Vieh nicht aufzuführen, da es bereits von dem Verkäufer angegeben worden ist.

Viehherden, insbesondere Schafherden, sind stets in der njcht können. Heute ist doch Totensonntag, und ich muß zu ben Gräbern der Eltern hinausfahren. Wie heißt's doch gleich in dem alten, sentimentalen Liede:Ein Tag im Jahre ist den Toten frei?"

Fliest ging taumelnd hinaus. Also umsonst gerungen und gehofft! Die alte drückende Sorge wälzte sich von neuem auf seine Brust. Er lief im Sturmschritt weiter, als wolle er dadurch das Ermatten der Kräfte hindern, an den fahlen Gruppen des Tiergartens vorüber, die stille Bellevuestraße hindurch, bis ihn der Tumult des Potsdanier Platzes hemmte. Er rastete ein Weilchen und schickte die Augen ver­wirrt in das scheinbare Durcheinander, das sich schließlich doch so überaus geordnet auflöste. Schon wollte er einen Augenblick zum Ueberschreiten der Fahrstraße benutzen, als ein Schrei an sein Ohr drang. Eine alte, vornehm aus- schende Dame hatte sich ein wenig vorschnell hinüberwagen wollen, war dabei auf dem schlüpfrigen Asphalt zu Fall ge­kommen und sah nun voller Entsetzen die Reihe der ver­schiedenen Fortbewegungsmitte! auf sich znjagen, einen Herz­schlag lang unfähig, emporzukommen.

Karl Fließ dachte nichts weiter, als daß er bt Greisin um jeden Preis helfen müsse. Mit ein paar Schritten war er an ihrer Seite, riß sie empor und trug sie fast auf den nahen Bürgersteig.

Sie erholte sich bald und dankte ihm herzlich.Ich alte, einsame Frau bin zwar niemand mehr sonderlich von Nutzen, aber cs hätte mir doch leid getan, Henn die Gräber meiner Lieben heute des Schmuckes hätten entbehren müssen."

Er musste nicht recht, ob ihr seine Begleitung angenehm wäre.

Sie las Unsicherheit und Wünschen in seinem offenen Gesicht unb klärte ihn mit seinem Lächeln darüber auf: «Wenn Sie nichts Besseres vorhaben, als mit mir zu matt« dern, sollte es mich herzlich freuen."

Da ging er mit ihr. Sie erzählte ihm, daß sie unver- mühst und ganz alleinstehend sei und nächstens ihren acht­zigsten Geburtstag feiere.

Darauf wurde auch er gesprächig. In ihren Augen lag ein gütiaer Schein, der ihm Mut machte. Er rollte den

Gemeinde' bezw. bem Gutsbezirke zu zählen, wo sie sich auf Weide ober in Fütterung befinden. In die Zählkarten ist der Name des Eigentümers einzutragen. Die Zählung be­wirkt der Hirt oder Pfleger. Ist ein solcher nicht vorhanden, so muß der außerhalb der Gemeinde usw. ivohnende Besitzer sein Vieh selbst zählen.

Die Ergebnisse der Viehzählmrg dienen den Zwecken der Staats- und Gemeindeverwaltung sowie zur Förderung wissenschaftlicher und gemeinnütziger Zwecke. Insbesondere soll festgestellt werden, ob durch die heimische Viehzucht die für die Volksernährung nötigen Fleischmengen gewonnen werden können. Zu Steuerzwecken werden die in den Zähl­karten enthaltenen Angaben in keinem Falle verwendet. Nach Feststellung der Ergebnisse durch das Königliche Statistische Landesamt in Berlin werden die Zählkarten vernichtet.

Die Erreichung des bedeutsamen Zweckes der Zählung hängt zum großen Teile von der Mithilfe der Bevölkerung ab. An diese wird daher die dringende Bitte gerichtet, das Zählgeschäft durch bereitwilliges Entgegenkommen den Zählern, Ortsbehörden usw. gegenüber zu erleichtern. Wenn auch die Zählkarten in erster Linie von den Haushaltungsvorständen oder deren Stellvertretern selbst auszufüllen sind, so bedarf es doch außerdem einer großen Zahl freiwilliger Zähler, die bei der Ausübung ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit die Eigen­schaft von öffentlichen Beamten besitzen. Es steht zu erwarten, daß wie bei früheren Zählungen so auch diesmal sich in genügender Zahl Männer finden werden, die bereit sind, dieses Ehrenamt zu übernehmen; sie würden damit dem allgemeinen öffentlichen Interesse einen 'vesent- lichen Dienst leisten.

Endlich ist noch in geeigneter Weise, namentlich durch Besprechung in den Gemeindeversammlimgcu und in den Schulen sowie durch die amtlichen Blätter und die Tages­presse welch' letztere sich durch Abdruck dieser Ansprache oder durch Verbreitung einer sonstigen entsprechenden Be­lehrung ihrer Leser ein großes Verdienst erwerben würde der Zweck der bevorstehenden Zählung zur möglichst allge­meinen Kenntnis zu bringen. Namentlich würde darauf hinzuweisen sein, daß die in den Zählkarten enthaltenen An­gaben lediglich zur Förderung wissenschaftlicher und gemcin- mütziger Zwecke, in keinem Falle etwa zu Steuer- zwecken dienen. Die Veröffentlichung der Ergeb­nisse wird so gehalten werden, daß die Angaben des ein­zelnen HaushaltuttgsvorstandeS darin in keinem Falle mehr erkennbar sind.

Die Aufbereitung der Ergebniffe der Zählung ist dem Königlich Preußischen Statistischen Landesamte in Berlin SW. 68, Lindenstr. 28, übertragen worden. Diese Behörde wird zur Behebung etwa auftauchender Zweifel bezüglich Stein seines Lebens langsam an ihren Blicken vorbei und zeigte ihr die müden Hände und das müde .Herz.

Sie tröstete ihn:Sehen Sie, nur ein Tag im Jahre soll den Toten frei sein all die anbeten gehören dem Leben. Leben aber ist Kampf." Wie eine Mutter redete sie zu ihm.Nur Mut haben! Rollen Sie Ihren Stein tapfer weiter. Wenn viele auf der Höhe liegen, beginnen Sie, sich ein Heim für Ihr Alter zu bauen."

Vor der Pforte des Friedhofes schieden sie voneinander. Einen Augenblick legte sie die Hand auf sein dichtes blondes Haar.Wir werden uns voraussichtlich nicht mehr wieder­sehen, Herr Fliest," sagte sie leise,aber es ist mir ein sehr lieber Gedanke, wenn Sie ein wenig später hierherkommen und nach meinem Grabe Wien wollten. Ich heiße Johanna Seldenbring."

Karl Fliest lebte also kämpfte weiter. Er trug zahlreiche Püffe und Beulen davon, aber er unterlag doch nicht. Er hoffte, daß er es mit Gottes Hilfe schaffen würde; Da geschah ein Unglück. Sein einziger Bruder, der im Ostpreußischen Verwalter war, verletzte sich bei einem Sturz vom Pferde das Rückgrat und klopfte als siecher erwerbsunfähiger Mann um ein stilles Plätzchen bei ihm an. Nun galt es, wieder eine Hand mehr zu füllen und außerdem noch einen Diener für den Verunglückten zu halten.

Im Oktober nächsten Jahres stand es imLandwirt­schaftlichen Anzeiger" zu lesen: daß das Gut Zülkau so bald als möglich verkauft werden solle.

Es tarnen auch einige Reflektanten. Sie fuhren mit Hacke und Spaten auf dem Felde umher und zerwühlten das Erdreich. Zufrieden war indes kein einziger. Der eine wolUe warmen Sand, der andere Torf und Wald, ein dritter tadelte die . Beschaffenheit der Gebäude, ein vierter forderte wgar Park und Hochwild. So redeten und feilschten sie und zogen den Besitz herunter, bis Karl Fliest keinen mehr vor sichelest

Seine flot wat groß. Der Bruder mußte nach den, «uden. Er verkaufte sein Reitpferd, um da» zu ermöglichen, und wollte gerade ein Parzellieren versuchen, als wieder der . louembet heranzog und mit ihm der Totensonntag,