21, Novemder
Samsraq
Drahtnachrichten
Die unterbliebene Kundgebunss.
Berlin, 21. Novbr. Die Morgenblâtter melden: Man hatte vielfach erwartet, daß der Kaiserlichen Kundgebung im „RcichSanzeigrr* eine Kundgebung im Reichstage in der Donnerstagssitzung folgen werde. Eine solche Kundgebung war auch tatsächlich geplant. Der Präsident hatte aber nach seiner Besprechung mit dem Fürsten Bülow zur Bedingung gemacht, daß das HauS eine solche Erklärung zur Kenntnis nehme, ohne an dieselbe eine Debatte zu knüpfen. Dieser Bedingung sollen sich die Sosialdemokralen widersetzt haben, die anscheinend erklärten, baß sie die Diskussion beantragen werden. So unterblieb die Kundgebung.
Demonstrationen.
Oporto, 21. Novbr. Bei des König« Rückkehr von Coimbra nach Oporlo kam es zu Demonstrationen für und gegen ihn. Die Casos und die öffentlichen Plätze wurden von den Truppen geräumt; eS wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen und einige Personen verwundet. Die Ruhe wurde wiederbergestellt. Von den Verhaftungen ist keine aufrrchterhalten worden.
Sächsische Kammer.
Dresden, 20. Novbr. In der heutigen Sitzung der Zweiten Kammer erklärte der Präsident Dr. Mehnert die Nachricht, daß der Oberstudienrat Prof. Dr. Rühlmann Selbstmord verübt habe, als unwahr. Die Beratung der Wahlreform soll nach neueren Festsetzungen erst am 30. November beginnen.
Der Kronprinz von Rumänien in München.
München, 20 Novbr. Prinz Ferdinand von Rumänien ist heute früh von Wien kommend hier eingetroffen. Bald nach 9 Uhr stattete der Prinzregent dem Kronprinzen von Rumänien im Palais Hohenzollern einen Besuch ab. Später fuhr der Kronprinz nach der Residenz, wo er dem Prinz- regenten den neuen Hausorden überreichte, während der Prinz- regent den Kronprinzen mit dem Hubertusorden anszeichnete. Mittags fand zu Ehren des Kronprinzen Hoflafel statt.
Unfall eines französischen Kreuzers.
Paris, 20. Novbr. Aus Ajaccio (Korsika) wird berichtet, daß der Kreuzer „Condè" letzte Nacht auf einen Felsen ausgelaufen ist. Zwei Kreuzer sind damit beschäftigt, den „Condä" wieder flott zu machen. Ein Teil deS Kriegsmaterials des „Conbä" wird auf Leichtern gelöscht.
Erhebung n.
Santiago de Chile, 20. Novbr. Der Marine- minister ordnete Erhebungen an über dir Anlage von zehn neuen Leuchttürmen an der Magelhan-Straße und den benachbarten Schiffahrtskanälen an.
Wahlen.
Innsbruck, 20. Novbr. In der Reichsratsstichwahl für Innsbruck wurde der Sozialdemokrat Holzhammer gegen den Deutschfreiheitlichen Rohn gewählt.
Das Schloß Stolzenfels.
Koblenz, 21. Novbr. Angeblich soll das Schloß Stolzenfels aus dem Besitz des Kaisers für 5 Millionen Mark in Privatbesitz übergegangen sein.
Belohnung.
Wilhelmshaven, 21. Novbr. Der Amerikaner Hewat, der bei dem Wenfliegen in der Nordsee von dem Loolsenschooner von Hangeroog gerettet wurde, sandte an die Besatzung eine Belohnung von 600 Mark.
Blutsturz.
Esten (Ruhr), 20. Novbr. Der ReichstagSabgeordnete Hus erlitt nach der Rückkehr auS einer Bergarbeiter- versammlung in Bochum am Bußtage in seiner Wohnung in Essen-Rüttenscheid einen schweren Blmsturz.
Zum Grubenunglück.
Hamm, 21. Novbr. In den hiesigen Zeitungen veröffentlicht die Bergwerksgesellscha't Trier die Gesamtverlustliste. Die Liste enthält 341 Namen, darunter 260 Inländer und 81 Ausländer. Hiervon sind 226 katholischer, 114 evangelischer Konfession, einer ist Dissident. Bei den hiesigen Sammelstellen sind bisher rund 100 000 Mk. eingelaufen. — Gestern ist im katholischen Krankenhause wieder einer der Schwerverletzten gestorben. Damit hat sich die Zahl der nachträglich an ihren Verlegungen Verstorbenen auf fünf erhöht.
Münster, 21. Nov. Die Stadtverordnetenversammlung bewilligte für die Hinterbliebenen der auf Zeche Radbod Verunglückten 2000 Mk.
Esten, 21. Nov. Die Stadtverordnetenversammlung bewilligte für die Hinterbliebenen der auf Zeche Radbod Verunglückten 5000 Mk.
Die Krists im Orient.
Belgrad, 21. Novbr. Ein Belgrader Blatt meldet: Als Kronprinz Georg gestern nachmittag zu Fuß von seinem Palais nach dem Konak ging, begegnete ihm der österreichischungarische Gesandte Graf Forgach, ohne ihn zu grüßen. Der Kronprinz rief : „Es scheint, daß <^ic mich nicht kennen
I wollen". Darauf zog der Gesandte seinen Hut und wollt» I sich bei dem Kronprinz entschuldigen. Der Kronprinz kehrt» jedoch dem Gesandten den Rücken und ließ ihn stehen.
Alberti's Betrügereien.
Kopenhagen, 21. Novbr. Die Untersuchung gegen den früheren Iustizminister Alberti wird mit Nachdruck fortgesetzt. Während Alberti selbst durch allerlei planmäßige Ausflüchte die Aufklärungsarbeiten sehr erschwert, ist ersetzt gelungen sestzustellen, daß Alberli's Betrügereien allein gegen die Sparkasse des Seeländischen Bauernstandes etwa» über 16,5 Mill. Mark betragen.
Die englische Schankkonzession-bill
London, 20. Novbr. (Unterhaus.) Die dritte Lesung der SchankkonzeisionSvorlag« wurde heute mit 350 gegen 113 Stimmen angenommen. Premierminister Asquith erklärte hierzu, er wolle nicht zu prophezeien versuchen, welches Schicksal die Vorlage im Oberhause haben werde, er könne aber sagen, daß sie die wohlüberlegt, Meinung des Unterhauses darstelle. (Lauter Beifall bei den Ministeriellen.)
Italienische Militârforderungen.
Rom, 20. Novbr. Wie mitgeteilt wird, werden vom Parlament nach seinem Wiederzusammentritt 20 Mill. Lire für das Kriegsbudget gefordert werden; ein weiterer Kredit von 300 bis 400 Millionen soll ebenfalls vom KriegSmintst« beantragt werden.
Brtcslasten.
Ein alter Abonnent. Aus Ihrer gefl. Zuschrift ersehen wir mit Genugtuung, daß auch weitere Kreis« da» betr. Treiben richtig einschätzen, ähnlich« Zuschriften sind uns auch von anderer Seite zugegangen. AuS dem auch von Ihnen angeführten Grunde ist eine Wiedergabe vorläufig nicht angängig, doch ist es nicht ausgeschlossen, daß bei passender Gelegenheit auch eine Benutzung deS angesammelten Materials erfolgt.
Handwerker. Wenn Sie die Meisterprüfung nicht gemacht haben, dürfen Sie sich nur dann Meister nennen, wenn Sie vor dem 1. Oktober 1877 geboren sind, und ba< Recht, Lehrlinge anzuleiten besaßen, d. h. fünf Jahre hindurch persönlich das Handwerk selbständig ausgeübt hatten. Wenn Sie danach im Jahre 1903 schon Lehrlinge anlernen durften, erhalten Sie auf Antrag auch weiter da? Recht dazu. Wer in der Zeit vom 1. Oktober 1879 bis 1. Oktbr. 1884 geboren ist und das Recht zur Anleitung von Lehrlingen am 1. Oktober 1908 besaß, kann es von der unteren Verwaltungsbehörd« auch weiter verliehen bekommen.
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