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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 270 Fevnsprechanschüttz Nr. 605,

Sie ielltiseNmllmtt umfaßt außer -.MerhânBlstt 14 Seiten.

ElnitUches.

Handkrds Hanau. BekanntmAlW des .Auiglilsjeu Landratsamts.

Unter den Schweinen in Bergen ist die Schweineseuche festgestellt.

Hanau den 12. November 1908.

Der Königliche Landrat.

V 7555 I. A.: Hartmann, Kreissekretär.

Mit der Berichterstattung auf meine Verfügung vom 2. Oktober 1896, V 10719, betreffend Revision der Feuer­stätten, sind noch eine Anzahl der Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher im Rückstände. Ich bringe daher die Erledi­gung der gen. Verfügung mit ütägègev Frist wiederholt in Erinnerung.

Hanau den 14. November 1908.

Der Königliche Landrat.

V 7448 I. A.: Hartmann, Kreissekretär.

Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.

Die Althanauer Hospitalkasse hat 13000 Mk. als erst­stellige Hypoihek auszuleihen.

Anträge werden auf dem Dienstzimmer der unterzeichneten Kasse (Rathaus, 1. Obergeschoß) entgegengenommen,

Hanau den 14. November 1908.

Stadthauptkasse. 24239

Gefundene und verlorene Gegenstände 2C

Gesunden: 1 Firmenschild mit der Aufschrift Zigarren", 1 gewürfeltes Taichentucb sgez. I. M. L.) Verloren: 15 ungeschliffene 3 karätige Diamanten, 1 schwarze Onixbrosche. Zugelaufen: 1 brauner weißgefleckter Jagdhund.

Entlaufen: 1 rotbrauner Dachshund.

Hanau den 17. November 1908.

Politische Rundschau.

Dev Prinzvegent von Bayern ist an akutem Rhetimatismus der Hals- und Rückenmuskelu erkrankt. Da kein Fieber und keine Störuna des Allgemeinbefindens vor-

Feuilleton.

WÄWonjtrt M KtrAn^ü htt JiJtnillMit.

Am nächsten Sonntag (Totensonntag), abends 71 s Uhr, veranstaltet der Kirchenchor der Johanniskirche wieder ein Volkskirchenkonzert." Zur Erinnerung an den 100. Geburts­tag de' großen Tondichters Felix Mendelssohn-Bartholdy werden in dic'em Konzert fast ansschließlich Werke dieses genialen Meisters zum Vortrag kommen. Die in Chören, Soli, Orgelstückcu, allgemeinen Gelängen rc. bestehenden Nummern stellen unter sich einen besonderen Heilsgedanken dar und sind so ausgewählt, daß sie dem Ernst und der Bedeutung des Tages entsprechen.

'©er Kirchenchor der Johanniskirche löst in fraglichem Konzert eine doppelte Aufgabe. Einerseits wird den Zuhörern die innige und geHiblswarmc Touipracke Mendels­sohns nahe gebracht, andererseits verrichtet der Verein einen Akt der Dankbarkeit und Ehrerbietung dem Manne gegenüber, der mit musikalischen und lebensfrohen Glücksgabcu hauptsächlich die Poesie des Alten Testamentes tondichterisch geschildert hat. Den gesanglich, solistiscbeu Teil bestreitet Herr Konzert­sänger H. M ö l l e r - Marburg a. L. Im Besitze einer- gesunden, kräflig-m und gutgcickuUen Tenorstimme wird er zum Gelingen des Konzertes wesentlich beitragen^ und durch den Vortrag der Arie aus dem OratoriumElias .Dann werden die Gerechten leuchten" und der Kavasine für Tenor. .Sei getreu bis in den Tod" die Zuhörer erheben und stärken. Auch der Knabenchor wnd mit einem wirkungsvollen Ton­satz auf dein Programm vertreten sein. Die Begleitung der Gelänge (Chöre und Solls und auch der foliNische Teil bei - i gel liegt in den bewährten Handen des $$in Organisten C. j l t. Im Mittelpunkt des Abends steht eine fm$e, der Bedeutung des Taaes entinrectieude Aitivracke des Herrn Untrere B ä i.

Dienstag den 17. November

Handen ist, steht in einigen Tagen volle Genesung zu er­warten. Der Prinzregent macht täglich Ausfahrten und er­ledigt die Geschäfte in gewohnter Weise.

Ein portitsiiesisck-chinesischerZwischenfall. Ueber einen Konflikt zwischen China und Portugal wird demHamb. Fremdenbl." aus Lissabon telegraphiert: Zwischen China und Portugal ist ein ernster Konflikt ausgebrochen, weil China Ein­griffe in das Gebiet und den Küstenbereich der portugiesischen Be­sitzung Macao vornahm. China hestreitet, daß Macoo den Charakter einer portugiesischen Kolonie besitze und sucht eine im Jahre 1887 anerkannte portugiesische Oberhoheit über die sogenannten Dependeucen von Macao einzuschränken. Ein in Lissabon kinberufener Ministerrat beschloß die sofortige Ent­sendung von zwei Kreuzern, sowie Kanonenbooten nach Macao. Den Protest der portugiesi'chen Regierung beantwortete der Vizekönig von Kanton dahin, daß Macao nur eine beschränkte Konzession an Portugal darstelle und keine Jurisdiktion im Küstenbereiche und im Lande umfasse. Die Vorgeschichte des Konfliktes ist darin zu.suchen, daß Portugal sich auf das Ansuchen Chinas, ihm in dem Tatsu Maru-Streit mit Japan Unterstützung zu gewähren, da die Kaperung des Tatsu Maru in der Nähe von Macao ei folgt sei, ablehnend verhalten hatte. Portugal erkannte damals nicht an, daß derTatsu Maru" in portugiesischen Gewässern gekapert sei.

Die französische Depntiertenkammer verhandelte in ihrer gestrigen Sitzung über den Etat der Kolonien. Der Berichteistatter besprach die Entwicklung der französischen Kolonien unter der Republik. Der Flächeninhalt der Kolo­nien sei zwanzigmal so groß als der Frankreichs und ihre Bevölkerung betrage 36 Millionen. Der Redner bekämp'te die Behauptung, daß die Kolonien eine Ursache zur Schwäche Frankreichs seien. Sie würden verteidigt durch ein Kontingent von Eingeborenen und könnten sogar dem Mutlerlande ein Truppenkontingent liefern. Heute könne man an Neuerwer­bung von kolonialem Eigentum nicht mehr denken. Frank­reich und England hätten die Entente cordiale geschlossen und zwischen Frankreich und Deutschland bestehe ein Ab­kommen zur Festsetzung der Grenzen in Kamerun und am Kongo. Die Kolomalpolitik habe bisher nur die glück­lichsten Ergebnisse gezeitigt. Darauf wurde die allgemeine Sitzung geschlossen.

Englisches Unterhaus. Der Liberale Byle stellte in der gestrigen Sitzung eine Frage bezüglich der Erklärung des Premierministers Asquith über den Zweimächte-Standard und regte an, Großbritannnien möge unter Wahrung des jetzigen Stärkevervältnisses darauf bedacht sein, den anderen Mächten wenigstens Eröffnungen zu machen, die auf eine gegenseitige proportionale Verringerung der sich überbietenden Ausgaben für die Verteidigung zur See abzielen. Der Premierminister erwiderte, die anderen Seemächte seien über

Das ausführliche Programm, â 10 Pfg., dem noch eine kurze Biographie Mendelssohns beigegeben ist, berechtigt zum Eintritt in das Konzert. Von Donnerstag ab sind die Programme im Vorverkauf beim 1. Kirchendiener, Herrn Lehmann, B a n g e r t st r a ß e 2, zu haben. Die noch übrig bleibenden werden am Konzertabend am Eingang in die Kirche (â Stück 10 Pfg.) ausgegebeu.

Kunst und Heben.

K. Der Rhein Main-Berl and für Bolks- bildnnft hielt am (Sonntag nachmittag halb 4 Uhr im Gasthaus zumRiesen" in Wetzlar eine Versammlung ab, welche überaus zahlreich besucht war. Unter den Er­schienenen befanden sich Landrat Sartorius-Wetzlar, Bürger­meister von Zengen-Wctzlar, Kreisanu-manu Laugermann- Gießen, sämtliche Bürgermeister des K.eiseS Wetzlar, zahl­reiche Seiji er und Geistliche auS den Kreisen Wetzlar und Gießen. Sladlrat Michaeli, der Vorsitzende der Lesevereini- gung Wetzlar, führte den Vorsitz. Landrat Dr. Sartorius sprach über die zahlreichen sozialen Einrichtungen des Kr-Ues Wetzlar, z. B. Wanderkurse für Obstbau und Haushaltung, Gemeindekrankenpflege, Jugendspielkurse und Wanderbib­liotheken; -sie umfassm über 12000 Bücher und jede Gemeinde besitzt einen Bücherstock. Jetzt sei man auch da­ran, Volksunterhaltungsabende zu veranstalten. Bürgermeister von Sengen verspricht den Volkobildungsbet rebnngcn auch für die Folge die tatkräftige Hilfe der Stadt. DerBerbauds- geichrstssührer des Rhein-Mam-VerbandtS, Volk, gab feiner ^reube Ausdruck über daS tatkräftige Einsetzen der Volks- bildungsbesnebuugcn in Wetzlar und Braunfels und referierte dann über:Die Aufgaben und ArbeitSi8ligke.it der Volks- 'bilduugSarbeil für die ländlichen Gemeinden". Weiteste Kreise des Landes sollen der Errungenschaften der Wissenschaft, Forschung und Kultur teilhaftig werden. ©ie« acichicht durch das Vorlraaswesen. Unterhaltungëabenb-, Bibliotheken,

Ferusprechanschlutz Nr. 605. 1908

die Ansichten, denen die britische Regierung bezüglich der überflüssigen, den Steuerzahlern durch die einander über­bietenden Ausgaben für Schiffsbauten aufgebürdeten Lasten mehr als einmal Ausdruck gegeben habe, wohl unterrichtet. Im weiteren Verlaufe der Sitzung stellte Lonsdale (kons.) eine Anfrage, in der er die Notwendigkeit des sofortigen Baues weiterer Kriegsschiffe ersten Ranges betonte, damit derStandard", von dem Premierminister Asquith gesprochen habe, aufrecht erhalten werde. Lonsdale fragte, ob die Re­gierung beabsichtige, außer den bereits vor Schluß be3 Finanzjahres bewilligten Schiffen noch andere auf Stapel zu legen. Der Premierminister antwortete, nach Ansicht der Admiralität bestehe eine Notwendigkeit hierfür nicht und die Regierung habe nicht die Absicht, das für das Finanzjahr bereits sanktionierte Programm abzuändern.

Kaiser und Kanzler.

Berlin, 16. Novbr. DieNordd. Allgem. Atg." schreibt: Se. Majestät der Kaiser wird, wie wir hören, morgen vormittag im Neuen Palais den Vortrag des Reichs­kanzlers entgegennehmen.

Berlin, 16. Novbr. DerKöln. Ztg." wird telegraphiert: Die Lage ist heute unverändert so wie sie am Samstag war, d. h. es liegen noch keine bestimmten Anzeichen vor, wie sich der Kaiser zum Vortrag des Reichskanzlers zu stellen gedenkt. Es ist daher ganz zwecklos, wenn man in manchen Zeitungen eifrig nach Nachfolgern für den Reichskanzler sucht. Noch ist Fürst Bülow Reichskanzler, und wir glauben, daß er es bleiben wird, weil sich auch der Kaiser der Wucht der Gründe nicht entziehen dürfte, die heute gegen einen Wechsel im Amte des Kanzlers sprechen. Voreilig ist es aber auch, wenn von einigen Seiten die Lage schon so dargestellt wird, als ob alles schon in bester Ordnung sei. Man darf wohl an- nehmen, daß der Kaiser gegen die Erklärungm, die Fürst Bülow im Reichstage gemacht hat, keine Einwendungen er­heben wird; aber mit einem solchen schweigenden Hinüber- 9leiten über die große Tagesfrage kann sie nicht wohl er­ledigt werden. Wenn Fürst Bülow nach der Unterredung mit dem Kaiser vor den Reichstag treten und nicht mehr tun könnte, als seine letzte Rede in ihren wesentlichen Punkten wiederholen, so bürste er damit die bestehende Miß­stimmung nickt beseitigen, und er würde nicht mehr die nötig» Autorität besitzen, um an der Spitze der Geschäfte bleiben zu können. Hierüber kann Fürst Bülow keinen Augenblick im Zweifel sein, und er muß wissen, daß, wenn er nicht mehr bringt, seine Rolle ausgespielt ist und er zurücktreten muß. Was der Reichstag und was das Volk von ihm verlangen, das ist eine autorisierte Erklärung, die, soweit es bei Ver­sicherungen und Erklärungen möglich ist, die Bürgschaft dafür gibt, daß gewisse Erscheinungen der persönlichen Regierung sich in Zukunft nicht wiederholen werden. Für solche Er- Schriftenvertrikb, Heimatforschung und Unterstützung einzelner Personen mit besonderen Bildun'gsanlagen. Das VortragS- wesen einzelner Vereine Krieger-, Gemeibevereine usw. dient fast aussckließlich nur einem ausgeiprockenen Zweck. Der Rhein-Main-Verband hat allgemeine Bildungsziele. Zu den Vorträgen stehen Lichtbilder und Apparate und eine An­zahl Redner zur Verfügung. Die Volksunterhaliungsabende sollen das Tingeltangel und die zweifelhafte Bühnenliteratur beseitigen. Hierzu steht eine Theatertruppe aus den testen Kräften zur Verfügung. Die Vorstellungen wurden im ver­flossenen Winter von 90 000 Personen besucht. Durch diese Vorstellungen ist das Lesevebürsnis für klassische Stücke sc gestiegen, daß in mehreren Orten seit 4 Monaten VerkaufS- uicderlassuugen eingerichtet wurden, so gedenkt man der Schundliteratur und schlechten Kolportage Einhalt bieten zu können. Dies geschieht außerdem durch Ausgabe von Wanderbibliotheken. (Beifall.) Pfarrer Lic. Gombel-Reis- kircken sprach überVolkstum und Volksbildung." Er betont: Kultur und Volkstum müssen Freunde werden, sie müssen geistig in Einklang gebracht werden, das soziale Verständnis zwuckcn Stadt und Land ist noch nicht genug vorhanden. Um der Landflucht entgegen zu arbeiten muß die Industrie aufs Land verlegt, Kanäle und Bahnen müssen erbaut werden. Unser Volkstum wird vielleicht in lOO Jahren ein amerika­nisches Geschleckt sein, aber der Volkscharakter wird erhalten bleiben. Dem Volke muß der Wald und die Vogelwelt er» halten bleiben. >Beifall.) Theaterdirektor Hauser und Ge­schäftsführer Volk gaben Winke über Volksunterhaltungs­abende und Theatervorstellungen. Im Kreise Wetzlar sollen demnächst solche Abende abgchalteu werden. Pfarrer Schäßler-Blasbach fordert von ben Voltsbildungsbestrebungen Stärkung des religiösen Lebens, Rückgang des Materialist mus und der Alkoholberrschast. An die Vcrsamnilung schloß sich abends 6 Uhr ein VoUnnterhaltungsabend imRömischen Kaiser".