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Gcncral-Anzcigcr
Amtliches Grgsn für Stabb Mb fenbürtii Sanaa.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Beraeheertt, Redekie«! «. Gch,«ck«r Dl H«M
^L 263 ^ernsprechanschlich Nr. 605.
Montag den 9. November
Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1908
Amtliches.
Stadtkreis Hanau. BekmmtmachnnH.
Arbeit^tckende in der Zeit vom 31. Oktober bis 6. November 1908:
1 Ausläufer, 1 Bauschreiner, 1 Fabrikarbeiter, 1 KisieMchreiner, 5 Tagelöhner.
Gesncht wird 1 tüchtiger Schneidergeselle.
Im Monat Oktober erhielten Stellen zugewiesen: 1 Anstreicher, 2 Arb iter, 3 Bouschlosser, 1 Bonschreiner, 1 Erdarbeiter, 2 Fuhrknechte, 5 Hausburschen, 1 Küfer, 1 Mechaniker, 1 Metzger, 1 Möbelschreiner, 1 Pocker, 1 Schlosser, 5 Schneider, 3 Schreiner, 1 Silberschleifer, 3 Schuhmacher, 11 Taoelöhner, 6 landwirischafil. Tagelöhner, 4 Knechte, 3 Viehfütterer, 1 Gärtnereiarbeiter, 1 Monatsfrau.
Hanau den 7. November 1908. 23653
Städtische Arbeitsvermittelungsstette.
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 weißer Kinderpelz, 1 Griffelköcher, I feststehendes Messerchen mit Ledericheide, 1 rotes Portemonnaie mit 8 Pfg., 1 schwarzer Damenhandichuh (rechter). 1 Peitsche (abzuholen Freigerichtstr. 15 p. r.).
Gefunden: 1 goldener Tauring. Abzuholen bei der Armenverwaltung.
Verloren: 1 goldener Damenring mit großem Brillant, 1 Portemonnaie mit goldenem Trauring (gez. O. H.), 1 silberne Perlen-Halskette.
Zugelaufen: 1 schwarzer Rehpinscher m. Geschl.
Hanau den 9. November 1908.
Politische Rundschau.
Kundgebungen.
Lissabon, 6. Novbr. In Porto de Moz im Distrikt Beiria winden beule aus Anlaß der Gcmeindewahlen Kundgebungen veranstaltet. Als ein Demonstrationszug das Haus des Führers der Progressistenpartei, Dr. Crespo passierte, sielen Rcvolverschüsse, durch die zwei Personen gelölet und mehrere verwundet wurden. Dr. Crespo und seine Familie wurden veihaflet.
Zur Regelung der Schisfahrtsabgaben.
Berlin, 7. Novbr. Wie die „Nationalztg." hört, wird die Regierung demnächst an den Reichstag herantreten und eine authentische Interpretation des § 54 der Reichsversas- sung, der die Schiffahrtsabgaben regelt, fordern. Die Notwendigkeit einer authentischen Auslegung hat sich heraus-
Feuilleton.
IV. Wissenschaftliche Sitzung der Senckenbergischen Nalurforschenden Gesellschaft.
Frankfurt a. M., 7. November 1908.
Vorsitzender: Direktor Professor Dr. August Knoblauch.
Dr. E. Wolf sprach über:
„Der Wanderzug der Bögel."
Obwohl bei diesem Problem für uns bei weitem nicht diese materiellen Interessen in Frage kommen wie bei den Wanderungen der Fische, 'o spielt doch die Vogelwelt im Dasein des Menschen in vieler Hinsicht eine überaus wichtige Nolle, so daß cs uns nicht wundern darf, wenn diese Frage schon vor Dielen Jahrhunderten den Menschcugeist beschäftigte^
Von Aristoteles wissen wir, daß er die Herbst- und Früh- jahrswaiidci iingen vieler Vögel kannte, aber mit gleichem Eifer vertrat er die Ansicht, daß eine größere An-ahl dieser Tiere sich ui einem Winterschlaf zurückzichi, und dieies sonderbare Märchen hat sich bis zu den Zeiten Linnas erhallen, um erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts endgültig über Bord geworfen zu werd 'n. Nun ging man auch an die Lösung der beiden Kardmalfragen: „Wie z eht der Vogel?" und „Warum unter- nimmt er diese Wander, üge?" Bei der ersten Frage sind biS Beute die Ansichten geteilt. Namentlich durch G ä t k e, den Helgoländer Vogelwnrler, dem wir eine Menge von Ausschlüssen über das Phänomen des Vogelzugs verdanken, wurde die Auffassung vertreten, daß die Vögel in breiter Front von ihrem Geburtsort nach den Winterquartieren zögen; die weitaus aus- sichisvollere und durch ausgedehnte Beobachtiingen gestützte Meinung der übrigen geht bahnt, daß die Vögel besondere Zug- oder Wanderstrabcn haben, die ihren Lebenöverhältnissen
gestellt, weil die preußische Regierung meint, baß § 54 die Wasserstraßenabgaben nicht verbiete. Verschiedene angesehene Staatsrechtslehrer sind entgegengesetzter Ansicht. Inzwischen ist im Ministerium der öffentlichen Arbeiten die Vorlage über die Schiffahrtsabgaben auf dem Wege, fertiggestellt zu werden.
Die mecklenburgische Verfassungsfrage.
Schwerin, 7. Novbr. Die liberalen Vereine Mecklenburgs haben heute in den größeren mecklenburgischen Zei- hingen eine offene Petition veröffentlicht. In ihr wiesen sie auf das bittere Gefühl der Enttäuschung und die schwere Besorgnis wegen des Ausganges der Verfassungsverhandlungen hin, die durch die wiederholte ablehnende Haltung der Mehrheit der Ritterschaft in der Verfassungsreform hervorgerufen worden ist. Sie richten die Bitte an den Großherzog, mit fester Hand die Versuche abzuwehren, die einen Ausbau der Verfassung auf ständischer Grundlage hekbei- sühren wollen. Petitionen des gleichen Inhalts sind im ganzen Großherzogtum verbreitet, um, mit Unterschriften versehen, dem Landesherrn persönlich überreicht zu werden.
Die Wirren in Persien.
Teheran, 8. Novbr. (Petersb. Tel.-Ag.) In Bageschah fand eine außerordentliche Versammlung zur Beratung über die Wahlgesetze statt. Es nahmen an derselben viele Geistliche, Vertreter der Kaufmannschaft und sämtliche Minister teil. Im Namen deS Schahs wurde eine Rede verlesen, in der ausgeführt wurde, der Schah willige ein, die Konstitution zu geben; die Wahlgesetze seien fertig und den Provinzen zur Kenntnisnahme mitgeteilt, doch sei es aus Anlaß der großen Menge der eingegangenen Telegramme, die gegen die Wiederherstellung der Konstitution protestieren, wünschenswert, vorher die Ansicht der Bewohner der Hauptstadt zu erfahren. Die Anwesenden erklärten, die Konstitution stehe im Widerspruch mit dem heiligen Gesetze und protestierten gegen ihre Wiederherstellung. Der Protest wurde schriftlich aufgesetzt und mit Unterschriften und Siegeln versehen. Die Bevölkerung der Hauptstadt erblickt hierin einen Versuch des Schahs, sich der Erfüllung seiner Verpflichtungen zu entziehen.
Stimmnngsliild aus dem Reichstage.
(Von unserem parlamentarischen Mitarbeiter.)
Der Wein ist ein altes Sorgenkind der deutschen Gesetzgebung. Auf die Spezialgesetze von 1892 und 1901 muß jetzt schon wieder ein völlig neues Gesetz folgen. Die bisherigen Gesetze haben eine Rechtsunsicherheit geschaffen, die, wie die zahlreichen Prozesse der letzten Jahre dartun, immer größer geworden ist; die Kontrolle fehlte, und die Fälscher konnten nicht gefaßt werden. Die Lage des deutschen Weinbaus ist seit Jahren schlecht; die Konkurrenz des Auslandes, die Nebkrankheiten, die steigenden Löhne und Ausbaukosten haben ibn in eine schlimme wirtschaftliche Situation gebracht. am meisten zusagen, was mit der Erfahrungstatsache im Einklang steht, daß jeder Vogel am liebsten solche Wege zieht, die sich von seinem Geburtsorte so wenig als möglich unterscheiden. Hochgebirge und Wüsten sind für unsere Zugvögel nahezu unüberwindliche Hindernisse. Deshalb überqueren auch nur wenige Vögel die Alpen direkt, vielmehr wendet sich ein Teil vom Rhein in das Rhonetal, um dann das Mittelmeer zu überfliegen, die anderen gehen der Donau nach, um ihr Winterquartiere in Kleinasien aufzuschlagen. Viele unserer bekanntesten Vögel führt ihr Zug dem Nil entlang tief inS Innere von Afrika, sie überschreiten sogar den Aequator. Bei ihrem Zuge übertreffen sie sowohl an Ausdauer als an Schnelligkeit unsere Tauben bei weitem.
Noch schwerer ist die Frage zu beantworten, warum unsere Vögel diese Wanderzüge unternehmen. Sicher ist, daß ein großer Teil uns erst verläßt, wenn Kälte und Nahrungsmangel sie dazu nötigen. Sie werden in neuerer Zeit als die ursprünglich bei uns beheimateten Vögel angesehen und mit dem Namen Winterflüchter von den sogenannten Sommerfrischlern unterschieden, die nur während der Brutzeit bei uns weilen, um schon im Laufe des August wied-r zurückzuwandern, die also wohl nur deshalb ihr Heimatland, den Süden, auf kurze Zeit verlassen, weil sie für sich und ihre Brut nicht genug Nahrung finden würden.
Alle diese Fragen bedürfen noch weiterer Klärung und deshalb ist es sehr zu begrüßen, daß mit Hilfe der Regierung in Nositien auf der Kurischen Nehrung eine Vogelwarte errichtet wurde, die nicht nur durch Aufzeichnungen über den dortigen Vogelzug unsere Kenntnisse zu fördern sucht, sondern die jährlich Tausende eingefaugenc und wieher freigelassene Vögel mit einem Aluminiumring am Fuße zeichnet, der dem gleichen Zwecke dient, wie die besonnte Wildmarke, wodurch diese Station in den wenigen Jahren ihres Bestehens schon sehr interessante Ergebnisse erzielt hat.
Die Gesetzgebung, mit der setzt der Reichstag befaßt wird, soll wenigstens einige Quellen des Uebels verstopfen.
Der neue Entwurf entspricht in der Hauptsache einer Resolution, die der Reichstag im April 1907 mit großer Mehrheit angenommen hat. Er bringt die räumliche und zeitliche Beschränkung des Zuckerwasserzusatzes zum Weinmost, den Zwang, Lagerbücher zu führen und die Kontrolle durch Sachverständige im Hauptamt. Aber wie ein roter Faden zog es sich nahezu durch sämtliche vorgestrigen Reden; auch die Fassung dieses neuen Entwurfs ist in wichtigen Einzelheiten mißverständlich und unklar, und die Schwierigkeit, juristisch zuverlässige Formulierungen zu finden, betonte auch der Staatssekretär des Innern, Herr von Bethmann- Hollweg in seinen einleitenden Worten. Aber er gab doch der Hoffnung Ausdruck, daß das Gesetz jetzt endlich Beruhigung bringen und das alte Wort eine neue Bedeutung erhalten möge: in vino veritas--der Wein ist nicht gefälscht !
Die Parteien schicken ihre Weinsachverständigen vor; daS Zentrum den fränkischen Abg. Baumann, die Konservativen Dr. Rösicke, den der Zufall der Vertretung des pfälzischen Wahlkreises Kaiserslautern zum Weinsachverständigen ebenso gemacht hat, wie das Heilbronner Mandat den Abg. Naumann, die Nationalliberalen den oberbadischep Nationalliberalen Dr. Blankenhorn — die alten wiederholt schon gehörten Weinredner, die allerdings diesmal weniger Wünsche und Forderungen vorzutragen hatten, als Einzelkritik zu geben.
Der hessischeAbg. Dr. David vertratdie Sozialdemokratie, die sich in dieser Frage an der Seite der Reichstagsmehrheit befindet. Die Freisinnigen sind gespalten. Der Bremer Abg. Hormann befürchtet eine starke Schädigung deS WeinhandelS und eine Beengung der kleinen Winzer. Dr. Naumann dagegen stellte sich dem Entwurf durchaus sympathisch gegenüber, wandte sich aber zugleich mit großer Enrfchiedenheit dagegen, daß durch die an sich notwendige Lagerbuchführung dem Sleuerbeamten zu einer allgemeinen Reichsweinsteuer der Weg geebnet werde; der Flaschenwein werde dann sicher nicht der einzige Sydow-Wein bleiben. Dem freisinnigen Führer trat kräftig der nationalliberale Freiherr Heyl zu Herrnsheim zur Seite, der als letzter der Redner darauf aufmerksam machte, daß in einzelnen süddeutschen Staaten eine Weinsteuer bereits besteht und die württembergischen und di« badischen Winzer durch eine Reichsweinsteuer noch besonders belastet würden. Wie er mitteilte, hat Hessen im Bundesrat gegen die Steuer gestimmt. Von den Elsässern war der der Reichspartei angehörige Dr. Höffel mit dem Entwurf im allgemeinen zufrieden, während der ZentrumS- elsässer Dr. Weiterle darin ein Zurückweichen der Regierung vor dem großen Wcinhandel erblicken zu müssen glaubte.
Stadttheater in Hanau.
— Hanau, 9. Novbr.
„Alt-Heidelberg", Schauspiel in 5 Aufzügen von W. Meyer-Förster.
Die gestrige Vorstellung führte unserem Musentempel wiederum eine große Besucherzahl zu, so daß selbst der Orchesterplatz zu Sitzgelegenheiten für die Besucher hergerichtet werden mußte. Die Anziehungskrast dieses Bühnenwerkes hat sich somit auch hier wiederum bewährt, sie wird auch wohl noch auf lange Zeit fonbestehen, unterdessen manche anderen dramatischen Arbeiten unserer neueren Richtung in den Thcatcr-Rkpositorien verschwunden und der Vergessenheit anheimgefallen sind. Ueber „Alt-Heidelberg" ist schon so viel geschrieben worden, daß wir es füglich unterlassen können, uns ausführlicher in theoretische Erörterungen darüber zu ergehen. Das Reizvolle des Stückes ist der duftende Slimmungszauber, der über dem Ganzen ausgebreitet liegt t ein jugendlicher Prinz, der seine Jugend bis zum Jünglingsalter in kalter, nüchterner Abgeschlossenheit zugebracht hat, kommt nack> Heidelberg, tritt hier in den Kreis fröhlicher studentischer Ausgelassenheit, eine neue Welt geht vor ihm auf, zwei Mädcheuaugen itehmen sein Herz gefangen, jäh wird er aus diesem Kreise herausgeriffen und in die kalte Atmosphäre seiner Jugeiid zurückgefloßen. Trauer um verlorenes Jugendglück, die Sehnsucht führt ihn wieder auf Stunden zurück an die Stätte einstigen Glückes, Wiedersehen mit seiner Jugendliebe und schmerzvolles Absibiednehmen für immer. Dieses alles hat Meyer-Förster zu einem wunderbar ergreifenden «Stimmungsgemälde verwoben, und man vergißt dabei gerne, daß es in Wirklichkeit doch ganz anders ist. Der gestrigen Wiedergabe des Stückes an unserer Bühne sonnte man mit tLvannung cutgegensehen, wenn man bedenkt, bai' gerade „Alt-Heidelberg" bei früheren Aufführungen in den Hauptrollen mit erklärten Lieblingen deS Publikums herauskommen konnte. Wir führen hier nur den früheren